Local summary for ‘Full fingerprinting’:
| dieterwunderlich-de | frankfurt-interaktiv-de | gedichte-xbib-de | gedichtePortal-de | goethezeitportal-de | johann-wolfgang-goethe-de | literaturwelt-com | wikipedia |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0.030493 | 0.013679 | 0.026788 | 0.010259 | 0.025648 | 0.028498 | 0.027358 | 1.000000 |
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (dieterwunderlich-de):
Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main als Sohn des wohlhabenden, hochgebildeten Juristen Johann Caspar Goethe (1710 - 1782) und der Schultheissentochter Katharina Elisabeth Textor (1731 - 1808) geboren. Da der Vater zwar kaiserlicher Rat war, aber keine bestimmten beruflichen Verpflichtungen hatte, unterrichtete er seinen Sohn vorwiegend selbst. Mit fuenfzehn verliebte Johann Wolfgang Goethe sich in eine junge Kellnerin namens Gretchen und geriet durch sie in die Gesellschaft von Betruegern. Im Oktober 1765 reiste er nach Leipzig, um dort Jura zu studieren, wie es sein Vater wuenschte. Dort passte sich Goethe der anspruchsvollen Mode sowie der lockeren Lebensart des Rokoko an und verliebte sich in Anna Katharina ("Kaethchen") Schoenkopf (1746 - 1810), die Tochter seiner Wirtsleute. Schwer krank kehrte er 1768 in seine Heimatstadt zurueck und wurde dort u. a. von Susanne Katharina von Klettenberg gesund gepflegt, einer Verwandten seiner Mutter, die ihn mit dem Pietismus vertraut machte. 1770 setzte Goethe sein Studium in Strassburg fort; aber mehr als die Rechtswissenschaften fesselten ihn Medizin, Botanik, Chemie, Theologie und Philosophie. Wieder verliebte er sich; diesmal in die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion (1752 - 1813). Die Achtzehnjaehrige gab seinem (vermutlich platonischen) Werben nach, aber im Sommer 1771, nach der Promotion zum "licentitatus juris", verliess Johann Wolfgang Goethe Strassburg, ohne sich von ihr auch nur zu verabschieden. Im August 1771 eroeffnete er in Frankfurt am Main eine Anwaltskanzlei und setzte zugleich seine in Strassburg begonnenen literarischen Arbeiten fort. Ende Mai 1772 begann Goethe mit einem Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar. Dort lernte der Zweiundzwanzigjaehrige den pfaelzischen Sekretaer Karl Wilhelm Jerusalem kennen und besuchte mit ihm am 9. Juni einen Ball in Volpertshausen, an dem auch Charlotte Buff (1753 - 1828) und ihr Verlobter Johann Christian Kestner (1741 - 1800) teilnahmen. Goethe verliebte sich in die vier Jahre juengere Tochter eines Amtmanns, befreundete sich mit dem hannoverschen Gesandtschaftssekretaer Kestner und traf sich haeufig mit den beiden. Als er Charlotte dreist zu kuessen versuchte, begriff sie, dass sie Klarheit schaffen musste. (Sie heiratete Kestner.) Daraufhin reiste Goethe am 11. September ueberstuerzt aus Wetzlar ab. In Ehrenbreitstein besuchte er die Schriftstellerin Sophie von La Roche, deren sechzehnjaehrige Tochter Maximiliane ihm besonders gut gefiel. Maximiliane heiratete den mehr als doppelt so alten Kaufmann Peter Anton Brentano und zog mit ihm Anfang 1774 nach Frankfurt am Main. Obwohl die verheiratete Frau fuer Goethe unerreichbar war, umschwaermte er sie, und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann. "Goetz von Berlichingen", Urauffuehrung: 1774 "Die Leiden des jungen Werther": 1774 "Clavigo", Urauffuehrung: 1774 Im Fruehjahr 1774 schrieb Johann Wolfgang Goethe "Die Leiden des jungen Werther", ein Roman, der offenbar den Nerv der Zeit traf und deshalb innerhalb von kurzer Zeit in mehreren Auflagen erschien. Johann Wolfgang Goethe verlobte sich Ostern 1775 mit der Frankfurter Bankierstochter Anna Elisabeth ("Lili") Schoenemann (1758 - 1817), aber nach seiner ersten Schweiz-Reise von Mai bis Juli 1775 beendete er die von keiner der beiden Familien gutgeheissene Beziehung. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar (1757 - 1828), der am 3. September 1775 das Erbe seines frueh verstorbenen Vaters uebernahm, reiste kurz darauf zu den Eltern seiner Braut, Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt, besuchte bei dieser Gelegenheit auch den Dichter des "Werther" und lud ihn ein, nach Weimar zu kommen. Die Residenzstadt galt als "Musenhof", denn seine Mutter Anna Amalia, die Witwe des 1758 verstorbenen Herzogs Ernst August II. Constantin (eine Nichte Friedrichs des Grossen), hatte waehrend ihrer Regentschaft bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Geisteslebens nach Weimar geholt, so zum Beispiel 1772 Christoph Martin Wieland (1733 - 1813) als Erzieher ihrer Soehne Carl August und Bernhard. Am 9. November 1775 folgte Johann Wolfgang Goethe der Einladung und zog in ein Gartenhaus an der Ilm, das ihm Herzog Carl August uebereignete. Er erhielt das Weimarer Buergerrecht und wurde zum Geheimen Legationsrat ernannt. In Weimar befreundete Johann Wolfgang Goethe sich mit der geistvollen Frau Charlotte von Stein (1742 - 1827), der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb. Charlotte Albertine Ernestine von Schardt hatte als Fuenfzehnjaehrige eine Anstellung als Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar erhalten, sieben Jahre spaeter den herzoglichen Stallmeister Friedrich Josias Freiherr von Stein (1735 - 1793) geheiratet und innerhalb von zehn Ehejahren sieben Kinder geboren. (Arm und einsam starb sie am 6. Januar 1827.) Goethes ein Jahr juengere Schwester Cornelia hatte sich am 1. November 1773 mit dem Juristen Johann Georg Schlosser geheiratet, der mit ihrem Bruder befreundet war. Seit der schweren Geburt ihrer Tochter Maria Anne Louise ("Lulu") am 28. Oktober 1774 kraenkelte Cornelia. Vier Wochen nachdem sie mit einer zweiten Tochter - Catharina Elisabeth Julie ("Juliette") - niedergekommen war, am 8. Juni 1777, starb sie. Goethe trauerte sehr um seine geliebte Schwester. Ende November 1777 brach Johann Wolfgang Goethe zu einer Winterreise in den Harz auf. In Wernigerode suchte er Victor Leberecht Plessing auf, den Sohn des Superintendenten, um den ungluecklichen jungen Mann vor einem Werther-Schicksal zu bewahren. Dabei trat er allerdings nicht unter seinem richtigen Namen auf, sondern gab sich als Kuenstler aus Gotha aus. In Goslar besichtigte er das Bergwerk, um sich fuer die geplante Erschliessung der Erzvorkommen von Ilmenau kundig zu machen. Und am 10. Dezember bestieg er den tief verschneiten Brocken, was damals eine unglaubliche Leistung war. "Iphigenie auf Tauris", Urauffuehrung: 1779 Herzog Carl August von Sachsen-Weimar ernannte Goethe 1779 zum Leiter der Kriegskommission und des Strassenbauwesens. Im Herbst desselben Jahres reisten die beiden in die Schweiz. Sie fuhren zunaechst von Weimar nach Frankfurt am Main zu Goethes Eltern. Am 25. September besuchten sie Friederike Brion in Sesenheim, am naechsten Tag in Strassburg Lili Schoenemann, die inzwischen verheiratet war und ein sieben Wochen altes Kind hatte. In Emmendingen machten sie Goethes verwitwetem Freund und Schwager Johann Georg Schlosser ihre Aufwartung. Die Schweiz erreichten Goethe und der Herzog am 3. Oktober bei Basel. Der Mont Blanc bildete das suedwestlichste Zwischenziel ihrer Reise. Nur begleitet von einem einheimischen Fuehrer und ihrem Reitknecht Blochberg, der sich um den Maulesel mit dem Gepaeck kuemmerte, wanderten sie im November ueber den tief verschneiten Furka-Pass. Erschoepft uebernachteten sie im Kapuzinerdomizil von Realp, bevor sie zwischen den Maultierkolonnen der Pilger vom Urserental zum Gotthard-Hospiz aufstiegen. Kaiser Joseph II. erhob Goethe am 10. April 1782 in den Adelsstand. In diesem Jahr uebernahm er in Weimar die Finanzverwaltung und mietete ein Haus am Frauenplan, das er zehn Jahre spaeter von Herzog Carl August geschenkt bekam und bis zu seinem Tod bewohnte. 1783 und 1784 reiste Johann Wolfgang von Goethe noch zweimal in den Harz. Der Arbeitsbelastung und der entsagungsvollen Beziehung zu der verheirateten Charlotte von Stein entzog er sich, indem er in der Nacht zum 3. September 1786 unter dem Namen Johann Philipp Moeller heimlich nach Italien aufbrach. In Rom besuchte er Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters malte: "Goethe in der Campagna". Auch mit der Malerin Angelica Kauffmann (1741 - 1807) befreundete sich Goethe, der erst am 18. Juni 1788 nach Weimar zurueckkehrte. Seinen frueheren Freunden und Bekannten war er inzwischen entfremdet. Ihre Missbilligung steigerte sich durch sein skandaloeses Zusammenleben mit Christiane Vulpius (1765 - 1816), einer einfachen Arbeiterin in einer Manufaktur fuer kuenstliche Blumen, die am 11. Juli 1788 mit einer Bittschrift fuer ihren Bruder an ihn herangetreten war. Am 25. Dezember 1789 gebar sie den Sohn Julius August Walther, der als einziges ihrer fuenf Kinder bis 1830 am Leben blieb. (August von Goethe starb in Rom an Blattern.) Charlotte von Stein war ueber Goethes Verhalten verbittert und versoehnte sich erst 1801 wieder mit ihm. "Egmont", Urauffuehrung: 1789 Auf seinen eigenen Wunsch weitgehend von den staatlichen Aufgaben entbunden, beschaeftigte Johann Wolfgang von Goethe sich v. a. mit naturwissenschaftlichen Forschungen. 1790 reiste er ein zweites Mal nach Oberitalien. Im Jahr darauf uebernahm er die Leitung des Weimarer Hoftheaters (1791 - 1817). Als Begleiter des Herzogs wurde Johann Wolfgang von Goethe am 20. September 1792 Augenzeuge der Kanonade von Valmy, die im Rahmen des 1. Koalitionskriegs (1792 - 1797) stattfand, mit der Preussen und Oesterreich die Ausbreitung der auch von Goethe abgelehnten Franzoesischen Revolution verhindern wollten. "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus", sagte Goethe zu den Soldaten, "und Ihr koennt sagen, Ihr seid dabeigewesen." (Tatsaechlich hielten die Franzosen dem Angriff stand.) "Reineke Fuchs": 1794 Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren sich (abgesehen von einer gemeinsamen Teilnahme am Stiftungsfest der Hohen Karlsschule in Stuttgart am 14. Dezember 1779) am 7. September 1788 erstmals begegnet. Goethe hatte dem zehn Jahre juengeren Dichter zwar eine Professur am Lehrstuhl fuer Geschichte der Universitaet Jena vermittelt, aber naeher kamen sich Goethe und Schiller erst sechs Jahre spaeter, am 20. Juli 1794, nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft in Jena, wo Goethe einen Vortrag ueber die Urpflanze gehalten hatte. "Wilhelm Meisters Lehrjahre": 1795/96 "Hermann und Dorothea": 1797 Am 3. Dezember 1799 zog Friedrich Schiller nach Weimar und traf sich haeufig mit Johann Wolfgang von Goethe zum Gedankenaustausch. Fuer die Zusammenarbeit der beiden grossen deutschen Dichter praegte Heinrich Laube 1839 den Begriff "Weimarer Klassik". Leider war sie von verhaeltnismaessig kurzer Dauer, denn Friedrich von Schiller starb am 9. Mai 1805 an den Folgen einer jahrelang verschleppten Lungenentzuendung. Sein Tod bedeutete in Goethes Leben eine traurige und schmerzliche Zaesur. Friedrich Wilhelm Riemer (1774 - 1845) hatte 1803 eine Dachkammer in Goethes Haus bezogen. Auch als seine Aufgabe als Hauslehrer von August von Goethe beendet war, blieb er als Vertrauter und Sekretaer bei dem Dichter. Bei Jena und Auerstedt wurde die preussisch-saechsische Armee am 14. Oktober 1806 von Napoleon (1769 - 1821) besiegt. Die Franzosen nahmen Johann Wolfgang von Goethe gefangen, aber Christiane Vulpius gelang es, ihren Lebensgefaehrten rasch wieder freizubekommen. Daraufhin vermaehlte er sich am 19. Oktober 1806 mit ihr. Einige Monate spaeter verliebte sich der Siebenundfuenfzigjaehrige in Wilhelmine Herzlieb (1789 - 1865), die vierzig Jahre juengere Pflegetochter des Jenaer Buchhaendlers Karl Friedrich Ernst Frommann (1765 - 1837). (Wilhelmine Herzlieb wurde das Vorbild fuer die Figur der Ottilie in Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften".) "Torquato Tasso", Urauffuehrung: 1807 Als Napoleon sich anlaesslich des Erfurter Fuerstentags (27. September bis 4. Oktober 1808) in Preussen aufhielt, traf er sich dreimal mit Johann Wolfgang von Goethe (Erfurt, 2. Oktober; Weimar, 6. und 10. Oktober) und lud in nach Paris ein. "Die Wahlverwandtschaften": 1809 1812 begegneten sich Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad. Bettina von Arnim erzaehlt in einem ihrer Briefe, wie sie bei einem gemeinsamen Spaziergang in Karlsbad Hoeflingen des Kaisers begegneten und der Dichter zur Seite trat, waehrend der Komponist stur geradeaus schritt und anschliessend Goethes Unterwuerfigkeit kritisierte. Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte Johann Wolfgang von Goethe mit Marianne von Willemer (um 1784 - 1860), die seit September 1814 mit dem fuenfundzwanzig Jahre aelteren Bankier Johann Jakob Willemer verheiratet war, in Frankfurt am Main. (Marianne war 1798 als Komoediantin nach Frankfurt gekommen, und der bereits zweimal verwitwete Bankier hatte das Maedchen als Pflegetochter in sein Haus aufgenommen.) Goethes Ehefrau Christiane starb am 6. Juni 1816. "West-oestlicher Divan": 1819 "Wilhelm Meisters Wanderjahre": 1821 Fuenf Jahre spaeter verliebte sich der inzwischen zweiundsiebzigjaehrige Dichter in die siebzehnjaehrige Ulrike von Levetzow (1804 - 1899), die ihre Sommerferien mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern in Marienbad verbrachte und Goethe dabei erst kennengelernt hatte, obwohl er bereits seit laengerer Zeit mit ihrer Mutter Amalie befreundet war. 1823 liess Goethe ihr durch Herzog Carl August einen Heiratsantrag ueberbringen, aber Ulrike von Levetzow hielt das zuerst fuer einen schlechten Scherz und blieb zeitlebens unverheiratet. Ihren literarischen Niederschlag fand Goethes unglueckliche Liebe zu ihr in der "Marienbader Elegie". Der junge Schriftsteller Johann Peter Eckermann (1792 - 1854) half seinem Idol ab 1823 bei der Ausgabe seiner Werke und veroeffentlichte 1836 bis 1848 "Gespraeche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens". Nikolaus Lenau (1802 - 1850) verglich Goethe und Eckermann spoettisch mit einer Floete und einem Blasrohr, aber das ist wohl ebenso ueberzeichnet wie die Annahme, die beiden haetten eine Freundschaft auf gleicher Augenhoehe gepflegt. "Faust. Der Tragoedie erster Teil", Urauffuehrung: 1829 [Verfilmung] "Faust". Zweiter Teil: 1832 (Urauffuehrung: 1854) Im Alter von zweiundachtzig Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe am 22. Maerz 1832 in seinem Haus am Frauenplan in Weimar. Literatur ueber Johann Wolfgang von Goethe Peter Boerner: Johann Wolfgang von Goethe (Rowohlt-Bildmonographie) Sigrid Damm: Christiane und Goethe (Insel Verlag) Anja Hofer: Johann Wolfgang von Goethe (dtv portrait) Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel als die Liebe. Schillers und Goethes Buendnis im Spiegel ihrer Dichtungen Ruediger Safranski: Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Carl Hanser Verlag) Astrid Seele: Frauen um Goethe (Rowohlt-Bildmonographie) Die Beziehung Goethes zu Charlotte von Stein und Christiane Vulpius wird in einem Kapitel des Buches "Verfuehrerische Frauen. 11 Portraets" (Piper Verlag, Muenchen 2012) von Dieter Wunderlich dargestellt. Philipp Stoelzl drehte mit Alexander Fehling in der Titelrolle den Film "Goethe!", der am 14. Oktober 2010 in die Kinos kommen wird. Originaltitel: Goethe - Regie: Philipp Stoelzl - Drehbuch: Alexander Dydyna, Christoph Mueller - Kamera: Kolja Brandt - Schnitt: Sven Budelmann - Musik: Ingo Frenzel - Darsteller: Alexander Fehling, Miriam Stein, Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaussner, Henry Huebchen, Hans-Michael Rehberg, Axel Milberg u.a. - 2010; 100 Minuten
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (frankfurt-interaktiv-de):
Biographie - Johann Wolfgang von Goethe Johann Wolfgang von Goethe war ein Universalgenie. Er war gleichermassen Dichter, Schriftsteller, Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann. Goethe ist die Lichtgestalt der deutschen Literatur. Er praegte Sturm und Drang sowie mit Schiller die Weimarer Klassik. Er verfasste unzaehlige Gedichte, Dramen und Prosawerke. Mit der Tragoedie Faust schuf Goethe ein Menschheitsdrama von zeitloser Gueltigkeit und weltliterarischem Rang. Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie waren ihm immer auch Inspiration zu neuen Dichtungen. Weniger bekannt waren seine naturwissenschaftlichen Taetigkeiten, die ihm zeitweise wichtiger als die literarische Arbeit erschienen. Goethe entdeckte 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen. Biographie Johann Wolfgang Goethe (das "von" wurde ihm erst 1782 verliehen) wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und starb am 22. Maerz 1832 in Weimar. Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Kaspar Goethe und der Katharina Elisabeth studierte ab 1765 auf Wunsch seines Vaters in Leipzig und Strassburg Rechtswissenschaften. Nach Abschluss seines Studiums im Herbst 1771 arbeitete Goethe als Rechtsanwalt in Frankfurt. Doch Goethe widmete sich lieber seinem ersten Drama und schrieb einige Gedichte. Er arbeitete auch am kritischen Organ der Sturm-und-Drang-Bewegung, den "Frankfurter gelehrten Anzeigen" mit. Mit seinem ersten Roman "Die Leiden des jungen Werthers" und dem Drama "Goetz von Berlichingen" (beide 1774 erschienen) gelang dem 24-jaehrigen Goethe der literarische Durchbruch. 1775 folgte er dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer Hof, wo er politische Aufgaben (im Finanzwesen, Berg- und Wegebau) uebernahm. Spaeter bekam er die Leitung des Theaters und die Aufsicht ueber das Bildungswesen angetragen. In Weimar freundete Goethe sich mit Charlotte von Stein (1742-1827) an, der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb. 1776 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat, 1779 zum Geheimen Rat und 1782 wurde Goethe durch Kaiser Joseph II. geadelt. Im September 1786 unternahm er seine erste Italienreise. In Rom besuchte er die Maler Tischbein (der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters "Goethe in der Campagna" malte) und Kauffmann. Erst im Juni 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurueck, wo er sich mit Christiane Vulpius verlobte, die er 1806 auch heiratete. Von den fuenf Kindern aus dieser Verbindung ueberlebte nur der erstgeborene August (1789-1830). Goethe gab alle Staatsaemter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf. 1790 folgte seine zweite Italienreise. Die Zeit danach ist gepraegt durch die Zusammenarbeit mit Schiller. Die beiden entwickelten einen Stil, der als Weimarer Klassik bekannt wurde. Nach dem Tod Herders, Schillers und Wielands knuepfte Goethe neue Freundschaften, u.a. zu Humboldt, und beschaeftigte sich mit Fichtes Transzendentalphilosophie. 1804 wurde Goethe zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Auf dem Erfurter Fuerstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon kennen. Im gleichen Jahr gab er den ersten Teil des Faust heraus. 1812 begegnete er bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad den Komponisten Beethoven. 1815 unternahm Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein-Main-Gebiet. Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte er mit der verheirateten Marianne von Willemer in Frankfurt. Im Dezember 1815 wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut. Nach dem Tod seiner Frau Christiane (6. Juni 1816) zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich seinen Werken zu. Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte Goethe mit der Arbeit an "Wilhelm Meisters Wanderjahren", der "Italienischen Reise", seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit", und vor allem an Faust, der Tragoedie zweiter Teil, welche er 1831 beendete. Am 22. Maerz 1832 verstarb Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 82 Jahren. Seine letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Am 26. Maerz wurde er neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft beigesetzt. Seine bedeutendsten Werke: Goetz von Berlichingen (1774) Die Leiden des jungen Werther (1774) Iphigenie auf Tauris ((1786) Egmont (1788) Torquato Tasso (1789) Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) Faust, 1. Teil (1806) Dichtung und Wahrheit (Erinnerungen Teil 1-3 1811-13, 1830 Teil 4) Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816) Westoestlicher Divan (1819) Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) Faust, 2. Teil (1831) Im Internet unter Projekt Gutenberg sind viele der Werke Goethes zu finden. Bei amazon.de finden Sie Buecher ueber Goethe und natuerlich seine Gedichte, Dramen und Prosawerke.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (gedichte-xbib-de):
Goethe - Biografie & Lebenslauf Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main als J. W. Goethe; † 22. Maerz 1832 in Weimar; auch Goethe) ist als Dichter, Theaterleiter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen und Prosa-Werken gilt er als der groesste deutsche Dichter und ist eine herausragende Persoenlichkeit der Weltliteratur. Herkunft und Jugend (1749-1765) Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782), war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunaechst auf eine der besten Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schliesslich in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem geraeumigen Haus am Grossen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemaelden. Goethe (Gedichte) Reisezehrung Maechtiges Ueberraschen Sie kann nicht enden Reineke Fuchs - VII. Gesang Reineke Fuchs - X. Gesang 2 Weitere Texte von Goethe " Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe (* 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter Buergermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Ausser der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister frueh. 1758 erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken). Goethe wurde von seinem Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht im Reiten und Fechten. Schon frueh interessierte er sich fuer die Literatur, wobei er sein Augenmerk zunaechst auf Friedrich Gottlieb Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch begeisterte er sich fuer das Theater - so besuchte er waehrend der franzoesischen Besetzung 1759 haeufig das franzoesische Theater im Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart. Am 30. September 1765 verliess er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der Rechte aufzunehmen. Studium und Geniezeit (1765-1775) Von 1765 bis 1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hoerte dort die Poetikvorlesung von Christian Fuerchtegott Gellert und nahm an dessen Stiluebungen teil. Auch nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Kaethchen Schoenkopf und besang diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko (Gedichtzyklus Annette). Auerbachs Keller und die dort beheimatete Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er spaeter Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama Faust I aufnahm. - Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am 28. August 1768 nach Frankfurt zurueckzukehren. Frankfurt/Strassburg (1768-1770) Eine eineinhalbjaehrige, von manchen Rueckfaellen unterbrochene Genesungszeit folgte. Waehrend der Rekonvaleszenz wurde er liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter, Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen in Beruehrung. Im April 1770 verliess er Frankfurt, um dem Wunsch seines Vaters entsprechend in Strassburg sein Studium zu beenden. In Strassburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr widmete er einige Gedichte, darunter z. B. "Willkommen und Abschied", "Sessenheimer Lieder" und "Heidenroeslein". Frankfurt und Darmstadt (1771) und dann nach Wetzlar (1772) Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem Darmstaedter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben. Am 10. Mai 1772 ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Grosstante, Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Buergermeisters von Leipzig, wohnte. Nach der ungluecklichen Liebe zu Charlotte Buff verliess Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder. Er hatte gerade sein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Draengen seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessfuehrung sammeln. Goethes Vater hatte grosse Plaene mit seinem einzigen Sohn: Sein Ziel war es, ihn zum Schultheissen in Frankfurt zu machen. Daher hatte er seinen Sohn schon frueh mit Rechtsbuechern vertraut gemacht und ihn viel auswendig lernen lassen. Es war nicht so, dass Goethe das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen waere. Er war durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes, da er hoffte, sich daraus ein Bild ueber die Zustaende im Reich machen zu koennen. Er nahm Veraenderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte diese als Ganzes ueberschauen, war sich aber der Lueckenhaftigkeit seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und systematisch strukturierten und philosophisch begruendeten Gesetzen unter Beruecksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies laesst sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten. Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte es kaum als Ausbildungsmoeglichkeit. Denn zum einen war er gegenueber der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck der zerruetteten Verhaeltnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen 1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen er sich im Gasthof "Zum Kronprinzen" traf, nicht, dass diese etwas verbessern koennten. Ausserdem behauptet Goethe spaeter, als er Dichtung und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust. Nach dem Suizid des Gesandtschaftssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal fuer kurze Zeit nach Wetzlar zurueck. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein Suizid war fuer Goethe der Ausloeser, seinen Roman Die Leiden des jungen Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er in Gespraechen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun gehabt hatten, ergruendete. Der Roman wird ein grosser Erfolg und gilt als literarische Initialzuendung der Empfindsamkeit und der Sturm und Drang-Literatur. 1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruss. Weimar (1775-1805) 1775-1776 betreibt Goethe einen intensiven Briefwechsel mit Graefin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt. 1776 tritt Goethe als Geheimer Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem "Gartenhaus" (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen "Garten am Stern" bezeichnete er spaeter in seinen Tagebuechern als "untern Garten". Massgeblich beteiligt war er auch an der Planung des Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott haette mich zum Gaertner oder Laboranten gemacht, ich koennte gluecklich sein schreibt er in seinem Tagebuch. Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung. 1779 wird er zum Geheimrat befoerdert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre juengeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges Amt anzunehmen, war eine fuer politische Reformtaetigkeit. Goethe war innerhalb des Kabinetts verantwortlich fuer eine wachsende Zahl von Zustaendigkeiten. Politik blieb - auch nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst - ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte. In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu beschaeftigen. Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit Skepsis und uebergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Ruecktritt von seinem Amt als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befoerdert, am 2. Maerz 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwuerfnissen kam. Der Herzog vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792 schliesslich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan zum Nationalmuseum erklaert. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel zerstoert wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten neu). Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem Namen "Abaris", geworben von Johann Christoph Bode. 1777 Erste Reise in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise. 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schaedel. Reise nach Italien (1786-1788) Am 3. September 1786 verliess Goethe fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten Diener und Sekretaer Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe gab sich in Italien unter dem Namen "Filippo Miller" aus. Die ersten Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von Rom aus gab er den Naechststehenden Nachricht ueber seine eigentlichen Entschluesse und die Absicht, laengere Zeit in Italien zu bleiben. Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das beruehmte Gemaelde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der roemischen Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der "Hauptstadt der Welt" als Erfuellung eines Lebenstraumes - als "einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt". Er laesst sich als Kuenstler von der Monumentalitaet der antiken Bauten inspirieren (Pantheon, Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darueber hinaus beschaeftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel der abendlaendischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den "Roemischen Elegien" (1795) blickt der Begruender der deutschen Klassik wehmuetig auf sein Rom-Erlebnis zurueck und aeussert den Wunsch einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoss fuer die Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike Groesse anknuepft. 1788 bis 1805 Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich spaeter herausstellte, unter schweren Bandscheibenschaeden und Verwachsungen mehrerer Brustwirbel. 1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft dauerte bis zu Schillers Tod 1805. 1798 schrieb er die Elegie "Die Metamorphose der Pflanzen". Nach 1805 Im Jahr nach Schillers Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789 zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte. Am Rande des Erfurter Fuerstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau Christiane. 1817 begann er die "Geschichte seines botanischen Studiums" "Zeitschrift Zur Naturwissenschaft ueberhaupt, besonders zur Morphologie" (bis 1824). Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl Friedrich Zelter. Goethe starb am 22. Maerz 1832. Seine beruehmten letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Er wurde am 26. Maerz in der Fuerstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Roehr, Generalsuperintendent in Weimar. (...) Naturwissenschaftliche Arbeiten In der Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich zu beschaeftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor allem in Italien suchte er seine "Urpflanze". Sein wissenschaftlicher Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit wird die groesste Mannigfaltigkeit moeglich scheint heute allerdings wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht gilt seine Farbenlehre heute als wenig naturwissenschaftlich; gerade zu diesem Werk haben sich aber die bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts geaeussert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu diesem Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des Menschen mit den Affen war. Zu den naturwissenschaftlichen Spaetwerken Goethes gehoert die Spiraltendenz der Vegetation (1831), in welcher er aufzeigt, dass Lebendiges dazu tendiert, sich in Spiralen zu entfalten. Mehr Beachtung als die Einzelergebnisse in Goethes naturwissenschaftlichen Arbeiten fand die den Naturstudien zugrunde liegende Wissenschaftsmethodik (Goetheanismus), die sich, anders als die Naturphilosophie der Romantik, als empirisch (nicht spekulativ) versteht und die im Unterschied zum positivistischen Empirismus den Menschen nicht als externen Beobachter, sondern als innerhalb des Beobachteten und als zu diesem gehoerend behandelt. aus Diese Biographie basiert auf einem Artikel aus der freien Enzyklopaedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz fuer freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfuegbar.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (gedichtePortal-de):
Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.August 1749 in Frankfurt/Main als Sohn desKaiserlichen Rater Dr.jur. Johann Caspar Goethe und Catharina Elisabeth geboren. Da seine Eltern grossen Wert auf eine gute Ausbildung legten, bekam Goethe bereits im fruehen Alter Privatunterricht in Latein, Griechisch, Englisch, Italienisch und Schoenschreiben. Ein Jahr nach ihm kam seine Schweser Cornelia zur Welt. Im Jahre 1765 schrieb er sich in Leipzig zum Jurastudium ein und hoerte dort noch zusaetzlich Vorlesungen in Philosophie und Philologie, unter anderem auch bei Christian Fuerchtegott Gellert. Im Sommer 1768 erlitt er einen Blutstur, im Winter gleichen Jahres litt er an einer schweren Krankheit mit einer lebensgefaehrlichen Krise. 1770 wechselte er den Studienort und siedelte daher nach Strassbur. Dennoch lag sein Interesse weniger im juristischen Bereich, vielmehr besuchte er in erster Linie medizinische Vorlesungen. 1771 promovierte er zum Lizentiaten der Rechte und zog anschliessend nach Frankfurt, wo er als Rechtsanwalt zugelassen wurde. Im April 1775 verlobte er sich mit Lili Schoenemann, doch nur ein halbes Jahr spaeter wurde das Verloebnis wieder geloest. Im Juni 1777 starb seine Schwester Cornelia, zwei Jahre spaeter wurde er zum Geheimen Rat ernannt. Im April 1782 erhob Kaiser Joseph II. Goethe in den Adelsstand, nur einen Monat spaeter starb sein Vater. Im Maerz 1784 entdeckte Goehte in Jena den Zwischenkieferknochen am menschlichen Obergebiss. Im Jahr darauf begann er ein Studium der Botanik. Im September 1788 kam es in Rudolstadt zu einer ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Ein Jahr spaeter wurde sein Sohn Julius August Walther geboren, weitere vier Jahre spaeter folgte die Tochter Caroline, die jedoch nur kurze Zeit lebte.Im Maerz 1798 kreuzten sich die Wege von Goethe und Novalis. 1801 erkrankte er an Gesichtsrose. Zwei Jahre danach kam seine Tochter Kathinka zur Welt, doch wie seine erste Tochter lebte auch sein drittes Kind nur kurze Zeit. 1804 ernannte man ihn zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Praedikat Exzellenz. Im folgenden Jahr machte ihm mehrmals eine Nierenkolik sehr zu schaffen. Im Oktober 1806 heiratete er Christiane Vulpius. 1808 starb Goethes Mutter. Im Dezember 1815 wurde er zum Staatsminister ernannt. Ein halbes Jahr spaeter starb seine Frau Christiane nach schwerer Krankheit. Er selbst erkrankte 1823 an einer Herzbeutel- und Rippenfellentzuendung. Im Oktober 1830 starb sein Sohn August, Goethe erlitt nur einen Monat spaeter einen Blutsturz. Am 22.Maerz 1832 starb Goethe nach einwoechiger Krankheit.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (goethezeitportal-de):
Kuenstler- und Denkerenzyklopaedie Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) 1749-1765: Kindheit in Frankfurt Johann Wolfgang von Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Die Jahre 1749 bis 1765 sind Zeiten wohlbehueteter Kindheit und vielseitiger Ausbildung. Goethe wird als Sohn einer wohlhabenden, lutherischen Familie in eine Welt der Traditionen hineingeboren. Der Vater laesst seine Kinder reichhaltig, umfassend, vieles aber nur kurz anreissend ausbilden. Ziel ist eine universale Bildung, die alle Bereiche der Kuenste und Wissenschaften, mehrere Sprachen und Musikunterricht fuer Klavier und Cello umfasst. Spaeter kommt noch Tanz-, Fecht- und Reitunterricht auf die Kinder zu. Aber es gibt auch Theater- und Konzertbesuche. 1765-1768: Leipziger Studienjahre Im Oktober 1765 kommt Johann Wolfgang von Goethe zum Jura-Studium nach Leipzig. Das Studium betreibt er halbherzig. Mit einem stattlichen Budget von 1000 Talern jaehrlich fuehrt er ein gesellschaftliches Leben. Gottsched und Gellert lehren zu dieser Zeit in Leipzig. Goethe befasst sich lieber mit Theologie, Naturwissenschaft und Medizin, geht ins Theater, lernt radieren, kupferstechen und zeichnen bei Adam Oeser, einem Freund Winckelmanns. Goethe verliebt sich in Anna Katharina (Kaethchen) Schoenkopf. 1768-1770: Frankfurter Intermezzo Nach einer schwerer Krankheit kehrt Goethe Ende August 1768 nach Frankfurt zurueck. Erst im Winter 1769 fuehlt er sich wieder einigermassen gesund. In dieser Zeit ist Goethe auf der Suche, er besitzt keine feste Orientierung. Sein Studium ist noch nicht beendet und auch der Wunsch des Vaters nach einer Promotion noch nicht erfuellt. Insofern kann Frankfurt nur eine Zwischenstation sein. In diesen Monaten pflegt der kranke und genesende Goethe nicht nur den Umgang mit Pietisten wie Susanna von Klettenberg (1723-1774), sondern studiert hermetische Schriften und setzte alchimistische Versuche an. Ausserdem zeichnet und radiert er weiter. 1770-1771: Strassburg Ostern 1770 zieht der wieder genesene Goethe zur Fortsetzung des Studiums nach Strassburg. Nach nur einem Semester legt er das Kandidatenexamen ab, das eigentliche Studium ist damit abgeschlossen. Im Sommer 1771 beginnt er mit der Promotion. Diese wird jedoch von der Fakultaet abgelehnt. Er darf sich danach in einer oeffentlichen Disputation von juristischen Thesen um den Grad eines Lizentiaten bewerben. Dieser Titel galt eben so viel wie der Titel eines Doktor juris. Goethe erwarb ihn mit dem Praedikat "Cum applausu". Mehr interessieren ihn in dieser Zeit jedoch medizinische, botanische, theologische und philosophische Studien. Vor allem die Chemie ist seine "heimliche Geliebte". Anfang September 1770 trifft Johann Gottfried Herder in Strassburg ein. Goethe besucht ihn oft. Der um fuenf Jahre aeltere Herder erkennt Goethes Begabung und begeistert ihn fuer Natur- und Volkspoesie, fuer Homer, Ossian und Shakespeare. "Gross und bedeutend" nennt Goethe rueckblickend Herders Einfluss. Die beiden sollte eine lebenslange Freundschaft verbinden. Zur gleichen Zeit verkehrt der Student mit Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) und Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792). Gepraegt ist die Strassburger Zeit aber durch seine Liebe zu Friederike Brion (1752-1813). Goethe schrieb fuer sie Gedichte, beispielsweise das "Mailied" und "Willkommen und Abschied". 1771-1775: Wieder in Frankfurt Wieder in Frankfurt arbeitet Goethe als Rechtsanwalt am dortigen Schoeffengericht. Im September 1771 legt der junge Anwalt den Advokateneid und auch den Eid als Frankfurter Buerger ab. Nun stuende ihm eine Laufbahn offen, die auch in repraesentative oeffentliche Aemter fuehren koennte. Goethe richtet sich eine Kanzlei im Hause seiner Eltern ein und fuehrt Prozesse. Ende 1771 wird der "Goetz von Berlichingen" fertig, ein fuer den Sturm und Drang vorbildliches Schauspiel. 1772 beginnt Goethes eigentliche schriftstellerische Laufbahn als Rezensent der Frankfurter Gelehrten Anzeigen, dem bedeutenden publizistischen Organ des Sturm und Drang. Im Mai 1772 schickt ihn der Vater nach Wetzlar ans Reichskammergericht. Auf einem Ball in Volpertshausen lernt er Charlotte Buff kennen. Spaeter macht er auch die Bekanntschaft ihres Verlobten Johann Christian Kestner. Das Verhaeltnis der Drei wird durch Goethes Annaeherungsversuche getruebt und im September verlaesst er daraufhin Wetzlar. Auf der Rueckreise besucht er in Ehrenbreitstein Sophie La Roche und trifft dort deren Tochter Maximiliane. Goethe schreibt den "Werther" im Februar und Maerz des Jahres 1774. Es wird sein groesster internationaler Erfolg und sein aufsehenerregendstes Buch. Darin eingegangen ist der Selbstmord des Legationssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar. Dieser war im Herbst 1772 an der Liebe zu einer verheirateten Frau zerbrochen. Mit dem Erscheinen des "Goetz" und des "Werther" ist Goethe zur Symbolfigur des Sturm und Drangs geworden. Unmittelbar nach dem "Werther" schreibt er das Schauspiel "Clavigo". Ausserdem macht er Plaene fuer "Faust" und "Egmont" Im Jahr 1775 verlobt er sich mit der Bankierstochter Anna Elisabeth (Lili) Schoenemann, zu einer Heirat kommt es aber nicht. Im Mai 1775 macht Goethe mit Friedrich Leopold (Fritz) und Christian Graf zu Stolberg und Christian Graf von Haugwitz eine Bildungsreise in die Schweiz. In Zuerich sind sie zu Gast bei dem Theologen Johann Caspar Lavater, der Goethe seinerseits im Sommer 1774 in Frankfurt besucht hatte. Nach der Rueckkehr nach Frankfurt loest Goethe die Verlobung mit Lili. 1775-1786: Weimar 1774 hat Goethe Erbprinz Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) in Frankfurt kennen gelernt. Er laedt Goethe an den Hof von Weimar ein und am 7. November 1775 kommt Goethe dort an. Der Herzog stellt ihn in den Staatsdienst ein und bewilligt ihm ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt. Im Juni 1776 beruft der Herzog Goethe als Geheimen Legationsrat in den Geheimen Conseil, die Zentrale der Landesregierung. Drei Jahre spaeter uebernimmt Goethe die Weimarer Kriegskommission und die Direktion des Wegebaus. Als Dreissigjaehriger wird er zum Geheimen Rat ernannt. 1782 macht ihn der Fuerst zum Leiter der Finanzkammer. Goethe beginnt eine Liebesbeziehung mit Charlotte von Stein (1742-1827). 1782 zieht Goethe vom beruehmten Gartenhaus in das Haus am Frauenplan in Weimar. Im gleichen Jahr wird er von Kaiser Joseph II. in den Adelsstand erhoben. Er entdeckt sein Interesse fuer Geologie und Mineralogie. In dieser Zeit unternimmt Goethe Reisen nach Duesseldorf, in den Harz, nach Berlin, Frankfurt, ins Elsass, in die Schweiz, nach Goettingen und Kassel. Auch dienstlich ist er mit dem Herzog unterwegs. Nach Leipzig, Berlin, in den Harz und an andere saechsische Hoefe, nach Schlesien, Krakau und Czenstochowa geht die Fahrt. Er pflegt Kontakte zu Wieland und Herder, der auf Goethes Wunsch nach Weimar gerufen worden war. In den ersten elf Weimarer Jahren veroeffentlicht er kaum etwas. Den "Wilhelm Meister" faengt der Dichter an, "Egmont", "Iphigenie" und "Tasso" werden nicht vollendet. Der "Faust" bleibt ein Fragment. Dafuer entstehen einige seiner bekanntesten und beruehmtesten Gedichte: "Ueber allen Gipfeln ist Ruh'", "Grenzen der Menschheit" und "Das Goettliche". Fuer das Weimarer Liebhabertheater schreibt Goethe zahlreiche Stuecke, fuehrt Regie und schauspielert. Im Herbst 1779 reist Goethe mit dem Herzog in die Schweiz. Sie machen vier Tage in Goethes Vaterhaus in Frankfurt Station. Auf dem weiteren Weg besucht er auch Friederike Brion in Sesenheim und Lili von Tuerckheim in Strassburg. Goethe beginnt seine Naturstudien, die alle auf den Menschen bezogen bleiben, so weit sie sich auch mit den Gebieten der Botanik und Zoologie, Mineralogie und Geologie, Farbenlehre und Wolkenkunde beschaeftigen. Er liest Linné's "Philosophie der Botanik" und schreibt dem schwedischen Naturforscher spaeter den groessten Einfluss nach Shakespeare und Spinoza zu. Im Maerz 1784 gelingt ihm, wie er glaubt, eine anatomische Entdeckung: das os intermaxillare. Im Sommer 1785 begibt sich Goethe zum ersten Mal zur Kur ins boehmische Karlsbad. Bis 1823 wiederholt er die Fahrt dorthin sechszehnmal. Waehrend der zweiten Badereise plant Goethe bereits seine "Flucht" nach Italien. Am 3. September 1786 setzt er den Plan in die Tat um. 1786-1788: Italien Die "Flucht" nach Italien fuehrte Goethe ueber den Brenner, Trient, den Gardasee nach Verona, dann nach Venedig, Padua und schliesslich Rom. Dort findet er Kontakt zu deutschen Kuenstlern wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), Angelika Kauffmann (1741-1807) und Karl Philipp Moritz (1756-1793). Von Tischbein, der auch Goethe-Tischbein genannt wird, stammt das Gemaelde "Goethe in der Campagna" (1786-1788). Vier Monate dauert der erste Aufenthalt in Rom. Dann reist Goethe am 22. Februar 1787 zusammen mit Tischbein weiter nach Neapel. Bald darauf geht die Fahrt mit dem Landschaftsmaler Christoph Heinrich Kniep weiter bis nach Sizilien. Im Mai kehren sie ueber Neapel nach Rom zurueck. Hier beginnt am 7. Juni 1787 Goethes zweiter Aufenthalt in Rom, der fast noch ein Jahr dauert. Er studiert die alte Baukunst und die Bildende Kunst in Museen und Sammlungen. Goethe ist in Italien aber nicht nur Kunstbetrachter, sondern er versucht, sich selbst als Kuenstler weiterzubilden. Er zeichnet, aquarelliert und lernt das Modellieren. Rund 850 Zeichnungen sind aus seiner italienischen Zeit erhalten. Ebenfalls in dieser Zeit schreibt er die "Iphigenie" in Verse um und bringt den "Egmont" zu Ende, arbeitet am "Tasso" und am "Faust". Am 23. April 1788 bricht er mit Christoph Kayser zur Rueckreise in den Norden auf. Sie reisen bis Juni ueber Siena, Florenz, Bologna, Parma und Mailand. Durch die Schweiz und Konstanz, Nuernberg, Erlangen, Bamberg, Coburg. Seine Darstellung der "Italienischen Reise" verfasst er erst dreissig Jahre spaeter. Sie basiert auf dem "Reise-Tagebuch" fuer Charlotte von Stein und auf Originalbriefen und -notizen. 1788-1832: Weimar 1788 kommt Goethe wieder in Weimar an. Der Herzog, nicht boese ueber die Abwesenheit, gibt Goethes Neigungen nach, entbindet ihn von den Regierungsgeschaeften, laesst ihm aber den Sitz im Ministerrat und die Bezuege. Goethe ist nun eine Art Kulturminister mit der Oberaufsicht ueber die Anstalten ueber Wissenschaft und Kunst, beispielsweise die Universitaet Jena. Ab 1791 leitet Goethe dann auch das neue Weimarer Hoftheater, ein Amt, das er bis 1817 inne hat. Die Liaison mit Charlotte von Stein wird nicht wieder aufgenommen, sondern Goethe beginnt ein Verhaeltnis mit Christiane Vulpius. Der Minister Goethe verfolgt die Geschehnisse der Franzoesischen Revolution mit Interesse und setzt sich beispielsweise in den "Revolutionsdramen", der Novellensammlung "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1795) und dem Versepos "Hermann und Dorothea" (1797) damit auseinander. Zunehmend beschaeftigt sich Goethe mit den Naturwissenschaften. Sein Interesse gilt der Anatomie, Botanik, Mineralogie, Optik und der Farbentheorie. 1790 besucht Goethe zum zweiten Mal Italien. Er reist bis Venedig der Herzogenmutter entgegen, doch seine Begeisterung fuer das Land ist verflogen. 1792 zieht er mit Carl August nach Frankreich, um am Krieg Oesterreichs und Preussens gegen die Revolutionsregierung teilzunehmen. Das Erlebnis wird in der Schrift "Die Kampagne in Frankreich" erlaeutert. 1794 beginnt die Freundschaft mit Friedrich Schiller, die beide zu produktiver Arbeit anregt. 1805 erkranken sowohl Goethe als auch Schiller schwer. Am 9. Mai des gleichen Jahres stirbt Schiller, Goethe, der selbst unter heftigen Nierenkoliken leidet, ist erschuettert. Am 13. April 1806 protokollierte er dann im Tagebuch: "Schluss von Fausts I. teil". Damit erfuellt er noch einen Wunsch Schillers. Im Januar 1795 kommt der erste Band von "Wilhelm Meisters Lehrjahre" heraus. Auf der dritten Schweizer Reise 1797 machte Goethe in seiner alten Heimatstadt Frankfurt Station und liess auch Christiane und seinen Sohn nachkommen, um sie der Mutter vorzustellen. Immerhin hat er vor der Reise seine Familie testamentarisch abgesichert. Diese Reise in die Schweiz war die letzte groessere Reise Goethes. Goethe hielt sich nun oft in Jena auf. Dort verliebte er sich im Winter 1807 ungluecklich in Wilhelmine (Minchen) Herzlieb (1789-1865), Pflegetochter des Buchhaendlers Frommann. In diese Zeit fallen die "Sonette", die "Wahlverwandtschaften" und seine "Farbenlehre". Im Oktober 1808 wird Goethe waehrend des Erfurter Fuerstenkongresses von Napoleon empfangen. Spaeter erhaelt er das Kreuz der Ehrenlegion. 1811 beginnt er mit der Niederschrift seiner Kindheitserinnerungen, die er "Dichtung und Wahrheit" nennt. Dazu faehrt er im Sommer 1814 und im Fruehjahr 1815 noch einmal in die Gegenden rund um Rhein und Main, in denen er seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Auf einer dieser Reisen verliebt er sich in Marianne Jung (1784-1860), die spaeter den Bankier und Geheimen Rat in Frankfurt, Johann Jakob von Willemer, heiratet. Diese Begegnung inspiriert Goethe zu den Liebesgedichten im "West-oestlichen Diwan". 1815 wird das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach durch Beschluss des Wiener Kongresses Grossherzogtum. Goethe bekleidet damit das Amt eines Staatsministers. Im Sommer 1821 faehrt Goethe zur Kur nach Marienbad und lernt dort die 17-jaehrige Ulrike von Levetzow kennen. 1817 verzichtet Goethe auf das Frankfurter Buergerrecht. Seit dem Wiener Kongress durfte das Vermoegen bei Aufgabe des Buergerrechts ausgefuehrt werden, ohne den "Zehnten Pfennig" zu zahlen. Goethe entgeht zudem der gerade beschlossenen Einkommenssteuer. Zuvor hat er auch ein Stellenangebot aus Frankfurt ausgeschlagen: Nach dem Tod seines Onkels, des Schoeffen Textor, wollte man ihm dort die Stelle eines Ratsherrn anbieten. In den letzen beiden Lebensjahrzehnten beschaeftigt Goethe die Sekretaere Friedrich Wilhelm Riemer (1774-1845) ab 1814 und ab 1823 Johann Peter Eckermann (1792-1854). Dieser spornt Goethe zur Arbeit am zweiten Teil des "Faust" an, den der Dichter daraufhin zwischen 1825 und 1831 vollendet. Aber er moechte das Werk zu seinen Lebzeiten nicht mehr veroeffentlichen, sondern uebergibt es seinen Nachlassverwaltern. In seinem Haus am Frauenplan kuemmert sich Schwiegertochter Ottilie bis zu seinem Tod um ihn. Am 22. Maerz 1832 stirbt der grosse deutsche Dichter und wird in der Fuerstengruft zu Weimar beigesetzt.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (johann-wolfgang-goethe-de):
KINDHEIT, JUGEND UND STUDIUM 1749 Johann Wolfgang Goethe wird am 28. August in Frankfurt am Main geboren. Mutter Catharina Elisabeth stammt aus der Juristenfamilie Textor, die ebenfalls in Frankfurt ansaessig ist. Sein Vater Johann Caspar ist der Sohn eines vermoegenden Modeschneiders und unterrichtet Goethe spaeter in Eigenregie. Der als streng geltende Jurist und Privatier besitzt ueber 2.000 Buchbaende und sammelt Kunstwerke und Naturalien, darunter auch italienische Stiche. Goethes Italien-Faszination laesst sich auch darauf zurueckfuehren. Goethe hat fuenf Geschwister, doch nur Schwester Cornelia und er ueberleben das Kindesalter. Cornelia stirbt mit 26 Jahren als Ehefrau des Juristen Johann Georg Schlosser. Goethes Familie ist fromm und praktiziert den christlichen Glauben. 1756 - 1763 Siebenjaehriger Krieg: Frankfurt wird von den Franzosen besetzt, der ranghoechste Offizier wird in Goethes Elternhaus einquartiert. Daher hat Goethe sein Faible fuer den Typus des gebildeten Offiziers. 1765 - 1767 Goethe studiert auf Wunsch des Vaters Jura in Leipzig, damals "Klein Paris” genannt. Er trifft Adam Friedrich Oeser, Maler und Leiter der "Zeichnung- Malerey- und Architectur-Academie”, bei dem er Zeichenunterricht nimmt und ueber den er die Schriften Johann Joachim Winckelmanns kennen lernt, die Goethes Aesthetik stark beeinflussen. 1767 Erste grosse Veroeffentlichung: "Annette” mit 19 Gedichten ueber die damals 19-jaehrige Anna Katharina Schoenkopf ("Kaethchen”) mit der er 2 Jahre bis 1768 zusammen war. In einer psychischen sowie gesundheitlichen Krise verbrennt Goethe einen Grossteil seiner bisherigen Dichtungen, weil er an seinem dichterischen Talent zweifelt. 1767/1768 "Die Laune des Verliebten”, ein Schaeferspiel in Versen, entsteht. 1768 Im Juli erleidet Goethe einen Blutsturz und eine Lungenaffektion. An seinem 19. Geburtstag verlaesst Goethe Leipzig und kehrt nach Frankfurt zurueck, im Dezember wird Goethe sterbenskrank aufgrund seiner in Leipzig ausgebrochenen Krankheit. Er vertieft sich in die Religion (auch alchemistische Schriften). Zeitgleich entstehen das erste seiner Mondgedichte namens "An den Mond” (spaeter: "An Luna”) sowie sein erstes Lustspiel "Die Mitschuldigen”. 1770 Goethe setzt Anfang April sein Jura-Studium in Strassbourg fort und erhaelt den dem Doktortitel fast ebenbuertigen Grad des Licentiatus Juris. Weil er in seiner Doktorarbeit ketzerische Aussagen getroffen haben soll, bleibt ihm der echte Doktortitel versagt. Im September lernt er Johann Gottfried Herder - Kunst- und Literaturtheoretiker - kennen, der ihn stark beeinflusst. Im Herbst lernt Goethe im Elsass in Sesenheim Friederike kennen, die Tochter des Landgeistlichen Brion, und verliebt sich in sie. Er verfasst die Sesenheimer Lieder. STURM UND DRANG 1771 Kurz vor seinem 22. Geburtstag kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck und richtet im Elternhaus eine Kanzlei ein. Vier Jahre lang arbeitet er aktiv als Jurist, betreut dabei aber nur wenige Faelle. Im November/Dezember schreibt er innerhalb von sechs Wochen das Drama "Goetz von Berlichigen” (urspr. "Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand”), ein Werk, das die Normen des Klassizismus sprengt. Unter Ruecksicht auf die Konventionen entschaerft Goethe die Fassung, die trotzdem als Revolution empfunden wird. Das gefaellt in erster Linie den juengeren Poeten, das Stueck gilt somit als dramatisches Gruendungsdokument des Sturm und Drang. 1772 Goethe macht auf Draengen seines Vaters hin ein Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und lernt das Paar Charlotte Buff und Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte und verlaesst Wetzlar nach einigen Monaten. Die Liebe zu der Verlobten seines Kollegen Kestner und andere Erfahrungen sind die Grundlage fuer Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther”. Goethe kehrt nach Frankfurt zurueck und erlebt dort eine kreative Hochphase, in der er unter anderem "Prometheus” verfasst. 1773 Entstehungsphase des sogenannten "Urfaust”, der von Goethe selbst nicht veroeffentlicht wird. 1774 Veroeffentlichung des innerhalb von vier Wochen geschriebenen Briefromans "Die Leiden des jungen Werther”, der als Sinnbild fuer den durch eine unerfuellte Liebe in den Selbstmord getriebenen, in seinem Gefuehlsueberschwang an einer widerstaendigen Umwelt zerbrechenden Schwaermer steht. Der Roman kommt bei der Bevoelkerung sehr gut an, man kann sich mit Werther identifizieren. Im Mai: Veroeffentlichung von "Clavigo”, "Stella” und "Schauspiel fuer Liebende”. In der urspruenglichen Fassung von Stella geht die Hauptfigur Fernando ein Dreiecksverhaeltnis mit Stella und Caecilie ein, was das Publikum so schockiert, dass Goethe spaeter den Schluss durch ein tragisches Ende ersetzt. "Clavigo” stellt Goethes erstes zeitgenoessisches Theaterstueck dar. MINISTERZEIT IN WEIMAR 1775 Goethe erschafft die Singspiele "Erwin und Elmire” und "Claudine von Villa” als Adaption auslaendischer Opernformen. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach laedt Goethe nach Weimar ein. 1776 im Juni wird Goethe gegen den Widerstand von Seiten des Adels Mitglied des obersten Regierungsgremiums des Herzogs, dem "Conseil” (1815 wird dies durch das Grossherzogliche Staatsministerium ersetzt) und danach, um weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen, in den Adelsstand erhoben. Goethe versucht, auf den Herzog einzuwirken, die Staatsausgaben unter die -einnahmen zu druecken, zum Beispiel durch Reduzierung der Truppen um die Haelfte. 1777 Veroeffentlichung des Gedichts "Harzreise im Winter”, in dem sich Goethes Spaltung zwischen Dichterberuf und amtlicher Praxis widerspiegelt. In diesem Jahr begegnet Goethe ausserdem Charlotte von Stein. In der Beziehung zu ihr sieht Goethe das Streben nach in der Liebe erfahrener Wahrheit. 1779 Goethe veroeffentlicht die Prosafassung der "Iphigenie auf Tauris”, in deren Theaterauffuehrung er selbst den Orest spielte. 1780 Er beginnt seine Naturforschungen, auf die spaeter Goethes Abhandlungen ueber die Natur folgen. 1782 Goethe wird vom Herzog zum Kammerpraesidenten (Finanzminister) ernannt, in der Hoffnung, den Staatshaushalt weiter zu konsolidieren. Er foerdert die Landwirtschaft, ist in der Kriegskommission, der Wege- und Wasserbaudirektion sowie der Bergwerkskommission taetig. 1783 Goethe trifft Herder wieder, eine Freundschaft entwickelt sich. Im Gedicht "Ilmenau” beschreibt Goethe das Leben des Herzogs Carl August - vom zuegellosen Jugendtreiben zum jetzigen Wirken im Interesse des Landes. 1784 In diesem Jahr entsteht der Aufsatz "Ueber den Granit in Verbundenheit” zu seinen naturwissenschaftlichen Forschungen. GOETHE IN ITALIEN 1786 Goethe konzentriert sich mehr auf den kulturpolitischen Bereich, bleibt jedoch Berater fuer den Herzog. Er beaufsichtigt die Universitaet Jena. Goethe resigniert in Anbetracht des Nichterreichens der gesteckten Ziele in Weimar, sieht die Preisgabe seines poetischen Talents zugunsten der amtlichen Taetigkeit als fragwuerdig und fluechtet am 3. September in Absprache mit dem Herzog nach Rom. Damit leitet Goethe die Weimarer Klassik ein. 1787 Im Februar 1787 zieht Goethe weiter nach Neapel, setzt im Maerz nach Sizilien ueber und kehrt im Juni nach Rom zurueck. Waehrend seiner Italien-Reise trifft er Johann Heinrich Meyer und Karl Philipp Moritz, es entstehen nur wenige neue Werke. Goethe arbeitet an vorher in Weimar angefangenen Werken, z.B. der Versform der "Iphigenie auf Tauris”, "Torquato Tasso” sowie "Faust” und schliesst "Iphigenie auf Tauris” und "Egmont” (Prosa, 12 Jahre der Entstehung) ab. In "Iphigenie auf Tauris” kommt Goethes Grundueberzeugung zum Ausdruck, dass allein Wahrheit Friede sei und beides im Weiblichen begruendet sei. 1788 Im Juni kommt Goethe nach zweimonatiger Reise wieder in Weimar an und erklaert dem Herzog, er haette sich selbst als Kuenstler, als Dichter wiedergefunden, waere wiedergeboren. Nach seiner Rueckkehr nach Weimar wird er seiner bisherigen Aemter enthoben. Goethe lernt die buergerliche Christiane Vulpius kennen, Schwester des Schriftstellers Christian August Vulpius. Aufgrund von Goethes Adelsstand wird die Verbindung von Goethe zu Christiane Vulpius als Missstand angesehen. In dieser Zeit entstehen auch die "Erotica Romana”, deren Freizuegigkeit auch von engen Freunden Goethes wie Charlotte von Stein und Herder kritisiert wird. 1789 Im Sommer 1789, kurz vor Ausbruch der Franzoesischen Revolution, vollendet Goethe "Torquato Tasso” (klassisches Drama, erstes echtes Dichterdrama). 1790 1790 folgt eine weitere unfreiwillige Italienreise, bei der Goethe der aus Italien zurueckkehrenden Herzogin Anna Amalia entgegenreist. Es entstehen die 1795 publizierten "Venetianischen Epigramme”. Diese beschreiben im Gegensatz zur ersten Italienreise die Schattenseiten Italiens und beschaeftigen sich mit der Franzoesischen Revolution. Goethe widmet sich wieder verstaerkt den Naturwissenschaften und schreibt den "Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren”. Goethe glaubt, die Farbenlehre Newtons widerlegt zu sehen, weil er beim Blick durch ein Prisma keine Zerlegung in Farben erkennen kann, wie Newton es beschrieben hatte. Er uebersieht, dass diese Farben sich allerdings auf weissem Papier wieder zu weiss vereinen. Goethe sieht das Licht als das Goettlich-Eine, Farben entstuenden durch das Zusammenspiel von hell und dunkel. Er konzentriert sich auf die subjektive Wahrnehmung der Farben und beeinflusst mit seinen Theorien die romantischen Poeten sowie die Maler seiner Zeit. 1791 Goethe wird Direktor des Hoftheaters (bis 1817), Leiter des Freien Zeicheninstituts sowie Mitglied in verschiedenen Kulturkommissionen. WEIMARER KLASSIK 1794 Goethe lernt Friedrich Schiller kennen. Beide verbindet die Ablehnung der Franzoesischen Revolution, beide arbeiten an der literarischen Zeitschrift "Die Horen”. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihren Werken (Schiller: "Wallenstein”, Goethe: "Wilhelm Meisters Lehrjahre”, die er seit 1775 in Bearbeitung hat). 1795 In diesem Jahr erscheinen die "Roemischen Eligien” (auch "Erotica Romana”), die bereits um 1790 als Gedichtzyklus entstanden waren. Durch den Vertrag von Basel erhaelt das Grossherzogtum fuer 10 Jahre einen neutralen Status bzw. Friedensstatus - auch aufgrund des Mitwirkens Goethes und Schillers. 1796 Der erste Teil des Musenalmanach erscheint, an dem Goethe und Schiller gemeinsam gearbeitet haben und in dem sie ihre Kritiker aufs Korn nehmen. 1797 Entstehungsjahr von Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling”. 1800 Erstes Festspiel Palaeophron und Neoterpe anlaesslich des Geburtstags der Herzogin-Mutter Anna Amalia. 1803 Entstehung von "Die natuerliche Tochter” als einzig vollendeter Teil einer Trilogie zum Thema Franzoesische Revolution Schiller und Goethe arbeiten gemeinsam an Theaterstuecken, wovon 1803 "Die Braut von Messina” erstmals aufgefuehrt wurde. 1805 Schiller stirbt am 9. Mai, womit die praegende Periode der Weimarer Klassik zu Ende geht. Goethe wendet sich mehr der Romantik zu und versucht, Klassik und Romantik in seinen Werken zu vereinen. AUTOBIOGRAPHISCHE ARBEITEN 1806 Goethe heiratet Christiane Vulpius, die sich den durch die Stadt ziehenden und pluendernden franzoesischen Soldaten nach einer verlorenen Schlacht entgegenstellte und Goethe vor Schlimmerem bewahrte. 1808 Zweites Festspiel: "Pandora” (nur Fragmente). "Faust, der Tragoedie erster Teil” erscheint. 1809 Goethe beginnt mit seinen autobiographischen Arbeiten "Dichtung und Wahrheit”, die Teile von Goethes Biographie zwischen zwischen 1749 und 1775 aufgreift. Auch vor dem Hintergrund von Schillers Tod hegt er den Wunsch, das Gewesene fuer die Nachwelt zu fixieren. Ausserdem erfolgt die Veroeffentlichung von "Wahlverwandtschaften”. 1810 "Opus zur Farbenlehre” 1814 1814 erscheint der dritte und letzte vollstaendige Teil von "Dichtung und Wahrheit”, der 4. Teil wird unterbrochen durch "Faust II” und vor Goethes Tod nicht mehr ganz fertig gestellt. Die Franzoesische Revolution endet, Goethe reist danach zu den Orten von Goethes Kindheit und Jugend im Rhein-Main-Gebiet. ALTER IN WEIMAR 1815 Goethe nimmt seine politischen Arbeiten wieder auf und wird zum Staatsminister und Ressortleiter der "Anstalten fuer Wissenschaft und Kunst" in Weimar und Jena ernannt. In seinen letzten Lebensjahren festigt sich bei Goethe die Vorstellung einer Weltliteratur im Zuge der Internationalisierung, die Erzeugnisse einzelner Nationen werden Gemeingut. Premiere des Festspiels "Des Epimenides Erwachen” anlaesslich des Sieges Napoleons und des Endes der Befreiungskriege. 1816 Tod von Goethes Ehefrau Christiane. 1818 "Um Mitternacht” 1819 Von 1819 bis 1825 schreibt er die "Annalen meines Lebens”. In dieser Zeit veroeffentlicht er ausserdem den "West-oestlichen Divan”, in dem die Faszination Goethes an der altpersischen Dichtung zum Ausdruck kommt. 1821 Goethe lernt als 74jaehriger die 17jaehrige Ulrike von Levetzow kennen und verliebt sich zwei Jahre spaeter in sie. Ulrikes Mutter lehnt Goethes Antrag ab, woraufhin die Liebesklagen "Eligie” entstehen. Der erste Teil des Goethe-Romans "Wilhelm Meisters Wanderjahre” wird veroeffentlicht. 1823/24 "Trilogie der Leidenschaft” 1824 "Der Braeutigam” 1825 Die Arbeiten an "Faust II” beginnen. 1827 Goethe veroeffentlicht die "Ausgabe letzter Hand”, eine Sammlung von Gedichtbaenden, das wichtigste Gedicht ist dabei "Urworte: Orphisch”. 1828 Herzog Carl August stirbt. Veroeffentlichung von "Novelle” (Prosadichtung). 1829 In "Ausgabe letzter Hand” (Band 21-23) veroeffentlicht Goethe die Neufassung von "Wilhelm Meisters Wanderjahre”. "Faust” wird in Braunschweig uraufgefuehrt, wobei Goethe nicht anwesend ist, weil er das Stueck nicht als fuer die Buehne geschaffen sieht. 1830 Goethes Sohn August stirbt. 1832 Goethe stirbt am 22. Maerz vermutlich an einem Katarrhfieber mit folgendem Herzinfarkt. Bis heute haelt sich das Geruecht, seine letzten Worte lauteten "Mehr Licht!”. Goethe wird neben Carl August und Friedrich Schiller in Weimar begraben. In den "Nachgelassenen Werken” erscheint "Faust. Der Tragoedie zweiter Teil”. Goethe verfuegte, dass diese zu seinen Lebzeiten nicht veroeffentlicht werden sollte.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (literaturwelt-com):
Leben Kindheit, Jugend und Studienzeit Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates Johann Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main geboren. Von seinen fuenf Geschwistern ueberlebt nur Cornelia (geb. am 7. Dezember 1750), mit der er seine Kindheit gemeinsam verbringt und ein enges Verhaeltnis aufbaut. Ab 1752 besucht Goethe drei Jahre lang die Frankfurter Spielschule. Mit dem Umbau des Elternhauses 1755 erhaelt der junge Goethe Privatunterricht. In seiner Jugend wird er Zeuge bedeutender historischer Ereignisse, u.a. die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen 1759 oder die Kroenung Josephs des Zweiten 1764. Im Oktober 1765 nahm er auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf. Nebenher besuchte Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen, u. a. bei Gellert und Gottsched. Er beschaeftigte sich ausserdem in dieser Zeit mit Lessing und der Aufklaerung sowie mit Klopstock und der Empfindsamkeit. Bei Adam F. Oeser nahm er Zeichenunterricht. Im August 1768 muss er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe kehrte daraufhin wieder ins Elternhaus zurueck. Seine Genesung verzoegerte sich durch einige Rueckfaelle bis Maerz 1770. In dieser Zeit wird Goethe vor allem von religioeser Lektuere beeinflusst, angeregt durch Susanna Katharina von Klettenberg. Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe in Strassburg sein Jurastudium fort. Auch Herder hielt sich um diese Zeit in Strassburg auf. Goethe knuepfte in Strassburg Kontakte zu Jakob Michael Reinhold Lenz, und Gottfried von Herder und machte Bekanntschaft mit Friedericke Brion. Ihr widmete er zahlreiche Gedichte, darunter das Heidenroeslen, Mailied und Willkommen und Abschied. Im August 1771 promoviert Goethe zum Lizentiaten der Rechte. Der Stuermer und Draenger Nach seiner Promotion in Strassburg kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck. Er nimmt seine Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber nebenher verstaerkt der Dichtung zu. So konnte er die Urfassung von Goetz von Berchlingen vollenden, die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. 1772 macht Goethe Bekanntschaft mit Charlotte Buff, als er Praktikant im Reichskammergericht in Wetzlar ist. Ausserdem arbeitet er an den Frankfurter Gelehrten Anzeigen mit, das den Beginn seiner schriftstellerischen Karriere markiert. Die unerfuellte Liebe zu Charlotte Buff regt Goethe zu seinem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers an, der ihn schlagartig beruehmt machte. Es entstanden auch einige Hymnen, darunter Ganymed, Prometheus und Wanderers Sturmlied. In der Zeit zwischen 1773 und 1775 arbeitet Goethe an ersten Fassungen seiner Dramen Urfaust, Prometheus und Mahomet. Dabei orientiert er sich besonders an den Werken Shakespeares. Auf seinen Reisen im Jahr 1774 nimmt Goethe Kontakt zu Johann Caspar Lavater, den Bruedern Jacobi und Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach auf. Im April 1775 kommt es zur Verlobung mit Lili Schoenemann, die aber ein halbes Jahr spaeter wieder geloest wird. Das erste Weimarer Jahrzehnt Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von Karl August nach Weimar eingeladen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit Charlotte von Stein. Im November siedelt er schliesslich ganz ueber. In Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansaessig, die bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich versammelte. Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der Ankunft Goethes nahmen die kulturelle Aktivitaet der Stadt Weimar enorm zu. 1776 bis 1782 wohnte Goethe in einem Gartenhaus an den Ilmwiesen. Er wird Beamter der Stadt Weimar und zum Geheimen Legationsrat ernannt. 1776 kommt auch Herder, als Generalsuperintendent, nach Weimar. Mit der Oberaufsicht ueber den Illmenauer Bergbau und der engen Beziehung mit Charlotte von Stein verstaerkt sich Goethes gefasster Entschluss, in Weimar zu bleiben. 1777 stirbt seine Schwester Cornelia. Waehrend sein Schauspiel Stella (1776) noch vom Sturm und Drang gepraegt war, setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in Goethes Werken allmaehlich durch. 1779 entsteht die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris, die 1786 in Blankverse umgeschrieben wurde. Im Januar 1779 wird Goethe die Leitung der Kriegs- und Wegebaukommission uebertragen, durch die er viele Dienstreisen mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe zum Geheimen Rat ernannt. Die Aufsicht ueber den Bergbau in Illmenau veranlasst Goethe sich mit mineralogischen Studien zu beschaeftigen. 1782 stirbt sein Vater. Goethe bezieht des Haus am Frauenplan. 1784 entdeckt er den Zwischenkieferknochen des Menschen. 1785 sind die Arbeiten an Wilhelm Meisters theatralischer Sendung abgeschlossen. Goethe haelt sich nun oefters in Karlsbad auf. Italienreise und Rueckkehr nach Weimar Im Herbst des Jahres 1786 bricht Goethe heimlich in Karlsbad auf und begab sich auf eine Erholungs- und Bildungsreise nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer drueckender empfundenen hoefischen und dienstlichen Verpflichtungen. Goethe gab sich dabei als "Maler Moeller" aus. Am 29. Oktober erreichte er Rom, das eigentliche Ziel seiner Reise. Dort machte er Bekanntschaft mit dem Maler Tischbein und dem Dichter Karl Philipp Moritz. Neben der Beschaeftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete Goethe auch an seinen literarischen Projekten Iphigenie, Egmont, Tasso und Faust weiter. Bereits 1786 konnte Iphigenie auf Tauris in Versform fertiggestellt werden, 1788 dann Egmont. Am 23. April 1788 brach Goethe in Rom auf und trat seine Heimreise an. Am 18. Juni traf er in Weimar wieder ein. Goethe wird in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der hoefischen und dienstlichen Pflichten entbunden. Er wird stattdessen mit der Leitung kuenstlerischer Anstalten des Herzogtums betraut, darunter z. B. das "Freie-Zeichen-Institut". Im Juli lernt Goethe seine zukuenftige Lebensgefaehrtin, Christiane Vulpius, kennen. Noch im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer Professur in Jena. 1789 wird Goethes Sohn August geboren. Die Arbeit am Tasso sind abgeschlossen. Zur Franzoesischen Revolution verhaelt sich Goethe ablehnend. 1790 erscheinen Die Metamorphose der Pflanzen und Faust, ein Fragment. 1791 wird Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters. 1792 begleitet Goethe Herzog Karl-August im 1. Koalitionskrieg Preussens und Oesterreichs gegen Frankreich. Er selbst wird Augenzeuge der Kanonade von Valmy, am 20. September 1792. Das Schauspiel Der Gross-Koptha entsteht. 1793 ist Goethe Beobachter bei der Belagerung von Mainz. Der Buergergeneral und Reineke Fuchs werden veroeffentlicht. Goethe beschaeftigt sich seit 1793 bis 1798 intensiv mit Studien zu Homer. Das Jahrzehnt mit Schiller 1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift Die Horen gewinnen. Daraus entwickelte sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunaechst nur aus einem staendigen Briefwechsel bestand. Seit der Tagung der "Naturforschenden Gesellschaft" in Jena 1794 ist Schiller haeufiger Gast bei Goethe in Weimar. 1796 entstehen die Xenien. 1797 erhaelt Goethe die Aufsicht ueber die Weimarer Bibliothek. Das Jahr 1797 ging als das "Balladenjahr" in die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe und Schiller zahlreiche Balladen hervorgingen, darunter Der Gott und die Bajadere, Der Schatzgraeber, Der Zauberlehrling, Die Braut von Korinth und Legende. Beide befassten sich auch intensiv mit der Theorie der literarischen Gattungen, dessen Ergebnis 1797 in der Schrift Ueber epische und dramatische Dichtung festgehalten wurde. Goethe setzte in dieser Zeit auch seine Arbeiten am Faust fort. 1798 erschien die periodische Kunstzeitschrift Propylaeen, unter der Mitarbeit Schillers und Humboldts. Im Dezember 1799 uebersiedelt Schiller nach Weimar. Er draengte Goethe zur Vollendung des Fausts. Aus der Zusammenarbeit der beiden Dichter ging der Stil der Weimarer Klassik hervor, der sich an Antike und Renaissance orientierte. 1803 erhaelt Goethe die Oberaufsicht ueber die naturwissenschaftlichen Institute der Universitaet Jena. 1804 wird er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Am 9. Mai 1805 stirbt sein engster Freund, Schiller. Dieses Ereignis nimmt einen tiefen Einschnitt in das Leben Goethes, das bis dahin von einer intensiven Freundschaft und geistigen Beziehung der beiden gepraegt war. Im Epilog zu Schillers Glocke setze er ihm ein Denkmal. Das Jahrzehnt nach Schillers Tod In der Zeit nach Schiller, zaehlten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter und Wilhelm von Humboldt zu Goethes engsten Freunden. Goethe setze sich ab 1806 intensiv mit der Romantik auseinander. Die Sammlung Des Knaben Wunderhorn (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano regten Goethe an, sich mit dem deutschen Mittelalter und der Volkspoesie zu beschaeftigen. Im April 1806 wurde Faust, erster Teil abgeschlossen. Im Oktober kam es zur Schlacht bei Jena und zur Besetzung Weimars. Goethe heiratete in diesem Jahr Christiane Vulpus. 1807 macht er Bekanntschaft mit Bettina Brentano, der spaeteren Frau A. v. Arnims. Goethe beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahre. 1808 stirbt Goethes Mutter. Auf dem Erfurter Fuerstenkongress kam es zur Begegnung zwischen Goethe und Napoleon I. 1809 erscheinen Die Wahlverwandtschaften. 1810 kam es zum Abschluss der Arbeit an der Farbenlehre. Der erste Teil seiner Autobiographie Dichtung und Wahrheit, erster Teil. erschien 1811. In Karlsbad kam es 1812 zur Begegnung mit Ludwig van Beethoven, der einige Gedichte Goethes vertonte. Dichtung und Wahrheit, zweiter Teil. wurde fertiggestellt. 1813 verlor die Kuenstler-Stadt Weimar einen weiteren wichtigen Geist, den Dichter Christoph Martin Wieland. Im gleichen Jahr fand zwischen dem 16. und 19. Oktober die Voelkerschlacht bei Leipzig statt. Der dritte Teil seiner Autobiographie erschien. 1814 kommt es zur Begegnung mit Marianne von Willemer und den Bruedern Boisserée. Die letzten Lebensjahre 1815 unternimmt Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein- und Maingebiet. Sachsen-Weimar-Eisenach wird durch einen Beschluss des Wiener Kongresses zum Grossherzogtum. Im September findet die letzte Begegnung mit Marianne von Willemer statt. Im Dezember wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut. Am 6. Juni 1816 stirbt seine Frau, Christiane. 1817 haelt sich Goethe oefters in Jena auf. Von der Leitung des Hoftheaters wird er entbunden. Mit zunehmenden Alter zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich nun hauptsaechlich seinen Werken zu. 1819 ist der West-oestliche Divan abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahren, die 1829 vollendet wurde. 1821 kommt es zur ersten Begegnung mit Ulrike von Levetzow, seiner letzten Liebe. 1825 nimmt er seine Arbeit am Faust, zweiter Teil. wieder auf. Im Januar 1827 stirbt Charlotte von Stein, im Juni des darauffolgenden Jahres Grossherzog Karl August. 1830 erscheint der letzte Teil seiner Autobiographie, Dichtung und Wahrheit, vierter Teil. Im November erfaehrt er vom Tode seines Sohnes, der schon Ende Oktober verstarb. Goethe erlitt einen Blutsturz. 1831 wird Faust, zweiter Teil. vollendet. Am 22. Maerz 1832 stirbt Goethe in seinem Haus am Frauenplan. Er wurde neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft beigesetzt.
Query (wikipedia):
== Leben ==
[[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]
=== Herkunft und Jugend ===
Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.
Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".
Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.
Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.<ref>Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.ref>
Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39.ref> Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.
=== Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
==== Leipzig ====
Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.
Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].
Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.
Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.
==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''
Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.
Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>
Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.
=== Zeit des Sturm
und Drang ===
Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>
Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>
[[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]
Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0ref>
Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.
Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.
=== Minister in Weimar ===
[[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]
Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>
==== Im Staatsdienst ====
[[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]
Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17ref>
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de'']ref> Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.<ref name="ndbadb" /><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de'']ref> Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de'']ref> Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.<ref name="ndbadb" />
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784).<ref name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.<ref>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23
ref>
Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']ref><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
ref> Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte.<ref name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de'']ref> Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden.<ref name="ndbadb" /> Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.<ref name="borchmeyer80" />
Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.<ref>Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.
==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.
Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)<ref name="Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.
==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.<ref>Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref>
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8ref> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.
Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.
=== Reise nach Italien ===
[[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
[[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
[[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]
1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.
In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet.ref> und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.
Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref>
Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.
=== Zeit
der Weimarer Klassik ===
==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]
Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.
====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.
Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.
1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825ref> 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.
1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].
==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
[[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798ref>]]
[[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]
In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.
Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.
Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0ref>
Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.
In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.<ref>Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798ref>
Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.
Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.
Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>
=== Der spaete
Goethe ===
[[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
[[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]
Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").
Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.
1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.
1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.
==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.
Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.
==== Die letzten Werke und Reisen
====
[[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
[[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]
1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.
1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0ref>
Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.
Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.
==== Tod ====
Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2ref> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.<ref>Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833)ref> Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (wikipedia):
== Leben ==
[[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann
Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]]
[[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina
Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]]
=== Herkunft und Jugend ===
Johann Wolfgang von Goethe wurde am
28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser
Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar
Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus,
sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem
Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig
interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was
wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte.
Goethes Mutter,
[[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte
einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war
als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der
Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den
damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden
noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere
Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit
ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn
nannte die Mutter ihren "Haetschelhans".
Die Geschwister erhielten
eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang
eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom
Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen
u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch,
naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem
lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen.
Schon
frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den
Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen,
lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von
der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne
vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer
wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.<ref>Vgl. hierzu
Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch,
in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band,
S. 38.ref>
Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie
bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage)
"anmassenden"<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und
Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard
Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39.ref> Talent, wunderliche
Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form
zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause
Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So
lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann
Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger
Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer
Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten
Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der
franzoesischen Dramenliteratur.
=== Studium und erstes dichterisches
Schaffen ===
==== Leipzig ====
Auf Weisung des Vaters begann Goethe
im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet
Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war
Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst
in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern
und -buergerinnen akzeptiert zu werden.
Das Pflichtstudium begann er
schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen
von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den
poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam
Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht
fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal
seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte
zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim
Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken
des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]].
Fern dem Elternhaus
genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte
Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die
Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der
Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]]
wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die
Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte
er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst,
so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19
Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang
Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung
wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes
Werken gedruckt.
Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]"
(wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er
im August ins Elternhaus zurueck.
==== Frankfurt und Strassburg ====
Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]]
und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die
eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]]
[[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich
ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]]
Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes
Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in
dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].''
Im April
1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]]
fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien,
fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften
anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst-
und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere
oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren
wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]]
sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes
dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache
hin in weimarische Dienste berufen werden.
Auf einem Ausritt in die
Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike
Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete
der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike
gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt
wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'',
''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere
Beginn einer neuen lyrischen Epoche".<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>
Im Sommer 1771
reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus''
ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche
gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer
|Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005
|Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> nicht angenommen wurde und heute
nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit,
das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August
1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer
Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These
spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der
[[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer
Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf.
=== Zeit des Sturm
und Drang ===
Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine
Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem
Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur
Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf
war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs
Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen
Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773
als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]''
im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten
dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt
als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>
Im
Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' -
schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant
beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger
Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe:
"|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche
Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle
Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und
hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn
unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen
andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne
sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es
die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].<ref>Literatur
|Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer -
Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin
|Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>
[[Datei:-1-
Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des
jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung
entfiel das [[Genitiv]]-s)]]
Wieder schenkte Goethe den juristischen
Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken
Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als
nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er
Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung
sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden
des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen
niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem
in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg
des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit,
dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der
Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther''
aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie
nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben
berechtigt.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0ref>
Die Jahre
zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten
zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden
die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'',
''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''),
mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu
Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die
Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel
fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den
''[[Fauststoff]]'' auf.
Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der
Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt
bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil,
zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht
vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung
der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich
Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die
[[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter
der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs
[[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise
nach [[Weimar]] an.
=== Minister in Weimar ===
[[Datei:Weimar,
Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan
von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten
eingetragen]]
Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die
Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000
Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der
Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]]
im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.:
Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur,
ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern
auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen
und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter
[[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher
ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des
acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug,
bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem
Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer
Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser
als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts
thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor
mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig
Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref>
==== Im Staatsdienst ====
[[Datei:Goethe, Georg Oswald
May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]]
Goethe
wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied
des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums
des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB
|url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie
von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17ref>
Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches
Schaffen waehrend des Staatsdienst:<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66
online auf: ''books.google.de'']ref> Zitat|''Meine Schriftstellerei
subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des
grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte,
auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine
Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium,
vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im
selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem
er sich um die Rekrutierungen bemuehte.<ref name="ndbadb" /><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160
online auf: ''books.google.de'']ref> Sein Hauptanliegen war es, durch
Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung
der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies
gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der
"Streitkraefte" Einsparungen.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online
auf: ''books.google.de'']ref> Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit
seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung
fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es
weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um
das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe -
Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog
machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.<ref name="ndbadb" />
Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not
er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72
online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher
Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere
Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine
Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780
in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]]
(1777, 1783 und 1784).<ref name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann
Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte
Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]]
"Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste
Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er
der Loge bei.<ref>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe
als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn
kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23
ref>
Goethes Taetigkeiten in
[[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]]
veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu
ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der
[[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74
online auf: ''books.google.de'']ref><ref>Literatur
|Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge
- Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi
B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160
ref> Auf Antrag des Herzogs erhielt
er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]],
das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern
sollte.<ref name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776
und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben
durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in
der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger
Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73
f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73
online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe
sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den
Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche
|Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on
Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80
|Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80
online auf: ''books.google.de'']ref> Der auf Goethes Initiative
sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich
letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen
[[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren
schliesslich ganz eingestellt werden.<ref name="ndbadb" /> Nominell
gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung
im Jahr 1815 an.<ref name="borchmeyer80" />
Goethes Wirken im
''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er
einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker,
der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden
[[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur
|Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont
|Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> so wird
von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die
Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als
auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In
einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter
''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung
getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen
Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck
bringen sollte.<ref>Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das
Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar''
|Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47
ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist,
ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen
Ruecksichten beugte.
==== Dichtung und Naturwissenschaften ====
In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser
einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche
Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit,
zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung
des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken
zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine
laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu
Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste
Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den
''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und
''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der
bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte
von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'')
waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'',
''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und
''[[Das Goettliche]]''.
Um 1780 begann Goethe, sich systematisch
mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte
dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg-
und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt
zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und
der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche
Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)<ref name="Seehafer180"
/> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im
gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und
plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''.
==== Beziehung zu
Charlotte von Stein ====
Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes
waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte
von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder
verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und
"Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer
aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind
nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte
den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische
Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine
Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis
oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht
mit Sicherheit beantworten.<ref>Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]]
|Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref>
Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein
sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig
wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur
|Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie
1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987
|ISBN=978-3-423-04457-8ref> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle
Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte.
Das Verhaeltnis endete
mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte
Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr
aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen
Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen
Beziehung.
=== Reise nach Italien ===
[[Datei:Johann Heinrich
Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]''
von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]]
[[Datei:Goethe,
Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von
[[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe,
1787]]
[[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in
seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von
Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von
[[Friedrich Bury]], um 1787]]
1786 geriet Goethe in eine Krise. In
seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung
gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend
unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem
aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine
eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich
selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Dieser Situation
entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne
Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp
Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel
war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte,
seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu
beziehen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito
- Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck
|Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Auch
reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des
''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit
bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]]
und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit
einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende
April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]],
[[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck
nach Weimar.
In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann
Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung
Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa
di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und
Italien widmet.ref> und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern
der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]],
Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer
(Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen
und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In
freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller
[[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die
kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes
"klassische" Auffassung werden sollten.
Goethe lernte in Italien die
Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und
bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten
[[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er
sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind
aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum
Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen
Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die
bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete
den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]''
und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben
beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte"
er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden
war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen
Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen
freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur
|Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz
andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen
|Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref>
Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis;
er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren
habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen,
seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem
Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er
zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''.
=== Zeit
der Weimarer Klassik ===
==== Beziehung zu Christiane Vulpius ====
[[''Christiane
Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]]
Wenige Wochen
nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane
Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im
Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren;
vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch
im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien
der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]]
einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen
stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in
der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer
und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet
des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr
natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem
"kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte
ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat.
====
Amtliche Aufgaben und Politik ====
Nach seiner Rueckkehr liess Goethe
sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden;
den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer
Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von
Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter
die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche
Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine
Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche
Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung
bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum
Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet
Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer
Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb
Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich
Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet
uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau
der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein.
Zu Goethes Pflichten
gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die
von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die
Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht,
enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen
Missstaende im Land.
1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische
Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war
ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]]
und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der
Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber
beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich
vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des
Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich,
sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind,
so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und
sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen
wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am
Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im
Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825ref> 1792 begleitete Goethe
den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten
Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang
erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges,
der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war
der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die
[[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben.
1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von
Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige
Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten
Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]].
==== Naturwissenschaft,
Dichtung, Bund mit Schiller ====
[[Datei:JohannWolfgangVonGoethe
FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'',
Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800
(Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|…
was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach
dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres
|Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag
|Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus
einem Schreiben Goethes an Kestner 1798ref>]]
[[Datei:Schiller,
Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'',
Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]]
In den Jahren
nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem
mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch
die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann
er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]],
die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte.
Dagegen gelangte
die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand;
Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und
dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und
der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu
erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden.
Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach
seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen
Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die
Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise,
sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die
Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen
die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine
Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen
Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs
(Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken
der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer,
aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]''
(1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die
Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes
Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel
umzusetzen.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung
und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main
|Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0ref>
Im Sommer 1794
bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar)
lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von
ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen
(Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit
bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere
Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun
fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten
wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal;
dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar
alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von
tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen.
In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten
beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik"
zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe,
dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor
ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der
Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite
Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.<ref>Literatur
|Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2
|Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106
|ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom
6. Januar 1798ref>
Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen
und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe
Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die
Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch
begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig
waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller
sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen
(Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte
zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller
herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach
fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich
verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des
Folgejahres
erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der
Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]],
Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers
''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des
Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''.
Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode
die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos
''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand
des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der
einzige "klassische" Publikumserfolg.
Mit dem Tod Schillers 1805 endete
die praegende Periode der Weimarer Klassik.<ref>Literatur |Autor=Dieter
Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln
|Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref>
=== Der spaete
Goethe ===
[[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang
von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das
repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden
der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der
[[Ehrenlegion]])]]
[[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe
1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]]
Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden
Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten
(Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes
Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter
Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste
sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend
durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine
"schwarze Seite").
Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte
Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna
Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl
Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang
der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die
Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist,
wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der
zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet
(Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das
allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen
Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht
mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe
seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart)
vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten
Teil des ''Faust'']] ab.
1809 begann Goethe eine Autobiographie zu
verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig
ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen
des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die
franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in
den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen,
las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina
von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von
seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der
Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese
Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter
anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis
1788''.
Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich
Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit
[[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang
als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er
einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel
(1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs
freundschaftlichste verstanden fuehlte.
1814 reiste Goethe in die
Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von
Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]],
die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf
seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte
sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde
zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers
im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die
spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es
entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er
den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im
Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass
einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten.
==== Konzentration und Werkaufarbeitung ====
1816 starb Goethes
Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des
Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein
Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen -
unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen,
Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend
es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte,
schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand
''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in
der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter
anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch
die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]],
die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit
stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich
Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht
hatte.
Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und
[[Kaspar Maria von Sternberg]].
Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die
ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher
und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der
''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm
Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte
nun [[Marienbad]] als Kurort.
==== Die letzten Werke und Reisen
====
[[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John
diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer
dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]],
1829/31]]
[[Datei:Ilmenau
Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]]
1823
erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich
erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt
ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an,
die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn
jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der
''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller
und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer
einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen,
die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der
Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er
schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur
einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine
Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem
ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen.
1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von
Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil
des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das
Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne
spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner
Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der
beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne
Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche
Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten
ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie
hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn
nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich
Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur
|Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer
|Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0ref>
Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei,
der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche
die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die
mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar,
dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie
veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher
kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart,
wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen.
Im
August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er
einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte,
und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine
Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]]
bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]''
("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er
diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut.
==== Tod ====
Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem
[[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer
|Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe,
Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458
|ISBN=978-3-746-61632-2ref> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]]
gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf
seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch
im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.<ref>Internetquelle
|autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl
Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift
von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)''
|jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm
|zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde
(1833)ref> Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]]
bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch
sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke
entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Local summary for ‘Random fingerprinting’:
| dieterwunderlich-de | frankfurt-interaktiv-de | gedichte-xbib-de | gedichtePortal-de | goethezeitportal-de | johann-wolfgang-goethe-de | literaturwelt-com | wikipedia |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0.021395 | 0.011886 | 0.019810 | 0.008320 | 0.017433 | 0.021791 | 0.021395 | 0.722662 |
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (dieterwunderlich-de):
Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main als Sohn des wohlhabenden, hochgebildeten Juristen Johann Caspar Goethe (1710 - 1782) und der Schultheissentochter Katharina Elisabeth Textor (1731 - 1808) geboren. Da der Vater zwar kaiserlicher Rat war, aber keine bestimmten beruflichen Verpflichtungen hatte, unterrichtete er seinen Sohn vorwiegend selbst. Mit fuenfzehn verliebte Johann Wolfgang Goethe sich in eine junge Kellnerin namens Gretchen und geriet durch sie in die Gesellschaft von Betruegern. Im Oktober 1765 reiste er nach Leipzig, um dort Jura zu studieren, wie es sein Vater wuenschte. Dort passte sich Goethe der anspruchsvollen Mode sowie der lockeren Lebensart des Rokoko an und verliebte sich in Anna Katharina ("Kaethchen") Schoenkopf (1746 - 1810), die Tochter seiner Wirtsleute. Schwer krank kehrte er 1768 in seine Heimatstadt zurueck und wurde dort u. a. von Susanne Katharina von Klettenberg gesund gepflegt, einer Verwandten seiner Mutter, die ihn mit dem Pietismus vertraut machte. 1770 setzte Goethe sein Studium in Strassburg fort; aber mehr als die Rechtswissenschaften fesselten ihn Medizin, Botanik, Chemie, Theologie und Philosophie. Wieder verliebte er sich; diesmal in die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion (1752 - 1813). Die Achtzehnjaehrige gab seinem (vermutlich platonischen) Werben nach, aber im Sommer 1771, nach der Promotion zum "licentitatus juris", verliess Johann Wolfgang Goethe Strassburg, ohne sich von ihr auch nur zu verabschieden. Im August 1771 eroeffnete er in Frankfurt am Main eine Anwaltskanzlei und setzte zugleich seine in Strassburg begonnenen literarischen Arbeiten fort. Ende Mai 1772 begann Goethe mit einem Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar. Dort lernte der Zweiundzwanzigjaehrige den pfaelzischen Sekretaer Karl Wilhelm Jerusalem kennen und besuchte mit ihm am 9. Juni einen Ball in Volpertshausen, an dem auch Charlotte Buff (1753 - 1828) und ihr Verlobter Johann Christian Kestner (1741 - 1800) teilnahmen. Goethe verliebte sich in die vier Jahre juengere Tochter eines Amtmanns, befreundete sich mit dem hannoverschen Gesandtschaftssekretaer Kestner und traf sich haeufig mit den beiden. Als er Charlotte dreist zu kuessen versuchte, begriff sie, dass sie Klarheit schaffen musste. (Sie heiratete Kestner.) Daraufhin reiste Goethe am 11. September ueberstuerzt aus Wetzlar ab. In Ehrenbreitstein besuchte er die Schriftstellerin Sophie von La Roche, deren sechzehnjaehrige Tochter Maximiliane ihm besonders gut gefiel. Maximiliane heiratete den mehr als doppelt so alten Kaufmann Peter Anton Brentano und zog mit ihm Anfang 1774 nach Frankfurt am Main. Obwohl die verheiratete Frau fuer Goethe unerreichbar war, umschwaermte er sie, und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann. "Goetz von Berlichingen", Urauffuehrung: 1774 "Die Leiden des jungen Werther": 1774 "Clavigo", Urauffuehrung: 1774 Im Fruehjahr 1774 schrieb Johann Wolfgang Goethe "Die Leiden des jungen Werther", ein Roman, der offenbar den Nerv der Zeit traf und deshalb innerhalb von kurzer Zeit in mehreren Auflagen erschien. Johann Wolfgang Goethe verlobte sich Ostern 1775 mit der Frankfurter Bankierstochter Anna Elisabeth ("Lili") Schoenemann (1758 - 1817), aber nach seiner ersten Schweiz-Reise von Mai bis Juli 1775 beendete er die von keiner der beiden Familien gutgeheissene Beziehung. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar (1757 - 1828), der am 3. September 1775 das Erbe seines frueh verstorbenen Vaters uebernahm, reiste kurz darauf zu den Eltern seiner Braut, Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt, besuchte bei dieser Gelegenheit auch den Dichter des "Werther" und lud ihn ein, nach Weimar zu kommen. Die Residenzstadt galt als "Musenhof", denn seine Mutter Anna Amalia, die Witwe des 1758 verstorbenen Herzogs Ernst August II. Constantin (eine Nichte Friedrichs des Grossen), hatte waehrend ihrer Regentschaft bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Geisteslebens nach Weimar geholt, so zum Beispiel 1772 Christoph Martin Wieland (1733 - 1813) als Erzieher ihrer Soehne Carl August und Bernhard. Am 9. November 1775 folgte Johann Wolfgang Goethe der Einladung und zog in ein Gartenhaus an der Ilm, das ihm Herzog Carl August uebereignete. Er erhielt das Weimarer Buergerrecht und wurde zum Geheimen Legationsrat ernannt. In Weimar befreundete Johann Wolfgang Goethe sich mit der geistvollen Frau Charlotte von Stein (1742 - 1827), der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb. Charlotte Albertine Ernestine von Schardt hatte als Fuenfzehnjaehrige eine Anstellung als Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar erhalten, sieben Jahre spaeter den herzoglichen Stallmeister Friedrich Josias Freiherr von Stein (1735 - 1793) geheiratet und innerhalb von zehn Ehejahren sieben Kinder geboren. (Arm und einsam starb sie am 6. Januar 1827.) Goethes ein Jahr juengere Schwester Cornelia hatte sich am 1. November 1773 mit dem Juristen Johann Georg Schlosser geheiratet, der mit ihrem Bruder befreundet war. Seit der schweren Geburt ihrer Tochter Maria Anne Louise ("Lulu") am 28. Oktober 1774 kraenkelte Cornelia. Vier Wochen nachdem sie mit einer zweiten Tochter - Catharina Elisabeth Julie ("Juliette") - niedergekommen war, am 8. Juni 1777, starb sie. Goethe trauerte sehr um seine geliebte Schwester. Ende November 1777 brach Johann Wolfgang Goethe zu einer Winterreise in den Harz auf. In Wernigerode suchte er Victor Leberecht Plessing auf, den Sohn des Superintendenten, um den ungluecklichen jungen Mann vor einem Werther-Schicksal zu bewahren. Dabei trat er allerdings nicht unter seinem richtigen Namen auf, sondern gab sich als Kuenstler aus Gotha aus. In Goslar besichtigte er das Bergwerk, um sich fuer die geplante Erschliessung der Erzvorkommen von Ilmenau kundig zu machen. Und am 10. Dezember bestieg er den tief verschneiten Brocken, was damals eine unglaubliche Leistung war. "Iphigenie auf Tauris", Urauffuehrung: 1779 Herzog Carl August von Sachsen-Weimar ernannte Goethe 1779 zum Leiter der Kriegskommission und des Strassenbauwesens. Im Herbst desselben Jahres reisten die beiden in die Schweiz. Sie fuhren zunaechst von Weimar nach Frankfurt am Main zu Goethes Eltern. Am 25. September besuchten sie Friederike Brion in Sesenheim, am naechsten Tag in Strassburg Lili Schoenemann, die inzwischen verheiratet war und ein sieben Wochen altes Kind hatte. In Emmendingen machten sie Goethes verwitwetem Freund und Schwager Johann Georg Schlosser ihre Aufwartung. Die Schweiz erreichten Goethe und der Herzog am 3. Oktober bei Basel. Der Mont Blanc bildete das suedwestlichste Zwischenziel ihrer Reise. Nur begleitet von einem einheimischen Fuehrer und ihrem Reitknecht Blochberg, der sich um den Maulesel mit dem Gepaeck kuemmerte, wanderten sie im November ueber den tief verschneiten Furka-Pass. Erschoepft uebernachteten sie im Kapuzinerdomizil von Realp, bevor sie zwischen den Maultierkolonnen der Pilger vom Urserental zum Gotthard-Hospiz aufstiegen. Kaiser Joseph II. erhob Goethe am 10. April 1782 in den Adelsstand. In diesem Jahr uebernahm er in Weimar die Finanzverwaltung und mietete ein Haus am Frauenplan, das er zehn Jahre spaeter von Herzog Carl August geschenkt bekam und bis zu seinem Tod bewohnte. 1783 und 1784 reiste Johann Wolfgang von Goethe noch zweimal in den Harz. Der Arbeitsbelastung und der entsagungsvollen Beziehung zu der verheirateten Charlotte von Stein entzog er sich, indem er in der Nacht zum 3. September 1786 unter dem Namen Johann Philipp Moeller heimlich nach Italien aufbrach. In Rom besuchte er Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters malte: "Goethe in der Campagna". Auch mit der Malerin Angelica Kauffmann (1741 - 1807) befreundete sich Goethe, der erst am 18. Juni 1788 nach Weimar zurueckkehrte. Seinen frueheren Freunden und Bekannten war er inzwischen entfremdet. Ihre Missbilligung steigerte sich durch sein skandaloeses Zusammenleben mit Christiane Vulpius (1765 - 1816), einer einfachen Arbeiterin in einer Manufaktur fuer kuenstliche Blumen, die am 11. Juli 1788 mit einer Bittschrift fuer ihren Bruder an ihn herangetreten war. Am 25. Dezember 1789 gebar sie den Sohn Julius August Walther, der als einziges ihrer fuenf Kinder bis 1830 am Leben blieb. (August von Goethe starb in Rom an Blattern.) Charlotte von Stein war ueber Goethes Verhalten verbittert und versoehnte sich erst 1801 wieder mit ihm. "Egmont", Urauffuehrung: 1789 Auf seinen eigenen Wunsch weitgehend von den staatlichen Aufgaben entbunden, beschaeftigte Johann Wolfgang von Goethe sich v. a. mit naturwissenschaftlichen Forschungen. 1790 reiste er ein zweites Mal nach Oberitalien. Im Jahr darauf uebernahm er die Leitung des Weimarer Hoftheaters (1791 - 1817). Als Begleiter des Herzogs wurde Johann Wolfgang von Goethe am 20. September 1792 Augenzeuge der Kanonade von Valmy, die im Rahmen des 1. Koalitionskriegs (1792 - 1797) stattfand, mit der Preussen und Oesterreich die Ausbreitung der auch von Goethe abgelehnten Franzoesischen Revolution verhindern wollten. "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus", sagte Goethe zu den Soldaten, "und Ihr koennt sagen, Ihr seid dabeigewesen." (Tatsaechlich hielten die Franzosen dem Angriff stand.) "Reineke Fuchs": 1794 Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren sich (abgesehen von einer gemeinsamen Teilnahme am Stiftungsfest der Hohen Karlsschule in Stuttgart am 14. Dezember 1779) am 7. September 1788 erstmals begegnet. Goethe hatte dem zehn Jahre juengeren Dichter zwar eine Professur am Lehrstuhl fuer Geschichte der Universitaet Jena vermittelt, aber naeher kamen sich Goethe und Schiller erst sechs Jahre spaeter, am 20. Juli 1794, nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft in Jena, wo Goethe einen Vortrag ueber die Urpflanze gehalten hatte. "Wilhelm Meisters Lehrjahre": 1795/96 "Hermann und Dorothea": 1797 Am 3. Dezember 1799 zog Friedrich Schiller nach Weimar und traf sich haeufig mit Johann Wolfgang von Goethe zum Gedankenaustausch. Fuer die Zusammenarbeit der beiden grossen deutschen Dichter praegte Heinrich Laube 1839 den Begriff "Weimarer Klassik". Leider war sie von verhaeltnismaessig kurzer Dauer, denn Friedrich von Schiller starb am 9. Mai 1805 an den Folgen einer jahrelang verschleppten Lungenentzuendung. Sein Tod bedeutete in Goethes Leben eine traurige und schmerzliche Zaesur. Friedrich Wilhelm Riemer (1774 - 1845) hatte 1803 eine Dachkammer in Goethes Haus bezogen. Auch als seine Aufgabe als Hauslehrer von August von Goethe beendet war, blieb er als Vertrauter und Sekretaer bei dem Dichter. Bei Jena und Auerstedt wurde die preussisch-saechsische Armee am 14. Oktober 1806 von Napoleon (1769 - 1821) besiegt. Die Franzosen nahmen Johann Wolfgang von Goethe gefangen, aber Christiane Vulpius gelang es, ihren Lebensgefaehrten rasch wieder freizubekommen. Daraufhin vermaehlte er sich am 19. Oktober 1806 mit ihr. Einige Monate spaeter verliebte sich der Siebenundfuenfzigjaehrige in Wilhelmine Herzlieb (1789 - 1865), die vierzig Jahre juengere Pflegetochter des Jenaer Buchhaendlers Karl Friedrich Ernst Frommann (1765 - 1837). (Wilhelmine Herzlieb wurde das Vorbild fuer die Figur der Ottilie in Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften".) "Torquato Tasso", Urauffuehrung: 1807 Als Napoleon sich anlaesslich des Erfurter Fuerstentags (27. September bis 4. Oktober 1808) in Preussen aufhielt, traf er sich dreimal mit Johann Wolfgang von Goethe (Erfurt, 2. Oktober; Weimar, 6. und 10. Oktober) und lud in nach Paris ein. "Die Wahlverwandtschaften": 1809 1812 begegneten sich Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad. Bettina von Arnim erzaehlt in einem ihrer Briefe, wie sie bei einem gemeinsamen Spaziergang in Karlsbad Hoeflingen des Kaisers begegneten und der Dichter zur Seite trat, waehrend der Komponist stur geradeaus schritt und anschliessend Goethes Unterwuerfigkeit kritisierte. Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte Johann Wolfgang von Goethe mit Marianne von Willemer (um 1784 - 1860), die seit September 1814 mit dem fuenfundzwanzig Jahre aelteren Bankier Johann Jakob Willemer verheiratet war, in Frankfurt am Main. (Marianne war 1798 als Komoediantin nach Frankfurt gekommen, und der bereits zweimal verwitwete Bankier hatte das Maedchen als Pflegetochter in sein Haus aufgenommen.) Goethes Ehefrau Christiane starb am 6. Juni 1816. "West-oestlicher Divan": 1819 "Wilhelm Meisters Wanderjahre": 1821 Fuenf Jahre spaeter verliebte sich der inzwischen zweiundsiebzigjaehrige Dichter in die siebzehnjaehrige Ulrike von Levetzow (1804 - 1899), die ihre Sommerferien mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern in Marienbad verbrachte und Goethe dabei erst kennengelernt hatte, obwohl er bereits seit laengerer Zeit mit ihrer Mutter Amalie befreundet war. 1823 liess Goethe ihr durch Herzog Carl August einen Heiratsantrag ueberbringen, aber Ulrike von Levetzow hielt das zuerst fuer einen schlechten Scherz und blieb zeitlebens unverheiratet. Ihren literarischen Niederschlag fand Goethes unglueckliche Liebe zu ihr in der "Marienbader Elegie". Der junge Schriftsteller Johann Peter Eckermann (1792 - 1854) half seinem Idol ab 1823 bei der Ausgabe seiner Werke und veroeffentlichte 1836 bis 1848 "Gespraeche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens". Nikolaus Lenau (1802 - 1850) verglich Goethe und Eckermann spoettisch mit einer Floete und einem Blasrohr, aber das ist wohl ebenso ueberzeichnet wie die Annahme, die beiden haetten eine Freundschaft auf gleicher Augenhoehe gepflegt. "Faust. Der Tragoedie erster Teil", Urauffuehrung: 1829 [Verfilmung] "Faust". Zweiter Teil: 1832 (Urauffuehrung: 1854) Im Alter von zweiundachtzig Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe am 22. Maerz 1832 in seinem Haus am Frauenplan in Weimar. Literatur ueber Johann Wolfgang von Goethe Peter Boerner: Johann Wolfgang von Goethe (Rowohlt-Bildmonographie) Sigrid Damm: Christiane und Goethe (Insel Verlag) Anja Hofer: Johann Wolfgang von Goethe (dtv portrait) Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel als die Liebe. Schillers und Goethes Buendnis im Spiegel ihrer Dichtungen Ruediger Safranski: Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Carl Hanser Verlag) Astrid Seele: Frauen um Goethe (Rowohlt-Bildmonographie) Die Beziehung Goethes zu Charlotte von Stein und Christiane Vulpius wird in einem Kapitel des Buches "Verfuehrerische Frauen. 11 Portraets" (Piper Verlag, Muenchen 2012) von Dieter Wunderlich dargestellt. Philipp Stoelzl drehte mit Alexander Fehling in der Titelrolle den Film "Goethe!", der am 14. Oktober 2010 in die Kinos kommen wird. Originaltitel: Goethe - Regie: Philipp Stoelzl - Drehbuch: Alexander Dydyna, Christoph Mueller - Kamera: Kolja Brandt - Schnitt: Sven Budelmann - Musik: Ingo Frenzel - Darsteller: Alexander Fehling, Miriam Stein, Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaussner, Henry Huebchen, Hans-Michael Rehberg, Axel Milberg u.a. - 2010; 100 Minuten
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (frankfurt-interaktiv-de):
Biographie - Johann Wolfgang von Goethe Johann Wolfgang von Goethe war ein Universalgenie. Er war gleichermassen Dichter, Schriftsteller, Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann. Goethe ist die Lichtgestalt der deutschen Literatur. Er praegte Sturm und Drang sowie mit Schiller die Weimarer Klassik. Er verfasste unzaehlige Gedichte, Dramen und Prosawerke. Mit der Tragoedie Faust schuf Goethe ein Menschheitsdrama von zeitloser Gueltigkeit und weltliterarischem Rang. Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie waren ihm immer auch Inspiration zu neuen Dichtungen. Weniger bekannt waren seine naturwissenschaftlichen Taetigkeiten, die ihm zeitweise wichtiger als die literarische Arbeit erschienen. Goethe entdeckte 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen. Biographie Johann Wolfgang Goethe (das "von" wurde ihm erst 1782 verliehen) wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und starb am 22. Maerz 1832 in Weimar. Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Kaspar Goethe und der Katharina Elisabeth studierte ab 1765 auf Wunsch seines Vaters in Leipzig und Strassburg Rechtswissenschaften. Nach Abschluss seines Studiums im Herbst 1771 arbeitete Goethe als Rechtsanwalt in Frankfurt. Doch Goethe widmete sich lieber seinem ersten Drama und schrieb einige Gedichte. Er arbeitete auch am kritischen Organ der Sturm-und-Drang-Bewegung, den "Frankfurter gelehrten Anzeigen" mit. Mit seinem ersten Roman "Die Leiden des jungen Werthers" und dem Drama "Goetz von Berlichingen" (beide 1774 erschienen) gelang dem 24-jaehrigen Goethe der literarische Durchbruch. 1775 folgte er dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer Hof, wo er politische Aufgaben (im Finanzwesen, Berg- und Wegebau) uebernahm. Spaeter bekam er die Leitung des Theaters und die Aufsicht ueber das Bildungswesen angetragen. In Weimar freundete Goethe sich mit Charlotte von Stein (1742-1827) an, der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb. 1776 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat, 1779 zum Geheimen Rat und 1782 wurde Goethe durch Kaiser Joseph II. geadelt. Im September 1786 unternahm er seine erste Italienreise. In Rom besuchte er die Maler Tischbein (der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters "Goethe in der Campagna" malte) und Kauffmann. Erst im Juni 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurueck, wo er sich mit Christiane Vulpius verlobte, die er 1806 auch heiratete. Von den fuenf Kindern aus dieser Verbindung ueberlebte nur der erstgeborene August (1789-1830). Goethe gab alle Staatsaemter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf. 1790 folgte seine zweite Italienreise. Die Zeit danach ist gepraegt durch die Zusammenarbeit mit Schiller. Die beiden entwickelten einen Stil, der als Weimarer Klassik bekannt wurde. Nach dem Tod Herders, Schillers und Wielands knuepfte Goethe neue Freundschaften, u.a. zu Humboldt, und beschaeftigte sich mit Fichtes Transzendentalphilosophie. 1804 wurde Goethe zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Auf dem Erfurter Fuerstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon kennen. Im gleichen Jahr gab er den ersten Teil des Faust heraus. 1812 begegnete er bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad den Komponisten Beethoven. 1815 unternahm Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein-Main-Gebiet. Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte er mit der verheirateten Marianne von Willemer in Frankfurt. Im Dezember 1815 wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut. Nach dem Tod seiner Frau Christiane (6. Juni 1816) zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich seinen Werken zu. Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte Goethe mit der Arbeit an "Wilhelm Meisters Wanderjahren", der "Italienischen Reise", seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit", und vor allem an Faust, der Tragoedie zweiter Teil, welche er 1831 beendete. Am 22. Maerz 1832 verstarb Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 82 Jahren. Seine letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Am 26. Maerz wurde er neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft beigesetzt. Seine bedeutendsten Werke: Goetz von Berlichingen (1774) Die Leiden des jungen Werther (1774) Iphigenie auf Tauris ((1786) Egmont (1788) Torquato Tasso (1789) Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) Faust, 1. Teil (1806) Dichtung und Wahrheit (Erinnerungen Teil 1-3 1811-13, 1830 Teil 4) Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816) Westoestlicher Divan (1819) Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) Faust, 2. Teil (1831) Im Internet unter Projekt Gutenberg sind viele der Werke Goethes zu finden. Bei amazon.de finden Sie Buecher ueber Goethe und natuerlich seine Gedichte, Dramen und Prosawerke.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (gedichte-xbib-de):
Goethe - Biografie & Lebenslauf Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main als J. W. Goethe; † 22. Maerz 1832 in Weimar; auch Goethe) ist als Dichter, Theaterleiter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen und Prosa-Werken gilt er als der groesste deutsche Dichter und ist eine herausragende Persoenlichkeit der Weltliteratur. Herkunft und Jugend (1749-1765) Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782), war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunaechst auf eine der besten Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schliesslich in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem geraeumigen Haus am Grossen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemaelden. Goethe (Gedichte) Reisezehrung Maechtiges Ueberraschen Sie kann nicht enden Reineke Fuchs - VII. Gesang Reineke Fuchs - X. Gesang 2 Weitere Texte von Goethe " Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe (* 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter Buergermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Ausser der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister frueh. 1758 erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken). Goethe wurde von seinem Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht im Reiten und Fechten. Schon frueh interessierte er sich fuer die Literatur, wobei er sein Augenmerk zunaechst auf Friedrich Gottlieb Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch begeisterte er sich fuer das Theater - so besuchte er waehrend der franzoesischen Besetzung 1759 haeufig das franzoesische Theater im Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart. Am 30. September 1765 verliess er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der Rechte aufzunehmen. Studium und Geniezeit (1765-1775) Von 1765 bis 1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hoerte dort die Poetikvorlesung von Christian Fuerchtegott Gellert und nahm an dessen Stiluebungen teil. Auch nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Kaethchen Schoenkopf und besang diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko (Gedichtzyklus Annette). Auerbachs Keller und die dort beheimatete Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er spaeter Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama Faust I aufnahm. - Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am 28. August 1768 nach Frankfurt zurueckzukehren. Frankfurt/Strassburg (1768-1770) Eine eineinhalbjaehrige, von manchen Rueckfaellen unterbrochene Genesungszeit folgte. Waehrend der Rekonvaleszenz wurde er liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter, Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen in Beruehrung. Im April 1770 verliess er Frankfurt, um dem Wunsch seines Vaters entsprechend in Strassburg sein Studium zu beenden. In Strassburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr widmete er einige Gedichte, darunter z. B. "Willkommen und Abschied", "Sessenheimer Lieder" und "Heidenroeslein". Frankfurt und Darmstadt (1771) und dann nach Wetzlar (1772) Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem Darmstaedter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben. Am 10. Mai 1772 ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Grosstante, Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Buergermeisters von Leipzig, wohnte. Nach der ungluecklichen Liebe zu Charlotte Buff verliess Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder. Er hatte gerade sein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Draengen seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessfuehrung sammeln. Goethes Vater hatte grosse Plaene mit seinem einzigen Sohn: Sein Ziel war es, ihn zum Schultheissen in Frankfurt zu machen. Daher hatte er seinen Sohn schon frueh mit Rechtsbuechern vertraut gemacht und ihn viel auswendig lernen lassen. Es war nicht so, dass Goethe das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen waere. Er war durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes, da er hoffte, sich daraus ein Bild ueber die Zustaende im Reich machen zu koennen. Er nahm Veraenderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte diese als Ganzes ueberschauen, war sich aber der Lueckenhaftigkeit seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und systematisch strukturierten und philosophisch begruendeten Gesetzen unter Beruecksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies laesst sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten. Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte es kaum als Ausbildungsmoeglichkeit. Denn zum einen war er gegenueber der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck der zerruetteten Verhaeltnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen 1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen er sich im Gasthof "Zum Kronprinzen" traf, nicht, dass diese etwas verbessern koennten. Ausserdem behauptet Goethe spaeter, als er Dichtung und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust. Nach dem Suizid des Gesandtschaftssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal fuer kurze Zeit nach Wetzlar zurueck. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein Suizid war fuer Goethe der Ausloeser, seinen Roman Die Leiden des jungen Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er in Gespraechen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun gehabt hatten, ergruendete. Der Roman wird ein grosser Erfolg und gilt als literarische Initialzuendung der Empfindsamkeit und der Sturm und Drang-Literatur. 1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruss. Weimar (1775-1805) 1775-1776 betreibt Goethe einen intensiven Briefwechsel mit Graefin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt. 1776 tritt Goethe als Geheimer Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem "Gartenhaus" (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen "Garten am Stern" bezeichnete er spaeter in seinen Tagebuechern als "untern Garten". Massgeblich beteiligt war er auch an der Planung des Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott haette mich zum Gaertner oder Laboranten gemacht, ich koennte gluecklich sein schreibt er in seinem Tagebuch. Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung. 1779 wird er zum Geheimrat befoerdert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre juengeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges Amt anzunehmen, war eine fuer politische Reformtaetigkeit. Goethe war innerhalb des Kabinetts verantwortlich fuer eine wachsende Zahl von Zustaendigkeiten. Politik blieb - auch nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst - ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte. In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu beschaeftigen. Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit Skepsis und uebergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Ruecktritt von seinem Amt als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befoerdert, am 2. Maerz 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwuerfnissen kam. Der Herzog vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792 schliesslich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan zum Nationalmuseum erklaert. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel zerstoert wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten neu). Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem Namen "Abaris", geworben von Johann Christoph Bode. 1777 Erste Reise in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise. 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schaedel. Reise nach Italien (1786-1788) Am 3. September 1786 verliess Goethe fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten Diener und Sekretaer Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe gab sich in Italien unter dem Namen "Filippo Miller" aus. Die ersten Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von Rom aus gab er den Naechststehenden Nachricht ueber seine eigentlichen Entschluesse und die Absicht, laengere Zeit in Italien zu bleiben. Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das beruehmte Gemaelde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der roemischen Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der "Hauptstadt der Welt" als Erfuellung eines Lebenstraumes - als "einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt". Er laesst sich als Kuenstler von der Monumentalitaet der antiken Bauten inspirieren (Pantheon, Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darueber hinaus beschaeftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel der abendlaendischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den "Roemischen Elegien" (1795) blickt der Begruender der deutschen Klassik wehmuetig auf sein Rom-Erlebnis zurueck und aeussert den Wunsch einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoss fuer die Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike Groesse anknuepft. 1788 bis 1805 Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich spaeter herausstellte, unter schweren Bandscheibenschaeden und Verwachsungen mehrerer Brustwirbel. 1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft dauerte bis zu Schillers Tod 1805. 1798 schrieb er die Elegie "Die Metamorphose der Pflanzen". Nach 1805 Im Jahr nach Schillers Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789 zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte. Am Rande des Erfurter Fuerstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau Christiane. 1817 begann er die "Geschichte seines botanischen Studiums" "Zeitschrift Zur Naturwissenschaft ueberhaupt, besonders zur Morphologie" (bis 1824). Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl Friedrich Zelter. Goethe starb am 22. Maerz 1832. Seine beruehmten letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Er wurde am 26. Maerz in der Fuerstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Roehr, Generalsuperintendent in Weimar. (...) Naturwissenschaftliche Arbeiten In der Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich zu beschaeftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor allem in Italien suchte er seine "Urpflanze". Sein wissenschaftlicher Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit wird die groesste Mannigfaltigkeit moeglich scheint heute allerdings wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht gilt seine Farbenlehre heute als wenig naturwissenschaftlich; gerade zu diesem Werk haben sich aber die bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts geaeussert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu diesem Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des Menschen mit den Affen war. Zu den naturwissenschaftlichen Spaetwerken Goethes gehoert die Spiraltendenz der Vegetation (1831), in welcher er aufzeigt, dass Lebendiges dazu tendiert, sich in Spiralen zu entfalten. Mehr Beachtung als die Einzelergebnisse in Goethes naturwissenschaftlichen Arbeiten fand die den Naturstudien zugrunde liegende Wissenschaftsmethodik (Goetheanismus), die sich, anders als die Naturphilosophie der Romantik, als empirisch (nicht spekulativ) versteht und die im Unterschied zum positivistischen Empirismus den Menschen nicht als externen Beobachter, sondern als innerhalb des Beobachteten und als zu diesem gehoerend behandelt. aus Diese Biographie basiert auf einem Artikel aus der freien Enzyklopaedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz fuer freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfuegbar.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (gedichtePortal-de):
Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.August 1749 in Frankfurt/Main als Sohn desKaiserlichen Rater Dr.jur. Johann Caspar Goethe und Catharina Elisabeth geboren. Da seine Eltern grossen Wert auf eine gute Ausbildung legten, bekam Goethe bereits im fruehen Alter Privatunterricht in Latein, Griechisch, Englisch, Italienisch und Schoenschreiben. Ein Jahr nach ihm kam seine Schweser Cornelia zur Welt. Im Jahre 1765 schrieb er sich in Leipzig zum Jurastudium ein und hoerte dort noch zusaetzlich Vorlesungen in Philosophie und Philologie, unter anderem auch bei Christian Fuerchtegott Gellert. Im Sommer 1768 erlitt er einen Blutstur, im Winter gleichen Jahres litt er an einer schweren Krankheit mit einer lebensgefaehrlichen Krise. 1770 wechselte er den Studienort und siedelte daher nach Strassbur. Dennoch lag sein Interesse weniger im juristischen Bereich, vielmehr besuchte er in erster Linie medizinische Vorlesungen. 1771 promovierte er zum Lizentiaten der Rechte und zog anschliessend nach Frankfurt, wo er als Rechtsanwalt zugelassen wurde. Im April 1775 verlobte er sich mit Lili Schoenemann, doch nur ein halbes Jahr spaeter wurde das Verloebnis wieder geloest. Im Juni 1777 starb seine Schwester Cornelia, zwei Jahre spaeter wurde er zum Geheimen Rat ernannt. Im April 1782 erhob Kaiser Joseph II. Goethe in den Adelsstand, nur einen Monat spaeter starb sein Vater. Im Maerz 1784 entdeckte Goehte in Jena den Zwischenkieferknochen am menschlichen Obergebiss. Im Jahr darauf begann er ein Studium der Botanik. Im September 1788 kam es in Rudolstadt zu einer ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Ein Jahr spaeter wurde sein Sohn Julius August Walther geboren, weitere vier Jahre spaeter folgte die Tochter Caroline, die jedoch nur kurze Zeit lebte.Im Maerz 1798 kreuzten sich die Wege von Goethe und Novalis. 1801 erkrankte er an Gesichtsrose. Zwei Jahre danach kam seine Tochter Kathinka zur Welt, doch wie seine erste Tochter lebte auch sein drittes Kind nur kurze Zeit. 1804 ernannte man ihn zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Praedikat Exzellenz. Im folgenden Jahr machte ihm mehrmals eine Nierenkolik sehr zu schaffen. Im Oktober 1806 heiratete er Christiane Vulpius. 1808 starb Goethes Mutter. Im Dezember 1815 wurde er zum Staatsminister ernannt. Ein halbes Jahr spaeter starb seine Frau Christiane nach schwerer Krankheit. Er selbst erkrankte 1823 an einer Herzbeutel- und Rippenfellentzuendung. Im Oktober 1830 starb sein Sohn August, Goethe erlitt nur einen Monat spaeter einen Blutsturz. Am 22.Maerz 1832 starb Goethe nach einwoechiger Krankheit.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (goethezeitportal-de):
Kuenstler- und Denkerenzyklopaedie Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) 1749-1765: Kindheit in Frankfurt Johann Wolfgang von Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Die Jahre 1749 bis 1765 sind Zeiten wohlbehueteter Kindheit und vielseitiger Ausbildung. Goethe wird als Sohn einer wohlhabenden, lutherischen Familie in eine Welt der Traditionen hineingeboren. Der Vater laesst seine Kinder reichhaltig, umfassend, vieles aber nur kurz anreissend ausbilden. Ziel ist eine universale Bildung, die alle Bereiche der Kuenste und Wissenschaften, mehrere Sprachen und Musikunterricht fuer Klavier und Cello umfasst. Spaeter kommt noch Tanz-, Fecht- und Reitunterricht auf die Kinder zu. Aber es gibt auch Theater- und Konzertbesuche. 1765-1768: Leipziger Studienjahre Im Oktober 1765 kommt Johann Wolfgang von Goethe zum Jura-Studium nach Leipzig. Das Studium betreibt er halbherzig. Mit einem stattlichen Budget von 1000 Talern jaehrlich fuehrt er ein gesellschaftliches Leben. Gottsched und Gellert lehren zu dieser Zeit in Leipzig. Goethe befasst sich lieber mit Theologie, Naturwissenschaft und Medizin, geht ins Theater, lernt radieren, kupferstechen und zeichnen bei Adam Oeser, einem Freund Winckelmanns. Goethe verliebt sich in Anna Katharina (Kaethchen) Schoenkopf. 1768-1770: Frankfurter Intermezzo Nach einer schwerer Krankheit kehrt Goethe Ende August 1768 nach Frankfurt zurueck. Erst im Winter 1769 fuehlt er sich wieder einigermassen gesund. In dieser Zeit ist Goethe auf der Suche, er besitzt keine feste Orientierung. Sein Studium ist noch nicht beendet und auch der Wunsch des Vaters nach einer Promotion noch nicht erfuellt. Insofern kann Frankfurt nur eine Zwischenstation sein. In diesen Monaten pflegt der kranke und genesende Goethe nicht nur den Umgang mit Pietisten wie Susanna von Klettenberg (1723-1774), sondern studiert hermetische Schriften und setzte alchimistische Versuche an. Ausserdem zeichnet und radiert er weiter. 1770-1771: Strassburg Ostern 1770 zieht der wieder genesene Goethe zur Fortsetzung des Studiums nach Strassburg. Nach nur einem Semester legt er das Kandidatenexamen ab, das eigentliche Studium ist damit abgeschlossen. Im Sommer 1771 beginnt er mit der Promotion. Diese wird jedoch von der Fakultaet abgelehnt. Er darf sich danach in einer oeffentlichen Disputation von juristischen Thesen um den Grad eines Lizentiaten bewerben. Dieser Titel galt eben so viel wie der Titel eines Doktor juris. Goethe erwarb ihn mit dem Praedikat "Cum applausu". Mehr interessieren ihn in dieser Zeit jedoch medizinische, botanische, theologische und philosophische Studien. Vor allem die Chemie ist seine "heimliche Geliebte". Anfang September 1770 trifft Johann Gottfried Herder in Strassburg ein. Goethe besucht ihn oft. Der um fuenf Jahre aeltere Herder erkennt Goethes Begabung und begeistert ihn fuer Natur- und Volkspoesie, fuer Homer, Ossian und Shakespeare. "Gross und bedeutend" nennt Goethe rueckblickend Herders Einfluss. Die beiden sollte eine lebenslange Freundschaft verbinden. Zur gleichen Zeit verkehrt der Student mit Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) und Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792). Gepraegt ist die Strassburger Zeit aber durch seine Liebe zu Friederike Brion (1752-1813). Goethe schrieb fuer sie Gedichte, beispielsweise das "Mailied" und "Willkommen und Abschied". 1771-1775: Wieder in Frankfurt Wieder in Frankfurt arbeitet Goethe als Rechtsanwalt am dortigen Schoeffengericht. Im September 1771 legt der junge Anwalt den Advokateneid und auch den Eid als Frankfurter Buerger ab. Nun stuende ihm eine Laufbahn offen, die auch in repraesentative oeffentliche Aemter fuehren koennte. Goethe richtet sich eine Kanzlei im Hause seiner Eltern ein und fuehrt Prozesse. Ende 1771 wird der "Goetz von Berlichingen" fertig, ein fuer den Sturm und Drang vorbildliches Schauspiel. 1772 beginnt Goethes eigentliche schriftstellerische Laufbahn als Rezensent der Frankfurter Gelehrten Anzeigen, dem bedeutenden publizistischen Organ des Sturm und Drang. Im Mai 1772 schickt ihn der Vater nach Wetzlar ans Reichskammergericht. Auf einem Ball in Volpertshausen lernt er Charlotte Buff kennen. Spaeter macht er auch die Bekanntschaft ihres Verlobten Johann Christian Kestner. Das Verhaeltnis der Drei wird durch Goethes Annaeherungsversuche getruebt und im September verlaesst er daraufhin Wetzlar. Auf der Rueckreise besucht er in Ehrenbreitstein Sophie La Roche und trifft dort deren Tochter Maximiliane. Goethe schreibt den "Werther" im Februar und Maerz des Jahres 1774. Es wird sein groesster internationaler Erfolg und sein aufsehenerregendstes Buch. Darin eingegangen ist der Selbstmord des Legationssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar. Dieser war im Herbst 1772 an der Liebe zu einer verheirateten Frau zerbrochen. Mit dem Erscheinen des "Goetz" und des "Werther" ist Goethe zur Symbolfigur des Sturm und Drangs geworden. Unmittelbar nach dem "Werther" schreibt er das Schauspiel "Clavigo". Ausserdem macht er Plaene fuer "Faust" und "Egmont" Im Jahr 1775 verlobt er sich mit der Bankierstochter Anna Elisabeth (Lili) Schoenemann, zu einer Heirat kommt es aber nicht. Im Mai 1775 macht Goethe mit Friedrich Leopold (Fritz) und Christian Graf zu Stolberg und Christian Graf von Haugwitz eine Bildungsreise in die Schweiz. In Zuerich sind sie zu Gast bei dem Theologen Johann Caspar Lavater, der Goethe seinerseits im Sommer 1774 in Frankfurt besucht hatte. Nach der Rueckkehr nach Frankfurt loest Goethe die Verlobung mit Lili. 1775-1786: Weimar 1774 hat Goethe Erbprinz Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) in Frankfurt kennen gelernt. Er laedt Goethe an den Hof von Weimar ein und am 7. November 1775 kommt Goethe dort an. Der Herzog stellt ihn in den Staatsdienst ein und bewilligt ihm ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt. Im Juni 1776 beruft der Herzog Goethe als Geheimen Legationsrat in den Geheimen Conseil, die Zentrale der Landesregierung. Drei Jahre spaeter uebernimmt Goethe die Weimarer Kriegskommission und die Direktion des Wegebaus. Als Dreissigjaehriger wird er zum Geheimen Rat ernannt. 1782 macht ihn der Fuerst zum Leiter der Finanzkammer. Goethe beginnt eine Liebesbeziehung mit Charlotte von Stein (1742-1827). 1782 zieht Goethe vom beruehmten Gartenhaus in das Haus am Frauenplan in Weimar. Im gleichen Jahr wird er von Kaiser Joseph II. in den Adelsstand erhoben. Er entdeckt sein Interesse fuer Geologie und Mineralogie. In dieser Zeit unternimmt Goethe Reisen nach Duesseldorf, in den Harz, nach Berlin, Frankfurt, ins Elsass, in die Schweiz, nach Goettingen und Kassel. Auch dienstlich ist er mit dem Herzog unterwegs. Nach Leipzig, Berlin, in den Harz und an andere saechsische Hoefe, nach Schlesien, Krakau und Czenstochowa geht die Fahrt. Er pflegt Kontakte zu Wieland und Herder, der auf Goethes Wunsch nach Weimar gerufen worden war. In den ersten elf Weimarer Jahren veroeffentlicht er kaum etwas. Den "Wilhelm Meister" faengt der Dichter an, "Egmont", "Iphigenie" und "Tasso" werden nicht vollendet. Der "Faust" bleibt ein Fragment. Dafuer entstehen einige seiner bekanntesten und beruehmtesten Gedichte: "Ueber allen Gipfeln ist Ruh'", "Grenzen der Menschheit" und "Das Goettliche". Fuer das Weimarer Liebhabertheater schreibt Goethe zahlreiche Stuecke, fuehrt Regie und schauspielert. Im Herbst 1779 reist Goethe mit dem Herzog in die Schweiz. Sie machen vier Tage in Goethes Vaterhaus in Frankfurt Station. Auf dem weiteren Weg besucht er auch Friederike Brion in Sesenheim und Lili von Tuerckheim in Strassburg. Goethe beginnt seine Naturstudien, die alle auf den Menschen bezogen bleiben, so weit sie sich auch mit den Gebieten der Botanik und Zoologie, Mineralogie und Geologie, Farbenlehre und Wolkenkunde beschaeftigen. Er liest Linné's "Philosophie der Botanik" und schreibt dem schwedischen Naturforscher spaeter den groessten Einfluss nach Shakespeare und Spinoza zu. Im Maerz 1784 gelingt ihm, wie er glaubt, eine anatomische Entdeckung: das os intermaxillare. Im Sommer 1785 begibt sich Goethe zum ersten Mal zur Kur ins boehmische Karlsbad. Bis 1823 wiederholt er die Fahrt dorthin sechszehnmal. Waehrend der zweiten Badereise plant Goethe bereits seine "Flucht" nach Italien. Am 3. September 1786 setzt er den Plan in die Tat um. 1786-1788: Italien Die "Flucht" nach Italien fuehrte Goethe ueber den Brenner, Trient, den Gardasee nach Verona, dann nach Venedig, Padua und schliesslich Rom. Dort findet er Kontakt zu deutschen Kuenstlern wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), Angelika Kauffmann (1741-1807) und Karl Philipp Moritz (1756-1793). Von Tischbein, der auch Goethe-Tischbein genannt wird, stammt das Gemaelde "Goethe in der Campagna" (1786-1788). Vier Monate dauert der erste Aufenthalt in Rom. Dann reist Goethe am 22. Februar 1787 zusammen mit Tischbein weiter nach Neapel. Bald darauf geht die Fahrt mit dem Landschaftsmaler Christoph Heinrich Kniep weiter bis nach Sizilien. Im Mai kehren sie ueber Neapel nach Rom zurueck. Hier beginnt am 7. Juni 1787 Goethes zweiter Aufenthalt in Rom, der fast noch ein Jahr dauert. Er studiert die alte Baukunst und die Bildende Kunst in Museen und Sammlungen. Goethe ist in Italien aber nicht nur Kunstbetrachter, sondern er versucht, sich selbst als Kuenstler weiterzubilden. Er zeichnet, aquarelliert und lernt das Modellieren. Rund 850 Zeichnungen sind aus seiner italienischen Zeit erhalten. Ebenfalls in dieser Zeit schreibt er die "Iphigenie" in Verse um und bringt den "Egmont" zu Ende, arbeitet am "Tasso" und am "Faust". Am 23. April 1788 bricht er mit Christoph Kayser zur Rueckreise in den Norden auf. Sie reisen bis Juni ueber Siena, Florenz, Bologna, Parma und Mailand. Durch die Schweiz und Konstanz, Nuernberg, Erlangen, Bamberg, Coburg. Seine Darstellung der "Italienischen Reise" verfasst er erst dreissig Jahre spaeter. Sie basiert auf dem "Reise-Tagebuch" fuer Charlotte von Stein und auf Originalbriefen und -notizen. 1788-1832: Weimar 1788 kommt Goethe wieder in Weimar an. Der Herzog, nicht boese ueber die Abwesenheit, gibt Goethes Neigungen nach, entbindet ihn von den Regierungsgeschaeften, laesst ihm aber den Sitz im Ministerrat und die Bezuege. Goethe ist nun eine Art Kulturminister mit der Oberaufsicht ueber die Anstalten ueber Wissenschaft und Kunst, beispielsweise die Universitaet Jena. Ab 1791 leitet Goethe dann auch das neue Weimarer Hoftheater, ein Amt, das er bis 1817 inne hat. Die Liaison mit Charlotte von Stein wird nicht wieder aufgenommen, sondern Goethe beginnt ein Verhaeltnis mit Christiane Vulpius. Der Minister Goethe verfolgt die Geschehnisse der Franzoesischen Revolution mit Interesse und setzt sich beispielsweise in den "Revolutionsdramen", der Novellensammlung "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1795) und dem Versepos "Hermann und Dorothea" (1797) damit auseinander. Zunehmend beschaeftigt sich Goethe mit den Naturwissenschaften. Sein Interesse gilt der Anatomie, Botanik, Mineralogie, Optik und der Farbentheorie. 1790 besucht Goethe zum zweiten Mal Italien. Er reist bis Venedig der Herzogenmutter entgegen, doch seine Begeisterung fuer das Land ist verflogen. 1792 zieht er mit Carl August nach Frankreich, um am Krieg Oesterreichs und Preussens gegen die Revolutionsregierung teilzunehmen. Das Erlebnis wird in der Schrift "Die Kampagne in Frankreich" erlaeutert. 1794 beginnt die Freundschaft mit Friedrich Schiller, die beide zu produktiver Arbeit anregt. 1805 erkranken sowohl Goethe als auch Schiller schwer. Am 9. Mai des gleichen Jahres stirbt Schiller, Goethe, der selbst unter heftigen Nierenkoliken leidet, ist erschuettert. Am 13. April 1806 protokollierte er dann im Tagebuch: "Schluss von Fausts I. teil". Damit erfuellt er noch einen Wunsch Schillers. Im Januar 1795 kommt der erste Band von "Wilhelm Meisters Lehrjahre" heraus. Auf der dritten Schweizer Reise 1797 machte Goethe in seiner alten Heimatstadt Frankfurt Station und liess auch Christiane und seinen Sohn nachkommen, um sie der Mutter vorzustellen. Immerhin hat er vor der Reise seine Familie testamentarisch abgesichert. Diese Reise in die Schweiz war die letzte groessere Reise Goethes. Goethe hielt sich nun oft in Jena auf. Dort verliebte er sich im Winter 1807 ungluecklich in Wilhelmine (Minchen) Herzlieb (1789-1865), Pflegetochter des Buchhaendlers Frommann. In diese Zeit fallen die "Sonette", die "Wahlverwandtschaften" und seine "Farbenlehre". Im Oktober 1808 wird Goethe waehrend des Erfurter Fuerstenkongresses von Napoleon empfangen. Spaeter erhaelt er das Kreuz der Ehrenlegion. 1811 beginnt er mit der Niederschrift seiner Kindheitserinnerungen, die er "Dichtung und Wahrheit" nennt. Dazu faehrt er im Sommer 1814 und im Fruehjahr 1815 noch einmal in die Gegenden rund um Rhein und Main, in denen er seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Auf einer dieser Reisen verliebt er sich in Marianne Jung (1784-1860), die spaeter den Bankier und Geheimen Rat in Frankfurt, Johann Jakob von Willemer, heiratet. Diese Begegnung inspiriert Goethe zu den Liebesgedichten im "West-oestlichen Diwan". 1815 wird das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach durch Beschluss des Wiener Kongresses Grossherzogtum. Goethe bekleidet damit das Amt eines Staatsministers. Im Sommer 1821 faehrt Goethe zur Kur nach Marienbad und lernt dort die 17-jaehrige Ulrike von Levetzow kennen. 1817 verzichtet Goethe auf das Frankfurter Buergerrecht. Seit dem Wiener Kongress durfte das Vermoegen bei Aufgabe des Buergerrechts ausgefuehrt werden, ohne den "Zehnten Pfennig" zu zahlen. Goethe entgeht zudem der gerade beschlossenen Einkommenssteuer. Zuvor hat er auch ein Stellenangebot aus Frankfurt ausgeschlagen: Nach dem Tod seines Onkels, des Schoeffen Textor, wollte man ihm dort die Stelle eines Ratsherrn anbieten. In den letzen beiden Lebensjahrzehnten beschaeftigt Goethe die Sekretaere Friedrich Wilhelm Riemer (1774-1845) ab 1814 und ab 1823 Johann Peter Eckermann (1792-1854). Dieser spornt Goethe zur Arbeit am zweiten Teil des "Faust" an, den der Dichter daraufhin zwischen 1825 und 1831 vollendet. Aber er moechte das Werk zu seinen Lebzeiten nicht mehr veroeffentlichen, sondern uebergibt es seinen Nachlassverwaltern. In seinem Haus am Frauenplan kuemmert sich Schwiegertochter Ottilie bis zu seinem Tod um ihn. Am 22. Maerz 1832 stirbt der grosse deutsche Dichter und wird in der Fuerstengruft zu Weimar beigesetzt.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (johann-wolfgang-goethe-de):
KINDHEIT, JUGEND UND STUDIUM 1749 Johann Wolfgang Goethe wird am 28. August in Frankfurt am Main geboren. Mutter Catharina Elisabeth stammt aus der Juristenfamilie Textor, die ebenfalls in Frankfurt ansaessig ist. Sein Vater Johann Caspar ist der Sohn eines vermoegenden Modeschneiders und unterrichtet Goethe spaeter in Eigenregie. Der als streng geltende Jurist und Privatier besitzt ueber 2.000 Buchbaende und sammelt Kunstwerke und Naturalien, darunter auch italienische Stiche. Goethes Italien-Faszination laesst sich auch darauf zurueckfuehren. Goethe hat fuenf Geschwister, doch nur Schwester Cornelia und er ueberleben das Kindesalter. Cornelia stirbt mit 26 Jahren als Ehefrau des Juristen Johann Georg Schlosser. Goethes Familie ist fromm und praktiziert den christlichen Glauben. 1756 - 1763 Siebenjaehriger Krieg: Frankfurt wird von den Franzosen besetzt, der ranghoechste Offizier wird in Goethes Elternhaus einquartiert. Daher hat Goethe sein Faible fuer den Typus des gebildeten Offiziers. 1765 - 1767 Goethe studiert auf Wunsch des Vaters Jura in Leipzig, damals "Klein Paris” genannt. Er trifft Adam Friedrich Oeser, Maler und Leiter der "Zeichnung- Malerey- und Architectur-Academie”, bei dem er Zeichenunterricht nimmt und ueber den er die Schriften Johann Joachim Winckelmanns kennen lernt, die Goethes Aesthetik stark beeinflussen. 1767 Erste grosse Veroeffentlichung: "Annette” mit 19 Gedichten ueber die damals 19-jaehrige Anna Katharina Schoenkopf ("Kaethchen”) mit der er 2 Jahre bis 1768 zusammen war. In einer psychischen sowie gesundheitlichen Krise verbrennt Goethe einen Grossteil seiner bisherigen Dichtungen, weil er an seinem dichterischen Talent zweifelt. 1767/1768 "Die Laune des Verliebten”, ein Schaeferspiel in Versen, entsteht. 1768 Im Juli erleidet Goethe einen Blutsturz und eine Lungenaffektion. An seinem 19. Geburtstag verlaesst Goethe Leipzig und kehrt nach Frankfurt zurueck, im Dezember wird Goethe sterbenskrank aufgrund seiner in Leipzig ausgebrochenen Krankheit. Er vertieft sich in die Religion (auch alchemistische Schriften). Zeitgleich entstehen das erste seiner Mondgedichte namens "An den Mond” (spaeter: "An Luna”) sowie sein erstes Lustspiel "Die Mitschuldigen”. 1770 Goethe setzt Anfang April sein Jura-Studium in Strassbourg fort und erhaelt den dem Doktortitel fast ebenbuertigen Grad des Licentiatus Juris. Weil er in seiner Doktorarbeit ketzerische Aussagen getroffen haben soll, bleibt ihm der echte Doktortitel versagt. Im September lernt er Johann Gottfried Herder - Kunst- und Literaturtheoretiker - kennen, der ihn stark beeinflusst. Im Herbst lernt Goethe im Elsass in Sesenheim Friederike kennen, die Tochter des Landgeistlichen Brion, und verliebt sich in sie. Er verfasst die Sesenheimer Lieder. STURM UND DRANG 1771 Kurz vor seinem 22. Geburtstag kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck und richtet im Elternhaus eine Kanzlei ein. Vier Jahre lang arbeitet er aktiv als Jurist, betreut dabei aber nur wenige Faelle. Im November/Dezember schreibt er innerhalb von sechs Wochen das Drama "Goetz von Berlichigen” (urspr. "Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand”), ein Werk, das die Normen des Klassizismus sprengt. Unter Ruecksicht auf die Konventionen entschaerft Goethe die Fassung, die trotzdem als Revolution empfunden wird. Das gefaellt in erster Linie den juengeren Poeten, das Stueck gilt somit als dramatisches Gruendungsdokument des Sturm und Drang. 1772 Goethe macht auf Draengen seines Vaters hin ein Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und lernt das Paar Charlotte Buff und Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte und verlaesst Wetzlar nach einigen Monaten. Die Liebe zu der Verlobten seines Kollegen Kestner und andere Erfahrungen sind die Grundlage fuer Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther”. Goethe kehrt nach Frankfurt zurueck und erlebt dort eine kreative Hochphase, in der er unter anderem "Prometheus” verfasst. 1773 Entstehungsphase des sogenannten "Urfaust”, der von Goethe selbst nicht veroeffentlicht wird. 1774 Veroeffentlichung des innerhalb von vier Wochen geschriebenen Briefromans "Die Leiden des jungen Werther”, der als Sinnbild fuer den durch eine unerfuellte Liebe in den Selbstmord getriebenen, in seinem Gefuehlsueberschwang an einer widerstaendigen Umwelt zerbrechenden Schwaermer steht. Der Roman kommt bei der Bevoelkerung sehr gut an, man kann sich mit Werther identifizieren. Im Mai: Veroeffentlichung von "Clavigo”, "Stella” und "Schauspiel fuer Liebende”. In der urspruenglichen Fassung von Stella geht die Hauptfigur Fernando ein Dreiecksverhaeltnis mit Stella und Caecilie ein, was das Publikum so schockiert, dass Goethe spaeter den Schluss durch ein tragisches Ende ersetzt. "Clavigo” stellt Goethes erstes zeitgenoessisches Theaterstueck dar. MINISTERZEIT IN WEIMAR 1775 Goethe erschafft die Singspiele "Erwin und Elmire” und "Claudine von Villa” als Adaption auslaendischer Opernformen. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach laedt Goethe nach Weimar ein. 1776 im Juni wird Goethe gegen den Widerstand von Seiten des Adels Mitglied des obersten Regierungsgremiums des Herzogs, dem "Conseil” (1815 wird dies durch das Grossherzogliche Staatsministerium ersetzt) und danach, um weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen, in den Adelsstand erhoben. Goethe versucht, auf den Herzog einzuwirken, die Staatsausgaben unter die -einnahmen zu druecken, zum Beispiel durch Reduzierung der Truppen um die Haelfte. 1777 Veroeffentlichung des Gedichts "Harzreise im Winter”, in dem sich Goethes Spaltung zwischen Dichterberuf und amtlicher Praxis widerspiegelt. In diesem Jahr begegnet Goethe ausserdem Charlotte von Stein. In der Beziehung zu ihr sieht Goethe das Streben nach in der Liebe erfahrener Wahrheit. 1779 Goethe veroeffentlicht die Prosafassung der "Iphigenie auf Tauris”, in deren Theaterauffuehrung er selbst den Orest spielte. 1780 Er beginnt seine Naturforschungen, auf die spaeter Goethes Abhandlungen ueber die Natur folgen. 1782 Goethe wird vom Herzog zum Kammerpraesidenten (Finanzminister) ernannt, in der Hoffnung, den Staatshaushalt weiter zu konsolidieren. Er foerdert die Landwirtschaft, ist in der Kriegskommission, der Wege- und Wasserbaudirektion sowie der Bergwerkskommission taetig. 1783 Goethe trifft Herder wieder, eine Freundschaft entwickelt sich. Im Gedicht "Ilmenau” beschreibt Goethe das Leben des Herzogs Carl August - vom zuegellosen Jugendtreiben zum jetzigen Wirken im Interesse des Landes. 1784 In diesem Jahr entsteht der Aufsatz "Ueber den Granit in Verbundenheit” zu seinen naturwissenschaftlichen Forschungen. GOETHE IN ITALIEN 1786 Goethe konzentriert sich mehr auf den kulturpolitischen Bereich, bleibt jedoch Berater fuer den Herzog. Er beaufsichtigt die Universitaet Jena. Goethe resigniert in Anbetracht des Nichterreichens der gesteckten Ziele in Weimar, sieht die Preisgabe seines poetischen Talents zugunsten der amtlichen Taetigkeit als fragwuerdig und fluechtet am 3. September in Absprache mit dem Herzog nach Rom. Damit leitet Goethe die Weimarer Klassik ein. 1787 Im Februar 1787 zieht Goethe weiter nach Neapel, setzt im Maerz nach Sizilien ueber und kehrt im Juni nach Rom zurueck. Waehrend seiner Italien-Reise trifft er Johann Heinrich Meyer und Karl Philipp Moritz, es entstehen nur wenige neue Werke. Goethe arbeitet an vorher in Weimar angefangenen Werken, z.B. der Versform der "Iphigenie auf Tauris”, "Torquato Tasso” sowie "Faust” und schliesst "Iphigenie auf Tauris” und "Egmont” (Prosa, 12 Jahre der Entstehung) ab. In "Iphigenie auf Tauris” kommt Goethes Grundueberzeugung zum Ausdruck, dass allein Wahrheit Friede sei und beides im Weiblichen begruendet sei. 1788 Im Juni kommt Goethe nach zweimonatiger Reise wieder in Weimar an und erklaert dem Herzog, er haette sich selbst als Kuenstler, als Dichter wiedergefunden, waere wiedergeboren. Nach seiner Rueckkehr nach Weimar wird er seiner bisherigen Aemter enthoben. Goethe lernt die buergerliche Christiane Vulpius kennen, Schwester des Schriftstellers Christian August Vulpius. Aufgrund von Goethes Adelsstand wird die Verbindung von Goethe zu Christiane Vulpius als Missstand angesehen. In dieser Zeit entstehen auch die "Erotica Romana”, deren Freizuegigkeit auch von engen Freunden Goethes wie Charlotte von Stein und Herder kritisiert wird. 1789 Im Sommer 1789, kurz vor Ausbruch der Franzoesischen Revolution, vollendet Goethe "Torquato Tasso” (klassisches Drama, erstes echtes Dichterdrama). 1790 1790 folgt eine weitere unfreiwillige Italienreise, bei der Goethe der aus Italien zurueckkehrenden Herzogin Anna Amalia entgegenreist. Es entstehen die 1795 publizierten "Venetianischen Epigramme”. Diese beschreiben im Gegensatz zur ersten Italienreise die Schattenseiten Italiens und beschaeftigen sich mit der Franzoesischen Revolution. Goethe widmet sich wieder verstaerkt den Naturwissenschaften und schreibt den "Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren”. Goethe glaubt, die Farbenlehre Newtons widerlegt zu sehen, weil er beim Blick durch ein Prisma keine Zerlegung in Farben erkennen kann, wie Newton es beschrieben hatte. Er uebersieht, dass diese Farben sich allerdings auf weissem Papier wieder zu weiss vereinen. Goethe sieht das Licht als das Goettlich-Eine, Farben entstuenden durch das Zusammenspiel von hell und dunkel. Er konzentriert sich auf die subjektive Wahrnehmung der Farben und beeinflusst mit seinen Theorien die romantischen Poeten sowie die Maler seiner Zeit. 1791 Goethe wird Direktor des Hoftheaters (bis 1817), Leiter des Freien Zeicheninstituts sowie Mitglied in verschiedenen Kulturkommissionen. WEIMARER KLASSIK 1794 Goethe lernt Friedrich Schiller kennen. Beide verbindet die Ablehnung der Franzoesischen Revolution, beide arbeiten an der literarischen Zeitschrift "Die Horen”. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihren Werken (Schiller: "Wallenstein”, Goethe: "Wilhelm Meisters Lehrjahre”, die er seit 1775 in Bearbeitung hat). 1795 In diesem Jahr erscheinen die "Roemischen Eligien” (auch "Erotica Romana”), die bereits um 1790 als Gedichtzyklus entstanden waren. Durch den Vertrag von Basel erhaelt das Grossherzogtum fuer 10 Jahre einen neutralen Status bzw. Friedensstatus - auch aufgrund des Mitwirkens Goethes und Schillers. 1796 Der erste Teil des Musenalmanach erscheint, an dem Goethe und Schiller gemeinsam gearbeitet haben und in dem sie ihre Kritiker aufs Korn nehmen. 1797 Entstehungsjahr von Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling”. 1800 Erstes Festspiel Palaeophron und Neoterpe anlaesslich des Geburtstags der Herzogin-Mutter Anna Amalia. 1803 Entstehung von "Die natuerliche Tochter” als einzig vollendeter Teil einer Trilogie zum Thema Franzoesische Revolution Schiller und Goethe arbeiten gemeinsam an Theaterstuecken, wovon 1803 "Die Braut von Messina” erstmals aufgefuehrt wurde. 1805 Schiller stirbt am 9. Mai, womit die praegende Periode der Weimarer Klassik zu Ende geht. Goethe wendet sich mehr der Romantik zu und versucht, Klassik und Romantik in seinen Werken zu vereinen. AUTOBIOGRAPHISCHE ARBEITEN 1806 Goethe heiratet Christiane Vulpius, die sich den durch die Stadt ziehenden und pluendernden franzoesischen Soldaten nach einer verlorenen Schlacht entgegenstellte und Goethe vor Schlimmerem bewahrte. 1808 Zweites Festspiel: "Pandora” (nur Fragmente). "Faust, der Tragoedie erster Teil” erscheint. 1809 Goethe beginnt mit seinen autobiographischen Arbeiten "Dichtung und Wahrheit”, die Teile von Goethes Biographie zwischen zwischen 1749 und 1775 aufgreift. Auch vor dem Hintergrund von Schillers Tod hegt er den Wunsch, das Gewesene fuer die Nachwelt zu fixieren. Ausserdem erfolgt die Veroeffentlichung von "Wahlverwandtschaften”. 1810 "Opus zur Farbenlehre” 1814 1814 erscheint der dritte und letzte vollstaendige Teil von "Dichtung und Wahrheit”, der 4. Teil wird unterbrochen durch "Faust II” und vor Goethes Tod nicht mehr ganz fertig gestellt. Die Franzoesische Revolution endet, Goethe reist danach zu den Orten von Goethes Kindheit und Jugend im Rhein-Main-Gebiet. ALTER IN WEIMAR 1815 Goethe nimmt seine politischen Arbeiten wieder auf und wird zum Staatsminister und Ressortleiter der "Anstalten fuer Wissenschaft und Kunst" in Weimar und Jena ernannt. In seinen letzten Lebensjahren festigt sich bei Goethe die Vorstellung einer Weltliteratur im Zuge der Internationalisierung, die Erzeugnisse einzelner Nationen werden Gemeingut. Premiere des Festspiels "Des Epimenides Erwachen” anlaesslich des Sieges Napoleons und des Endes der Befreiungskriege. 1816 Tod von Goethes Ehefrau Christiane. 1818 "Um Mitternacht” 1819 Von 1819 bis 1825 schreibt er die "Annalen meines Lebens”. In dieser Zeit veroeffentlicht er ausserdem den "West-oestlichen Divan”, in dem die Faszination Goethes an der altpersischen Dichtung zum Ausdruck kommt. 1821 Goethe lernt als 74jaehriger die 17jaehrige Ulrike von Levetzow kennen und verliebt sich zwei Jahre spaeter in sie. Ulrikes Mutter lehnt Goethes Antrag ab, woraufhin die Liebesklagen "Eligie” entstehen. Der erste Teil des Goethe-Romans "Wilhelm Meisters Wanderjahre” wird veroeffentlicht. 1823/24 "Trilogie der Leidenschaft” 1824 "Der Braeutigam” 1825 Die Arbeiten an "Faust II” beginnen. 1827 Goethe veroeffentlicht die "Ausgabe letzter Hand”, eine Sammlung von Gedichtbaenden, das wichtigste Gedicht ist dabei "Urworte: Orphisch”. 1828 Herzog Carl August stirbt. Veroeffentlichung von "Novelle” (Prosadichtung). 1829 In "Ausgabe letzter Hand” (Band 21-23) veroeffentlicht Goethe die Neufassung von "Wilhelm Meisters Wanderjahre”. "Faust” wird in Braunschweig uraufgefuehrt, wobei Goethe nicht anwesend ist, weil er das Stueck nicht als fuer die Buehne geschaffen sieht. 1830 Goethes Sohn August stirbt. 1832 Goethe stirbt am 22. Maerz vermutlich an einem Katarrhfieber mit folgendem Herzinfarkt. Bis heute haelt sich das Geruecht, seine letzten Worte lauteten "Mehr Licht!”. Goethe wird neben Carl August und Friedrich Schiller in Weimar begraben. In den "Nachgelassenen Werken” erscheint "Faust. Der Tragoedie zweiter Teil”. Goethe verfuegte, dass diese zu seinen Lebzeiten nicht veroeffentlicht werden sollte.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (literaturwelt-com):
Leben Kindheit, Jugend und Studienzeit Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates Johann Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main geboren. Von seinen fuenf Geschwistern ueberlebt nur Cornelia (geb. am 7. Dezember 1750), mit der er seine Kindheit gemeinsam verbringt und ein enges Verhaeltnis aufbaut. Ab 1752 besucht Goethe drei Jahre lang die Frankfurter Spielschule. Mit dem Umbau des Elternhauses 1755 erhaelt der junge Goethe Privatunterricht. In seiner Jugend wird er Zeuge bedeutender historischer Ereignisse, u.a. die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen 1759 oder die Kroenung Josephs des Zweiten 1764. Im Oktober 1765 nahm er auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf. Nebenher besuchte Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen, u. a. bei Gellert und Gottsched. Er beschaeftigte sich ausserdem in dieser Zeit mit Lessing und der Aufklaerung sowie mit Klopstock und der Empfindsamkeit. Bei Adam F. Oeser nahm er Zeichenunterricht. Im August 1768 muss er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe kehrte daraufhin wieder ins Elternhaus zurueck. Seine Genesung verzoegerte sich durch einige Rueckfaelle bis Maerz 1770. In dieser Zeit wird Goethe vor allem von religioeser Lektuere beeinflusst, angeregt durch Susanna Katharina von Klettenberg. Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe in Strassburg sein Jurastudium fort. Auch Herder hielt sich um diese Zeit in Strassburg auf. Goethe knuepfte in Strassburg Kontakte zu Jakob Michael Reinhold Lenz, und Gottfried von Herder und machte Bekanntschaft mit Friedericke Brion. Ihr widmete er zahlreiche Gedichte, darunter das Heidenroeslen, Mailied und Willkommen und Abschied. Im August 1771 promoviert Goethe zum Lizentiaten der Rechte. Der Stuermer und Draenger Nach seiner Promotion in Strassburg kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck. Er nimmt seine Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber nebenher verstaerkt der Dichtung zu. So konnte er die Urfassung von Goetz von Berchlingen vollenden, die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. 1772 macht Goethe Bekanntschaft mit Charlotte Buff, als er Praktikant im Reichskammergericht in Wetzlar ist. Ausserdem arbeitet er an den Frankfurter Gelehrten Anzeigen mit, das den Beginn seiner schriftstellerischen Karriere markiert. Die unerfuellte Liebe zu Charlotte Buff regt Goethe zu seinem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers an, der ihn schlagartig beruehmt machte. Es entstanden auch einige Hymnen, darunter Ganymed, Prometheus und Wanderers Sturmlied. In der Zeit zwischen 1773 und 1775 arbeitet Goethe an ersten Fassungen seiner Dramen Urfaust, Prometheus und Mahomet. Dabei orientiert er sich besonders an den Werken Shakespeares. Auf seinen Reisen im Jahr 1774 nimmt Goethe Kontakt zu Johann Caspar Lavater, den Bruedern Jacobi und Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach auf. Im April 1775 kommt es zur Verlobung mit Lili Schoenemann, die aber ein halbes Jahr spaeter wieder geloest wird. Das erste Weimarer Jahrzehnt Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von Karl August nach Weimar eingeladen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit Charlotte von Stein. Im November siedelt er schliesslich ganz ueber. In Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansaessig, die bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich versammelte. Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der Ankunft Goethes nahmen die kulturelle Aktivitaet der Stadt Weimar enorm zu. 1776 bis 1782 wohnte Goethe in einem Gartenhaus an den Ilmwiesen. Er wird Beamter der Stadt Weimar und zum Geheimen Legationsrat ernannt. 1776 kommt auch Herder, als Generalsuperintendent, nach Weimar. Mit der Oberaufsicht ueber den Illmenauer Bergbau und der engen Beziehung mit Charlotte von Stein verstaerkt sich Goethes gefasster Entschluss, in Weimar zu bleiben. 1777 stirbt seine Schwester Cornelia. Waehrend sein Schauspiel Stella (1776) noch vom Sturm und Drang gepraegt war, setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in Goethes Werken allmaehlich durch. 1779 entsteht die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris, die 1786 in Blankverse umgeschrieben wurde. Im Januar 1779 wird Goethe die Leitung der Kriegs- und Wegebaukommission uebertragen, durch die er viele Dienstreisen mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe zum Geheimen Rat ernannt. Die Aufsicht ueber den Bergbau in Illmenau veranlasst Goethe sich mit mineralogischen Studien zu beschaeftigen. 1782 stirbt sein Vater. Goethe bezieht des Haus am Frauenplan. 1784 entdeckt er den Zwischenkieferknochen des Menschen. 1785 sind die Arbeiten an Wilhelm Meisters theatralischer Sendung abgeschlossen. Goethe haelt sich nun oefters in Karlsbad auf. Italienreise und Rueckkehr nach Weimar Im Herbst des Jahres 1786 bricht Goethe heimlich in Karlsbad auf und begab sich auf eine Erholungs- und Bildungsreise nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer drueckender empfundenen hoefischen und dienstlichen Verpflichtungen. Goethe gab sich dabei als "Maler Moeller" aus. Am 29. Oktober erreichte er Rom, das eigentliche Ziel seiner Reise. Dort machte er Bekanntschaft mit dem Maler Tischbein und dem Dichter Karl Philipp Moritz. Neben der Beschaeftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete Goethe auch an seinen literarischen Projekten Iphigenie, Egmont, Tasso und Faust weiter. Bereits 1786 konnte Iphigenie auf Tauris in Versform fertiggestellt werden, 1788 dann Egmont. Am 23. April 1788 brach Goethe in Rom auf und trat seine Heimreise an. Am 18. Juni traf er in Weimar wieder ein. Goethe wird in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der hoefischen und dienstlichen Pflichten entbunden. Er wird stattdessen mit der Leitung kuenstlerischer Anstalten des Herzogtums betraut, darunter z. B. das "Freie-Zeichen-Institut". Im Juli lernt Goethe seine zukuenftige Lebensgefaehrtin, Christiane Vulpius, kennen. Noch im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer Professur in Jena. 1789 wird Goethes Sohn August geboren. Die Arbeit am Tasso sind abgeschlossen. Zur Franzoesischen Revolution verhaelt sich Goethe ablehnend. 1790 erscheinen Die Metamorphose der Pflanzen und Faust, ein Fragment. 1791 wird Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters. 1792 begleitet Goethe Herzog Karl-August im 1. Koalitionskrieg Preussens und Oesterreichs gegen Frankreich. Er selbst wird Augenzeuge der Kanonade von Valmy, am 20. September 1792. Das Schauspiel Der Gross-Koptha entsteht. 1793 ist Goethe Beobachter bei der Belagerung von Mainz. Der Buergergeneral und Reineke Fuchs werden veroeffentlicht. Goethe beschaeftigt sich seit 1793 bis 1798 intensiv mit Studien zu Homer. Das Jahrzehnt mit Schiller 1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift Die Horen gewinnen. Daraus entwickelte sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunaechst nur aus einem staendigen Briefwechsel bestand. Seit der Tagung der "Naturforschenden Gesellschaft" in Jena 1794 ist Schiller haeufiger Gast bei Goethe in Weimar. 1796 entstehen die Xenien. 1797 erhaelt Goethe die Aufsicht ueber die Weimarer Bibliothek. Das Jahr 1797 ging als das "Balladenjahr" in die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe und Schiller zahlreiche Balladen hervorgingen, darunter Der Gott und die Bajadere, Der Schatzgraeber, Der Zauberlehrling, Die Braut von Korinth und Legende. Beide befassten sich auch intensiv mit der Theorie der literarischen Gattungen, dessen Ergebnis 1797 in der Schrift Ueber epische und dramatische Dichtung festgehalten wurde. Goethe setzte in dieser Zeit auch seine Arbeiten am Faust fort. 1798 erschien die periodische Kunstzeitschrift Propylaeen, unter der Mitarbeit Schillers und Humboldts. Im Dezember 1799 uebersiedelt Schiller nach Weimar. Er draengte Goethe zur Vollendung des Fausts. Aus der Zusammenarbeit der beiden Dichter ging der Stil der Weimarer Klassik hervor, der sich an Antike und Renaissance orientierte. 1803 erhaelt Goethe die Oberaufsicht ueber die naturwissenschaftlichen Institute der Universitaet Jena. 1804 wird er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Am 9. Mai 1805 stirbt sein engster Freund, Schiller. Dieses Ereignis nimmt einen tiefen Einschnitt in das Leben Goethes, das bis dahin von einer intensiven Freundschaft und geistigen Beziehung der beiden gepraegt war. Im Epilog zu Schillers Glocke setze er ihm ein Denkmal. Das Jahrzehnt nach Schillers Tod In der Zeit nach Schiller, zaehlten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter und Wilhelm von Humboldt zu Goethes engsten Freunden. Goethe setze sich ab 1806 intensiv mit der Romantik auseinander. Die Sammlung Des Knaben Wunderhorn (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano regten Goethe an, sich mit dem deutschen Mittelalter und der Volkspoesie zu beschaeftigen. Im April 1806 wurde Faust, erster Teil abgeschlossen. Im Oktober kam es zur Schlacht bei Jena und zur Besetzung Weimars. Goethe heiratete in diesem Jahr Christiane Vulpus. 1807 macht er Bekanntschaft mit Bettina Brentano, der spaeteren Frau A. v. Arnims. Goethe beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahre. 1808 stirbt Goethes Mutter. Auf dem Erfurter Fuerstenkongress kam es zur Begegnung zwischen Goethe und Napoleon I. 1809 erscheinen Die Wahlverwandtschaften. 1810 kam es zum Abschluss der Arbeit an der Farbenlehre. Der erste Teil seiner Autobiographie Dichtung und Wahrheit, erster Teil. erschien 1811. In Karlsbad kam es 1812 zur Begegnung mit Ludwig van Beethoven, der einige Gedichte Goethes vertonte. Dichtung und Wahrheit, zweiter Teil. wurde fertiggestellt. 1813 verlor die Kuenstler-Stadt Weimar einen weiteren wichtigen Geist, den Dichter Christoph Martin Wieland. Im gleichen Jahr fand zwischen dem 16. und 19. Oktober die Voelkerschlacht bei Leipzig statt. Der dritte Teil seiner Autobiographie erschien. 1814 kommt es zur Begegnung mit Marianne von Willemer und den Bruedern Boisserée. Die letzten Lebensjahre 1815 unternimmt Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein- und Maingebiet. Sachsen-Weimar-Eisenach wird durch einen Beschluss des Wiener Kongresses zum Grossherzogtum. Im September findet die letzte Begegnung mit Marianne von Willemer statt. Im Dezember wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut. Am 6. Juni 1816 stirbt seine Frau, Christiane. 1817 haelt sich Goethe oefters in Jena auf. Von der Leitung des Hoftheaters wird er entbunden. Mit zunehmenden Alter zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich nun hauptsaechlich seinen Werken zu. 1819 ist der West-oestliche Divan abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahren, die 1829 vollendet wurde. 1821 kommt es zur ersten Begegnung mit Ulrike von Levetzow, seiner letzten Liebe. 1825 nimmt er seine Arbeit am Faust, zweiter Teil. wieder auf. Im Januar 1827 stirbt Charlotte von Stein, im Juni des darauffolgenden Jahres Grossherzog Karl August. 1830 erscheint der letzte Teil seiner Autobiographie, Dichtung und Wahrheit, vierter Teil. Im November erfaehrt er vom Tode seines Sohnes, der schon Ende Oktober verstarb. Goethe erlitt einen Blutsturz. 1831 wird Faust, zweiter Teil. vollendet. Am 22. Maerz 1832 stirbt Goethe in seinem Haus am Frauenplan. Er wurde neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft beigesetzt.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38.ref> Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39.ref> Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0> nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0> Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0> Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17> Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de'']> Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.<ref name="ndbadb" /><ref>Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de'']ref> Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. name="ndbadb" /> Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 ref> Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']><ref>Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 ref> Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte.<ref name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de'']> Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden.<ref name="ndbadb" /> Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an.name="borchmeyer80" /> Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0> so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.<ref>Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) name="Seehafer180" /> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.<ref>Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref> Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8ref> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3> Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798ref>]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798> Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0> Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833)> Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38.ref> Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39.ref> Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0> nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0> Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0> Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17> Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de'']> Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.<ref name="ndbadb" /><ref>Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de'']ref> Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. name="ndbadb" /> Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 ref> Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']><ref>Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 ref> Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte.<ref name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de'']> Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden.<ref name="ndbadb" /> Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an.name="borchmeyer80" /> Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0> so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.<ref>Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) name="Seehafer180" /> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.<ref>Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref> Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8ref> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3> Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798ref>]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798> Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0> Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833)> Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Local summary for ‘Ranking 2 (log normal, log per word)’:
| dieterwunderlich-de | frankfurt-interaktiv-de | gedichte-xbib-de | gedichtePortal-de | goethezeitportal-de | johann-wolfgang-goethe-de | literaturwelt-com | wikipedia |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0.060731 | 0.023618 | 0.070710 | 0.013829 | 0.066514 | 0.062318 | 0.053835 | 1.000000 |
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (dieterwunderlich-de):
Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main als Sohn des wohlhabenden, hochgebildeten Juristen Johann Caspar Goethe (1710 - 1782) und der Schultheissentochter Katharina Elisabeth Textor (1731 - 1808) geboren. Da der Vater zwar kaiserlicher Rat war, aber keine bestimmten beruflichen Verpflichtungen hatte, unterrichtete er seinen Sohn vorwiegend selbst. Mit fuenfzehn verliebte Johann Wolfgang Goethe sich in eine junge Kellnerin namens Gretchen und geriet durch sie in die Gesellschaft von Betruegern. Im Oktober 1765 reiste er nach Leipzig, um dort Jura zu studieren, wie es sein Vater wuenschte. Dort passte sich Goethe der anspruchsvollen Mode sowie der lockeren Lebensart des Rokoko an und verliebte sich in Anna Katharina ("Kaethchen") Schoenkopf (1746 - 1810), die Tochter seiner Wirtsleute. Schwer krank kehrte er 1768 in seine Heimatstadt zurueck und wurde dort u. a. von Susanne Katharina von Klettenberg gesund gepflegt, einer Verwandten seiner Mutter, die ihn mit dem Pietismus vertraut machte. 1770 setzte Goethe sein Studium in Strassburg fort; aber mehr als die Rechtswissenschaften fesselten ihn Medizin, Botanik, Chemie, Theologie und Philosophie. Wieder verliebte er sich; diesmal in die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion (1752 - 1813). Die Achtzehnjaehrige gab seinem (vermutlich platonischen) Werben nach, aber im Sommer 1771, nach der Promotion zum "licentitatus juris", verliess Johann Wolfgang Goethe Strassburg, ohne sich von ihr auch nur zu verabschieden. Im August 1771 eroeffnete er in Frankfurt am Main eine Anwaltskanzlei und setzte zugleich seine in Strassburg begonnenen literarischen Arbeiten fort. Ende Mai 1772 begann Goethe mit einem Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar. Dort lernte der Zweiundzwanzigjaehrige den pfaelzischen Sekretaer Karl Wilhelm Jerusalem kennen und besuchte mit ihm am 9. Juni einen Ball in Volpertshausen, an dem auch Charlotte Buff (1753 - 1828) und ihr Verlobter Johann Christian Kestner (1741 - 1800) teilnahmen. Goethe verliebte sich in die vier Jahre juengere Tochter eines Amtmanns, befreundete sich mit dem hannoverschen Gesandtschaftssekretaer Kestner und traf sich haeufig mit den beiden. Als er Charlotte dreist zu kuessen versuchte, begriff sie, dass sie Klarheit schaffen musste. (Sie heiratete Kestner.) Daraufhin reiste Goethe am 11. September ueberstuerzt aus Wetzlar ab. In Ehrenbreitstein besuchte er die Schriftstellerin Sophie von La Roche, deren sechzehnjaehrige Tochter Maximiliane ihm besonders gut gefiel. Maximiliane heiratete den mehr als doppelt so alten Kaufmann Peter Anton Brentano und zog mit ihm Anfang 1774 nach Frankfurt am Main. Obwohl die verheiratete Frau fuer Goethe unerreichbar war, umschwaermte er sie, und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann. "Goetz von Berlichingen", Urauffuehrung: 1774 "Die Leiden des jungen Werther": 1774 "Clavigo", Urauffuehrung: 1774 Im Fruehjahr 1774 schrieb Johann Wolfgang Goethe "Die Leiden des jungen Werther", ein Roman, der offenbar den Nerv der Zeit traf und deshalb innerhalb von kurzer Zeit in mehreren Auflagen erschien. Johann Wolfgang Goethe verlobte sich Ostern 1775 mit der Frankfurter Bankierstochter Anna Elisabeth ("Lili") Schoenemann (1758 - 1817), aber nach seiner ersten Schweiz-Reise von Mai bis Juli 1775 beendete er die von keiner der beiden Familien gutgeheissene Beziehung. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar (1757 - 1828), der am 3. September 1775 das Erbe seines frueh verstorbenen Vaters uebernahm, reiste kurz darauf zu den Eltern seiner Braut, Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt, besuchte bei dieser Gelegenheit auch den Dichter des "Werther" und lud ihn ein, nach Weimar zu kommen. Die Residenzstadt galt als "Musenhof", denn seine Mutter Anna Amalia, die Witwe des 1758 verstorbenen Herzogs Ernst August II. Constantin (eine Nichte Friedrichs des Grossen), hatte waehrend ihrer Regentschaft bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Geisteslebens nach Weimar geholt, so zum Beispiel 1772 Christoph Martin Wieland (1733 - 1813) als Erzieher ihrer Soehne Carl August und Bernhard. Am 9. November 1775 folgte Johann Wolfgang Goethe der Einladung und zog in ein Gartenhaus an der Ilm, das ihm Herzog Carl August uebereignete. Er erhielt das Weimarer Buergerrecht und wurde zum Geheimen Legationsrat ernannt. In Weimar befreundete Johann Wolfgang Goethe sich mit der geistvollen Frau Charlotte von Stein (1742 - 1827), der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb. Charlotte Albertine Ernestine von Schardt hatte als Fuenfzehnjaehrige eine Anstellung als Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar erhalten, sieben Jahre spaeter den herzoglichen Stallmeister Friedrich Josias Freiherr von Stein (1735 - 1793) geheiratet und innerhalb von zehn Ehejahren sieben Kinder geboren. (Arm und einsam starb sie am 6. Januar 1827.) Goethes ein Jahr juengere Schwester Cornelia hatte sich am 1. November 1773 mit dem Juristen Johann Georg Schlosser geheiratet, der mit ihrem Bruder befreundet war. Seit der schweren Geburt ihrer Tochter Maria Anne Louise ("Lulu") am 28. Oktober 1774 kraenkelte Cornelia. Vier Wochen nachdem sie mit einer zweiten Tochter - Catharina Elisabeth Julie ("Juliette") - niedergekommen war, am 8. Juni 1777, starb sie. Goethe trauerte sehr um seine geliebte Schwester. Ende November 1777 brach Johann Wolfgang Goethe zu einer Winterreise in den Harz auf. In Wernigerode suchte er Victor Leberecht Plessing auf, den Sohn des Superintendenten, um den ungluecklichen jungen Mann vor einem Werther-Schicksal zu bewahren. Dabei trat er allerdings nicht unter seinem richtigen Namen auf, sondern gab sich als Kuenstler aus Gotha aus. In Goslar besichtigte er das Bergwerk, um sich fuer die geplante Erschliessung der Erzvorkommen von Ilmenau kundig zu machen. Und am 10. Dezember bestieg er den tief verschneiten Brocken, was damals eine unglaubliche Leistung war. "Iphigenie auf Tauris", Urauffuehrung: 1779 Herzog Carl August von Sachsen-Weimar ernannte Goethe 1779 zum Leiter der Kriegskommission und des Strassenbauwesens. Im Herbst desselben Jahres reisten die beiden in die Schweiz. Sie fuhren zunaechst von Weimar nach Frankfurt am Main zu Goethes Eltern. Am 25. September besuchten sie Friederike Brion in Sesenheim, am naechsten Tag in Strassburg Lili Schoenemann, die inzwischen verheiratet war und ein sieben Wochen altes Kind hatte. In Emmendingen machten sie Goethes verwitwetem Freund und Schwager Johann Georg Schlosser ihre Aufwartung. Die Schweiz erreichten Goethe und der Herzog am 3. Oktober bei Basel. Der Mont Blanc bildete das suedwestlichste Zwischenziel ihrer Reise. Nur begleitet von einem einheimischen Fuehrer und ihrem Reitknecht Blochberg, der sich um den Maulesel mit dem Gepaeck kuemmerte, wanderten sie im November ueber den tief verschneiten Furka-Pass. Erschoepft uebernachteten sie im Kapuzinerdomizil von Realp, bevor sie zwischen den Maultierkolonnen der Pilger vom Urserental zum Gotthard-Hospiz aufstiegen. Kaiser Joseph II. erhob Goethe am 10. April 1782 in den Adelsstand. In diesem Jahr uebernahm er in Weimar die Finanzverwaltung und mietete ein Haus am Frauenplan, das er zehn Jahre spaeter von Herzog Carl August geschenkt bekam und bis zu seinem Tod bewohnte. 1783 und 1784 reiste Johann Wolfgang von Goethe noch zweimal in den Harz. Der Arbeitsbelastung und der entsagungsvollen Beziehung zu der verheirateten Charlotte von Stein entzog er sich, indem er in der Nacht zum 3. September 1786 unter dem Namen Johann Philipp Moeller heimlich nach Italien aufbrach. In Rom besuchte er Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters malte: "Goethe in der Campagna". Auch mit der Malerin Angelica Kauffmann (1741 - 1807) befreundete sich Goethe, der erst am 18. Juni 1788 nach Weimar zurueckkehrte. Seinen frueheren Freunden und Bekannten war er inzwischen entfremdet. Ihre Missbilligung steigerte sich durch sein skandaloeses Zusammenleben mit Christiane Vulpius (1765 - 1816), einer einfachen Arbeiterin in einer Manufaktur fuer kuenstliche Blumen, die am 11. Juli 1788 mit einer Bittschrift fuer ihren Bruder an ihn herangetreten war. Am 25. Dezember 1789 gebar sie den Sohn Julius August Walther, der als einziges ihrer fuenf Kinder bis 1830 am Leben blieb. (August von Goethe starb in Rom an Blattern.) Charlotte von Stein war ueber Goethes Verhalten verbittert und versoehnte sich erst 1801 wieder mit ihm. "Egmont", Urauffuehrung: 1789 Auf seinen eigenen Wunsch weitgehend von den staatlichen Aufgaben entbunden, beschaeftigte Johann Wolfgang von Goethe sich v. a. mit naturwissenschaftlichen Forschungen. 1790 reiste er ein zweites Mal nach Oberitalien. Im Jahr darauf uebernahm er die Leitung des Weimarer Hoftheaters (1791 - 1817). Als Begleiter des Herzogs wurde Johann Wolfgang von Goethe am 20. September 1792 Augenzeuge der Kanonade von Valmy, die im Rahmen des 1. Koalitionskriegs (1792 - 1797) stattfand, mit der Preussen und Oesterreich die Ausbreitung der auch von Goethe abgelehnten Franzoesischen Revolution verhindern wollten. "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus", sagte Goethe zu den Soldaten, "und Ihr koennt sagen, Ihr seid dabeigewesen." (Tatsaechlich hielten die Franzosen dem Angriff stand.) "Reineke Fuchs": 1794 Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren sich (abgesehen von einer gemeinsamen Teilnahme am Stiftungsfest der Hohen Karlsschule in Stuttgart am 14. Dezember 1779) am 7. September 1788 erstmals begegnet. Goethe hatte dem zehn Jahre juengeren Dichter zwar eine Professur am Lehrstuhl fuer Geschichte der Universitaet Jena vermittelt, aber naeher kamen sich Goethe und Schiller erst sechs Jahre spaeter, am 20. Juli 1794, nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft in Jena, wo Goethe einen Vortrag ueber die Urpflanze gehalten hatte. "Wilhelm Meisters Lehrjahre": 1795/96 "Hermann und Dorothea": 1797 Am 3. Dezember 1799 zog Friedrich Schiller nach Weimar und traf sich haeufig mit Johann Wolfgang von Goethe zum Gedankenaustausch. Fuer die Zusammenarbeit der beiden grossen deutschen Dichter praegte Heinrich Laube 1839 den Begriff "Weimarer Klassik". Leider war sie von verhaeltnismaessig kurzer Dauer, denn Friedrich von Schiller starb am 9. Mai 1805 an den Folgen einer jahrelang verschleppten Lungenentzuendung. Sein Tod bedeutete in Goethes Leben eine traurige und schmerzliche Zaesur. Friedrich Wilhelm Riemer (1774 - 1845) hatte 1803 eine Dachkammer in Goethes Haus bezogen. Auch als seine Aufgabe als Hauslehrer von August von Goethe beendet war, blieb er als Vertrauter und Sekretaer bei dem Dichter. Bei Jena und Auerstedt wurde die preussisch-saechsische Armee am 14. Oktober 1806 von Napoleon (1769 - 1821) besiegt. Die Franzosen nahmen Johann Wolfgang von Goethe gefangen, aber Christiane Vulpius gelang es, ihren Lebensgefaehrten rasch wieder freizubekommen. Daraufhin vermaehlte er sich am 19. Oktober 1806 mit ihr. Einige Monate spaeter verliebte sich der Siebenundfuenfzigjaehrige in Wilhelmine Herzlieb (1789 - 1865), die vierzig Jahre juengere Pflegetochter des Jenaer Buchhaendlers Karl Friedrich Ernst Frommann (1765 - 1837). (Wilhelmine Herzlieb wurde das Vorbild fuer die Figur der Ottilie in Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften".) "Torquato Tasso", Urauffuehrung: 1807 Als Napoleon sich anlaesslich des Erfurter Fuerstentags (27. September bis 4. Oktober 1808) in Preussen aufhielt, traf er sich dreimal mit Johann Wolfgang von Goethe (Erfurt, 2. Oktober; Weimar, 6. und 10. Oktober) und lud in nach Paris ein. "Die Wahlverwandtschaften": 1809 1812 begegneten sich Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad. Bettina von Arnim erzaehlt in einem ihrer Briefe, wie sie bei einem gemeinsamen Spaziergang in Karlsbad Hoeflingen des Kaisers begegneten und der Dichter zur Seite trat, waehrend der Komponist stur geradeaus schritt und anschliessend Goethes Unterwuerfigkeit kritisierte. Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte Johann Wolfgang von Goethe mit Marianne von Willemer (um 1784 - 1860), die seit September 1814 mit dem fuenfundzwanzig Jahre aelteren Bankier Johann Jakob Willemer verheiratet war, in Frankfurt am Main. (Marianne war 1798 als Komoediantin nach Frankfurt gekommen, und der bereits zweimal verwitwete Bankier hatte das Maedchen als Pflegetochter in sein Haus aufgenommen.) Goethes Ehefrau Christiane starb am 6. Juni 1816. "West-oestlicher Divan": 1819 "Wilhelm Meisters Wanderjahre": 1821 Fuenf Jahre spaeter verliebte sich der inzwischen zweiundsiebzigjaehrige Dichter in die siebzehnjaehrige Ulrike von Levetzow (1804 - 1899), die ihre Sommerferien mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern in Marienbad verbrachte und Goethe dabei erst kennengelernt hatte, obwohl er bereits seit laengerer Zeit mit ihrer Mutter Amalie befreundet war. 1823 liess Goethe ihr durch Herzog Carl August einen Heiratsantrag ueberbringen, aber Ulrike von Levetzow hielt das zuerst fuer einen schlechten Scherz und blieb zeitlebens unverheiratet. Ihren literarischen Niederschlag fand Goethes unglueckliche Liebe zu ihr in der "Marienbader Elegie". Der junge Schriftsteller Johann Peter Eckermann (1792 - 1854) half seinem Idol ab 1823 bei der Ausgabe seiner Werke und veroeffentlichte 1836 bis 1848 "Gespraeche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens". Nikolaus Lenau (1802 - 1850) verglich Goethe und Eckermann spoettisch mit einer Floete und einem Blasrohr, aber das ist wohl ebenso ueberzeichnet wie die Annahme, die beiden haetten eine Freundschaft auf gleicher Augenhoehe gepflegt. "Faust. Der Tragoedie erster Teil", Urauffuehrung: 1829 [Verfilmung] "Faust". Zweiter Teil: 1832 (Urauffuehrung: 1854) Im Alter von zweiundachtzig Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe am 22. Maerz 1832 in seinem Haus am Frauenplan in Weimar. Literatur ueber Johann Wolfgang von Goethe Peter Boerner: Johann Wolfgang von Goethe (Rowohlt-Bildmonographie) Sigrid Damm: Christiane und Goethe (Insel Verlag) Anja Hofer: Johann Wolfgang von Goethe (dtv portrait) Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel als die Liebe. Schillers und Goethes Buendnis im Spiegel ihrer Dichtungen Ruediger Safranski: Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Carl Hanser Verlag) Astrid Seele: Frauen um Goethe (Rowohlt-Bildmonographie) Die Beziehung Goethes zu Charlotte von Stein und Christiane Vulpius wird in einem Kapitel des Buches "Verfuehrerische Frauen. 11 Portraets" (Piper Verlag, Muenchen 2012) von Dieter Wunderlich dargestellt. Philipp Stoelzl drehte mit Alexander Fehling in der Titelrolle den Film "Goethe!", der am 14. Oktober 2010 in die Kinos kommen wird. Originaltitel: Goethe - Regie: Philipp Stoelzl - Drehbuch: Alexander Dydyna, Christoph Mueller - Kamera: Kolja Brandt - Schnitt: Sven Budelmann - Musik: Ingo Frenzel - Darsteller: Alexander Fehling, Miriam Stein, Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaussner, Henry Huebchen, Hans-Michael Rehberg, Axel Milberg u.a. - 2010; 100 Minuten
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (frankfurt-interaktiv-de):
Biographie - Johann Wolfgang von Goethe Johann Wolfgang von Goethe war ein Universalgenie. Er war gleichermassen Dichter, Schriftsteller, Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann. Goethe ist die Lichtgestalt der deutschen Literatur. Er praegte Sturm und Drang sowie mit Schiller die Weimarer Klassik. Er verfasste unzaehlige Gedichte, Dramen und Prosawerke. Mit der Tragoedie Faust schuf Goethe ein Menschheitsdrama von zeitloser Gueltigkeit und weltliterarischem Rang. Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie waren ihm immer auch Inspiration zu neuen Dichtungen. Weniger bekannt waren seine naturwissenschaftlichen Taetigkeiten, die ihm zeitweise wichtiger als die literarische Arbeit erschienen. Goethe entdeckte 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen. Biographie Johann Wolfgang Goethe (das "von" wurde ihm erst 1782 verliehen) wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und starb am 22. Maerz 1832 in Weimar. Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Kaspar Goethe und der Katharina Elisabeth studierte ab 1765 auf Wunsch seines Vaters in Leipzig und Strassburg Rechtswissenschaften. Nach Abschluss seines Studiums im Herbst 1771 arbeitete Goethe als Rechtsanwalt in Frankfurt. Doch Goethe widmete sich lieber seinem ersten Drama und schrieb einige Gedichte. Er arbeitete auch am kritischen Organ der Sturm-und-Drang-Bewegung, den "Frankfurter gelehrten Anzeigen" mit. Mit seinem ersten Roman "Die Leiden des jungen Werthers" und dem Drama "Goetz von Berlichingen" (beide 1774 erschienen) gelang dem 24-jaehrigen Goethe der literarische Durchbruch. 1775 folgte er dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer Hof, wo er politische Aufgaben (im Finanzwesen, Berg- und Wegebau) uebernahm. Spaeter bekam er die Leitung des Theaters und die Aufsicht ueber das Bildungswesen angetragen. In Weimar freundete Goethe sich mit Charlotte von Stein (1742-1827) an, der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb. 1776 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat, 1779 zum Geheimen Rat und 1782 wurde Goethe durch Kaiser Joseph II. geadelt. Im September 1786 unternahm er seine erste Italienreise. In Rom besuchte er die Maler Tischbein (der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters "Goethe in der Campagna" malte) und Kauffmann. Erst im Juni 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurueck, wo er sich mit Christiane Vulpius verlobte, die er 1806 auch heiratete. Von den fuenf Kindern aus dieser Verbindung ueberlebte nur der erstgeborene August (1789-1830). Goethe gab alle Staatsaemter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf. 1790 folgte seine zweite Italienreise. Die Zeit danach ist gepraegt durch die Zusammenarbeit mit Schiller. Die beiden entwickelten einen Stil, der als Weimarer Klassik bekannt wurde. Nach dem Tod Herders, Schillers und Wielands knuepfte Goethe neue Freundschaften, u.a. zu Humboldt, und beschaeftigte sich mit Fichtes Transzendentalphilosophie. 1804 wurde Goethe zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Auf dem Erfurter Fuerstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon kennen. Im gleichen Jahr gab er den ersten Teil des Faust heraus. 1812 begegnete er bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad den Komponisten Beethoven. 1815 unternahm Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein-Main-Gebiet. Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte er mit der verheirateten Marianne von Willemer in Frankfurt. Im Dezember 1815 wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut. Nach dem Tod seiner Frau Christiane (6. Juni 1816) zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich seinen Werken zu. Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte Goethe mit der Arbeit an "Wilhelm Meisters Wanderjahren", der "Italienischen Reise", seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit", und vor allem an Faust, der Tragoedie zweiter Teil, welche er 1831 beendete. Am 22. Maerz 1832 verstarb Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 82 Jahren. Seine letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Am 26. Maerz wurde er neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft beigesetzt. Seine bedeutendsten Werke: Goetz von Berlichingen (1774) Die Leiden des jungen Werther (1774) Iphigenie auf Tauris ((1786) Egmont (1788) Torquato Tasso (1789) Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) Faust, 1. Teil (1806) Dichtung und Wahrheit (Erinnerungen Teil 1-3 1811-13, 1830 Teil 4) Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816) Westoestlicher Divan (1819) Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) Faust, 2. Teil (1831) Im Internet unter Projekt Gutenberg sind viele der Werke Goethes zu finden. Bei amazon.de finden Sie Buecher ueber Goethe und natuerlich seine Gedichte, Dramen und Prosawerke.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (gedichte-xbib-de):
Goethe - Biografie & Lebenslauf Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main als J. W. Goethe; † 22. Maerz 1832 in Weimar; auch Goethe) ist als Dichter, Theaterleiter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen und Prosa-Werken gilt er als der groesste deutsche Dichter und ist eine herausragende Persoenlichkeit der Weltliteratur. Herkunft und Jugend (1749-1765) Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782), war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunaechst auf eine der besten Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schliesslich in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem geraeumigen Haus am Grossen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemaelden. Goethe (Gedichte) Reisezehrung Maechtiges Ueberraschen Sie kann nicht enden Reineke Fuchs - VII. Gesang Reineke Fuchs - X. Gesang 2 Weitere Texte von Goethe " Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe (* 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter Buergermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Ausser der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister frueh. 1758 erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken). Goethe wurde von seinem Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht im Reiten und Fechten. Schon frueh interessierte er sich fuer die Literatur, wobei er sein Augenmerk zunaechst auf Friedrich Gottlieb Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch begeisterte er sich fuer das Theater - so besuchte er waehrend der franzoesischen Besetzung 1759 haeufig das franzoesische Theater im Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart. Am 30. September 1765 verliess er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der Rechte aufzunehmen. Studium und Geniezeit (1765-1775) Von 1765 bis 1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hoerte dort die Poetikvorlesung von Christian Fuerchtegott Gellert und nahm an dessen Stiluebungen teil. Auch nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Kaethchen Schoenkopf und besang diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko (Gedichtzyklus Annette). Auerbachs Keller und die dort beheimatete Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er spaeter Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama Faust I aufnahm. - Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am 28. August 1768 nach Frankfurt zurueckzukehren. Frankfurt/Strassburg (1768-1770) Eine eineinhalbjaehrige, von manchen Rueckfaellen unterbrochene Genesungszeit folgte. Waehrend der Rekonvaleszenz wurde er liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter, Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen in Beruehrung. Im April 1770 verliess er Frankfurt, um dem Wunsch seines Vaters entsprechend in Strassburg sein Studium zu beenden. In Strassburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr widmete er einige Gedichte, darunter z. B. "Willkommen und Abschied", "Sessenheimer Lieder" und "Heidenroeslein". Frankfurt und Darmstadt (1771) und dann nach Wetzlar (1772) Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem Darmstaedter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben. Am 10. Mai 1772 ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Grosstante, Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Buergermeisters von Leipzig, wohnte. Nach der ungluecklichen Liebe zu Charlotte Buff verliess Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder. Er hatte gerade sein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Draengen seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessfuehrung sammeln. Goethes Vater hatte grosse Plaene mit seinem einzigen Sohn: Sein Ziel war es, ihn zum Schultheissen in Frankfurt zu machen. Daher hatte er seinen Sohn schon frueh mit Rechtsbuechern vertraut gemacht und ihn viel auswendig lernen lassen. Es war nicht so, dass Goethe das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen waere. Er war durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes, da er hoffte, sich daraus ein Bild ueber die Zustaende im Reich machen zu koennen. Er nahm Veraenderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte diese als Ganzes ueberschauen, war sich aber der Lueckenhaftigkeit seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und systematisch strukturierten und philosophisch begruendeten Gesetzen unter Beruecksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies laesst sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten. Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte es kaum als Ausbildungsmoeglichkeit. Denn zum einen war er gegenueber der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck der zerruetteten Verhaeltnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen 1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen er sich im Gasthof "Zum Kronprinzen" traf, nicht, dass diese etwas verbessern koennten. Ausserdem behauptet Goethe spaeter, als er Dichtung und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust. Nach dem Suizid des Gesandtschaftssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal fuer kurze Zeit nach Wetzlar zurueck. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein Suizid war fuer Goethe der Ausloeser, seinen Roman Die Leiden des jungen Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er in Gespraechen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun gehabt hatten, ergruendete. Der Roman wird ein grosser Erfolg und gilt als literarische Initialzuendung der Empfindsamkeit und der Sturm und Drang-Literatur. 1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruss. Weimar (1775-1805) 1775-1776 betreibt Goethe einen intensiven Briefwechsel mit Graefin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt. 1776 tritt Goethe als Geheimer Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem "Gartenhaus" (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen "Garten am Stern" bezeichnete er spaeter in seinen Tagebuechern als "untern Garten". Massgeblich beteiligt war er auch an der Planung des Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott haette mich zum Gaertner oder Laboranten gemacht, ich koennte gluecklich sein schreibt er in seinem Tagebuch. Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung. 1779 wird er zum Geheimrat befoerdert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre juengeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges Amt anzunehmen, war eine fuer politische Reformtaetigkeit. Goethe war innerhalb des Kabinetts verantwortlich fuer eine wachsende Zahl von Zustaendigkeiten. Politik blieb - auch nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst - ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte. In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu beschaeftigen. Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit Skepsis und uebergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Ruecktritt von seinem Amt als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befoerdert, am 2. Maerz 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwuerfnissen kam. Der Herzog vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792 schliesslich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan zum Nationalmuseum erklaert. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel zerstoert wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten neu). Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem Namen "Abaris", geworben von Johann Christoph Bode. 1777 Erste Reise in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise. 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schaedel. Reise nach Italien (1786-1788) Am 3. September 1786 verliess Goethe fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten Diener und Sekretaer Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe gab sich in Italien unter dem Namen "Filippo Miller" aus. Die ersten Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von Rom aus gab er den Naechststehenden Nachricht ueber seine eigentlichen Entschluesse und die Absicht, laengere Zeit in Italien zu bleiben. Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das beruehmte Gemaelde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der roemischen Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der "Hauptstadt der Welt" als Erfuellung eines Lebenstraumes - als "einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt". Er laesst sich als Kuenstler von der Monumentalitaet der antiken Bauten inspirieren (Pantheon, Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darueber hinaus beschaeftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel der abendlaendischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den "Roemischen Elegien" (1795) blickt der Begruender der deutschen Klassik wehmuetig auf sein Rom-Erlebnis zurueck und aeussert den Wunsch einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoss fuer die Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike Groesse anknuepft. 1788 bis 1805 Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich spaeter herausstellte, unter schweren Bandscheibenschaeden und Verwachsungen mehrerer Brustwirbel. 1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft dauerte bis zu Schillers Tod 1805. 1798 schrieb er die Elegie "Die Metamorphose der Pflanzen". Nach 1805 Im Jahr nach Schillers Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789 zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte. Am Rande des Erfurter Fuerstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau Christiane. 1817 begann er die "Geschichte seines botanischen Studiums" "Zeitschrift Zur Naturwissenschaft ueberhaupt, besonders zur Morphologie" (bis 1824). Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl Friedrich Zelter. Goethe starb am 22. Maerz 1832. Seine beruehmten letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Er wurde am 26. Maerz in der Fuerstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Roehr, Generalsuperintendent in Weimar. (...) Naturwissenschaftliche Arbeiten In der Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich zu beschaeftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor allem in Italien suchte er seine "Urpflanze". Sein wissenschaftlicher Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit wird die groesste Mannigfaltigkeit moeglich scheint heute allerdings wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht gilt seine Farbenlehre heute als wenig naturwissenschaftlich; gerade zu diesem Werk haben sich aber die bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts geaeussert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu diesem Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des Menschen mit den Affen war. Zu den naturwissenschaftlichen Spaetwerken Goethes gehoert die Spiraltendenz der Vegetation (1831), in welcher er aufzeigt, dass Lebendiges dazu tendiert, sich in Spiralen zu entfalten. Mehr Beachtung als die Einzelergebnisse in Goethes naturwissenschaftlichen Arbeiten fand die den Naturstudien zugrunde liegende Wissenschaftsmethodik (Goetheanismus), die sich, anders als die Naturphilosophie der Romantik, als empirisch (nicht spekulativ) versteht und die im Unterschied zum positivistischen Empirismus den Menschen nicht als externen Beobachter, sondern als innerhalb des Beobachteten und als zu diesem gehoerend behandelt. aus Diese Biographie basiert auf einem Artikel aus der freien Enzyklopaedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz fuer freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfuegbar.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (gedichtePortal-de):
Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.August 1749 in Frankfurt/Main als Sohn desKaiserlichen Rater Dr.jur. Johann Caspar Goethe und Catharina Elisabeth geboren. Da seine Eltern grossen Wert auf eine gute Ausbildung legten, bekam Goethe bereits im fruehen Alter Privatunterricht in Latein, Griechisch, Englisch, Italienisch und Schoenschreiben. Ein Jahr nach ihm kam seine Schweser Cornelia zur Welt. Im Jahre 1765 schrieb er sich in Leipzig zum Jurastudium ein und hoerte dort noch zusaetzlich Vorlesungen in Philosophie und Philologie, unter anderem auch bei Christian Fuerchtegott Gellert. Im Sommer 1768 erlitt er einen Blutstur, im Winter gleichen Jahres litt er an einer schweren Krankheit mit einer lebensgefaehrlichen Krise. 1770 wechselte er den Studienort und siedelte daher nach Strassbur. Dennoch lag sein Interesse weniger im juristischen Bereich, vielmehr besuchte er in erster Linie medizinische Vorlesungen. 1771 promovierte er zum Lizentiaten der Rechte und zog anschliessend nach Frankfurt, wo er als Rechtsanwalt zugelassen wurde. Im April 1775 verlobte er sich mit Lili Schoenemann, doch nur ein halbes Jahr spaeter wurde das Verloebnis wieder geloest. Im Juni 1777 starb seine Schwester Cornelia, zwei Jahre spaeter wurde er zum Geheimen Rat ernannt. Im April 1782 erhob Kaiser Joseph II. Goethe in den Adelsstand, nur einen Monat spaeter starb sein Vater. Im Maerz 1784 entdeckte Goehte in Jena den Zwischenkieferknochen am menschlichen Obergebiss. Im Jahr darauf begann er ein Studium der Botanik. Im September 1788 kam es in Rudolstadt zu einer ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Ein Jahr spaeter wurde sein Sohn Julius August Walther geboren, weitere vier Jahre spaeter folgte die Tochter Caroline, die jedoch nur kurze Zeit lebte.Im Maerz 1798 kreuzten sich die Wege von Goethe und Novalis. 1801 erkrankte er an Gesichtsrose. Zwei Jahre danach kam seine Tochter Kathinka zur Welt, doch wie seine erste Tochter lebte auch sein drittes Kind nur kurze Zeit. 1804 ernannte man ihn zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Praedikat Exzellenz. Im folgenden Jahr machte ihm mehrmals eine Nierenkolik sehr zu schaffen. Im Oktober 1806 heiratete er Christiane Vulpius. 1808 starb Goethes Mutter. Im Dezember 1815 wurde er zum Staatsminister ernannt. Ein halbes Jahr spaeter starb seine Frau Christiane nach schwerer Krankheit. Er selbst erkrankte 1823 an einer Herzbeutel- und Rippenfellentzuendung. Im Oktober 1830 starb sein Sohn August, Goethe erlitt nur einen Monat spaeter einen Blutsturz. Am 22.Maerz 1832 starb Goethe nach einwoechiger Krankheit.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (goethezeitportal-de):
Kuenstler- und Denkerenzyklopaedie Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) 1749-1765: Kindheit in Frankfurt Johann Wolfgang von Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Die Jahre 1749 bis 1765 sind Zeiten wohlbehueteter Kindheit und vielseitiger Ausbildung. Goethe wird als Sohn einer wohlhabenden, lutherischen Familie in eine Welt der Traditionen hineingeboren. Der Vater laesst seine Kinder reichhaltig, umfassend, vieles aber nur kurz anreissend ausbilden. Ziel ist eine universale Bildung, die alle Bereiche der Kuenste und Wissenschaften, mehrere Sprachen und Musikunterricht fuer Klavier und Cello umfasst. Spaeter kommt noch Tanz-, Fecht- und Reitunterricht auf die Kinder zu. Aber es gibt auch Theater- und Konzertbesuche. 1765-1768: Leipziger Studienjahre Im Oktober 1765 kommt Johann Wolfgang von Goethe zum Jura-Studium nach Leipzig. Das Studium betreibt er halbherzig. Mit einem stattlichen Budget von 1000 Talern jaehrlich fuehrt er ein gesellschaftliches Leben. Gottsched und Gellert lehren zu dieser Zeit in Leipzig. Goethe befasst sich lieber mit Theologie, Naturwissenschaft und Medizin, geht ins Theater, lernt radieren, kupferstechen und zeichnen bei Adam Oeser, einem Freund Winckelmanns. Goethe verliebt sich in Anna Katharina (Kaethchen) Schoenkopf. 1768-1770: Frankfurter Intermezzo Nach einer schwerer Krankheit kehrt Goethe Ende August 1768 nach Frankfurt zurueck. Erst im Winter 1769 fuehlt er sich wieder einigermassen gesund. In dieser Zeit ist Goethe auf der Suche, er besitzt keine feste Orientierung. Sein Studium ist noch nicht beendet und auch der Wunsch des Vaters nach einer Promotion noch nicht erfuellt. Insofern kann Frankfurt nur eine Zwischenstation sein. In diesen Monaten pflegt der kranke und genesende Goethe nicht nur den Umgang mit Pietisten wie Susanna von Klettenberg (1723-1774), sondern studiert hermetische Schriften und setzte alchimistische Versuche an. Ausserdem zeichnet und radiert er weiter. 1770-1771: Strassburg Ostern 1770 zieht der wieder genesene Goethe zur Fortsetzung des Studiums nach Strassburg. Nach nur einem Semester legt er das Kandidatenexamen ab, das eigentliche Studium ist damit abgeschlossen. Im Sommer 1771 beginnt er mit der Promotion. Diese wird jedoch von der Fakultaet abgelehnt. Er darf sich danach in einer oeffentlichen Disputation von juristischen Thesen um den Grad eines Lizentiaten bewerben. Dieser Titel galt eben so viel wie der Titel eines Doktor juris. Goethe erwarb ihn mit dem Praedikat "Cum applausu". Mehr interessieren ihn in dieser Zeit jedoch medizinische, botanische, theologische und philosophische Studien. Vor allem die Chemie ist seine "heimliche Geliebte". Anfang September 1770 trifft Johann Gottfried Herder in Strassburg ein. Goethe besucht ihn oft. Der um fuenf Jahre aeltere Herder erkennt Goethes Begabung und begeistert ihn fuer Natur- und Volkspoesie, fuer Homer, Ossian und Shakespeare. "Gross und bedeutend" nennt Goethe rueckblickend Herders Einfluss. Die beiden sollte eine lebenslange Freundschaft verbinden. Zur gleichen Zeit verkehrt der Student mit Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) und Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792). Gepraegt ist die Strassburger Zeit aber durch seine Liebe zu Friederike Brion (1752-1813). Goethe schrieb fuer sie Gedichte, beispielsweise das "Mailied" und "Willkommen und Abschied". 1771-1775: Wieder in Frankfurt Wieder in Frankfurt arbeitet Goethe als Rechtsanwalt am dortigen Schoeffengericht. Im September 1771 legt der junge Anwalt den Advokateneid und auch den Eid als Frankfurter Buerger ab. Nun stuende ihm eine Laufbahn offen, die auch in repraesentative oeffentliche Aemter fuehren koennte. Goethe richtet sich eine Kanzlei im Hause seiner Eltern ein und fuehrt Prozesse. Ende 1771 wird der "Goetz von Berlichingen" fertig, ein fuer den Sturm und Drang vorbildliches Schauspiel. 1772 beginnt Goethes eigentliche schriftstellerische Laufbahn als Rezensent der Frankfurter Gelehrten Anzeigen, dem bedeutenden publizistischen Organ des Sturm und Drang. Im Mai 1772 schickt ihn der Vater nach Wetzlar ans Reichskammergericht. Auf einem Ball in Volpertshausen lernt er Charlotte Buff kennen. Spaeter macht er auch die Bekanntschaft ihres Verlobten Johann Christian Kestner. Das Verhaeltnis der Drei wird durch Goethes Annaeherungsversuche getruebt und im September verlaesst er daraufhin Wetzlar. Auf der Rueckreise besucht er in Ehrenbreitstein Sophie La Roche und trifft dort deren Tochter Maximiliane. Goethe schreibt den "Werther" im Februar und Maerz des Jahres 1774. Es wird sein groesster internationaler Erfolg und sein aufsehenerregendstes Buch. Darin eingegangen ist der Selbstmord des Legationssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar. Dieser war im Herbst 1772 an der Liebe zu einer verheirateten Frau zerbrochen. Mit dem Erscheinen des "Goetz" und des "Werther" ist Goethe zur Symbolfigur des Sturm und Drangs geworden. Unmittelbar nach dem "Werther" schreibt er das Schauspiel "Clavigo". Ausserdem macht er Plaene fuer "Faust" und "Egmont" Im Jahr 1775 verlobt er sich mit der Bankierstochter Anna Elisabeth (Lili) Schoenemann, zu einer Heirat kommt es aber nicht. Im Mai 1775 macht Goethe mit Friedrich Leopold (Fritz) und Christian Graf zu Stolberg und Christian Graf von Haugwitz eine Bildungsreise in die Schweiz. In Zuerich sind sie zu Gast bei dem Theologen Johann Caspar Lavater, der Goethe seinerseits im Sommer 1774 in Frankfurt besucht hatte. Nach der Rueckkehr nach Frankfurt loest Goethe die Verlobung mit Lili. 1775-1786: Weimar 1774 hat Goethe Erbprinz Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) in Frankfurt kennen gelernt. Er laedt Goethe an den Hof von Weimar ein und am 7. November 1775 kommt Goethe dort an. Der Herzog stellt ihn in den Staatsdienst ein und bewilligt ihm ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt. Im Juni 1776 beruft der Herzog Goethe als Geheimen Legationsrat in den Geheimen Conseil, die Zentrale der Landesregierung. Drei Jahre spaeter uebernimmt Goethe die Weimarer Kriegskommission und die Direktion des Wegebaus. Als Dreissigjaehriger wird er zum Geheimen Rat ernannt. 1782 macht ihn der Fuerst zum Leiter der Finanzkammer. Goethe beginnt eine Liebesbeziehung mit Charlotte von Stein (1742-1827). 1782 zieht Goethe vom beruehmten Gartenhaus in das Haus am Frauenplan in Weimar. Im gleichen Jahr wird er von Kaiser Joseph II. in den Adelsstand erhoben. Er entdeckt sein Interesse fuer Geologie und Mineralogie. In dieser Zeit unternimmt Goethe Reisen nach Duesseldorf, in den Harz, nach Berlin, Frankfurt, ins Elsass, in die Schweiz, nach Goettingen und Kassel. Auch dienstlich ist er mit dem Herzog unterwegs. Nach Leipzig, Berlin, in den Harz und an andere saechsische Hoefe, nach Schlesien, Krakau und Czenstochowa geht die Fahrt. Er pflegt Kontakte zu Wieland und Herder, der auf Goethes Wunsch nach Weimar gerufen worden war. In den ersten elf Weimarer Jahren veroeffentlicht er kaum etwas. Den "Wilhelm Meister" faengt der Dichter an, "Egmont", "Iphigenie" und "Tasso" werden nicht vollendet. Der "Faust" bleibt ein Fragment. Dafuer entstehen einige seiner bekanntesten und beruehmtesten Gedichte: "Ueber allen Gipfeln ist Ruh'", "Grenzen der Menschheit" und "Das Goettliche". Fuer das Weimarer Liebhabertheater schreibt Goethe zahlreiche Stuecke, fuehrt Regie und schauspielert. Im Herbst 1779 reist Goethe mit dem Herzog in die Schweiz. Sie machen vier Tage in Goethes Vaterhaus in Frankfurt Station. Auf dem weiteren Weg besucht er auch Friederike Brion in Sesenheim und Lili von Tuerckheim in Strassburg. Goethe beginnt seine Naturstudien, die alle auf den Menschen bezogen bleiben, so weit sie sich auch mit den Gebieten der Botanik und Zoologie, Mineralogie und Geologie, Farbenlehre und Wolkenkunde beschaeftigen. Er liest Linné's "Philosophie der Botanik" und schreibt dem schwedischen Naturforscher spaeter den groessten Einfluss nach Shakespeare und Spinoza zu. Im Maerz 1784 gelingt ihm, wie er glaubt, eine anatomische Entdeckung: das os intermaxillare. Im Sommer 1785 begibt sich Goethe zum ersten Mal zur Kur ins boehmische Karlsbad. Bis 1823 wiederholt er die Fahrt dorthin sechszehnmal. Waehrend der zweiten Badereise plant Goethe bereits seine "Flucht" nach Italien. Am 3. September 1786 setzt er den Plan in die Tat um. 1786-1788: Italien Die "Flucht" nach Italien fuehrte Goethe ueber den Brenner, Trient, den Gardasee nach Verona, dann nach Venedig, Padua und schliesslich Rom. Dort findet er Kontakt zu deutschen Kuenstlern wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), Angelika Kauffmann (1741-1807) und Karl Philipp Moritz (1756-1793). Von Tischbein, der auch Goethe-Tischbein genannt wird, stammt das Gemaelde "Goethe in der Campagna" (1786-1788). Vier Monate dauert der erste Aufenthalt in Rom. Dann reist Goethe am 22. Februar 1787 zusammen mit Tischbein weiter nach Neapel. Bald darauf geht die Fahrt mit dem Landschaftsmaler Christoph Heinrich Kniep weiter bis nach Sizilien. Im Mai kehren sie ueber Neapel nach Rom zurueck. Hier beginnt am 7. Juni 1787 Goethes zweiter Aufenthalt in Rom, der fast noch ein Jahr dauert. Er studiert die alte Baukunst und die Bildende Kunst in Museen und Sammlungen. Goethe ist in Italien aber nicht nur Kunstbetrachter, sondern er versucht, sich selbst als Kuenstler weiterzubilden. Er zeichnet, aquarelliert und lernt das Modellieren. Rund 850 Zeichnungen sind aus seiner italienischen Zeit erhalten. Ebenfalls in dieser Zeit schreibt er die "Iphigenie" in Verse um und bringt den "Egmont" zu Ende, arbeitet am "Tasso" und am "Faust". Am 23. April 1788 bricht er mit Christoph Kayser zur Rueckreise in den Norden auf. Sie reisen bis Juni ueber Siena, Florenz, Bologna, Parma und Mailand. Durch die Schweiz und Konstanz, Nuernberg, Erlangen, Bamberg, Coburg. Seine Darstellung der "Italienischen Reise" verfasst er erst dreissig Jahre spaeter. Sie basiert auf dem "Reise-Tagebuch" fuer Charlotte von Stein und auf Originalbriefen und -notizen. 1788-1832: Weimar 1788 kommt Goethe wieder in Weimar an. Der Herzog, nicht boese ueber die Abwesenheit, gibt Goethes Neigungen nach, entbindet ihn von den Regierungsgeschaeften, laesst ihm aber den Sitz im Ministerrat und die Bezuege. Goethe ist nun eine Art Kulturminister mit der Oberaufsicht ueber die Anstalten ueber Wissenschaft und Kunst, beispielsweise die Universitaet Jena. Ab 1791 leitet Goethe dann auch das neue Weimarer Hoftheater, ein Amt, das er bis 1817 inne hat. Die Liaison mit Charlotte von Stein wird nicht wieder aufgenommen, sondern Goethe beginnt ein Verhaeltnis mit Christiane Vulpius. Der Minister Goethe verfolgt die Geschehnisse der Franzoesischen Revolution mit Interesse und setzt sich beispielsweise in den "Revolutionsdramen", der Novellensammlung "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1795) und dem Versepos "Hermann und Dorothea" (1797) damit auseinander. Zunehmend beschaeftigt sich Goethe mit den Naturwissenschaften. Sein Interesse gilt der Anatomie, Botanik, Mineralogie, Optik und der Farbentheorie. 1790 besucht Goethe zum zweiten Mal Italien. Er reist bis Venedig der Herzogenmutter entgegen, doch seine Begeisterung fuer das Land ist verflogen. 1792 zieht er mit Carl August nach Frankreich, um am Krieg Oesterreichs und Preussens gegen die Revolutionsregierung teilzunehmen. Das Erlebnis wird in der Schrift "Die Kampagne in Frankreich" erlaeutert. 1794 beginnt die Freundschaft mit Friedrich Schiller, die beide zu produktiver Arbeit anregt. 1805 erkranken sowohl Goethe als auch Schiller schwer. Am 9. Mai des gleichen Jahres stirbt Schiller, Goethe, der selbst unter heftigen Nierenkoliken leidet, ist erschuettert. Am 13. April 1806 protokollierte er dann im Tagebuch: "Schluss von Fausts I. teil". Damit erfuellt er noch einen Wunsch Schillers. Im Januar 1795 kommt der erste Band von "Wilhelm Meisters Lehrjahre" heraus. Auf der dritten Schweizer Reise 1797 machte Goethe in seiner alten Heimatstadt Frankfurt Station und liess auch Christiane und seinen Sohn nachkommen, um sie der Mutter vorzustellen. Immerhin hat er vor der Reise seine Familie testamentarisch abgesichert. Diese Reise in die Schweiz war die letzte groessere Reise Goethes. Goethe hielt sich nun oft in Jena auf. Dort verliebte er sich im Winter 1807 ungluecklich in Wilhelmine (Minchen) Herzlieb (1789-1865), Pflegetochter des Buchhaendlers Frommann. In diese Zeit fallen die "Sonette", die "Wahlverwandtschaften" und seine "Farbenlehre". Im Oktober 1808 wird Goethe waehrend des Erfurter Fuerstenkongresses von Napoleon empfangen. Spaeter erhaelt er das Kreuz der Ehrenlegion. 1811 beginnt er mit der Niederschrift seiner Kindheitserinnerungen, die er "Dichtung und Wahrheit" nennt. Dazu faehrt er im Sommer 1814 und im Fruehjahr 1815 noch einmal in die Gegenden rund um Rhein und Main, in denen er seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Auf einer dieser Reisen verliebt er sich in Marianne Jung (1784-1860), die spaeter den Bankier und Geheimen Rat in Frankfurt, Johann Jakob von Willemer, heiratet. Diese Begegnung inspiriert Goethe zu den Liebesgedichten im "West-oestlichen Diwan". 1815 wird das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach durch Beschluss des Wiener Kongresses Grossherzogtum. Goethe bekleidet damit das Amt eines Staatsministers. Im Sommer 1821 faehrt Goethe zur Kur nach Marienbad und lernt dort die 17-jaehrige Ulrike von Levetzow kennen. 1817 verzichtet Goethe auf das Frankfurter Buergerrecht. Seit dem Wiener Kongress durfte das Vermoegen bei Aufgabe des Buergerrechts ausgefuehrt werden, ohne den "Zehnten Pfennig" zu zahlen. Goethe entgeht zudem der gerade beschlossenen Einkommenssteuer. Zuvor hat er auch ein Stellenangebot aus Frankfurt ausgeschlagen: Nach dem Tod seines Onkels, des Schoeffen Textor, wollte man ihm dort die Stelle eines Ratsherrn anbieten. In den letzen beiden Lebensjahrzehnten beschaeftigt Goethe die Sekretaere Friedrich Wilhelm Riemer (1774-1845) ab 1814 und ab 1823 Johann Peter Eckermann (1792-1854). Dieser spornt Goethe zur Arbeit am zweiten Teil des "Faust" an, den der Dichter daraufhin zwischen 1825 und 1831 vollendet. Aber er moechte das Werk zu seinen Lebzeiten nicht mehr veroeffentlichen, sondern uebergibt es seinen Nachlassverwaltern. In seinem Haus am Frauenplan kuemmert sich Schwiegertochter Ottilie bis zu seinem Tod um ihn. Am 22. Maerz 1832 stirbt der grosse deutsche Dichter und wird in der Fuerstengruft zu Weimar beigesetzt.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (johann-wolfgang-goethe-de):
KINDHEIT, JUGEND UND STUDIUM 1749 Johann Wolfgang Goethe wird am 28. August in Frankfurt am Main geboren. Mutter Catharina Elisabeth stammt aus der Juristenfamilie Textor, die ebenfalls in Frankfurt ansaessig ist. Sein Vater Johann Caspar ist der Sohn eines vermoegenden Modeschneiders und unterrichtet Goethe spaeter in Eigenregie. Der als streng geltende Jurist und Privatier besitzt ueber 2.000 Buchbaende und sammelt Kunstwerke und Naturalien, darunter auch italienische Stiche. Goethes Italien-Faszination laesst sich auch darauf zurueckfuehren. Goethe hat fuenf Geschwister, doch nur Schwester Cornelia und er ueberleben das Kindesalter. Cornelia stirbt mit 26 Jahren als Ehefrau des Juristen Johann Georg Schlosser. Goethes Familie ist fromm und praktiziert den christlichen Glauben. 1756 - 1763 Siebenjaehriger Krieg: Frankfurt wird von den Franzosen besetzt, der ranghoechste Offizier wird in Goethes Elternhaus einquartiert. Daher hat Goethe sein Faible fuer den Typus des gebildeten Offiziers. 1765 - 1767 Goethe studiert auf Wunsch des Vaters Jura in Leipzig, damals "Klein Paris” genannt. Er trifft Adam Friedrich Oeser, Maler und Leiter der "Zeichnung- Malerey- und Architectur-Academie”, bei dem er Zeichenunterricht nimmt und ueber den er die Schriften Johann Joachim Winckelmanns kennen lernt, die Goethes Aesthetik stark beeinflussen. 1767 Erste grosse Veroeffentlichung: "Annette” mit 19 Gedichten ueber die damals 19-jaehrige Anna Katharina Schoenkopf ("Kaethchen”) mit der er 2 Jahre bis 1768 zusammen war. In einer psychischen sowie gesundheitlichen Krise verbrennt Goethe einen Grossteil seiner bisherigen Dichtungen, weil er an seinem dichterischen Talent zweifelt. 1767/1768 "Die Laune des Verliebten”, ein Schaeferspiel in Versen, entsteht. 1768 Im Juli erleidet Goethe einen Blutsturz und eine Lungenaffektion. An seinem 19. Geburtstag verlaesst Goethe Leipzig und kehrt nach Frankfurt zurueck, im Dezember wird Goethe sterbenskrank aufgrund seiner in Leipzig ausgebrochenen Krankheit. Er vertieft sich in die Religion (auch alchemistische Schriften). Zeitgleich entstehen das erste seiner Mondgedichte namens "An den Mond” (spaeter: "An Luna”) sowie sein erstes Lustspiel "Die Mitschuldigen”. 1770 Goethe setzt Anfang April sein Jura-Studium in Strassbourg fort und erhaelt den dem Doktortitel fast ebenbuertigen Grad des Licentiatus Juris. Weil er in seiner Doktorarbeit ketzerische Aussagen getroffen haben soll, bleibt ihm der echte Doktortitel versagt. Im September lernt er Johann Gottfried Herder - Kunst- und Literaturtheoretiker - kennen, der ihn stark beeinflusst. Im Herbst lernt Goethe im Elsass in Sesenheim Friederike kennen, die Tochter des Landgeistlichen Brion, und verliebt sich in sie. Er verfasst die Sesenheimer Lieder. STURM UND DRANG 1771 Kurz vor seinem 22. Geburtstag kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck und richtet im Elternhaus eine Kanzlei ein. Vier Jahre lang arbeitet er aktiv als Jurist, betreut dabei aber nur wenige Faelle. Im November/Dezember schreibt er innerhalb von sechs Wochen das Drama "Goetz von Berlichigen” (urspr. "Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand”), ein Werk, das die Normen des Klassizismus sprengt. Unter Ruecksicht auf die Konventionen entschaerft Goethe die Fassung, die trotzdem als Revolution empfunden wird. Das gefaellt in erster Linie den juengeren Poeten, das Stueck gilt somit als dramatisches Gruendungsdokument des Sturm und Drang. 1772 Goethe macht auf Draengen seines Vaters hin ein Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und lernt das Paar Charlotte Buff und Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte und verlaesst Wetzlar nach einigen Monaten. Die Liebe zu der Verlobten seines Kollegen Kestner und andere Erfahrungen sind die Grundlage fuer Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther”. Goethe kehrt nach Frankfurt zurueck und erlebt dort eine kreative Hochphase, in der er unter anderem "Prometheus” verfasst. 1773 Entstehungsphase des sogenannten "Urfaust”, der von Goethe selbst nicht veroeffentlicht wird. 1774 Veroeffentlichung des innerhalb von vier Wochen geschriebenen Briefromans "Die Leiden des jungen Werther”, der als Sinnbild fuer den durch eine unerfuellte Liebe in den Selbstmord getriebenen, in seinem Gefuehlsueberschwang an einer widerstaendigen Umwelt zerbrechenden Schwaermer steht. Der Roman kommt bei der Bevoelkerung sehr gut an, man kann sich mit Werther identifizieren. Im Mai: Veroeffentlichung von "Clavigo”, "Stella” und "Schauspiel fuer Liebende”. In der urspruenglichen Fassung von Stella geht die Hauptfigur Fernando ein Dreiecksverhaeltnis mit Stella und Caecilie ein, was das Publikum so schockiert, dass Goethe spaeter den Schluss durch ein tragisches Ende ersetzt. "Clavigo” stellt Goethes erstes zeitgenoessisches Theaterstueck dar. MINISTERZEIT IN WEIMAR 1775 Goethe erschafft die Singspiele "Erwin und Elmire” und "Claudine von Villa” als Adaption auslaendischer Opernformen. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach laedt Goethe nach Weimar ein. 1776 im Juni wird Goethe gegen den Widerstand von Seiten des Adels Mitglied des obersten Regierungsgremiums des Herzogs, dem "Conseil” (1815 wird dies durch das Grossherzogliche Staatsministerium ersetzt) und danach, um weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen, in den Adelsstand erhoben. Goethe versucht, auf den Herzog einzuwirken, die Staatsausgaben unter die -einnahmen zu druecken, zum Beispiel durch Reduzierung der Truppen um die Haelfte. 1777 Veroeffentlichung des Gedichts "Harzreise im Winter”, in dem sich Goethes Spaltung zwischen Dichterberuf und amtlicher Praxis widerspiegelt. In diesem Jahr begegnet Goethe ausserdem Charlotte von Stein. In der Beziehung zu ihr sieht Goethe das Streben nach in der Liebe erfahrener Wahrheit. 1779 Goethe veroeffentlicht die Prosafassung der "Iphigenie auf Tauris”, in deren Theaterauffuehrung er selbst den Orest spielte. 1780 Er beginnt seine Naturforschungen, auf die spaeter Goethes Abhandlungen ueber die Natur folgen. 1782 Goethe wird vom Herzog zum Kammerpraesidenten (Finanzminister) ernannt, in der Hoffnung, den Staatshaushalt weiter zu konsolidieren. Er foerdert die Landwirtschaft, ist in der Kriegskommission, der Wege- und Wasserbaudirektion sowie der Bergwerkskommission taetig. 1783 Goethe trifft Herder wieder, eine Freundschaft entwickelt sich. Im Gedicht "Ilmenau” beschreibt Goethe das Leben des Herzogs Carl August - vom zuegellosen Jugendtreiben zum jetzigen Wirken im Interesse des Landes. 1784 In diesem Jahr entsteht der Aufsatz "Ueber den Granit in Verbundenheit” zu seinen naturwissenschaftlichen Forschungen. GOETHE IN ITALIEN 1786 Goethe konzentriert sich mehr auf den kulturpolitischen Bereich, bleibt jedoch Berater fuer den Herzog. Er beaufsichtigt die Universitaet Jena. Goethe resigniert in Anbetracht des Nichterreichens der gesteckten Ziele in Weimar, sieht die Preisgabe seines poetischen Talents zugunsten der amtlichen Taetigkeit als fragwuerdig und fluechtet am 3. September in Absprache mit dem Herzog nach Rom. Damit leitet Goethe die Weimarer Klassik ein. 1787 Im Februar 1787 zieht Goethe weiter nach Neapel, setzt im Maerz nach Sizilien ueber und kehrt im Juni nach Rom zurueck. Waehrend seiner Italien-Reise trifft er Johann Heinrich Meyer und Karl Philipp Moritz, es entstehen nur wenige neue Werke. Goethe arbeitet an vorher in Weimar angefangenen Werken, z.B. der Versform der "Iphigenie auf Tauris”, "Torquato Tasso” sowie "Faust” und schliesst "Iphigenie auf Tauris” und "Egmont” (Prosa, 12 Jahre der Entstehung) ab. In "Iphigenie auf Tauris” kommt Goethes Grundueberzeugung zum Ausdruck, dass allein Wahrheit Friede sei und beides im Weiblichen begruendet sei. 1788 Im Juni kommt Goethe nach zweimonatiger Reise wieder in Weimar an und erklaert dem Herzog, er haette sich selbst als Kuenstler, als Dichter wiedergefunden, waere wiedergeboren. Nach seiner Rueckkehr nach Weimar wird er seiner bisherigen Aemter enthoben. Goethe lernt die buergerliche Christiane Vulpius kennen, Schwester des Schriftstellers Christian August Vulpius. Aufgrund von Goethes Adelsstand wird die Verbindung von Goethe zu Christiane Vulpius als Missstand angesehen. In dieser Zeit entstehen auch die "Erotica Romana”, deren Freizuegigkeit auch von engen Freunden Goethes wie Charlotte von Stein und Herder kritisiert wird. 1789 Im Sommer 1789, kurz vor Ausbruch der Franzoesischen Revolution, vollendet Goethe "Torquato Tasso” (klassisches Drama, erstes echtes Dichterdrama). 1790 1790 folgt eine weitere unfreiwillige Italienreise, bei der Goethe der aus Italien zurueckkehrenden Herzogin Anna Amalia entgegenreist. Es entstehen die 1795 publizierten "Venetianischen Epigramme”. Diese beschreiben im Gegensatz zur ersten Italienreise die Schattenseiten Italiens und beschaeftigen sich mit der Franzoesischen Revolution. Goethe widmet sich wieder verstaerkt den Naturwissenschaften und schreibt den "Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren”. Goethe glaubt, die Farbenlehre Newtons widerlegt zu sehen, weil er beim Blick durch ein Prisma keine Zerlegung in Farben erkennen kann, wie Newton es beschrieben hatte. Er uebersieht, dass diese Farben sich allerdings auf weissem Papier wieder zu weiss vereinen. Goethe sieht das Licht als das Goettlich-Eine, Farben entstuenden durch das Zusammenspiel von hell und dunkel. Er konzentriert sich auf die subjektive Wahrnehmung der Farben und beeinflusst mit seinen Theorien die romantischen Poeten sowie die Maler seiner Zeit. 1791 Goethe wird Direktor des Hoftheaters (bis 1817), Leiter des Freien Zeicheninstituts sowie Mitglied in verschiedenen Kulturkommissionen. WEIMARER KLASSIK 1794 Goethe lernt Friedrich Schiller kennen. Beide verbindet die Ablehnung der Franzoesischen Revolution, beide arbeiten an der literarischen Zeitschrift "Die Horen”. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihren Werken (Schiller: "Wallenstein”, Goethe: "Wilhelm Meisters Lehrjahre”, die er seit 1775 in Bearbeitung hat). 1795 In diesem Jahr erscheinen die "Roemischen Eligien” (auch "Erotica Romana”), die bereits um 1790 als Gedichtzyklus entstanden waren. Durch den Vertrag von Basel erhaelt das Grossherzogtum fuer 10 Jahre einen neutralen Status bzw. Friedensstatus - auch aufgrund des Mitwirkens Goethes und Schillers. 1796 Der erste Teil des Musenalmanach erscheint, an dem Goethe und Schiller gemeinsam gearbeitet haben und in dem sie ihre Kritiker aufs Korn nehmen. 1797 Entstehungsjahr von Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling”. 1800 Erstes Festspiel Palaeophron und Neoterpe anlaesslich des Geburtstags der Herzogin-Mutter Anna Amalia. 1803 Entstehung von "Die natuerliche Tochter” als einzig vollendeter Teil einer Trilogie zum Thema Franzoesische Revolution Schiller und Goethe arbeiten gemeinsam an Theaterstuecken, wovon 1803 "Die Braut von Messina” erstmals aufgefuehrt wurde. 1805 Schiller stirbt am 9. Mai, womit die praegende Periode der Weimarer Klassik zu Ende geht. Goethe wendet sich mehr der Romantik zu und versucht, Klassik und Romantik in seinen Werken zu vereinen. AUTOBIOGRAPHISCHE ARBEITEN 1806 Goethe heiratet Christiane Vulpius, die sich den durch die Stadt ziehenden und pluendernden franzoesischen Soldaten nach einer verlorenen Schlacht entgegenstellte und Goethe vor Schlimmerem bewahrte. 1808 Zweites Festspiel: "Pandora” (nur Fragmente). "Faust, der Tragoedie erster Teil” erscheint. 1809 Goethe beginnt mit seinen autobiographischen Arbeiten "Dichtung und Wahrheit”, die Teile von Goethes Biographie zwischen zwischen 1749 und 1775 aufgreift. Auch vor dem Hintergrund von Schillers Tod hegt er den Wunsch, das Gewesene fuer die Nachwelt zu fixieren. Ausserdem erfolgt die Veroeffentlichung von "Wahlverwandtschaften”. 1810 "Opus zur Farbenlehre” 1814 1814 erscheint der dritte und letzte vollstaendige Teil von "Dichtung und Wahrheit”, der 4. Teil wird unterbrochen durch "Faust II” und vor Goethes Tod nicht mehr ganz fertig gestellt. Die Franzoesische Revolution endet, Goethe reist danach zu den Orten von Goethes Kindheit und Jugend im Rhein-Main-Gebiet. ALTER IN WEIMAR 1815 Goethe nimmt seine politischen Arbeiten wieder auf und wird zum Staatsminister und Ressortleiter der "Anstalten fuer Wissenschaft und Kunst" in Weimar und Jena ernannt. In seinen letzten Lebensjahren festigt sich bei Goethe die Vorstellung einer Weltliteratur im Zuge der Internationalisierung, die Erzeugnisse einzelner Nationen werden Gemeingut. Premiere des Festspiels "Des Epimenides Erwachen” anlaesslich des Sieges Napoleons und des Endes der Befreiungskriege. 1816 Tod von Goethes Ehefrau Christiane. 1818 "Um Mitternacht” 1819 Von 1819 bis 1825 schreibt er die "Annalen meines Lebens”. In dieser Zeit veroeffentlicht er ausserdem den "West-oestlichen Divan”, in dem die Faszination Goethes an der altpersischen Dichtung zum Ausdruck kommt. 1821 Goethe lernt als 74jaehriger die 17jaehrige Ulrike von Levetzow kennen und verliebt sich zwei Jahre spaeter in sie. Ulrikes Mutter lehnt Goethes Antrag ab, woraufhin die Liebesklagen "Eligie” entstehen. Der erste Teil des Goethe-Romans "Wilhelm Meisters Wanderjahre” wird veroeffentlicht. 1823/24 "Trilogie der Leidenschaft” 1824 "Der Braeutigam” 1825 Die Arbeiten an "Faust II” beginnen. 1827 Goethe veroeffentlicht die "Ausgabe letzter Hand”, eine Sammlung von Gedichtbaenden, das wichtigste Gedicht ist dabei "Urworte: Orphisch”. 1828 Herzog Carl August stirbt. Veroeffentlichung von "Novelle” (Prosadichtung). 1829 In "Ausgabe letzter Hand” (Band 21-23) veroeffentlicht Goethe die Neufassung von "Wilhelm Meisters Wanderjahre”. "Faust” wird in Braunschweig uraufgefuehrt, wobei Goethe nicht anwesend ist, weil er das Stueck nicht als fuer die Buehne geschaffen sieht. 1830 Goethes Sohn August stirbt. 1832 Goethe stirbt am 22. Maerz vermutlich an einem Katarrhfieber mit folgendem Herzinfarkt. Bis heute haelt sich das Geruecht, seine letzten Worte lauteten "Mehr Licht!”. Goethe wird neben Carl August und Friedrich Schiller in Weimar begraben. In den "Nachgelassenen Werken” erscheint "Faust. Der Tragoedie zweiter Teil”. Goethe verfuegte, dass diese zu seinen Lebzeiten nicht veroeffentlicht werden sollte.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (literaturwelt-com):
Leben Kindheit, Jugend und Studienzeit Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates Johann Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main geboren. Von seinen fuenf Geschwistern ueberlebt nur Cornelia (geb. am 7. Dezember 1750), mit der er seine Kindheit gemeinsam verbringt und ein enges Verhaeltnis aufbaut. Ab 1752 besucht Goethe drei Jahre lang die Frankfurter Spielschule. Mit dem Umbau des Elternhauses 1755 erhaelt der junge Goethe Privatunterricht. In seiner Jugend wird er Zeuge bedeutender historischer Ereignisse, u.a. die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen 1759 oder die Kroenung Josephs des Zweiten 1764. Im Oktober 1765 nahm er auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf. Nebenher besuchte Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen, u. a. bei Gellert und Gottsched. Er beschaeftigte sich ausserdem in dieser Zeit mit Lessing und der Aufklaerung sowie mit Klopstock und der Empfindsamkeit. Bei Adam F. Oeser nahm er Zeichenunterricht. Im August 1768 muss er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe kehrte daraufhin wieder ins Elternhaus zurueck. Seine Genesung verzoegerte sich durch einige Rueckfaelle bis Maerz 1770. In dieser Zeit wird Goethe vor allem von religioeser Lektuere beeinflusst, angeregt durch Susanna Katharina von Klettenberg. Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe in Strassburg sein Jurastudium fort. Auch Herder hielt sich um diese Zeit in Strassburg auf. Goethe knuepfte in Strassburg Kontakte zu Jakob Michael Reinhold Lenz, und Gottfried von Herder und machte Bekanntschaft mit Friedericke Brion. Ihr widmete er zahlreiche Gedichte, darunter das Heidenroeslen, Mailied und Willkommen und Abschied. Im August 1771 promoviert Goethe zum Lizentiaten der Rechte. Der Stuermer und Draenger Nach seiner Promotion in Strassburg kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck. Er nimmt seine Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber nebenher verstaerkt der Dichtung zu. So konnte er die Urfassung von Goetz von Berchlingen vollenden, die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. 1772 macht Goethe Bekanntschaft mit Charlotte Buff, als er Praktikant im Reichskammergericht in Wetzlar ist. Ausserdem arbeitet er an den Frankfurter Gelehrten Anzeigen mit, das den Beginn seiner schriftstellerischen Karriere markiert. Die unerfuellte Liebe zu Charlotte Buff regt Goethe zu seinem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers an, der ihn schlagartig beruehmt machte. Es entstanden auch einige Hymnen, darunter Ganymed, Prometheus und Wanderers Sturmlied. In der Zeit zwischen 1773 und 1775 arbeitet Goethe an ersten Fassungen seiner Dramen Urfaust, Prometheus und Mahomet. Dabei orientiert er sich besonders an den Werken Shakespeares. Auf seinen Reisen im Jahr 1774 nimmt Goethe Kontakt zu Johann Caspar Lavater, den Bruedern Jacobi und Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach auf. Im April 1775 kommt es zur Verlobung mit Lili Schoenemann, die aber ein halbes Jahr spaeter wieder geloest wird. Das erste Weimarer Jahrzehnt Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von Karl August nach Weimar eingeladen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit Charlotte von Stein. Im November siedelt er schliesslich ganz ueber. In Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansaessig, die bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich versammelte. Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der Ankunft Goethes nahmen die kulturelle Aktivitaet der Stadt Weimar enorm zu. 1776 bis 1782 wohnte Goethe in einem Gartenhaus an den Ilmwiesen. Er wird Beamter der Stadt Weimar und zum Geheimen Legationsrat ernannt. 1776 kommt auch Herder, als Generalsuperintendent, nach Weimar. Mit der Oberaufsicht ueber den Illmenauer Bergbau und der engen Beziehung mit Charlotte von Stein verstaerkt sich Goethes gefasster Entschluss, in Weimar zu bleiben. 1777 stirbt seine Schwester Cornelia. Waehrend sein Schauspiel Stella (1776) noch vom Sturm und Drang gepraegt war, setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in Goethes Werken allmaehlich durch. 1779 entsteht die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris, die 1786 in Blankverse umgeschrieben wurde. Im Januar 1779 wird Goethe die Leitung der Kriegs- und Wegebaukommission uebertragen, durch die er viele Dienstreisen mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe zum Geheimen Rat ernannt. Die Aufsicht ueber den Bergbau in Illmenau veranlasst Goethe sich mit mineralogischen Studien zu beschaeftigen. 1782 stirbt sein Vater. Goethe bezieht des Haus am Frauenplan. 1784 entdeckt er den Zwischenkieferknochen des Menschen. 1785 sind die Arbeiten an Wilhelm Meisters theatralischer Sendung abgeschlossen. Goethe haelt sich nun oefters in Karlsbad auf. Italienreise und Rueckkehr nach Weimar Im Herbst des Jahres 1786 bricht Goethe heimlich in Karlsbad auf und begab sich auf eine Erholungs- und Bildungsreise nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer drueckender empfundenen hoefischen und dienstlichen Verpflichtungen. Goethe gab sich dabei als "Maler Moeller" aus. Am 29. Oktober erreichte er Rom, das eigentliche Ziel seiner Reise. Dort machte er Bekanntschaft mit dem Maler Tischbein und dem Dichter Karl Philipp Moritz. Neben der Beschaeftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete Goethe auch an seinen literarischen Projekten Iphigenie, Egmont, Tasso und Faust weiter. Bereits 1786 konnte Iphigenie auf Tauris in Versform fertiggestellt werden, 1788 dann Egmont. Am 23. April 1788 brach Goethe in Rom auf und trat seine Heimreise an. Am 18. Juni traf er in Weimar wieder ein. Goethe wird in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der hoefischen und dienstlichen Pflichten entbunden. Er wird stattdessen mit der Leitung kuenstlerischer Anstalten des Herzogtums betraut, darunter z. B. das "Freie-Zeichen-Institut". Im Juli lernt Goethe seine zukuenftige Lebensgefaehrtin, Christiane Vulpius, kennen. Noch im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer Professur in Jena. 1789 wird Goethes Sohn August geboren. Die Arbeit am Tasso sind abgeschlossen. Zur Franzoesischen Revolution verhaelt sich Goethe ablehnend. 1790 erscheinen Die Metamorphose der Pflanzen und Faust, ein Fragment. 1791 wird Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters. 1792 begleitet Goethe Herzog Karl-August im 1. Koalitionskrieg Preussens und Oesterreichs gegen Frankreich. Er selbst wird Augenzeuge der Kanonade von Valmy, am 20. September 1792. Das Schauspiel Der Gross-Koptha entsteht. 1793 ist Goethe Beobachter bei der Belagerung von Mainz. Der Buergergeneral und Reineke Fuchs werden veroeffentlicht. Goethe beschaeftigt sich seit 1793 bis 1798 intensiv mit Studien zu Homer. Das Jahrzehnt mit Schiller 1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift Die Horen gewinnen. Daraus entwickelte sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunaechst nur aus einem staendigen Briefwechsel bestand. Seit der Tagung der "Naturforschenden Gesellschaft" in Jena 1794 ist Schiller haeufiger Gast bei Goethe in Weimar. 1796 entstehen die Xenien. 1797 erhaelt Goethe die Aufsicht ueber die Weimarer Bibliothek. Das Jahr 1797 ging als das "Balladenjahr" in die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe und Schiller zahlreiche Balladen hervorgingen, darunter Der Gott und die Bajadere, Der Schatzgraeber, Der Zauberlehrling, Die Braut von Korinth und Legende. Beide befassten sich auch intensiv mit der Theorie der literarischen Gattungen, dessen Ergebnis 1797 in der Schrift Ueber epische und dramatische Dichtung festgehalten wurde. Goethe setzte in dieser Zeit auch seine Arbeiten am Faust fort. 1798 erschien die periodische Kunstzeitschrift Propylaeen, unter der Mitarbeit Schillers und Humboldts. Im Dezember 1799 uebersiedelt Schiller nach Weimar. Er draengte Goethe zur Vollendung des Fausts. Aus der Zusammenarbeit der beiden Dichter ging der Stil der Weimarer Klassik hervor, der sich an Antike und Renaissance orientierte. 1803 erhaelt Goethe die Oberaufsicht ueber die naturwissenschaftlichen Institute der Universitaet Jena. 1804 wird er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Am 9. Mai 1805 stirbt sein engster Freund, Schiller. Dieses Ereignis nimmt einen tiefen Einschnitt in das Leben Goethes, das bis dahin von einer intensiven Freundschaft und geistigen Beziehung der beiden gepraegt war. Im Epilog zu Schillers Glocke setze er ihm ein Denkmal. Das Jahrzehnt nach Schillers Tod In der Zeit nach Schiller, zaehlten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter und Wilhelm von Humboldt zu Goethes engsten Freunden. Goethe setze sich ab 1806 intensiv mit der Romantik auseinander. Die Sammlung Des Knaben Wunderhorn (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano regten Goethe an, sich mit dem deutschen Mittelalter und der Volkspoesie zu beschaeftigen. Im April 1806 wurde Faust, erster Teil abgeschlossen. Im Oktober kam es zur Schlacht bei Jena und zur Besetzung Weimars. Goethe heiratete in diesem Jahr Christiane Vulpus. 1807 macht er Bekanntschaft mit Bettina Brentano, der spaeteren Frau A. v. Arnims. Goethe beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahre. 1808 stirbt Goethes Mutter. Auf dem Erfurter Fuerstenkongress kam es zur Begegnung zwischen Goethe und Napoleon I. 1809 erscheinen Die Wahlverwandtschaften. 1810 kam es zum Abschluss der Arbeit an der Farbenlehre. Der erste Teil seiner Autobiographie Dichtung und Wahrheit, erster Teil. erschien 1811. In Karlsbad kam es 1812 zur Begegnung mit Ludwig van Beethoven, der einige Gedichte Goethes vertonte. Dichtung und Wahrheit, zweiter Teil. wurde fertiggestellt. 1813 verlor die Kuenstler-Stadt Weimar einen weiteren wichtigen Geist, den Dichter Christoph Martin Wieland. Im gleichen Jahr fand zwischen dem 16. und 19. Oktober die Voelkerschlacht bei Leipzig statt. Der dritte Teil seiner Autobiographie erschien. 1814 kommt es zur Begegnung mit Marianne von Willemer und den Bruedern Boisserée. Die letzten Lebensjahre 1815 unternimmt Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein- und Maingebiet. Sachsen-Weimar-Eisenach wird durch einen Beschluss des Wiener Kongresses zum Grossherzogtum. Im September findet die letzte Begegnung mit Marianne von Willemer statt. Im Dezember wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut. Am 6. Juni 1816 stirbt seine Frau, Christiane. 1817 haelt sich Goethe oefters in Jena auf. Von der Leitung des Hoftheaters wird er entbunden. Mit zunehmenden Alter zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich nun hauptsaechlich seinen Werken zu. 1819 ist der West-oestliche Divan abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahren, die 1829 vollendet wurde. 1821 kommt es zur ersten Begegnung mit Ulrike von Levetzow, seiner letzten Liebe. 1825 nimmt er seine Arbeit am Faust, zweiter Teil. wieder auf. Im Januar 1827 stirbt Charlotte von Stein, im Juni des darauffolgenden Jahres Grossherzog Karl August. 1830 erscheint der letzte Teil seiner Autobiographie, Dichtung und Wahrheit, vierter Teil. Im November erfaehrt er vom Tode seines Sohnes, der schon Ende Oktober verstarb. Goethe erlitt einen Blutsturz. 1831 wird Faust, zweiter Teil. vollendet. Am 22. Maerz 1832 stirbt Goethe in seinem Haus am Frauenplan. Er wurde neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft beigesetzt.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)Seehafer180" /> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)Seehafer180" /> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Local summary for ‘Ranking 3 (log normal, sum per word)’:
| dieterwunderlich-de | frankfurt-interaktiv-de | gedichte-xbib-de | gedichtePortal-de | goethezeitportal-de | johann-wolfgang-goethe-de | literaturwelt-com | wikipedia |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0.065024 | 0.025523 | 0.070506 | 0.013779 | 0.066443 | 0.063840 | 0.057267 | 1.000000 |
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (dieterwunderlich-de):
Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main als Sohn des wohlhabenden, hochgebildeten Juristen Johann Caspar Goethe (1710 - 1782) und der Schultheissentochter Katharina Elisabeth Textor (1731 - 1808) geboren. Da der Vater zwar kaiserlicher Rat war, aber keine bestimmten beruflichen Verpflichtungen hatte, unterrichtete er seinen Sohn vorwiegend selbst. Mit fuenfzehn verliebte Johann Wolfgang Goethe sich in eine junge Kellnerin namens Gretchen und geriet durch sie in die Gesellschaft von Betruegern. Im Oktober 1765 reiste er nach Leipzig, um dort Jura zu studieren, wie es sein Vater wuenschte. Dort passte sich Goethe der anspruchsvollen Mode sowie der lockeren Lebensart des Rokoko an und verliebte sich in Anna Katharina ("Kaethchen") Schoenkopf (1746 - 1810), die Tochter seiner Wirtsleute. Schwer krank kehrte er 1768 in seine Heimatstadt zurueck und wurde dort u. a. von Susanne Katharina von Klettenberg gesund gepflegt, einer Verwandten seiner Mutter, die ihn mit dem Pietismus vertraut machte. 1770 setzte Goethe sein Studium in Strassburg fort; aber mehr als die Rechtswissenschaften fesselten ihn Medizin, Botanik, Chemie, Theologie und Philosophie. Wieder verliebte er sich; diesmal in die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion (1752 - 1813). Die Achtzehnjaehrige gab seinem (vermutlich platonischen) Werben nach, aber im Sommer 1771, nach der Promotion zum "licentitatus juris", verliess Johann Wolfgang Goethe Strassburg, ohne sich von ihr auch nur zu verabschieden. Im August 1771 eroeffnete er in Frankfurt am Main eine Anwaltskanzlei und setzte zugleich seine in Strassburg begonnenen literarischen Arbeiten fort. Ende Mai 1772 begann Goethe mit einem Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar. Dort lernte der Zweiundzwanzigjaehrige den pfaelzischen Sekretaer Karl Wilhelm Jerusalem kennen und besuchte mit ihm am 9. Juni einen Ball in Volpertshausen, an dem auch Charlotte Buff (1753 - 1828) und ihr Verlobter Johann Christian Kestner (1741 - 1800) teilnahmen. Goethe verliebte sich in die vier Jahre juengere Tochter eines Amtmanns, befreundete sich mit dem hannoverschen Gesandtschaftssekretaer Kestner und traf sich haeufig mit den beiden. Als er Charlotte dreist zu kuessen versuchte, begriff sie, dass sie Klarheit schaffen musste. (Sie heiratete Kestner.) Daraufhin reiste Goethe am 11. September ueberstuerzt aus Wetzlar ab. In Ehrenbreitstein besuchte er die Schriftstellerin Sophie von La Roche, deren sechzehnjaehrige Tochter Maximiliane ihm besonders gut gefiel. Maximiliane heiratete den mehr als doppelt so alten Kaufmann Peter Anton Brentano und zog mit ihm Anfang 1774 nach Frankfurt am Main. Obwohl die verheiratete Frau fuer Goethe unerreichbar war, umschwaermte er sie, und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann. "Goetz von Berlichingen", Urauffuehrung: 1774 "Die Leiden des jungen Werther": 1774 "Clavigo", Urauffuehrung: 1774 Im Fruehjahr 1774 schrieb Johann Wolfgang Goethe "Die Leiden des jungen Werther", ein Roman, der offenbar den Nerv der Zeit traf und deshalb innerhalb von kurzer Zeit in mehreren Auflagen erschien. Johann Wolfgang Goethe verlobte sich Ostern 1775 mit der Frankfurter Bankierstochter Anna Elisabeth ("Lili") Schoenemann (1758 - 1817), aber nach seiner ersten Schweiz-Reise von Mai bis Juli 1775 beendete er die von keiner der beiden Familien gutgeheissene Beziehung. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar (1757 - 1828), der am 3. September 1775 das Erbe seines frueh verstorbenen Vaters uebernahm, reiste kurz darauf zu den Eltern seiner Braut, Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt, besuchte bei dieser Gelegenheit auch den Dichter des "Werther" und lud ihn ein, nach Weimar zu kommen. Die Residenzstadt galt als "Musenhof", denn seine Mutter Anna Amalia, die Witwe des 1758 verstorbenen Herzogs Ernst August II. Constantin (eine Nichte Friedrichs des Grossen), hatte waehrend ihrer Regentschaft bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Geisteslebens nach Weimar geholt, so zum Beispiel 1772 Christoph Martin Wieland (1733 - 1813) als Erzieher ihrer Soehne Carl August und Bernhard. Am 9. November 1775 folgte Johann Wolfgang Goethe der Einladung und zog in ein Gartenhaus an der Ilm, das ihm Herzog Carl August uebereignete. Er erhielt das Weimarer Buergerrecht und wurde zum Geheimen Legationsrat ernannt. In Weimar befreundete Johann Wolfgang Goethe sich mit der geistvollen Frau Charlotte von Stein (1742 - 1827), der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb. Charlotte Albertine Ernestine von Schardt hatte als Fuenfzehnjaehrige eine Anstellung als Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar erhalten, sieben Jahre spaeter den herzoglichen Stallmeister Friedrich Josias Freiherr von Stein (1735 - 1793) geheiratet und innerhalb von zehn Ehejahren sieben Kinder geboren. (Arm und einsam starb sie am 6. Januar 1827.) Goethes ein Jahr juengere Schwester Cornelia hatte sich am 1. November 1773 mit dem Juristen Johann Georg Schlosser geheiratet, der mit ihrem Bruder befreundet war. Seit der schweren Geburt ihrer Tochter Maria Anne Louise ("Lulu") am 28. Oktober 1774 kraenkelte Cornelia. Vier Wochen nachdem sie mit einer zweiten Tochter - Catharina Elisabeth Julie ("Juliette") - niedergekommen war, am 8. Juni 1777, starb sie. Goethe trauerte sehr um seine geliebte Schwester. Ende November 1777 brach Johann Wolfgang Goethe zu einer Winterreise in den Harz auf. In Wernigerode suchte er Victor Leberecht Plessing auf, den Sohn des Superintendenten, um den ungluecklichen jungen Mann vor einem Werther-Schicksal zu bewahren. Dabei trat er allerdings nicht unter seinem richtigen Namen auf, sondern gab sich als Kuenstler aus Gotha aus. In Goslar besichtigte er das Bergwerk, um sich fuer die geplante Erschliessung der Erzvorkommen von Ilmenau kundig zu machen. Und am 10. Dezember bestieg er den tief verschneiten Brocken, was damals eine unglaubliche Leistung war. "Iphigenie auf Tauris", Urauffuehrung: 1779 Herzog Carl August von Sachsen-Weimar ernannte Goethe 1779 zum Leiter der Kriegskommission und des Strassenbauwesens. Im Herbst desselben Jahres reisten die beiden in die Schweiz. Sie fuhren zunaechst von Weimar nach Frankfurt am Main zu Goethes Eltern. Am 25. September besuchten sie Friederike Brion in Sesenheim, am naechsten Tag in Strassburg Lili Schoenemann, die inzwischen verheiratet war und ein sieben Wochen altes Kind hatte. In Emmendingen machten sie Goethes verwitwetem Freund und Schwager Johann Georg Schlosser ihre Aufwartung. Die Schweiz erreichten Goethe und der Herzog am 3. Oktober bei Basel. Der Mont Blanc bildete das suedwestlichste Zwischenziel ihrer Reise. Nur begleitet von einem einheimischen Fuehrer und ihrem Reitknecht Blochberg, der sich um den Maulesel mit dem Gepaeck kuemmerte, wanderten sie im November ueber den tief verschneiten Furka-Pass. Erschoepft uebernachteten sie im Kapuzinerdomizil von Realp, bevor sie zwischen den Maultierkolonnen der Pilger vom Urserental zum Gotthard-Hospiz aufstiegen. Kaiser Joseph II. erhob Goethe am 10. April 1782 in den Adelsstand. In diesem Jahr uebernahm er in Weimar die Finanzverwaltung und mietete ein Haus am Frauenplan, das er zehn Jahre spaeter von Herzog Carl August geschenkt bekam und bis zu seinem Tod bewohnte. 1783 und 1784 reiste Johann Wolfgang von Goethe noch zweimal in den Harz. Der Arbeitsbelastung und der entsagungsvollen Beziehung zu der verheirateten Charlotte von Stein entzog er sich, indem er in der Nacht zum 3. September 1786 unter dem Namen Johann Philipp Moeller heimlich nach Italien aufbrach. In Rom besuchte er Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters malte: "Goethe in der Campagna". Auch mit der Malerin Angelica Kauffmann (1741 - 1807) befreundete sich Goethe, der erst am 18. Juni 1788 nach Weimar zurueckkehrte. Seinen frueheren Freunden und Bekannten war er inzwischen entfremdet. Ihre Missbilligung steigerte sich durch sein skandaloeses Zusammenleben mit Christiane Vulpius (1765 - 1816), einer einfachen Arbeiterin in einer Manufaktur fuer kuenstliche Blumen, die am 11. Juli 1788 mit einer Bittschrift fuer ihren Bruder an ihn herangetreten war. Am 25. Dezember 1789 gebar sie den Sohn Julius August Walther, der als einziges ihrer fuenf Kinder bis 1830 am Leben blieb. (August von Goethe starb in Rom an Blattern.) Charlotte von Stein war ueber Goethes Verhalten verbittert und versoehnte sich erst 1801 wieder mit ihm. "Egmont", Urauffuehrung: 1789 Auf seinen eigenen Wunsch weitgehend von den staatlichen Aufgaben entbunden, beschaeftigte Johann Wolfgang von Goethe sich v. a. mit naturwissenschaftlichen Forschungen. 1790 reiste er ein zweites Mal nach Oberitalien. Im Jahr darauf uebernahm er die Leitung des Weimarer Hoftheaters (1791 - 1817). Als Begleiter des Herzogs wurde Johann Wolfgang von Goethe am 20. September 1792 Augenzeuge der Kanonade von Valmy, die im Rahmen des 1. Koalitionskriegs (1792 - 1797) stattfand, mit der Preussen und Oesterreich die Ausbreitung der auch von Goethe abgelehnten Franzoesischen Revolution verhindern wollten. "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus", sagte Goethe zu den Soldaten, "und Ihr koennt sagen, Ihr seid dabeigewesen." (Tatsaechlich hielten die Franzosen dem Angriff stand.) "Reineke Fuchs": 1794 Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren sich (abgesehen von einer gemeinsamen Teilnahme am Stiftungsfest der Hohen Karlsschule in Stuttgart am 14. Dezember 1779) am 7. September 1788 erstmals begegnet. Goethe hatte dem zehn Jahre juengeren Dichter zwar eine Professur am Lehrstuhl fuer Geschichte der Universitaet Jena vermittelt, aber naeher kamen sich Goethe und Schiller erst sechs Jahre spaeter, am 20. Juli 1794, nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft in Jena, wo Goethe einen Vortrag ueber die Urpflanze gehalten hatte. "Wilhelm Meisters Lehrjahre": 1795/96 "Hermann und Dorothea": 1797 Am 3. Dezember 1799 zog Friedrich Schiller nach Weimar und traf sich haeufig mit Johann Wolfgang von Goethe zum Gedankenaustausch. Fuer die Zusammenarbeit der beiden grossen deutschen Dichter praegte Heinrich Laube 1839 den Begriff "Weimarer Klassik". Leider war sie von verhaeltnismaessig kurzer Dauer, denn Friedrich von Schiller starb am 9. Mai 1805 an den Folgen einer jahrelang verschleppten Lungenentzuendung. Sein Tod bedeutete in Goethes Leben eine traurige und schmerzliche Zaesur. Friedrich Wilhelm Riemer (1774 - 1845) hatte 1803 eine Dachkammer in Goethes Haus bezogen. Auch als seine Aufgabe als Hauslehrer von August von Goethe beendet war, blieb er als Vertrauter und Sekretaer bei dem Dichter. Bei Jena und Auerstedt wurde die preussisch-saechsische Armee am 14. Oktober 1806 von Napoleon (1769 - 1821) besiegt. Die Franzosen nahmen Johann Wolfgang von Goethe gefangen, aber Christiane Vulpius gelang es, ihren Lebensgefaehrten rasch wieder freizubekommen. Daraufhin vermaehlte er sich am 19. Oktober 1806 mit ihr. Einige Monate spaeter verliebte sich der Siebenundfuenfzigjaehrige in Wilhelmine Herzlieb (1789 - 1865), die vierzig Jahre juengere Pflegetochter des Jenaer Buchhaendlers Karl Friedrich Ernst Frommann (1765 - 1837). (Wilhelmine Herzlieb wurde das Vorbild fuer die Figur der Ottilie in Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften".) "Torquato Tasso", Urauffuehrung: 1807 Als Napoleon sich anlaesslich des Erfurter Fuerstentags (27. September bis 4. Oktober 1808) in Preussen aufhielt, traf er sich dreimal mit Johann Wolfgang von Goethe (Erfurt, 2. Oktober; Weimar, 6. und 10. Oktober) und lud in nach Paris ein. "Die Wahlverwandtschaften": 1809 1812 begegneten sich Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad. Bettina von Arnim erzaehlt in einem ihrer Briefe, wie sie bei einem gemeinsamen Spaziergang in Karlsbad Hoeflingen des Kaisers begegneten und der Dichter zur Seite trat, waehrend der Komponist stur geradeaus schritt und anschliessend Goethes Unterwuerfigkeit kritisierte. Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte Johann Wolfgang von Goethe mit Marianne von Willemer (um 1784 - 1860), die seit September 1814 mit dem fuenfundzwanzig Jahre aelteren Bankier Johann Jakob Willemer verheiratet war, in Frankfurt am Main. (Marianne war 1798 als Komoediantin nach Frankfurt gekommen, und der bereits zweimal verwitwete Bankier hatte das Maedchen als Pflegetochter in sein Haus aufgenommen.) Goethes Ehefrau Christiane starb am 6. Juni 1816. "West-oestlicher Divan": 1819 "Wilhelm Meisters Wanderjahre": 1821 Fuenf Jahre spaeter verliebte sich der inzwischen zweiundsiebzigjaehrige Dichter in die siebzehnjaehrige Ulrike von Levetzow (1804 - 1899), die ihre Sommerferien mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern in Marienbad verbrachte und Goethe dabei erst kennengelernt hatte, obwohl er bereits seit laengerer Zeit mit ihrer Mutter Amalie befreundet war. 1823 liess Goethe ihr durch Herzog Carl August einen Heiratsantrag ueberbringen, aber Ulrike von Levetzow hielt das zuerst fuer einen schlechten Scherz und blieb zeitlebens unverheiratet. Ihren literarischen Niederschlag fand Goethes unglueckliche Liebe zu ihr in der "Marienbader Elegie". Der junge Schriftsteller Johann Peter Eckermann (1792 - 1854) half seinem Idol ab 1823 bei der Ausgabe seiner Werke und veroeffentlichte 1836 bis 1848 "Gespraeche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens". Nikolaus Lenau (1802 - 1850) verglich Goethe und Eckermann spoettisch mit einer Floete und einem Blasrohr, aber das ist wohl ebenso ueberzeichnet wie die Annahme, die beiden haetten eine Freundschaft auf gleicher Augenhoehe gepflegt. "Faust. Der Tragoedie erster Teil", Urauffuehrung: 1829 [Verfilmung] "Faust". Zweiter Teil: 1832 (Urauffuehrung: 1854) Im Alter von zweiundachtzig Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe am 22. Maerz 1832 in seinem Haus am Frauenplan in Weimar. Literatur ueber Johann Wolfgang von Goethe Peter Boerner: Johann Wolfgang von Goethe (Rowohlt-Bildmonographie) Sigrid Damm: Christiane und Goethe (Insel Verlag) Anja Hofer: Johann Wolfgang von Goethe (dtv portrait) Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel als die Liebe. Schillers und Goethes Buendnis im Spiegel ihrer Dichtungen Ruediger Safranski: Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Carl Hanser Verlag) Astrid Seele: Frauen um Goethe (Rowohlt-Bildmonographie) Die Beziehung Goethes zu Charlotte von Stein und Christiane Vulpius wird in einem Kapitel des Buches "Verfuehrerische Frauen. 11 Portraets" (Piper Verlag, Muenchen 2012) von Dieter Wunderlich dargestellt. Philipp Stoelzl drehte mit Alexander Fehling in der Titelrolle den Film "Goethe!", der am 14. Oktober 2010 in die Kinos kommen wird. Originaltitel: Goethe - Regie: Philipp Stoelzl - Drehbuch: Alexander Dydyna, Christoph Mueller - Kamera: Kolja Brandt - Schnitt: Sven Budelmann - Musik: Ingo Frenzel - Darsteller: Alexander Fehling, Miriam Stein, Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaussner, Henry Huebchen, Hans-Michael Rehberg, Axel Milberg u.a. - 2010; 100 Minuten
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (frankfurt-interaktiv-de):
Biographie - Johann Wolfgang von Goethe Johann Wolfgang von Goethe war ein Universalgenie. Er war gleichermassen Dichter, Schriftsteller, Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann. Goethe ist die Lichtgestalt der deutschen Literatur. Er praegte Sturm und Drang sowie mit Schiller die Weimarer Klassik. Er verfasste unzaehlige Gedichte, Dramen und Prosawerke. Mit der Tragoedie Faust schuf Goethe ein Menschheitsdrama von zeitloser Gueltigkeit und weltliterarischem Rang. Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie waren ihm immer auch Inspiration zu neuen Dichtungen. Weniger bekannt waren seine naturwissenschaftlichen Taetigkeiten, die ihm zeitweise wichtiger als die literarische Arbeit erschienen. Goethe entdeckte 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen. Biographie Johann Wolfgang Goethe (das "von" wurde ihm erst 1782 verliehen) wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und starb am 22. Maerz 1832 in Weimar. Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Kaspar Goethe und der Katharina Elisabeth studierte ab 1765 auf Wunsch seines Vaters in Leipzig und Strassburg Rechtswissenschaften. Nach Abschluss seines Studiums im Herbst 1771 arbeitete Goethe als Rechtsanwalt in Frankfurt. Doch Goethe widmete sich lieber seinem ersten Drama und schrieb einige Gedichte. Er arbeitete auch am kritischen Organ der Sturm-und-Drang-Bewegung, den "Frankfurter gelehrten Anzeigen" mit. Mit seinem ersten Roman "Die Leiden des jungen Werthers" und dem Drama "Goetz von Berlichingen" (beide 1774 erschienen) gelang dem 24-jaehrigen Goethe der literarische Durchbruch. 1775 folgte er dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer Hof, wo er politische Aufgaben (im Finanzwesen, Berg- und Wegebau) uebernahm. Spaeter bekam er die Leitung des Theaters und die Aufsicht ueber das Bildungswesen angetragen. In Weimar freundete Goethe sich mit Charlotte von Stein (1742-1827) an, der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb. 1776 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat, 1779 zum Geheimen Rat und 1782 wurde Goethe durch Kaiser Joseph II. geadelt. Im September 1786 unternahm er seine erste Italienreise. In Rom besuchte er die Maler Tischbein (der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters "Goethe in der Campagna" malte) und Kauffmann. Erst im Juni 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurueck, wo er sich mit Christiane Vulpius verlobte, die er 1806 auch heiratete. Von den fuenf Kindern aus dieser Verbindung ueberlebte nur der erstgeborene August (1789-1830). Goethe gab alle Staatsaemter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf. 1790 folgte seine zweite Italienreise. Die Zeit danach ist gepraegt durch die Zusammenarbeit mit Schiller. Die beiden entwickelten einen Stil, der als Weimarer Klassik bekannt wurde. Nach dem Tod Herders, Schillers und Wielands knuepfte Goethe neue Freundschaften, u.a. zu Humboldt, und beschaeftigte sich mit Fichtes Transzendentalphilosophie. 1804 wurde Goethe zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Auf dem Erfurter Fuerstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon kennen. Im gleichen Jahr gab er den ersten Teil des Faust heraus. 1812 begegnete er bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad den Komponisten Beethoven. 1815 unternahm Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein-Main-Gebiet. Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte er mit der verheirateten Marianne von Willemer in Frankfurt. Im Dezember 1815 wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut. Nach dem Tod seiner Frau Christiane (6. Juni 1816) zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich seinen Werken zu. Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte Goethe mit der Arbeit an "Wilhelm Meisters Wanderjahren", der "Italienischen Reise", seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit", und vor allem an Faust, der Tragoedie zweiter Teil, welche er 1831 beendete. Am 22. Maerz 1832 verstarb Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 82 Jahren. Seine letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Am 26. Maerz wurde er neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft beigesetzt. Seine bedeutendsten Werke: Goetz von Berlichingen (1774) Die Leiden des jungen Werther (1774) Iphigenie auf Tauris ((1786) Egmont (1788) Torquato Tasso (1789) Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) Faust, 1. Teil (1806) Dichtung und Wahrheit (Erinnerungen Teil 1-3 1811-13, 1830 Teil 4) Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816) Westoestlicher Divan (1819) Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) Faust, 2. Teil (1831) Im Internet unter Projekt Gutenberg sind viele der Werke Goethes zu finden. Bei amazon.de finden Sie Buecher ueber Goethe und natuerlich seine Gedichte, Dramen und Prosawerke.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (gedichte-xbib-de):
Goethe - Biografie & Lebenslauf Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main als J. W. Goethe; † 22. Maerz 1832 in Weimar; auch Goethe) ist als Dichter, Theaterleiter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen und Prosa-Werken gilt er als der groesste deutsche Dichter und ist eine herausragende Persoenlichkeit der Weltliteratur. Herkunft und Jugend (1749-1765) Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782), war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunaechst auf eine der besten Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schliesslich in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem geraeumigen Haus am Grossen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemaelden. Goethe (Gedichte) Reisezehrung Maechtiges Ueberraschen Sie kann nicht enden Reineke Fuchs - VII. Gesang Reineke Fuchs - X. Gesang 2 Weitere Texte von Goethe " Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe (* 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter Buergermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Ausser der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister frueh. 1758 erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken). Goethe wurde von seinem Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht im Reiten und Fechten. Schon frueh interessierte er sich fuer die Literatur, wobei er sein Augenmerk zunaechst auf Friedrich Gottlieb Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch begeisterte er sich fuer das Theater - so besuchte er waehrend der franzoesischen Besetzung 1759 haeufig das franzoesische Theater im Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart. Am 30. September 1765 verliess er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der Rechte aufzunehmen. Studium und Geniezeit (1765-1775) Von 1765 bis 1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hoerte dort die Poetikvorlesung von Christian Fuerchtegott Gellert und nahm an dessen Stiluebungen teil. Auch nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Kaethchen Schoenkopf und besang diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko (Gedichtzyklus Annette). Auerbachs Keller und die dort beheimatete Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er spaeter Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama Faust I aufnahm. - Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am 28. August 1768 nach Frankfurt zurueckzukehren. Frankfurt/Strassburg (1768-1770) Eine eineinhalbjaehrige, von manchen Rueckfaellen unterbrochene Genesungszeit folgte. Waehrend der Rekonvaleszenz wurde er liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter, Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen in Beruehrung. Im April 1770 verliess er Frankfurt, um dem Wunsch seines Vaters entsprechend in Strassburg sein Studium zu beenden. In Strassburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr widmete er einige Gedichte, darunter z. B. "Willkommen und Abschied", "Sessenheimer Lieder" und "Heidenroeslein". Frankfurt und Darmstadt (1771) und dann nach Wetzlar (1772) Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem Darmstaedter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben. Am 10. Mai 1772 ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Grosstante, Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Buergermeisters von Leipzig, wohnte. Nach der ungluecklichen Liebe zu Charlotte Buff verliess Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder. Er hatte gerade sein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Draengen seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessfuehrung sammeln. Goethes Vater hatte grosse Plaene mit seinem einzigen Sohn: Sein Ziel war es, ihn zum Schultheissen in Frankfurt zu machen. Daher hatte er seinen Sohn schon frueh mit Rechtsbuechern vertraut gemacht und ihn viel auswendig lernen lassen. Es war nicht so, dass Goethe das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen waere. Er war durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes, da er hoffte, sich daraus ein Bild ueber die Zustaende im Reich machen zu koennen. Er nahm Veraenderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte diese als Ganzes ueberschauen, war sich aber der Lueckenhaftigkeit seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und systematisch strukturierten und philosophisch begruendeten Gesetzen unter Beruecksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies laesst sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten. Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte es kaum als Ausbildungsmoeglichkeit. Denn zum einen war er gegenueber der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck der zerruetteten Verhaeltnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen 1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen er sich im Gasthof "Zum Kronprinzen" traf, nicht, dass diese etwas verbessern koennten. Ausserdem behauptet Goethe spaeter, als er Dichtung und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust. Nach dem Suizid des Gesandtschaftssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal fuer kurze Zeit nach Wetzlar zurueck. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein Suizid war fuer Goethe der Ausloeser, seinen Roman Die Leiden des jungen Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er in Gespraechen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun gehabt hatten, ergruendete. Der Roman wird ein grosser Erfolg und gilt als literarische Initialzuendung der Empfindsamkeit und der Sturm und Drang-Literatur. 1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruss. Weimar (1775-1805) 1775-1776 betreibt Goethe einen intensiven Briefwechsel mit Graefin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt. 1776 tritt Goethe als Geheimer Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem "Gartenhaus" (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen "Garten am Stern" bezeichnete er spaeter in seinen Tagebuechern als "untern Garten". Massgeblich beteiligt war er auch an der Planung des Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott haette mich zum Gaertner oder Laboranten gemacht, ich koennte gluecklich sein schreibt er in seinem Tagebuch. Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung. 1779 wird er zum Geheimrat befoerdert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre juengeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges Amt anzunehmen, war eine fuer politische Reformtaetigkeit. Goethe war innerhalb des Kabinetts verantwortlich fuer eine wachsende Zahl von Zustaendigkeiten. Politik blieb - auch nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst - ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte. In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu beschaeftigen. Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit Skepsis und uebergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Ruecktritt von seinem Amt als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befoerdert, am 2. Maerz 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwuerfnissen kam. Der Herzog vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792 schliesslich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan zum Nationalmuseum erklaert. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel zerstoert wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten neu). Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem Namen "Abaris", geworben von Johann Christoph Bode. 1777 Erste Reise in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise. 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schaedel. Reise nach Italien (1786-1788) Am 3. September 1786 verliess Goethe fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten Diener und Sekretaer Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe gab sich in Italien unter dem Namen "Filippo Miller" aus. Die ersten Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von Rom aus gab er den Naechststehenden Nachricht ueber seine eigentlichen Entschluesse und die Absicht, laengere Zeit in Italien zu bleiben. Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das beruehmte Gemaelde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der roemischen Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der "Hauptstadt der Welt" als Erfuellung eines Lebenstraumes - als "einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt". Er laesst sich als Kuenstler von der Monumentalitaet der antiken Bauten inspirieren (Pantheon, Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darueber hinaus beschaeftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel der abendlaendischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den "Roemischen Elegien" (1795) blickt der Begruender der deutschen Klassik wehmuetig auf sein Rom-Erlebnis zurueck und aeussert den Wunsch einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoss fuer die Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike Groesse anknuepft. 1788 bis 1805 Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich spaeter herausstellte, unter schweren Bandscheibenschaeden und Verwachsungen mehrerer Brustwirbel. 1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft dauerte bis zu Schillers Tod 1805. 1798 schrieb er die Elegie "Die Metamorphose der Pflanzen". Nach 1805 Im Jahr nach Schillers Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789 zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte. Am Rande des Erfurter Fuerstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau Christiane. 1817 begann er die "Geschichte seines botanischen Studiums" "Zeitschrift Zur Naturwissenschaft ueberhaupt, besonders zur Morphologie" (bis 1824). Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl Friedrich Zelter. Goethe starb am 22. Maerz 1832. Seine beruehmten letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Er wurde am 26. Maerz in der Fuerstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Roehr, Generalsuperintendent in Weimar. (...) Naturwissenschaftliche Arbeiten In der Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich zu beschaeftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor allem in Italien suchte er seine "Urpflanze". Sein wissenschaftlicher Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit wird die groesste Mannigfaltigkeit moeglich scheint heute allerdings wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht gilt seine Farbenlehre heute als wenig naturwissenschaftlich; gerade zu diesem Werk haben sich aber die bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts geaeussert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu diesem Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des Menschen mit den Affen war. Zu den naturwissenschaftlichen Spaetwerken Goethes gehoert die Spiraltendenz der Vegetation (1831), in welcher er aufzeigt, dass Lebendiges dazu tendiert, sich in Spiralen zu entfalten. Mehr Beachtung als die Einzelergebnisse in Goethes naturwissenschaftlichen Arbeiten fand die den Naturstudien zugrunde liegende Wissenschaftsmethodik (Goetheanismus), die sich, anders als die Naturphilosophie der Romantik, als empirisch (nicht spekulativ) versteht und die im Unterschied zum positivistischen Empirismus den Menschen nicht als externen Beobachter, sondern als innerhalb des Beobachteten und als zu diesem gehoerend behandelt. aus Diese Biographie basiert auf einem Artikel aus der freien Enzyklopaedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz fuer freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfuegbar.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (gedichtePortal-de):
Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.August 1749 in Frankfurt/Main als Sohn desKaiserlichen Rater Dr.jur. Johann Caspar Goethe und Catharina Elisabeth geboren. Da seine Eltern grossen Wert auf eine gute Ausbildung legten, bekam Goethe bereits im fruehen Alter Privatunterricht in Latein, Griechisch, Englisch, Italienisch und Schoenschreiben. Ein Jahr nach ihm kam seine Schweser Cornelia zur Welt. Im Jahre 1765 schrieb er sich in Leipzig zum Jurastudium ein und hoerte dort noch zusaetzlich Vorlesungen in Philosophie und Philologie, unter anderem auch bei Christian Fuerchtegott Gellert. Im Sommer 1768 erlitt er einen Blutstur, im Winter gleichen Jahres litt er an einer schweren Krankheit mit einer lebensgefaehrlichen Krise. 1770 wechselte er den Studienort und siedelte daher nach Strassbur. Dennoch lag sein Interesse weniger im juristischen Bereich, vielmehr besuchte er in erster Linie medizinische Vorlesungen. 1771 promovierte er zum Lizentiaten der Rechte und zog anschliessend nach Frankfurt, wo er als Rechtsanwalt zugelassen wurde. Im April 1775 verlobte er sich mit Lili Schoenemann, doch nur ein halbes Jahr spaeter wurde das Verloebnis wieder geloest. Im Juni 1777 starb seine Schwester Cornelia, zwei Jahre spaeter wurde er zum Geheimen Rat ernannt. Im April 1782 erhob Kaiser Joseph II. Goethe in den Adelsstand, nur einen Monat spaeter starb sein Vater. Im Maerz 1784 entdeckte Goehte in Jena den Zwischenkieferknochen am menschlichen Obergebiss. Im Jahr darauf begann er ein Studium der Botanik. Im September 1788 kam es in Rudolstadt zu einer ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Ein Jahr spaeter wurde sein Sohn Julius August Walther geboren, weitere vier Jahre spaeter folgte die Tochter Caroline, die jedoch nur kurze Zeit lebte.Im Maerz 1798 kreuzten sich die Wege von Goethe und Novalis. 1801 erkrankte er an Gesichtsrose. Zwei Jahre danach kam seine Tochter Kathinka zur Welt, doch wie seine erste Tochter lebte auch sein drittes Kind nur kurze Zeit. 1804 ernannte man ihn zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Praedikat Exzellenz. Im folgenden Jahr machte ihm mehrmals eine Nierenkolik sehr zu schaffen. Im Oktober 1806 heiratete er Christiane Vulpius. 1808 starb Goethes Mutter. Im Dezember 1815 wurde er zum Staatsminister ernannt. Ein halbes Jahr spaeter starb seine Frau Christiane nach schwerer Krankheit. Er selbst erkrankte 1823 an einer Herzbeutel- und Rippenfellentzuendung. Im Oktober 1830 starb sein Sohn August, Goethe erlitt nur einen Monat spaeter einen Blutsturz. Am 22.Maerz 1832 starb Goethe nach einwoechiger Krankheit.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (goethezeitportal-de):
Kuenstler- und Denkerenzyklopaedie Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) 1749-1765: Kindheit in Frankfurt Johann Wolfgang von Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Die Jahre 1749 bis 1765 sind Zeiten wohlbehueteter Kindheit und vielseitiger Ausbildung. Goethe wird als Sohn einer wohlhabenden, lutherischen Familie in eine Welt der Traditionen hineingeboren. Der Vater laesst seine Kinder reichhaltig, umfassend, vieles aber nur kurz anreissend ausbilden. Ziel ist eine universale Bildung, die alle Bereiche der Kuenste und Wissenschaften, mehrere Sprachen und Musikunterricht fuer Klavier und Cello umfasst. Spaeter kommt noch Tanz-, Fecht- und Reitunterricht auf die Kinder zu. Aber es gibt auch Theater- und Konzertbesuche. 1765-1768: Leipziger Studienjahre Im Oktober 1765 kommt Johann Wolfgang von Goethe zum Jura-Studium nach Leipzig. Das Studium betreibt er halbherzig. Mit einem stattlichen Budget von 1000 Talern jaehrlich fuehrt er ein gesellschaftliches Leben. Gottsched und Gellert lehren zu dieser Zeit in Leipzig. Goethe befasst sich lieber mit Theologie, Naturwissenschaft und Medizin, geht ins Theater, lernt radieren, kupferstechen und zeichnen bei Adam Oeser, einem Freund Winckelmanns. Goethe verliebt sich in Anna Katharina (Kaethchen) Schoenkopf. 1768-1770: Frankfurter Intermezzo Nach einer schwerer Krankheit kehrt Goethe Ende August 1768 nach Frankfurt zurueck. Erst im Winter 1769 fuehlt er sich wieder einigermassen gesund. In dieser Zeit ist Goethe auf der Suche, er besitzt keine feste Orientierung. Sein Studium ist noch nicht beendet und auch der Wunsch des Vaters nach einer Promotion noch nicht erfuellt. Insofern kann Frankfurt nur eine Zwischenstation sein. In diesen Monaten pflegt der kranke und genesende Goethe nicht nur den Umgang mit Pietisten wie Susanna von Klettenberg (1723-1774), sondern studiert hermetische Schriften und setzte alchimistische Versuche an. Ausserdem zeichnet und radiert er weiter. 1770-1771: Strassburg Ostern 1770 zieht der wieder genesene Goethe zur Fortsetzung des Studiums nach Strassburg. Nach nur einem Semester legt er das Kandidatenexamen ab, das eigentliche Studium ist damit abgeschlossen. Im Sommer 1771 beginnt er mit der Promotion. Diese wird jedoch von der Fakultaet abgelehnt. Er darf sich danach in einer oeffentlichen Disputation von juristischen Thesen um den Grad eines Lizentiaten bewerben. Dieser Titel galt eben so viel wie der Titel eines Doktor juris. Goethe erwarb ihn mit dem Praedikat "Cum applausu". Mehr interessieren ihn in dieser Zeit jedoch medizinische, botanische, theologische und philosophische Studien. Vor allem die Chemie ist seine "heimliche Geliebte". Anfang September 1770 trifft Johann Gottfried Herder in Strassburg ein. Goethe besucht ihn oft. Der um fuenf Jahre aeltere Herder erkennt Goethes Begabung und begeistert ihn fuer Natur- und Volkspoesie, fuer Homer, Ossian und Shakespeare. "Gross und bedeutend" nennt Goethe rueckblickend Herders Einfluss. Die beiden sollte eine lebenslange Freundschaft verbinden. Zur gleichen Zeit verkehrt der Student mit Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) und Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792). Gepraegt ist die Strassburger Zeit aber durch seine Liebe zu Friederike Brion (1752-1813). Goethe schrieb fuer sie Gedichte, beispielsweise das "Mailied" und "Willkommen und Abschied". 1771-1775: Wieder in Frankfurt Wieder in Frankfurt arbeitet Goethe als Rechtsanwalt am dortigen Schoeffengericht. Im September 1771 legt der junge Anwalt den Advokateneid und auch den Eid als Frankfurter Buerger ab. Nun stuende ihm eine Laufbahn offen, die auch in repraesentative oeffentliche Aemter fuehren koennte. Goethe richtet sich eine Kanzlei im Hause seiner Eltern ein und fuehrt Prozesse. Ende 1771 wird der "Goetz von Berlichingen" fertig, ein fuer den Sturm und Drang vorbildliches Schauspiel. 1772 beginnt Goethes eigentliche schriftstellerische Laufbahn als Rezensent der Frankfurter Gelehrten Anzeigen, dem bedeutenden publizistischen Organ des Sturm und Drang. Im Mai 1772 schickt ihn der Vater nach Wetzlar ans Reichskammergericht. Auf einem Ball in Volpertshausen lernt er Charlotte Buff kennen. Spaeter macht er auch die Bekanntschaft ihres Verlobten Johann Christian Kestner. Das Verhaeltnis der Drei wird durch Goethes Annaeherungsversuche getruebt und im September verlaesst er daraufhin Wetzlar. Auf der Rueckreise besucht er in Ehrenbreitstein Sophie La Roche und trifft dort deren Tochter Maximiliane. Goethe schreibt den "Werther" im Februar und Maerz des Jahres 1774. Es wird sein groesster internationaler Erfolg und sein aufsehenerregendstes Buch. Darin eingegangen ist der Selbstmord des Legationssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar. Dieser war im Herbst 1772 an der Liebe zu einer verheirateten Frau zerbrochen. Mit dem Erscheinen des "Goetz" und des "Werther" ist Goethe zur Symbolfigur des Sturm und Drangs geworden. Unmittelbar nach dem "Werther" schreibt er das Schauspiel "Clavigo". Ausserdem macht er Plaene fuer "Faust" und "Egmont" Im Jahr 1775 verlobt er sich mit der Bankierstochter Anna Elisabeth (Lili) Schoenemann, zu einer Heirat kommt es aber nicht. Im Mai 1775 macht Goethe mit Friedrich Leopold (Fritz) und Christian Graf zu Stolberg und Christian Graf von Haugwitz eine Bildungsreise in die Schweiz. In Zuerich sind sie zu Gast bei dem Theologen Johann Caspar Lavater, der Goethe seinerseits im Sommer 1774 in Frankfurt besucht hatte. Nach der Rueckkehr nach Frankfurt loest Goethe die Verlobung mit Lili. 1775-1786: Weimar 1774 hat Goethe Erbprinz Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) in Frankfurt kennen gelernt. Er laedt Goethe an den Hof von Weimar ein und am 7. November 1775 kommt Goethe dort an. Der Herzog stellt ihn in den Staatsdienst ein und bewilligt ihm ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt. Im Juni 1776 beruft der Herzog Goethe als Geheimen Legationsrat in den Geheimen Conseil, die Zentrale der Landesregierung. Drei Jahre spaeter uebernimmt Goethe die Weimarer Kriegskommission und die Direktion des Wegebaus. Als Dreissigjaehriger wird er zum Geheimen Rat ernannt. 1782 macht ihn der Fuerst zum Leiter der Finanzkammer. Goethe beginnt eine Liebesbeziehung mit Charlotte von Stein (1742-1827). 1782 zieht Goethe vom beruehmten Gartenhaus in das Haus am Frauenplan in Weimar. Im gleichen Jahr wird er von Kaiser Joseph II. in den Adelsstand erhoben. Er entdeckt sein Interesse fuer Geologie und Mineralogie. In dieser Zeit unternimmt Goethe Reisen nach Duesseldorf, in den Harz, nach Berlin, Frankfurt, ins Elsass, in die Schweiz, nach Goettingen und Kassel. Auch dienstlich ist er mit dem Herzog unterwegs. Nach Leipzig, Berlin, in den Harz und an andere saechsische Hoefe, nach Schlesien, Krakau und Czenstochowa geht die Fahrt. Er pflegt Kontakte zu Wieland und Herder, der auf Goethes Wunsch nach Weimar gerufen worden war. In den ersten elf Weimarer Jahren veroeffentlicht er kaum etwas. Den "Wilhelm Meister" faengt der Dichter an, "Egmont", "Iphigenie" und "Tasso" werden nicht vollendet. Der "Faust" bleibt ein Fragment. Dafuer entstehen einige seiner bekanntesten und beruehmtesten Gedichte: "Ueber allen Gipfeln ist Ruh'", "Grenzen der Menschheit" und "Das Goettliche". Fuer das Weimarer Liebhabertheater schreibt Goethe zahlreiche Stuecke, fuehrt Regie und schauspielert. Im Herbst 1779 reist Goethe mit dem Herzog in die Schweiz. Sie machen vier Tage in Goethes Vaterhaus in Frankfurt Station. Auf dem weiteren Weg besucht er auch Friederike Brion in Sesenheim und Lili von Tuerckheim in Strassburg. Goethe beginnt seine Naturstudien, die alle auf den Menschen bezogen bleiben, so weit sie sich auch mit den Gebieten der Botanik und Zoologie, Mineralogie und Geologie, Farbenlehre und Wolkenkunde beschaeftigen. Er liest Linné's "Philosophie der Botanik" und schreibt dem schwedischen Naturforscher spaeter den groessten Einfluss nach Shakespeare und Spinoza zu. Im Maerz 1784 gelingt ihm, wie er glaubt, eine anatomische Entdeckung: das os intermaxillare. Im Sommer 1785 begibt sich Goethe zum ersten Mal zur Kur ins boehmische Karlsbad. Bis 1823 wiederholt er die Fahrt dorthin sechszehnmal. Waehrend der zweiten Badereise plant Goethe bereits seine "Flucht" nach Italien. Am 3. September 1786 setzt er den Plan in die Tat um. 1786-1788: Italien Die "Flucht" nach Italien fuehrte Goethe ueber den Brenner, Trient, den Gardasee nach Verona, dann nach Venedig, Padua und schliesslich Rom. Dort findet er Kontakt zu deutschen Kuenstlern wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), Angelika Kauffmann (1741-1807) und Karl Philipp Moritz (1756-1793). Von Tischbein, der auch Goethe-Tischbein genannt wird, stammt das Gemaelde "Goethe in der Campagna" (1786-1788). Vier Monate dauert der erste Aufenthalt in Rom. Dann reist Goethe am 22. Februar 1787 zusammen mit Tischbein weiter nach Neapel. Bald darauf geht die Fahrt mit dem Landschaftsmaler Christoph Heinrich Kniep weiter bis nach Sizilien. Im Mai kehren sie ueber Neapel nach Rom zurueck. Hier beginnt am 7. Juni 1787 Goethes zweiter Aufenthalt in Rom, der fast noch ein Jahr dauert. Er studiert die alte Baukunst und die Bildende Kunst in Museen und Sammlungen. Goethe ist in Italien aber nicht nur Kunstbetrachter, sondern er versucht, sich selbst als Kuenstler weiterzubilden. Er zeichnet, aquarelliert und lernt das Modellieren. Rund 850 Zeichnungen sind aus seiner italienischen Zeit erhalten. Ebenfalls in dieser Zeit schreibt er die "Iphigenie" in Verse um und bringt den "Egmont" zu Ende, arbeitet am "Tasso" und am "Faust". Am 23. April 1788 bricht er mit Christoph Kayser zur Rueckreise in den Norden auf. Sie reisen bis Juni ueber Siena, Florenz, Bologna, Parma und Mailand. Durch die Schweiz und Konstanz, Nuernberg, Erlangen, Bamberg, Coburg. Seine Darstellung der "Italienischen Reise" verfasst er erst dreissig Jahre spaeter. Sie basiert auf dem "Reise-Tagebuch" fuer Charlotte von Stein und auf Originalbriefen und -notizen. 1788-1832: Weimar 1788 kommt Goethe wieder in Weimar an. Der Herzog, nicht boese ueber die Abwesenheit, gibt Goethes Neigungen nach, entbindet ihn von den Regierungsgeschaeften, laesst ihm aber den Sitz im Ministerrat und die Bezuege. Goethe ist nun eine Art Kulturminister mit der Oberaufsicht ueber die Anstalten ueber Wissenschaft und Kunst, beispielsweise die Universitaet Jena. Ab 1791 leitet Goethe dann auch das neue Weimarer Hoftheater, ein Amt, das er bis 1817 inne hat. Die Liaison mit Charlotte von Stein wird nicht wieder aufgenommen, sondern Goethe beginnt ein Verhaeltnis mit Christiane Vulpius. Der Minister Goethe verfolgt die Geschehnisse der Franzoesischen Revolution mit Interesse und setzt sich beispielsweise in den "Revolutionsdramen", der Novellensammlung "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1795) und dem Versepos "Hermann und Dorothea" (1797) damit auseinander. Zunehmend beschaeftigt sich Goethe mit den Naturwissenschaften. Sein Interesse gilt der Anatomie, Botanik, Mineralogie, Optik und der Farbentheorie. 1790 besucht Goethe zum zweiten Mal Italien. Er reist bis Venedig der Herzogenmutter entgegen, doch seine Begeisterung fuer das Land ist verflogen. 1792 zieht er mit Carl August nach Frankreich, um am Krieg Oesterreichs und Preussens gegen die Revolutionsregierung teilzunehmen. Das Erlebnis wird in der Schrift "Die Kampagne in Frankreich" erlaeutert. 1794 beginnt die Freundschaft mit Friedrich Schiller, die beide zu produktiver Arbeit anregt. 1805 erkranken sowohl Goethe als auch Schiller schwer. Am 9. Mai des gleichen Jahres stirbt Schiller, Goethe, der selbst unter heftigen Nierenkoliken leidet, ist erschuettert. Am 13. April 1806 protokollierte er dann im Tagebuch: "Schluss von Fausts I. teil". Damit erfuellt er noch einen Wunsch Schillers. Im Januar 1795 kommt der erste Band von "Wilhelm Meisters Lehrjahre" heraus. Auf der dritten Schweizer Reise 1797 machte Goethe in seiner alten Heimatstadt Frankfurt Station und liess auch Christiane und seinen Sohn nachkommen, um sie der Mutter vorzustellen. Immerhin hat er vor der Reise seine Familie testamentarisch abgesichert. Diese Reise in die Schweiz war die letzte groessere Reise Goethes. Goethe hielt sich nun oft in Jena auf. Dort verliebte er sich im Winter 1807 ungluecklich in Wilhelmine (Minchen) Herzlieb (1789-1865), Pflegetochter des Buchhaendlers Frommann. In diese Zeit fallen die "Sonette", die "Wahlverwandtschaften" und seine "Farbenlehre". Im Oktober 1808 wird Goethe waehrend des Erfurter Fuerstenkongresses von Napoleon empfangen. Spaeter erhaelt er das Kreuz der Ehrenlegion. 1811 beginnt er mit der Niederschrift seiner Kindheitserinnerungen, die er "Dichtung und Wahrheit" nennt. Dazu faehrt er im Sommer 1814 und im Fruehjahr 1815 noch einmal in die Gegenden rund um Rhein und Main, in denen er seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Auf einer dieser Reisen verliebt er sich in Marianne Jung (1784-1860), die spaeter den Bankier und Geheimen Rat in Frankfurt, Johann Jakob von Willemer, heiratet. Diese Begegnung inspiriert Goethe zu den Liebesgedichten im "West-oestlichen Diwan". 1815 wird das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach durch Beschluss des Wiener Kongresses Grossherzogtum. Goethe bekleidet damit das Amt eines Staatsministers. Im Sommer 1821 faehrt Goethe zur Kur nach Marienbad und lernt dort die 17-jaehrige Ulrike von Levetzow kennen. 1817 verzichtet Goethe auf das Frankfurter Buergerrecht. Seit dem Wiener Kongress durfte das Vermoegen bei Aufgabe des Buergerrechts ausgefuehrt werden, ohne den "Zehnten Pfennig" zu zahlen. Goethe entgeht zudem der gerade beschlossenen Einkommenssteuer. Zuvor hat er auch ein Stellenangebot aus Frankfurt ausgeschlagen: Nach dem Tod seines Onkels, des Schoeffen Textor, wollte man ihm dort die Stelle eines Ratsherrn anbieten. In den letzen beiden Lebensjahrzehnten beschaeftigt Goethe die Sekretaere Friedrich Wilhelm Riemer (1774-1845) ab 1814 und ab 1823 Johann Peter Eckermann (1792-1854). Dieser spornt Goethe zur Arbeit am zweiten Teil des "Faust" an, den der Dichter daraufhin zwischen 1825 und 1831 vollendet. Aber er moechte das Werk zu seinen Lebzeiten nicht mehr veroeffentlichen, sondern uebergibt es seinen Nachlassverwaltern. In seinem Haus am Frauenplan kuemmert sich Schwiegertochter Ottilie bis zu seinem Tod um ihn. Am 22. Maerz 1832 stirbt der grosse deutsche Dichter und wird in der Fuerstengruft zu Weimar beigesetzt.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (johann-wolfgang-goethe-de):
KINDHEIT, JUGEND UND STUDIUM 1749 Johann Wolfgang Goethe wird am 28. August in Frankfurt am Main geboren. Mutter Catharina Elisabeth stammt aus der Juristenfamilie Textor, die ebenfalls in Frankfurt ansaessig ist. Sein Vater Johann Caspar ist der Sohn eines vermoegenden Modeschneiders und unterrichtet Goethe spaeter in Eigenregie. Der als streng geltende Jurist und Privatier besitzt ueber 2.000 Buchbaende und sammelt Kunstwerke und Naturalien, darunter auch italienische Stiche. Goethes Italien-Faszination laesst sich auch darauf zurueckfuehren. Goethe hat fuenf Geschwister, doch nur Schwester Cornelia und er ueberleben das Kindesalter. Cornelia stirbt mit 26 Jahren als Ehefrau des Juristen Johann Georg Schlosser. Goethes Familie ist fromm und praktiziert den christlichen Glauben. 1756 - 1763 Siebenjaehriger Krieg: Frankfurt wird von den Franzosen besetzt, der ranghoechste Offizier wird in Goethes Elternhaus einquartiert. Daher hat Goethe sein Faible fuer den Typus des gebildeten Offiziers. 1765 - 1767 Goethe studiert auf Wunsch des Vaters Jura in Leipzig, damals "Klein Paris” genannt. Er trifft Adam Friedrich Oeser, Maler und Leiter der "Zeichnung- Malerey- und Architectur-Academie”, bei dem er Zeichenunterricht nimmt und ueber den er die Schriften Johann Joachim Winckelmanns kennen lernt, die Goethes Aesthetik stark beeinflussen. 1767 Erste grosse Veroeffentlichung: "Annette” mit 19 Gedichten ueber die damals 19-jaehrige Anna Katharina Schoenkopf ("Kaethchen”) mit der er 2 Jahre bis 1768 zusammen war. In einer psychischen sowie gesundheitlichen Krise verbrennt Goethe einen Grossteil seiner bisherigen Dichtungen, weil er an seinem dichterischen Talent zweifelt. 1767/1768 "Die Laune des Verliebten”, ein Schaeferspiel in Versen, entsteht. 1768 Im Juli erleidet Goethe einen Blutsturz und eine Lungenaffektion. An seinem 19. Geburtstag verlaesst Goethe Leipzig und kehrt nach Frankfurt zurueck, im Dezember wird Goethe sterbenskrank aufgrund seiner in Leipzig ausgebrochenen Krankheit. Er vertieft sich in die Religion (auch alchemistische Schriften). Zeitgleich entstehen das erste seiner Mondgedichte namens "An den Mond” (spaeter: "An Luna”) sowie sein erstes Lustspiel "Die Mitschuldigen”. 1770 Goethe setzt Anfang April sein Jura-Studium in Strassbourg fort und erhaelt den dem Doktortitel fast ebenbuertigen Grad des Licentiatus Juris. Weil er in seiner Doktorarbeit ketzerische Aussagen getroffen haben soll, bleibt ihm der echte Doktortitel versagt. Im September lernt er Johann Gottfried Herder - Kunst- und Literaturtheoretiker - kennen, der ihn stark beeinflusst. Im Herbst lernt Goethe im Elsass in Sesenheim Friederike kennen, die Tochter des Landgeistlichen Brion, und verliebt sich in sie. Er verfasst die Sesenheimer Lieder. STURM UND DRANG 1771 Kurz vor seinem 22. Geburtstag kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck und richtet im Elternhaus eine Kanzlei ein. Vier Jahre lang arbeitet er aktiv als Jurist, betreut dabei aber nur wenige Faelle. Im November/Dezember schreibt er innerhalb von sechs Wochen das Drama "Goetz von Berlichigen” (urspr. "Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand”), ein Werk, das die Normen des Klassizismus sprengt. Unter Ruecksicht auf die Konventionen entschaerft Goethe die Fassung, die trotzdem als Revolution empfunden wird. Das gefaellt in erster Linie den juengeren Poeten, das Stueck gilt somit als dramatisches Gruendungsdokument des Sturm und Drang. 1772 Goethe macht auf Draengen seines Vaters hin ein Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und lernt das Paar Charlotte Buff und Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte und verlaesst Wetzlar nach einigen Monaten. Die Liebe zu der Verlobten seines Kollegen Kestner und andere Erfahrungen sind die Grundlage fuer Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther”. Goethe kehrt nach Frankfurt zurueck und erlebt dort eine kreative Hochphase, in der er unter anderem "Prometheus” verfasst. 1773 Entstehungsphase des sogenannten "Urfaust”, der von Goethe selbst nicht veroeffentlicht wird. 1774 Veroeffentlichung des innerhalb von vier Wochen geschriebenen Briefromans "Die Leiden des jungen Werther”, der als Sinnbild fuer den durch eine unerfuellte Liebe in den Selbstmord getriebenen, in seinem Gefuehlsueberschwang an einer widerstaendigen Umwelt zerbrechenden Schwaermer steht. Der Roman kommt bei der Bevoelkerung sehr gut an, man kann sich mit Werther identifizieren. Im Mai: Veroeffentlichung von "Clavigo”, "Stella” und "Schauspiel fuer Liebende”. In der urspruenglichen Fassung von Stella geht die Hauptfigur Fernando ein Dreiecksverhaeltnis mit Stella und Caecilie ein, was das Publikum so schockiert, dass Goethe spaeter den Schluss durch ein tragisches Ende ersetzt. "Clavigo” stellt Goethes erstes zeitgenoessisches Theaterstueck dar. MINISTERZEIT IN WEIMAR 1775 Goethe erschafft die Singspiele "Erwin und Elmire” und "Claudine von Villa” als Adaption auslaendischer Opernformen. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach laedt Goethe nach Weimar ein. 1776 im Juni wird Goethe gegen den Widerstand von Seiten des Adels Mitglied des obersten Regierungsgremiums des Herzogs, dem "Conseil” (1815 wird dies durch das Grossherzogliche Staatsministerium ersetzt) und danach, um weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen, in den Adelsstand erhoben. Goethe versucht, auf den Herzog einzuwirken, die Staatsausgaben unter die -einnahmen zu druecken, zum Beispiel durch Reduzierung der Truppen um die Haelfte. 1777 Veroeffentlichung des Gedichts "Harzreise im Winter”, in dem sich Goethes Spaltung zwischen Dichterberuf und amtlicher Praxis widerspiegelt. In diesem Jahr begegnet Goethe ausserdem Charlotte von Stein. In der Beziehung zu ihr sieht Goethe das Streben nach in der Liebe erfahrener Wahrheit. 1779 Goethe veroeffentlicht die Prosafassung der "Iphigenie auf Tauris”, in deren Theaterauffuehrung er selbst den Orest spielte. 1780 Er beginnt seine Naturforschungen, auf die spaeter Goethes Abhandlungen ueber die Natur folgen. 1782 Goethe wird vom Herzog zum Kammerpraesidenten (Finanzminister) ernannt, in der Hoffnung, den Staatshaushalt weiter zu konsolidieren. Er foerdert die Landwirtschaft, ist in der Kriegskommission, der Wege- und Wasserbaudirektion sowie der Bergwerkskommission taetig. 1783 Goethe trifft Herder wieder, eine Freundschaft entwickelt sich. Im Gedicht "Ilmenau” beschreibt Goethe das Leben des Herzogs Carl August - vom zuegellosen Jugendtreiben zum jetzigen Wirken im Interesse des Landes. 1784 In diesem Jahr entsteht der Aufsatz "Ueber den Granit in Verbundenheit” zu seinen naturwissenschaftlichen Forschungen. GOETHE IN ITALIEN 1786 Goethe konzentriert sich mehr auf den kulturpolitischen Bereich, bleibt jedoch Berater fuer den Herzog. Er beaufsichtigt die Universitaet Jena. Goethe resigniert in Anbetracht des Nichterreichens der gesteckten Ziele in Weimar, sieht die Preisgabe seines poetischen Talents zugunsten der amtlichen Taetigkeit als fragwuerdig und fluechtet am 3. September in Absprache mit dem Herzog nach Rom. Damit leitet Goethe die Weimarer Klassik ein. 1787 Im Februar 1787 zieht Goethe weiter nach Neapel, setzt im Maerz nach Sizilien ueber und kehrt im Juni nach Rom zurueck. Waehrend seiner Italien-Reise trifft er Johann Heinrich Meyer und Karl Philipp Moritz, es entstehen nur wenige neue Werke. Goethe arbeitet an vorher in Weimar angefangenen Werken, z.B. der Versform der "Iphigenie auf Tauris”, "Torquato Tasso” sowie "Faust” und schliesst "Iphigenie auf Tauris” und "Egmont” (Prosa, 12 Jahre der Entstehung) ab. In "Iphigenie auf Tauris” kommt Goethes Grundueberzeugung zum Ausdruck, dass allein Wahrheit Friede sei und beides im Weiblichen begruendet sei. 1788 Im Juni kommt Goethe nach zweimonatiger Reise wieder in Weimar an und erklaert dem Herzog, er haette sich selbst als Kuenstler, als Dichter wiedergefunden, waere wiedergeboren. Nach seiner Rueckkehr nach Weimar wird er seiner bisherigen Aemter enthoben. Goethe lernt die buergerliche Christiane Vulpius kennen, Schwester des Schriftstellers Christian August Vulpius. Aufgrund von Goethes Adelsstand wird die Verbindung von Goethe zu Christiane Vulpius als Missstand angesehen. In dieser Zeit entstehen auch die "Erotica Romana”, deren Freizuegigkeit auch von engen Freunden Goethes wie Charlotte von Stein und Herder kritisiert wird. 1789 Im Sommer 1789, kurz vor Ausbruch der Franzoesischen Revolution, vollendet Goethe "Torquato Tasso” (klassisches Drama, erstes echtes Dichterdrama). 1790 1790 folgt eine weitere unfreiwillige Italienreise, bei der Goethe der aus Italien zurueckkehrenden Herzogin Anna Amalia entgegenreist. Es entstehen die 1795 publizierten "Venetianischen Epigramme”. Diese beschreiben im Gegensatz zur ersten Italienreise die Schattenseiten Italiens und beschaeftigen sich mit der Franzoesischen Revolution. Goethe widmet sich wieder verstaerkt den Naturwissenschaften und schreibt den "Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren”. Goethe glaubt, die Farbenlehre Newtons widerlegt zu sehen, weil er beim Blick durch ein Prisma keine Zerlegung in Farben erkennen kann, wie Newton es beschrieben hatte. Er uebersieht, dass diese Farben sich allerdings auf weissem Papier wieder zu weiss vereinen. Goethe sieht das Licht als das Goettlich-Eine, Farben entstuenden durch das Zusammenspiel von hell und dunkel. Er konzentriert sich auf die subjektive Wahrnehmung der Farben und beeinflusst mit seinen Theorien die romantischen Poeten sowie die Maler seiner Zeit. 1791 Goethe wird Direktor des Hoftheaters (bis 1817), Leiter des Freien Zeicheninstituts sowie Mitglied in verschiedenen Kulturkommissionen. WEIMARER KLASSIK 1794 Goethe lernt Friedrich Schiller kennen. Beide verbindet die Ablehnung der Franzoesischen Revolution, beide arbeiten an der literarischen Zeitschrift "Die Horen”. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihren Werken (Schiller: "Wallenstein”, Goethe: "Wilhelm Meisters Lehrjahre”, die er seit 1775 in Bearbeitung hat). 1795 In diesem Jahr erscheinen die "Roemischen Eligien” (auch "Erotica Romana”), die bereits um 1790 als Gedichtzyklus entstanden waren. Durch den Vertrag von Basel erhaelt das Grossherzogtum fuer 10 Jahre einen neutralen Status bzw. Friedensstatus - auch aufgrund des Mitwirkens Goethes und Schillers. 1796 Der erste Teil des Musenalmanach erscheint, an dem Goethe und Schiller gemeinsam gearbeitet haben und in dem sie ihre Kritiker aufs Korn nehmen. 1797 Entstehungsjahr von Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling”. 1800 Erstes Festspiel Palaeophron und Neoterpe anlaesslich des Geburtstags der Herzogin-Mutter Anna Amalia. 1803 Entstehung von "Die natuerliche Tochter” als einzig vollendeter Teil einer Trilogie zum Thema Franzoesische Revolution Schiller und Goethe arbeiten gemeinsam an Theaterstuecken, wovon 1803 "Die Braut von Messina” erstmals aufgefuehrt wurde. 1805 Schiller stirbt am 9. Mai, womit die praegende Periode der Weimarer Klassik zu Ende geht. Goethe wendet sich mehr der Romantik zu und versucht, Klassik und Romantik in seinen Werken zu vereinen. AUTOBIOGRAPHISCHE ARBEITEN 1806 Goethe heiratet Christiane Vulpius, die sich den durch die Stadt ziehenden und pluendernden franzoesischen Soldaten nach einer verlorenen Schlacht entgegenstellte und Goethe vor Schlimmerem bewahrte. 1808 Zweites Festspiel: "Pandora” (nur Fragmente). "Faust, der Tragoedie erster Teil” erscheint. 1809 Goethe beginnt mit seinen autobiographischen Arbeiten "Dichtung und Wahrheit”, die Teile von Goethes Biographie zwischen zwischen 1749 und 1775 aufgreift. Auch vor dem Hintergrund von Schillers Tod hegt er den Wunsch, das Gewesene fuer die Nachwelt zu fixieren. Ausserdem erfolgt die Veroeffentlichung von "Wahlverwandtschaften”. 1810 "Opus zur Farbenlehre” 1814 1814 erscheint der dritte und letzte vollstaendige Teil von "Dichtung und Wahrheit”, der 4. Teil wird unterbrochen durch "Faust II” und vor Goethes Tod nicht mehr ganz fertig gestellt. Die Franzoesische Revolution endet, Goethe reist danach zu den Orten von Goethes Kindheit und Jugend im Rhein-Main-Gebiet. ALTER IN WEIMAR 1815 Goethe nimmt seine politischen Arbeiten wieder auf und wird zum Staatsminister und Ressortleiter der "Anstalten fuer Wissenschaft und Kunst" in Weimar und Jena ernannt. In seinen letzten Lebensjahren festigt sich bei Goethe die Vorstellung einer Weltliteratur im Zuge der Internationalisierung, die Erzeugnisse einzelner Nationen werden Gemeingut. Premiere des Festspiels "Des Epimenides Erwachen” anlaesslich des Sieges Napoleons und des Endes der Befreiungskriege. 1816 Tod von Goethes Ehefrau Christiane. 1818 "Um Mitternacht” 1819 Von 1819 bis 1825 schreibt er die "Annalen meines Lebens”. In dieser Zeit veroeffentlicht er ausserdem den "West-oestlichen Divan”, in dem die Faszination Goethes an der altpersischen Dichtung zum Ausdruck kommt. 1821 Goethe lernt als 74jaehriger die 17jaehrige Ulrike von Levetzow kennen und verliebt sich zwei Jahre spaeter in sie. Ulrikes Mutter lehnt Goethes Antrag ab, woraufhin die Liebesklagen "Eligie” entstehen. Der erste Teil des Goethe-Romans "Wilhelm Meisters Wanderjahre” wird veroeffentlicht. 1823/24 "Trilogie der Leidenschaft” 1824 "Der Braeutigam” 1825 Die Arbeiten an "Faust II” beginnen. 1827 Goethe veroeffentlicht die "Ausgabe letzter Hand”, eine Sammlung von Gedichtbaenden, das wichtigste Gedicht ist dabei "Urworte: Orphisch”. 1828 Herzog Carl August stirbt. Veroeffentlichung von "Novelle” (Prosadichtung). 1829 In "Ausgabe letzter Hand” (Band 21-23) veroeffentlicht Goethe die Neufassung von "Wilhelm Meisters Wanderjahre”. "Faust” wird in Braunschweig uraufgefuehrt, wobei Goethe nicht anwesend ist, weil er das Stueck nicht als fuer die Buehne geschaffen sieht. 1830 Goethes Sohn August stirbt. 1832 Goethe stirbt am 22. Maerz vermutlich an einem Katarrhfieber mit folgendem Herzinfarkt. Bis heute haelt sich das Geruecht, seine letzten Worte lauteten "Mehr Licht!”. Goethe wird neben Carl August und Friedrich Schiller in Weimar begraben. In den "Nachgelassenen Werken” erscheint "Faust. Der Tragoedie zweiter Teil”. Goethe verfuegte, dass diese zu seinen Lebzeiten nicht veroeffentlicht werden sollte.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (literaturwelt-com):
Leben Kindheit, Jugend und Studienzeit Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates Johann Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main geboren. Von seinen fuenf Geschwistern ueberlebt nur Cornelia (geb. am 7. Dezember 1750), mit der er seine Kindheit gemeinsam verbringt und ein enges Verhaeltnis aufbaut. Ab 1752 besucht Goethe drei Jahre lang die Frankfurter Spielschule. Mit dem Umbau des Elternhauses 1755 erhaelt der junge Goethe Privatunterricht. In seiner Jugend wird er Zeuge bedeutender historischer Ereignisse, u.a. die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen 1759 oder die Kroenung Josephs des Zweiten 1764. Im Oktober 1765 nahm er auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf. Nebenher besuchte Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen, u. a. bei Gellert und Gottsched. Er beschaeftigte sich ausserdem in dieser Zeit mit Lessing und der Aufklaerung sowie mit Klopstock und der Empfindsamkeit. Bei Adam F. Oeser nahm er Zeichenunterricht. Im August 1768 muss er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe kehrte daraufhin wieder ins Elternhaus zurueck. Seine Genesung verzoegerte sich durch einige Rueckfaelle bis Maerz 1770. In dieser Zeit wird Goethe vor allem von religioeser Lektuere beeinflusst, angeregt durch Susanna Katharina von Klettenberg. Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe in Strassburg sein Jurastudium fort. Auch Herder hielt sich um diese Zeit in Strassburg auf. Goethe knuepfte in Strassburg Kontakte zu Jakob Michael Reinhold Lenz, und Gottfried von Herder und machte Bekanntschaft mit Friedericke Brion. Ihr widmete er zahlreiche Gedichte, darunter das Heidenroeslen, Mailied und Willkommen und Abschied. Im August 1771 promoviert Goethe zum Lizentiaten der Rechte. Der Stuermer und Draenger Nach seiner Promotion in Strassburg kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck. Er nimmt seine Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber nebenher verstaerkt der Dichtung zu. So konnte er die Urfassung von Goetz von Berchlingen vollenden, die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. 1772 macht Goethe Bekanntschaft mit Charlotte Buff, als er Praktikant im Reichskammergericht in Wetzlar ist. Ausserdem arbeitet er an den Frankfurter Gelehrten Anzeigen mit, das den Beginn seiner schriftstellerischen Karriere markiert. Die unerfuellte Liebe zu Charlotte Buff regt Goethe zu seinem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers an, der ihn schlagartig beruehmt machte. Es entstanden auch einige Hymnen, darunter Ganymed, Prometheus und Wanderers Sturmlied. In der Zeit zwischen 1773 und 1775 arbeitet Goethe an ersten Fassungen seiner Dramen Urfaust, Prometheus und Mahomet. Dabei orientiert er sich besonders an den Werken Shakespeares. Auf seinen Reisen im Jahr 1774 nimmt Goethe Kontakt zu Johann Caspar Lavater, den Bruedern Jacobi und Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach auf. Im April 1775 kommt es zur Verlobung mit Lili Schoenemann, die aber ein halbes Jahr spaeter wieder geloest wird. Das erste Weimarer Jahrzehnt Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von Karl August nach Weimar eingeladen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit Charlotte von Stein. Im November siedelt er schliesslich ganz ueber. In Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansaessig, die bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich versammelte. Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der Ankunft Goethes nahmen die kulturelle Aktivitaet der Stadt Weimar enorm zu. 1776 bis 1782 wohnte Goethe in einem Gartenhaus an den Ilmwiesen. Er wird Beamter der Stadt Weimar und zum Geheimen Legationsrat ernannt. 1776 kommt auch Herder, als Generalsuperintendent, nach Weimar. Mit der Oberaufsicht ueber den Illmenauer Bergbau und der engen Beziehung mit Charlotte von Stein verstaerkt sich Goethes gefasster Entschluss, in Weimar zu bleiben. 1777 stirbt seine Schwester Cornelia. Waehrend sein Schauspiel Stella (1776) noch vom Sturm und Drang gepraegt war, setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in Goethes Werken allmaehlich durch. 1779 entsteht die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris, die 1786 in Blankverse umgeschrieben wurde. Im Januar 1779 wird Goethe die Leitung der Kriegs- und Wegebaukommission uebertragen, durch die er viele Dienstreisen mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe zum Geheimen Rat ernannt. Die Aufsicht ueber den Bergbau in Illmenau veranlasst Goethe sich mit mineralogischen Studien zu beschaeftigen. 1782 stirbt sein Vater. Goethe bezieht des Haus am Frauenplan. 1784 entdeckt er den Zwischenkieferknochen des Menschen. 1785 sind die Arbeiten an Wilhelm Meisters theatralischer Sendung abgeschlossen. Goethe haelt sich nun oefters in Karlsbad auf. Italienreise und Rueckkehr nach Weimar Im Herbst des Jahres 1786 bricht Goethe heimlich in Karlsbad auf und begab sich auf eine Erholungs- und Bildungsreise nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer drueckender empfundenen hoefischen und dienstlichen Verpflichtungen. Goethe gab sich dabei als "Maler Moeller" aus. Am 29. Oktober erreichte er Rom, das eigentliche Ziel seiner Reise. Dort machte er Bekanntschaft mit dem Maler Tischbein und dem Dichter Karl Philipp Moritz. Neben der Beschaeftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete Goethe auch an seinen literarischen Projekten Iphigenie, Egmont, Tasso und Faust weiter. Bereits 1786 konnte Iphigenie auf Tauris in Versform fertiggestellt werden, 1788 dann Egmont. Am 23. April 1788 brach Goethe in Rom auf und trat seine Heimreise an. Am 18. Juni traf er in Weimar wieder ein. Goethe wird in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der hoefischen und dienstlichen Pflichten entbunden. Er wird stattdessen mit der Leitung kuenstlerischer Anstalten des Herzogtums betraut, darunter z. B. das "Freie-Zeichen-Institut". Im Juli lernt Goethe seine zukuenftige Lebensgefaehrtin, Christiane Vulpius, kennen. Noch im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer Professur in Jena. 1789 wird Goethes Sohn August geboren. Die Arbeit am Tasso sind abgeschlossen. Zur Franzoesischen Revolution verhaelt sich Goethe ablehnend. 1790 erscheinen Die Metamorphose der Pflanzen und Faust, ein Fragment. 1791 wird Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters. 1792 begleitet Goethe Herzog Karl-August im 1. Koalitionskrieg Preussens und Oesterreichs gegen Frankreich. Er selbst wird Augenzeuge der Kanonade von Valmy, am 20. September 1792. Das Schauspiel Der Gross-Koptha entsteht. 1793 ist Goethe Beobachter bei der Belagerung von Mainz. Der Buergergeneral und Reineke Fuchs werden veroeffentlicht. Goethe beschaeftigt sich seit 1793 bis 1798 intensiv mit Studien zu Homer. Das Jahrzehnt mit Schiller 1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift Die Horen gewinnen. Daraus entwickelte sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunaechst nur aus einem staendigen Briefwechsel bestand. Seit der Tagung der "Naturforschenden Gesellschaft" in Jena 1794 ist Schiller haeufiger Gast bei Goethe in Weimar. 1796 entstehen die Xenien. 1797 erhaelt Goethe die Aufsicht ueber die Weimarer Bibliothek. Das Jahr 1797 ging als das "Balladenjahr" in die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe und Schiller zahlreiche Balladen hervorgingen, darunter Der Gott und die Bajadere, Der Schatzgraeber, Der Zauberlehrling, Die Braut von Korinth und Legende. Beide befassten sich auch intensiv mit der Theorie der literarischen Gattungen, dessen Ergebnis 1797 in der Schrift Ueber epische und dramatische Dichtung festgehalten wurde. Goethe setzte in dieser Zeit auch seine Arbeiten am Faust fort. 1798 erschien die periodische Kunstzeitschrift Propylaeen, unter der Mitarbeit Schillers und Humboldts. Im Dezember 1799 uebersiedelt Schiller nach Weimar. Er draengte Goethe zur Vollendung des Fausts. Aus der Zusammenarbeit der beiden Dichter ging der Stil der Weimarer Klassik hervor, der sich an Antike und Renaissance orientierte. 1803 erhaelt Goethe die Oberaufsicht ueber die naturwissenschaftlichen Institute der Universitaet Jena. 1804 wird er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Am 9. Mai 1805 stirbt sein engster Freund, Schiller. Dieses Ereignis nimmt einen tiefen Einschnitt in das Leben Goethes, das bis dahin von einer intensiven Freundschaft und geistigen Beziehung der beiden gepraegt war. Im Epilog zu Schillers Glocke setze er ihm ein Denkmal. Das Jahrzehnt nach Schillers Tod In der Zeit nach Schiller, zaehlten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter und Wilhelm von Humboldt zu Goethes engsten Freunden. Goethe setze sich ab 1806 intensiv mit der Romantik auseinander. Die Sammlung Des Knaben Wunderhorn (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano regten Goethe an, sich mit dem deutschen Mittelalter und der Volkspoesie zu beschaeftigen. Im April 1806 wurde Faust, erster Teil abgeschlossen. Im Oktober kam es zur Schlacht bei Jena und zur Besetzung Weimars. Goethe heiratete in diesem Jahr Christiane Vulpus. 1807 macht er Bekanntschaft mit Bettina Brentano, der spaeteren Frau A. v. Arnims. Goethe beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahre. 1808 stirbt Goethes Mutter. Auf dem Erfurter Fuerstenkongress kam es zur Begegnung zwischen Goethe und Napoleon I. 1809 erscheinen Die Wahlverwandtschaften. 1810 kam es zum Abschluss der Arbeit an der Farbenlehre. Der erste Teil seiner Autobiographie Dichtung und Wahrheit, erster Teil. erschien 1811. In Karlsbad kam es 1812 zur Begegnung mit Ludwig van Beethoven, der einige Gedichte Goethes vertonte. Dichtung und Wahrheit, zweiter Teil. wurde fertiggestellt. 1813 verlor die Kuenstler-Stadt Weimar einen weiteren wichtigen Geist, den Dichter Christoph Martin Wieland. Im gleichen Jahr fand zwischen dem 16. und 19. Oktober die Voelkerschlacht bei Leipzig statt. Der dritte Teil seiner Autobiographie erschien. 1814 kommt es zur Begegnung mit Marianne von Willemer und den Bruedern Boisserée. Die letzten Lebensjahre 1815 unternimmt Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein- und Maingebiet. Sachsen-Weimar-Eisenach wird durch einen Beschluss des Wiener Kongresses zum Grossherzogtum. Im September findet die letzte Begegnung mit Marianne von Willemer statt. Im Dezember wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut. Am 6. Juni 1816 stirbt seine Frau, Christiane. 1817 haelt sich Goethe oefters in Jena auf. Von der Leitung des Hoftheaters wird er entbunden. Mit zunehmenden Alter zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich nun hauptsaechlich seinen Werken zu. 1819 ist der West-oestliche Divan abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahren, die 1829 vollendet wurde. 1821 kommt es zur ersten Begegnung mit Ulrike von Levetzow, seiner letzten Liebe. 1825 nimmt er seine Arbeit am Faust, zweiter Teil. wieder auf. Im Januar 1827 stirbt Charlotte von Stein, im Juni des darauffolgenden Jahres Grossherzog Karl August. 1830 erscheint der letzte Teil seiner Autobiographie, Dichtung und Wahrheit, vierter Teil. Im November erfaehrt er vom Tode seines Sohnes, der schon Ende Oktober verstarb. Goethe erlitt einen Blutsturz. 1831 wird Faust, zweiter Teil. vollendet. Am 22. Maerz 1832 stirbt Goethe in seinem Haus am Frauenplan. Er wurde neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft beigesetzt.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38.ref> Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39.ref> Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17ref> Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de'']ref> Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.<ref name="ndbadb" /><ref>Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de'']ref> Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de'']ref> Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.<ref name="ndbadb" /> Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784).<ref name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.<ref>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 ref> Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']ref><ref>Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 ref> Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte.<ref name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de'']ref> Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden.<ref name="ndbadb" /> Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an.<ref name="borchmeyer80" /> Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.<ref>Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)<ref name="Seehafer180" /> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.<ref>Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref> Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8ref> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet.ref> und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825ref> 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798ref>]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798ref> Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0ref> Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.<ref>Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833)ref> Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38.ref> Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"<ref>Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39.ref> Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.<ref>Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne.ref> Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.<ref name="ndbadb">Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17ref> Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de'']ref> Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.<ref name="ndbadb" /><ref>Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de'']ref> Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de'']ref> Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."<ref>In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348.ref> Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut.<ref name="ndbadb" /> Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de'']ref> Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784).<ref name="ndbadb" /> [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.<ref>Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 ref> Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']ref><ref>Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 ref> Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte.<ref name="ndbadb" /> Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de'']ref> Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.<ref name="borchmeyer80">Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de'']ref> Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden.<ref name="ndbadb" /> Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an.<ref name="borchmeyer80" /> Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.<ref>Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9ref> Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)<ref name="Seehafer180" /> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.<ref>Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4ref> Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]<ref>Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8ref> vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]<ref>Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet.ref> und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.<ref>Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3ref> Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825ref> 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)<ref>Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798ref>]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0ref> Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.<ref>Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798ref> Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.<ref>Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0ref> === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:<ref>Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0ref> Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].<ref>Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2ref> Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.<ref>Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833)ref> Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Local summary for ‘Ranking 5 (log normal, linear per word)’:
| dieterwunderlich-de | frankfurt-interaktiv-de | gedichte-xbib-de | gedichtePortal-de | goethezeitportal-de | johann-wolfgang-goethe-de | literaturwelt-com | wikipedia |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0.037001 | 0.013077 | 0.045319 | 0.007844 | 0.042453 | 0.039257 | 0.032174 | 1.000000 |
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (dieterwunderlich-de):
Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main als Sohn des wohlhabenden, hochgebildeten Juristen Johann Caspar Goethe (1710 - 1782) und der Schultheissentochter Katharina Elisabeth Textor (1731 - 1808) geboren. Da der Vater zwar kaiserlicher Rat war, aber keine bestimmten beruflichen Verpflichtungen hatte, unterrichtete er seinen Sohn vorwiegend selbst. Mit fuenfzehn verliebte Johann Wolfgang Goethe sich in eine junge Kellnerin namens Gretchen und geriet durch sie in die Gesellschaft von Betruegern. Im Oktober 1765 reiste er nach Leipzig, um dort Jura zu studieren, wie es sein Vater wuenschte. Dort passte sich Goethe der anspruchsvollen Mode sowie der lockeren Lebensart des Rokoko an und verliebte sich in Anna Katharina ("Kaethchen") Schoenkopf (1746 - 1810), die Tochter seiner Wirtsleute. Schwer krank kehrte er 1768 in seine Heimatstadt zurueck und wurde dort u. a. von Susanne Katharina von Klettenberg gesund gepflegt, einer Verwandten seiner Mutter, die ihn mit dem Pietismus vertraut machte. 1770 setzte Goethe sein Studium in Strassburg fort; aber mehr als die Rechtswissenschaften fesselten ihn Medizin, Botanik, Chemie, Theologie und Philosophie. Wieder verliebte er sich; diesmal in die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion (1752 - 1813). Die Achtzehnjaehrige gab seinem (vermutlich platonischen) Werben nach, aber im Sommer 1771, nach der Promotion zum "licentitatus juris", verliess Johann Wolfgang Goethe Strassburg, ohne sich von ihr auch nur zu verabschieden. Im August 1771 eroeffnete er in Frankfurt am Main eine Anwaltskanzlei und setzte zugleich seine in Strassburg begonnenen literarischen Arbeiten fort. Ende Mai 1772 begann Goethe mit einem Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar. Dort lernte der Zweiundzwanzigjaehrige den pfaelzischen Sekretaer Karl Wilhelm Jerusalem kennen und besuchte mit ihm am 9. Juni einen Ball in Volpertshausen, an dem auch Charlotte Buff (1753 - 1828) und ihr Verlobter Johann Christian Kestner (1741 - 1800) teilnahmen. Goethe verliebte sich in die vier Jahre juengere Tochter eines Amtmanns, befreundete sich mit dem hannoverschen Gesandtschaftssekretaer Kestner und traf sich haeufig mit den beiden. Als er Charlotte dreist zu kuessen versuchte, begriff sie, dass sie Klarheit schaffen musste. (Sie heiratete Kestner.) Daraufhin reiste Goethe am 11. September ueberstuerzt aus Wetzlar ab. In Ehrenbreitstein besuchte er die Schriftstellerin Sophie von La Roche, deren sechzehnjaehrige Tochter Maximiliane ihm besonders gut gefiel. Maximiliane heiratete den mehr als doppelt so alten Kaufmann Peter Anton Brentano und zog mit ihm Anfang 1774 nach Frankfurt am Main. Obwohl die verheiratete Frau fuer Goethe unerreichbar war, umschwaermte er sie, und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehemann. "Goetz von Berlichingen", Urauffuehrung: 1774 "Die Leiden des jungen Werther": 1774 "Clavigo", Urauffuehrung: 1774 Im Fruehjahr 1774 schrieb Johann Wolfgang Goethe "Die Leiden des jungen Werther", ein Roman, der offenbar den Nerv der Zeit traf und deshalb innerhalb von kurzer Zeit in mehreren Auflagen erschien. Johann Wolfgang Goethe verlobte sich Ostern 1775 mit der Frankfurter Bankierstochter Anna Elisabeth ("Lili") Schoenemann (1758 - 1817), aber nach seiner ersten Schweiz-Reise von Mai bis Juli 1775 beendete er die von keiner der beiden Familien gutgeheissene Beziehung. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar (1757 - 1828), der am 3. September 1775 das Erbe seines frueh verstorbenen Vaters uebernahm, reiste kurz darauf zu den Eltern seiner Braut, Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt, besuchte bei dieser Gelegenheit auch den Dichter des "Werther" und lud ihn ein, nach Weimar zu kommen. Die Residenzstadt galt als "Musenhof", denn seine Mutter Anna Amalia, die Witwe des 1758 verstorbenen Herzogs Ernst August II. Constantin (eine Nichte Friedrichs des Grossen), hatte waehrend ihrer Regentschaft bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Geisteslebens nach Weimar geholt, so zum Beispiel 1772 Christoph Martin Wieland (1733 - 1813) als Erzieher ihrer Soehne Carl August und Bernhard. Am 9. November 1775 folgte Johann Wolfgang Goethe der Einladung und zog in ein Gartenhaus an der Ilm, das ihm Herzog Carl August uebereignete. Er erhielt das Weimarer Buergerrecht und wurde zum Geheimen Legationsrat ernannt. In Weimar befreundete Johann Wolfgang Goethe sich mit der geistvollen Frau Charlotte von Stein (1742 - 1827), der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb. Charlotte Albertine Ernestine von Schardt hatte als Fuenfzehnjaehrige eine Anstellung als Hofdame der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar erhalten, sieben Jahre spaeter den herzoglichen Stallmeister Friedrich Josias Freiherr von Stein (1735 - 1793) geheiratet und innerhalb von zehn Ehejahren sieben Kinder geboren. (Arm und einsam starb sie am 6. Januar 1827.) Goethes ein Jahr juengere Schwester Cornelia hatte sich am 1. November 1773 mit dem Juristen Johann Georg Schlosser geheiratet, der mit ihrem Bruder befreundet war. Seit der schweren Geburt ihrer Tochter Maria Anne Louise ("Lulu") am 28. Oktober 1774 kraenkelte Cornelia. Vier Wochen nachdem sie mit einer zweiten Tochter - Catharina Elisabeth Julie ("Juliette") - niedergekommen war, am 8. Juni 1777, starb sie. Goethe trauerte sehr um seine geliebte Schwester. Ende November 1777 brach Johann Wolfgang Goethe zu einer Winterreise in den Harz auf. In Wernigerode suchte er Victor Leberecht Plessing auf, den Sohn des Superintendenten, um den ungluecklichen jungen Mann vor einem Werther-Schicksal zu bewahren. Dabei trat er allerdings nicht unter seinem richtigen Namen auf, sondern gab sich als Kuenstler aus Gotha aus. In Goslar besichtigte er das Bergwerk, um sich fuer die geplante Erschliessung der Erzvorkommen von Ilmenau kundig zu machen. Und am 10. Dezember bestieg er den tief verschneiten Brocken, was damals eine unglaubliche Leistung war. "Iphigenie auf Tauris", Urauffuehrung: 1779 Herzog Carl August von Sachsen-Weimar ernannte Goethe 1779 zum Leiter der Kriegskommission und des Strassenbauwesens. Im Herbst desselben Jahres reisten die beiden in die Schweiz. Sie fuhren zunaechst von Weimar nach Frankfurt am Main zu Goethes Eltern. Am 25. September besuchten sie Friederike Brion in Sesenheim, am naechsten Tag in Strassburg Lili Schoenemann, die inzwischen verheiratet war und ein sieben Wochen altes Kind hatte. In Emmendingen machten sie Goethes verwitwetem Freund und Schwager Johann Georg Schlosser ihre Aufwartung. Die Schweiz erreichten Goethe und der Herzog am 3. Oktober bei Basel. Der Mont Blanc bildete das suedwestlichste Zwischenziel ihrer Reise. Nur begleitet von einem einheimischen Fuehrer und ihrem Reitknecht Blochberg, der sich um den Maulesel mit dem Gepaeck kuemmerte, wanderten sie im November ueber den tief verschneiten Furka-Pass. Erschoepft uebernachteten sie im Kapuzinerdomizil von Realp, bevor sie zwischen den Maultierkolonnen der Pilger vom Urserental zum Gotthard-Hospiz aufstiegen. Kaiser Joseph II. erhob Goethe am 10. April 1782 in den Adelsstand. In diesem Jahr uebernahm er in Weimar die Finanzverwaltung und mietete ein Haus am Frauenplan, das er zehn Jahre spaeter von Herzog Carl August geschenkt bekam und bis zu seinem Tod bewohnte. 1783 und 1784 reiste Johann Wolfgang von Goethe noch zweimal in den Harz. Der Arbeitsbelastung und der entsagungsvollen Beziehung zu der verheirateten Charlotte von Stein entzog er sich, indem er in der Nacht zum 3. September 1786 unter dem Namen Johann Philipp Moeller heimlich nach Italien aufbrach. In Rom besuchte er Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters malte: "Goethe in der Campagna". Auch mit der Malerin Angelica Kauffmann (1741 - 1807) befreundete sich Goethe, der erst am 18. Juni 1788 nach Weimar zurueckkehrte. Seinen frueheren Freunden und Bekannten war er inzwischen entfremdet. Ihre Missbilligung steigerte sich durch sein skandaloeses Zusammenleben mit Christiane Vulpius (1765 - 1816), einer einfachen Arbeiterin in einer Manufaktur fuer kuenstliche Blumen, die am 11. Juli 1788 mit einer Bittschrift fuer ihren Bruder an ihn herangetreten war. Am 25. Dezember 1789 gebar sie den Sohn Julius August Walther, der als einziges ihrer fuenf Kinder bis 1830 am Leben blieb. (August von Goethe starb in Rom an Blattern.) Charlotte von Stein war ueber Goethes Verhalten verbittert und versoehnte sich erst 1801 wieder mit ihm. "Egmont", Urauffuehrung: 1789 Auf seinen eigenen Wunsch weitgehend von den staatlichen Aufgaben entbunden, beschaeftigte Johann Wolfgang von Goethe sich v. a. mit naturwissenschaftlichen Forschungen. 1790 reiste er ein zweites Mal nach Oberitalien. Im Jahr darauf uebernahm er die Leitung des Weimarer Hoftheaters (1791 - 1817). Als Begleiter des Herzogs wurde Johann Wolfgang von Goethe am 20. September 1792 Augenzeuge der Kanonade von Valmy, die im Rahmen des 1. Koalitionskriegs (1792 - 1797) stattfand, mit der Preussen und Oesterreich die Ausbreitung der auch von Goethe abgelehnten Franzoesischen Revolution verhindern wollten. "Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus", sagte Goethe zu den Soldaten, "und Ihr koennt sagen, Ihr seid dabeigewesen." (Tatsaechlich hielten die Franzosen dem Angriff stand.) "Reineke Fuchs": 1794 Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren sich (abgesehen von einer gemeinsamen Teilnahme am Stiftungsfest der Hohen Karlsschule in Stuttgart am 14. Dezember 1779) am 7. September 1788 erstmals begegnet. Goethe hatte dem zehn Jahre juengeren Dichter zwar eine Professur am Lehrstuhl fuer Geschichte der Universitaet Jena vermittelt, aber naeher kamen sich Goethe und Schiller erst sechs Jahre spaeter, am 20. Juli 1794, nach einer Sitzung der Naturforschenden Gesellschaft in Jena, wo Goethe einen Vortrag ueber die Urpflanze gehalten hatte. "Wilhelm Meisters Lehrjahre": 1795/96 "Hermann und Dorothea": 1797 Am 3. Dezember 1799 zog Friedrich Schiller nach Weimar und traf sich haeufig mit Johann Wolfgang von Goethe zum Gedankenaustausch. Fuer die Zusammenarbeit der beiden grossen deutschen Dichter praegte Heinrich Laube 1839 den Begriff "Weimarer Klassik". Leider war sie von verhaeltnismaessig kurzer Dauer, denn Friedrich von Schiller starb am 9. Mai 1805 an den Folgen einer jahrelang verschleppten Lungenentzuendung. Sein Tod bedeutete in Goethes Leben eine traurige und schmerzliche Zaesur. Friedrich Wilhelm Riemer (1774 - 1845) hatte 1803 eine Dachkammer in Goethes Haus bezogen. Auch als seine Aufgabe als Hauslehrer von August von Goethe beendet war, blieb er als Vertrauter und Sekretaer bei dem Dichter. Bei Jena und Auerstedt wurde die preussisch-saechsische Armee am 14. Oktober 1806 von Napoleon (1769 - 1821) besiegt. Die Franzosen nahmen Johann Wolfgang von Goethe gefangen, aber Christiane Vulpius gelang es, ihren Lebensgefaehrten rasch wieder freizubekommen. Daraufhin vermaehlte er sich am 19. Oktober 1806 mit ihr. Einige Monate spaeter verliebte sich der Siebenundfuenfzigjaehrige in Wilhelmine Herzlieb (1789 - 1865), die vierzig Jahre juengere Pflegetochter des Jenaer Buchhaendlers Karl Friedrich Ernst Frommann (1765 - 1837). (Wilhelmine Herzlieb wurde das Vorbild fuer die Figur der Ottilie in Goethes Roman "Die Wahlverwandschaften".) "Torquato Tasso", Urauffuehrung: 1807 Als Napoleon sich anlaesslich des Erfurter Fuerstentags (27. September bis 4. Oktober 1808) in Preussen aufhielt, traf er sich dreimal mit Johann Wolfgang von Goethe (Erfurt, 2. Oktober; Weimar, 6. und 10. Oktober) und lud in nach Paris ein. "Die Wahlverwandtschaften": 1809 1812 begegneten sich Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad. Bettina von Arnim erzaehlt in einem ihrer Briefe, wie sie bei einem gemeinsamen Spaziergang in Karlsbad Hoeflingen des Kaisers begegneten und der Dichter zur Seite trat, waehrend der Komponist stur geradeaus schritt und anschliessend Goethes Unterwuerfigkeit kritisierte. Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte Johann Wolfgang von Goethe mit Marianne von Willemer (um 1784 - 1860), die seit September 1814 mit dem fuenfundzwanzig Jahre aelteren Bankier Johann Jakob Willemer verheiratet war, in Frankfurt am Main. (Marianne war 1798 als Komoediantin nach Frankfurt gekommen, und der bereits zweimal verwitwete Bankier hatte das Maedchen als Pflegetochter in sein Haus aufgenommen.) Goethes Ehefrau Christiane starb am 6. Juni 1816. "West-oestlicher Divan": 1819 "Wilhelm Meisters Wanderjahre": 1821 Fuenf Jahre spaeter verliebte sich der inzwischen zweiundsiebzigjaehrige Dichter in die siebzehnjaehrige Ulrike von Levetzow (1804 - 1899), die ihre Sommerferien mit ihrer Mutter und ihren beiden Schwestern in Marienbad verbrachte und Goethe dabei erst kennengelernt hatte, obwohl er bereits seit laengerer Zeit mit ihrer Mutter Amalie befreundet war. 1823 liess Goethe ihr durch Herzog Carl August einen Heiratsantrag ueberbringen, aber Ulrike von Levetzow hielt das zuerst fuer einen schlechten Scherz und blieb zeitlebens unverheiratet. Ihren literarischen Niederschlag fand Goethes unglueckliche Liebe zu ihr in der "Marienbader Elegie". Der junge Schriftsteller Johann Peter Eckermann (1792 - 1854) half seinem Idol ab 1823 bei der Ausgabe seiner Werke und veroeffentlichte 1836 bis 1848 "Gespraeche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens". Nikolaus Lenau (1802 - 1850) verglich Goethe und Eckermann spoettisch mit einer Floete und einem Blasrohr, aber das ist wohl ebenso ueberzeichnet wie die Annahme, die beiden haetten eine Freundschaft auf gleicher Augenhoehe gepflegt. "Faust. Der Tragoedie erster Teil", Urauffuehrung: 1829 [Verfilmung] "Faust". Zweiter Teil: 1832 (Urauffuehrung: 1854) Im Alter von zweiundachtzig Jahren starb Johann Wolfgang von Goethe am 22. Maerz 1832 in seinem Haus am Frauenplan in Weimar. Literatur ueber Johann Wolfgang von Goethe Peter Boerner: Johann Wolfgang von Goethe (Rowohlt-Bildmonographie) Sigrid Damm: Christiane und Goethe (Insel Verlag) Anja Hofer: Johann Wolfgang von Goethe (dtv portrait) Katharina Mommsen: Kein Rettungsmittel als die Liebe. Schillers und Goethes Buendnis im Spiegel ihrer Dichtungen Ruediger Safranski: Goethe & Schiller. Geschichte einer Freundschaft (Carl Hanser Verlag) Astrid Seele: Frauen um Goethe (Rowohlt-Bildmonographie) Die Beziehung Goethes zu Charlotte von Stein und Christiane Vulpius wird in einem Kapitel des Buches "Verfuehrerische Frauen. 11 Portraets" (Piper Verlag, Muenchen 2012) von Dieter Wunderlich dargestellt. Philipp Stoelzl drehte mit Alexander Fehling in der Titelrolle den Film "Goethe!", der am 14. Oktober 2010 in die Kinos kommen wird. Originaltitel: Goethe - Regie: Philipp Stoelzl - Drehbuch: Alexander Dydyna, Christoph Mueller - Kamera: Kolja Brandt - Schnitt: Sven Budelmann - Musik: Ingo Frenzel - Darsteller: Alexander Fehling, Miriam Stein, Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaussner, Henry Huebchen, Hans-Michael Rehberg, Axel Milberg u.a. - 2010; 100 Minuten
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (frankfurt-interaktiv-de):
Biographie - Johann Wolfgang von Goethe Johann Wolfgang von Goethe war ein Universalgenie. Er war gleichermassen Dichter, Schriftsteller, Kunstkritiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Jurist und Staatsmann. Goethe ist die Lichtgestalt der deutschen Literatur. Er praegte Sturm und Drang sowie mit Schiller die Weimarer Klassik. Er verfasste unzaehlige Gedichte, Dramen und Prosawerke. Mit der Tragoedie Faust schuf Goethe ein Menschheitsdrama von zeitloser Gueltigkeit und weltliterarischem Rang. Goethe hat in seinem Leben viele Frauen geliebt. Sie waren ihm immer auch Inspiration zu neuen Dichtungen. Weniger bekannt waren seine naturwissenschaftlichen Taetigkeiten, die ihm zeitweise wichtiger als die literarische Arbeit erschienen. Goethe entdeckte 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen. Biographie Johann Wolfgang Goethe (das "von" wurde ihm erst 1782 verliehen) wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren und starb am 22. Maerz 1832 in Weimar. Der Sohn des Kaiserlichen Rates Johann Kaspar Goethe und der Katharina Elisabeth studierte ab 1765 auf Wunsch seines Vaters in Leipzig und Strassburg Rechtswissenschaften. Nach Abschluss seines Studiums im Herbst 1771 arbeitete Goethe als Rechtsanwalt in Frankfurt. Doch Goethe widmete sich lieber seinem ersten Drama und schrieb einige Gedichte. Er arbeitete auch am kritischen Organ der Sturm-und-Drang-Bewegung, den "Frankfurter gelehrten Anzeigen" mit. Mit seinem ersten Roman "Die Leiden des jungen Werthers" und dem Drama "Goetz von Berlichingen" (beide 1774 erschienen) gelang dem 24-jaehrigen Goethe der literarische Durchbruch. 1775 folgte er dem Ruf des jungen Herzog Carl August an den Weimarer Hof, wo er politische Aufgaben (im Finanzwesen, Berg- und Wegebau) uebernahm. Spaeter bekam er die Leitung des Theaters und die Aufsicht ueber das Bildungswesen angetragen. In Weimar freundete Goethe sich mit Charlotte von Stein (1742-1827) an, der er im Lauf der Jahre mehr als achthundert Briefe schrieb. 1776 erfolgte die Ernennung zum Geheimen Legationsrat, 1779 zum Geheimen Rat und 1782 wurde Goethe durch Kaiser Joseph II. geadelt. Im September 1786 unternahm er seine erste Italienreise. In Rom besuchte er die Maler Tischbein (der eines der beruehmtesten Portraets des Dichters "Goethe in der Campagna" malte) und Kauffmann. Erst im Juni 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurueck, wo er sich mit Christiane Vulpius verlobte, die er 1806 auch heiratete. Von den fuenf Kindern aus dieser Verbindung ueberlebte nur der erstgeborene August (1789-1830). Goethe gab alle Staatsaemter bis auf die Leitung des Hoftheaters auf. 1790 folgte seine zweite Italienreise. Die Zeit danach ist gepraegt durch die Zusammenarbeit mit Schiller. Die beiden entwickelten einen Stil, der als Weimarer Klassik bekannt wurde. Nach dem Tod Herders, Schillers und Wielands knuepfte Goethe neue Freundschaften, u.a. zu Humboldt, und beschaeftigte sich mit Fichtes Transzendentalphilosophie. 1804 wurde Goethe zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Auf dem Erfurter Fuerstenkongress lernte Goethe 1808 Napoleon kennen. Im gleichen Jahr gab er den ersten Teil des Faust heraus. 1812 begegnete er bei einem Kuraufenthalt in Karlsbad den Komponisten Beethoven. 1815 unternahm Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein-Main-Gebiet. Die Zeit vom 12. August bis 17. September 1815 verbrachte er mit der verheirateten Marianne von Willemer in Frankfurt. Im Dezember 1815 wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut. Nach dem Tod seiner Frau Christiane (6. Juni 1816) zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich seinen Werken zu. Das letzte Lebensjahrzehnt verbrachte Goethe mit der Arbeit an "Wilhelm Meisters Wanderjahren", der "Italienischen Reise", seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit", und vor allem an Faust, der Tragoedie zweiter Teil, welche er 1831 beendete. Am 22. Maerz 1832 verstarb Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 82 Jahren. Seine letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Am 26. Maerz wurde er neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft beigesetzt. Seine bedeutendsten Werke: Goetz von Berlichingen (1774) Die Leiden des jungen Werther (1774) Iphigenie auf Tauris ((1786) Egmont (1788) Torquato Tasso (1789) Wilhelm Meisters Lehrjahre (1796) Faust, 1. Teil (1806) Dichtung und Wahrheit (Erinnerungen Teil 1-3 1811-13, 1830 Teil 4) Italienische Reise, erster und zweiter Teil (1816) Westoestlicher Divan (1819) Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829) Faust, 2. Teil (1831) Im Internet unter Projekt Gutenberg sind viele der Werke Goethes zu finden. Bei amazon.de finden Sie Buecher ueber Goethe und natuerlich seine Gedichte, Dramen und Prosawerke.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (gedichte-xbib-de):
Goethe - Biografie & Lebenslauf Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main als J. W. Goethe; † 22. Maerz 1832 in Weimar; auch Goethe) ist als Dichter, Theaterleiter, Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann der bekannteste Vertreter der Weimarer Klassik. Als Verfasser von Gedichten, Dramen und Prosa-Werken gilt er als der groesste deutsche Dichter und ist eine herausragende Persoenlichkeit der Weltliteratur. Herkunft und Jugend (1749-1765) Goethes Vater, Johann Caspar Goethe (* 1710; † 1782), war im kaiserlichen Rat vertreten. Er ging zunaechst auf eine der besten Schulen des Landes, auf das Gymnasium Casimirianum in Coburg, hatte in Leipzig Rechtswissenschaften studiert, am Reichskammergericht in Wetzlar gearbeitet, Reisen nach Rom und Paris unternommen, und sich schliesslich in seiner Vaterstadt Frankfurt niedergelassen, wo die Familie in einem geraeumigen Haus am Grossen Hirschgraben lebte. Er ging dort seinen Neigungen und Interessen nach; so widmete er sich der Zusammenstellung eines Naturalienkabinetts und der Sammlung von Gemaelden. Goethe (Gedichte) Reisezehrung Maechtiges Ueberraschen Sie kann nicht enden Reineke Fuchs - VII. Gesang Reineke Fuchs - X. Gesang 2 Weitere Texte von Goethe " Goethes Mutter Catharina Elisabeth Goethe (* 1731; † 1808) war eine geborene Textor. Die Tochter des Frankfurter Buergermeisters hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Ausser der am 7. Dezember 1750 geborenen Schwester Cornelia Friderike Christiana starben alle anderen Geschwister frueh. 1758 erkrankte Goethe an den Blattern (Pocken). Goethe wurde von seinem Vater und durch Privatlehrer unterrichtet; auch erhielt er Unterricht im Reiten und Fechten. Schon frueh interessierte er sich fuer die Literatur, wobei er sein Augenmerk zunaechst auf Friedrich Gottlieb Klopstock und Homer richtete. Mit 14 Jahren bewarb er sich bereits um die Mitgliedschaft in der Arkadischen Gesellschaft zu Phylandria. Auch begeisterte er sich fuer das Theater - so besuchte er waehrend der franzoesischen Besetzung 1759 haeufig das franzoesische Theater im Junghof. 1763 erlebte er ein Konzert des damals 7 Jahre alten Mozart. Am 30. September 1765 verliess er Frankfurt, um in Leipzig das Studium der Rechte aufzunehmen. Studium und Geniezeit (1765-1775) Von 1765 bis 1768 studierte Goethe in Leipzig. Er hoerte dort die Poetikvorlesung von Christian Fuerchtegott Gellert und nahm an dessen Stiluebungen teil. Auch nahm er Zeichenunterricht bei Adam Friedrich Oeser, dem Direktor der Leipziger Akademie. Er verliebte sich in Kaethchen Schoenkopf und besang diese Liebe in heiter-verspielten Versen in der Tradition des Rokoko (Gedichtzyklus Annette). Auerbachs Keller und die dort beheimatete Sage von Fausts Fassritt 1525 beeindruckten ihn so sehr, dass er spaeter Auerbachs Keller als einzigen konkret existierenden Ort in sein Drama Faust I aufnahm. - Ein Blutsturz zwang ihn, das Studium abzubrechen und am 28. August 1768 nach Frankfurt zurueckzukehren. Frankfurt/Strassburg (1768-1770) Eine eineinhalbjaehrige, von manchen Rueckfaellen unterbrochene Genesungszeit folgte. Waehrend der Rekonvaleszenz wurde er liebevoll von Mutter und Schwester umsorgt. Eine Freundin der Mutter, Susanne von Klettenberg, brachte ihn mit pietistischen Vorstellungen in Beruehrung. Im April 1770 verliess er Frankfurt, um dem Wunsch seines Vaters entsprechend in Strassburg sein Studium zu beenden. In Strassburg lernte er Friederike Brion, eine Pfarrerstochter, kennen. Ihr widmete er einige Gedichte, darunter z. B. "Willkommen und Abschied", "Sessenheimer Lieder" und "Heidenroeslein". Frankfurt und Darmstadt (1771) und dann nach Wetzlar (1772) Am 31. Aug. 1771 wurde Goethe in Frankfurt als Advokat zugelassen. Damals stand er in Verbindung mit dem Darmstaedter Hof, der der Empfindsamkeit huldigte; aus diesem Kreis sind Schlosser und Johann Heinrich Merck hervorzuheben. Am 10. Mai 1772 ging Goethe zum Abschluss der juristischen Ausbildung als Referendar an das Reichskammergericht in Wetzlar. Er war vom 25. Mai desselben Jahres an Rechtspraktikant am Reichskammergericht. Seine Grosstante, Frau Hofrat Susanne Cornelia Lange, die in Wetzlar lebte, vermittelte ihm ein Haus, in dem er zusammen mit Jakob Heinrich Born, einem Bekannten aus der Leipziger Studienzeit und Sohn des Buergermeisters von Leipzig, wohnte. Nach der ungluecklichen Liebe zu Charlotte Buff verliess Goethe Wetzlar am 11. September 1772 wieder. Er hatte gerade sein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen und wollte auf Draengen seines Vaters Kenntnisse im Kameralrecht und in der Prozessfuehrung sammeln. Goethes Vater hatte grosse Plaene mit seinem einzigen Sohn: Sein Ziel war es, ihn zum Schultheissen in Frankfurt zu machen. Daher hatte er seinen Sohn schon frueh mit Rechtsbuechern vertraut gemacht und ihn viel auswendig lernen lassen. Es war nicht so, dass Goethe das Praktikum am Reichskammergericht unwichtig gewesen waere. Er war durchaus interessiert am Erscheinungsbild des Reichskammergerichtes, da er hoffte, sich daraus ein Bild ueber die Zustaende im Reich machen zu koennen. Er nahm Veraenderungen in der Rechtspraxis wahr und konnte diese als Ganzes ueberschauen, war sich aber der Lueckenhaftigkeit seiner Fachkenntnisse beim Studienabschluss bewusst. Goethe wollte im Sinne von fortschrittlicher, humaner Rechtsprechung und Vollzug und systematisch strukturierten und philosophisch begruendeten Gesetzen unter Beruecksichtigung von psychischen und sozialen Faktoren arbeiten. Dies laesst sich aus den erhaltenen 28 Akten des Advokaten Goethe ableiten. Dennoch besuchte er das Reichskammergericht sehr selten und nutzte es kaum als Ausbildungsmoeglichkeit. Denn zum einen war er gegenueber der Rechtspraxis skeptisch wegen der Korruption, die er als Ausdruck der zerruetteten Verhaeltnisse in Deutschland sah. Diese hatte sein Vater schon, als Goethe noch ein Kind war, angeprangert. Zum anderen misstraute er dem Reichskammergericht und den Visitationen zwischen 1767 und 1776. Er glaubte wie viele andere junge Juristen, mit denen er sich im Gasthof "Zum Kronprinzen" traf, nicht, dass diese etwas verbessern koennten. Ausserdem behauptet Goethe spaeter, als er Dichtung und Wahrheit niederschreibt, es habe sich schon in seiner Kindheit gezeigt, dass er kaum aus Interesse an den Rechtswissenschaften Jurist werden wollte, sondern vielmehr aus Reiselust. Nach dem Suizid des Gesandtschaftssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem Ende Oktober 1772 kehrte Goethe vom 6. bis 10. November 1772 noch einmal fuer kurze Zeit nach Wetzlar zurueck. Jerusalem war ein entfernter Bekannter von Goethe. Sein Suizid war fuer Goethe der Ausloeser, seinen Roman Die Leiden des jungen Werthers zu schreiben. Darin verbindet er die eigenen Erlebnisse mit seiner angebeteten Charlotte Buff mit dem Schicksal Jerusalems, das er in Gespraechen mit Personen, die kurz vor seinem Tod noch mit ihm zu tun gehabt hatten, ergruendete. Der Roman wird ein grosser Erfolg und gilt als literarische Initialzuendung der Empfindsamkeit und der Sturm und Drang-Literatur. 1774 Lahnreise mit seinen Freunden Basedow und Lavater nach Ehrenbreitstein. Im Anblick der Burg Lahneck: Geistesgruss. Weimar (1775-1805) 1775-1776 betreibt Goethe einen intensiven Briefwechsel mit Graefin Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg, die in dem adeligen Kloster zu Uetersen lebt. 1776 tritt Goethe als Geheimer Legationsrat in den Staatsdienst des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach ein und bekam weitere politische Aufgaben. Er wohnte sechs Jahre in seinem "Gartenhaus" (Goethes Gartenhaus), das der Herzog ihm schenkte und dessen umliegenden Garten er als Parkgarten selbst plante und gestaltete. Diesen "Garten am Stern" bezeichnete er spaeter in seinen Tagebuechern als "untern Garten". Massgeblich beteiligt war er auch an der Planung des Landschaftsgartens an der Ilm. Wollte, Gott haette mich zum Gaertner oder Laboranten gemacht, ich koennte gluecklich sein schreibt er in seinem Tagebuch. Er lernte die Hofdame Charlotte von Stein kennen. Zehn Jahre lang verband die beiden eine innige Beziehung. 1779 wird er zum Geheimrat befoerdert. Die Entscheidung, das Angebot des acht Jahre juengeren Herzog Carl August in dem Weimarer Mini-Staat ein wichtiges Amt anzunehmen, war eine fuer politische Reformtaetigkeit. Goethe war innerhalb des Kabinetts verantwortlich fuer eine wachsende Zahl von Zustaendigkeiten. Politik blieb - auch nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst - ein Feld, dem er seine stetige Aufmerksamkeit schenkte. In diesen Jahren begann er sich intensiv mit der Naturwissenschaft zu beschaeftigen. Am 23. Juni 1780 wird er als Lehrling in die Weimarer Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen aufgenommen. Der Meister vom Stuhl, Staatsminister Jakob Friedrich Freiherr von Fritsch, sah Goethe mit Skepsis und uebergab daher den Hammer an Johann Christoph Bode. Er dachte sogar wegen Goethes Ernennung zum Geheimrat an Ruecktritt von seinem Amt als Staatsminister. Zum Gesellen wird Goethe am 23. Juni 1781 befoerdert, am 2. Maerz 1782 zum Meister erhoben. Wenige Wochen nach dieser Erhebung musste die Loge Amalia ihre Arbeit einstellen, da es in der Freimaurerei in dieser Zeit zu Zerwuerfnissen kam. Der Herzog vermietete ihm 1782 dann ein Haus am Frauenplan, das er ihm 1792 schliesslich schenkte. Hier lebte Goethe bis zu seinem Tod. Auch den Garten am Frauenplan gestaltete der Dichter selbst. (1885, nach dem Tod des letzten Enkels und Erben Goethes, wurde das Haus am Frauenplan zum Nationalmuseum erklaert. Da nach dem Zweiten Weltkrieg sehr viel zerstoert wurde, kam Karl Foerster nach Weimar und gestaltete den Garten neu). Aufnahme in den Illuminatenorden am 11. Februar 1783 unter dem Namen "Abaris", geworben von Johann Christoph Bode. 1777 Erste Reise in den Harz Am 10. Dezember ist er auf dem Brocken; dies gilt als die erste Winterbesteigung dieses Berges. 1783 erfolgt die zweite Reise in den Harz, im darauffolgenden Jahr 1784 die dritte und letzte Harzreise. 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen am menschlichen Schaedel. Reise nach Italien (1786-1788) Am 3. September 1786 verliess Goethe fluchtartig die heimischen Gefilde. In Weimar war nur seinem vertrauten Diener und Sekretaer Philipp Seidel sein Reiseziel bekannt. Goethe gab sich in Italien unter dem Namen "Filippo Miller" aus. Die ersten Briefe, welche Goethe nach Hause richtete, waren undatiert. Erst von Rom aus gab er den Naechststehenden Nachricht ueber seine eigentlichen Entschluesse und die Absicht, laengere Zeit in Italien zu bleiben. Seinen Aufenthalt in Italien beschreibt Goethe in der Italienischen Reise. In Rom freundete er sich 1786 mit Heinrich Tischbein an, mit dem er 1787 unter anderem nach Neapel reiste. Im selben Jahr entstand auch das beruehmte Gemaelde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der roemischen Campagna zeigt (siehe abgebildetes Detail). Auch Angelika Kauffmann lernte er dort kennen. Goethe beschreibt seinen 15-monatigen Aufenthalt in der "Hauptstadt der Welt" als Erfuellung eines Lebenstraumes - als "einen zweiten Geburtstag, eine wahre Wiedergeburt". Er laesst sich als Kuenstler von der Monumentalitaet der antiken Bauten inspirieren (Pantheon, Kolosseum, Kaiserthermen u. a.)und studiert antike Skulpturen (Apoll vom Belvedere, Herkules Farnese, Juno Ludovisi u. a.). Darueber hinaus beschaeftigt er sich intensiv mit der italienischen Renaissance-Malerei und bewundert neben Michelangelo vor allem Raffael als den Gipfel der abendlaendischen Kunst und wahren Erneuerer der Antike. In den "Roemischen Elegien" (1795) blickt der Begruender der deutschen Klassik wehmuetig auf sein Rom-Erlebnis zurueck und aeussert den Wunsch einst an der Pyramide des Cestius begraben zu werden. Damit macht er deutlich, dass der Aufenthalt in Rom der entscheidende Anstoss fuer die Entwicklung einer klassischen deutschen Dichtung war, die an die antike Groesse anknuepft. 1788 bis 1805 Etwa ab dem 40. Lebensjahr muss Goethe unbeweglich und steif gewesen sein. Er litt, wie sich spaeter herausstellte, unter schweren Bandscheibenschaeden und Verwachsungen mehrerer Brustwirbel. 1795 begann seine Freundschaft mit Schiller, der zuerst als Historieprofessor nach Jena gekommen war. Ihre Freundschaft dauerte bis zu Schillers Tod 1805. 1798 schrieb er die Elegie "Die Metamorphose der Pflanzen". Nach 1805 Im Jahr nach Schillers Tod heiratete Goethe Christiane Vulpius, mit der er bereits seit 1789 zusammenlebte und mit der er den gemeinsamen Sohn August hatte. Am Rande des Erfurter Fuerstenkongresses 1808 wurde Goethe von Napoléon I. empfangen, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion verlieh. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegenden. 1816 starb seine Frau Christiane. 1817 begann er die "Geschichte seines botanischen Studiums" "Zeitschrift Zur Naturwissenschaft ueberhaupt, besonders zur Morphologie" (bis 1824). Freundschaft mit Kaspar Maria von Sternberg und Karl Friedrich Zelter. Goethe starb am 22. Maerz 1832. Seine beruehmten letzten Worte sollen "Mehr Licht!" gewesen sein. Er wurde am 26. Maerz in der Fuerstengruft bestattet. Seine Grabrede hielt Johann Friedrich Roehr, Generalsuperintendent in Weimar. (...) Naturwissenschaftliche Arbeiten In der Weimarer Zeit begann Goethe sich auch naturwissenschaftlich zu beschaeftigen, vor allem auf dem Gebiet der Geologie und Botanik. Vor allem in Italien suchte er seine "Urpflanze". Sein wissenschaftlicher Ansatz als Botaniker: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit wird die groesste Mannigfaltigkeit moeglich scheint heute allerdings wissenschaftlich widerlegt. Er selbst betrachtete die Farbenlehre als sein naturwissenschaftliches Hauptwerk. Aus physikalischer Sicht gilt seine Farbenlehre heute als wenig naturwissenschaftlich; gerade zu diesem Werk haben sich aber die bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts geaeussert. In der Zoologie wurde er bekannt durch die Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschenembryo, dessen Fehlen bis zu diesem Zeitpunkt eines der wichtigsten Argumente gegen die Verwandtschaft des Menschen mit den Affen war. Zu den naturwissenschaftlichen Spaetwerken Goethes gehoert die Spiraltendenz der Vegetation (1831), in welcher er aufzeigt, dass Lebendiges dazu tendiert, sich in Spiralen zu entfalten. Mehr Beachtung als die Einzelergebnisse in Goethes naturwissenschaftlichen Arbeiten fand die den Naturstudien zugrunde liegende Wissenschaftsmethodik (Goetheanismus), die sich, anders als die Naturphilosophie der Romantik, als empirisch (nicht spekulativ) versteht und die im Unterschied zum positivistischen Empirismus den Menschen nicht als externen Beobachter, sondern als innerhalb des Beobachteten und als zu diesem gehoerend behandelt. aus Diese Biographie basiert auf einem Artikel aus der freien Enzyklopaedie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz fuer freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfuegbar.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (gedichtePortal-de):
Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28.August 1749 in Frankfurt/Main als Sohn desKaiserlichen Rater Dr.jur. Johann Caspar Goethe und Catharina Elisabeth geboren. Da seine Eltern grossen Wert auf eine gute Ausbildung legten, bekam Goethe bereits im fruehen Alter Privatunterricht in Latein, Griechisch, Englisch, Italienisch und Schoenschreiben. Ein Jahr nach ihm kam seine Schweser Cornelia zur Welt. Im Jahre 1765 schrieb er sich in Leipzig zum Jurastudium ein und hoerte dort noch zusaetzlich Vorlesungen in Philosophie und Philologie, unter anderem auch bei Christian Fuerchtegott Gellert. Im Sommer 1768 erlitt er einen Blutstur, im Winter gleichen Jahres litt er an einer schweren Krankheit mit einer lebensgefaehrlichen Krise. 1770 wechselte er den Studienort und siedelte daher nach Strassbur. Dennoch lag sein Interesse weniger im juristischen Bereich, vielmehr besuchte er in erster Linie medizinische Vorlesungen. 1771 promovierte er zum Lizentiaten der Rechte und zog anschliessend nach Frankfurt, wo er als Rechtsanwalt zugelassen wurde. Im April 1775 verlobte er sich mit Lili Schoenemann, doch nur ein halbes Jahr spaeter wurde das Verloebnis wieder geloest. Im Juni 1777 starb seine Schwester Cornelia, zwei Jahre spaeter wurde er zum Geheimen Rat ernannt. Im April 1782 erhob Kaiser Joseph II. Goethe in den Adelsstand, nur einen Monat spaeter starb sein Vater. Im Maerz 1784 entdeckte Goehte in Jena den Zwischenkieferknochen am menschlichen Obergebiss. Im Jahr darauf begann er ein Studium der Botanik. Im September 1788 kam es in Rudolstadt zu einer ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Ein Jahr spaeter wurde sein Sohn Julius August Walther geboren, weitere vier Jahre spaeter folgte die Tochter Caroline, die jedoch nur kurze Zeit lebte.Im Maerz 1798 kreuzten sich die Wege von Goethe und Novalis. 1801 erkrankte er an Gesichtsrose. Zwei Jahre danach kam seine Tochter Kathinka zur Welt, doch wie seine erste Tochter lebte auch sein drittes Kind nur kurze Zeit. 1804 ernannte man ihn zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Praedikat Exzellenz. Im folgenden Jahr machte ihm mehrmals eine Nierenkolik sehr zu schaffen. Im Oktober 1806 heiratete er Christiane Vulpius. 1808 starb Goethes Mutter. Im Dezember 1815 wurde er zum Staatsminister ernannt. Ein halbes Jahr spaeter starb seine Frau Christiane nach schwerer Krankheit. Er selbst erkrankte 1823 an einer Herzbeutel- und Rippenfellentzuendung. Im Oktober 1830 starb sein Sohn August, Goethe erlitt nur einen Monat spaeter einen Blutsturz. Am 22.Maerz 1832 starb Goethe nach einwoechiger Krankheit.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (goethezeitportal-de):
Kuenstler- und Denkerenzyklopaedie Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) 1749-1765: Kindheit in Frankfurt Johann Wolfgang von Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Die Jahre 1749 bis 1765 sind Zeiten wohlbehueteter Kindheit und vielseitiger Ausbildung. Goethe wird als Sohn einer wohlhabenden, lutherischen Familie in eine Welt der Traditionen hineingeboren. Der Vater laesst seine Kinder reichhaltig, umfassend, vieles aber nur kurz anreissend ausbilden. Ziel ist eine universale Bildung, die alle Bereiche der Kuenste und Wissenschaften, mehrere Sprachen und Musikunterricht fuer Klavier und Cello umfasst. Spaeter kommt noch Tanz-, Fecht- und Reitunterricht auf die Kinder zu. Aber es gibt auch Theater- und Konzertbesuche. 1765-1768: Leipziger Studienjahre Im Oktober 1765 kommt Johann Wolfgang von Goethe zum Jura-Studium nach Leipzig. Das Studium betreibt er halbherzig. Mit einem stattlichen Budget von 1000 Talern jaehrlich fuehrt er ein gesellschaftliches Leben. Gottsched und Gellert lehren zu dieser Zeit in Leipzig. Goethe befasst sich lieber mit Theologie, Naturwissenschaft und Medizin, geht ins Theater, lernt radieren, kupferstechen und zeichnen bei Adam Oeser, einem Freund Winckelmanns. Goethe verliebt sich in Anna Katharina (Kaethchen) Schoenkopf. 1768-1770: Frankfurter Intermezzo Nach einer schwerer Krankheit kehrt Goethe Ende August 1768 nach Frankfurt zurueck. Erst im Winter 1769 fuehlt er sich wieder einigermassen gesund. In dieser Zeit ist Goethe auf der Suche, er besitzt keine feste Orientierung. Sein Studium ist noch nicht beendet und auch der Wunsch des Vaters nach einer Promotion noch nicht erfuellt. Insofern kann Frankfurt nur eine Zwischenstation sein. In diesen Monaten pflegt der kranke und genesende Goethe nicht nur den Umgang mit Pietisten wie Susanna von Klettenberg (1723-1774), sondern studiert hermetische Schriften und setzte alchimistische Versuche an. Ausserdem zeichnet und radiert er weiter. 1770-1771: Strassburg Ostern 1770 zieht der wieder genesene Goethe zur Fortsetzung des Studiums nach Strassburg. Nach nur einem Semester legt er das Kandidatenexamen ab, das eigentliche Studium ist damit abgeschlossen. Im Sommer 1771 beginnt er mit der Promotion. Diese wird jedoch von der Fakultaet abgelehnt. Er darf sich danach in einer oeffentlichen Disputation von juristischen Thesen um den Grad eines Lizentiaten bewerben. Dieser Titel galt eben so viel wie der Titel eines Doktor juris. Goethe erwarb ihn mit dem Praedikat "Cum applausu". Mehr interessieren ihn in dieser Zeit jedoch medizinische, botanische, theologische und philosophische Studien. Vor allem die Chemie ist seine "heimliche Geliebte". Anfang September 1770 trifft Johann Gottfried Herder in Strassburg ein. Goethe besucht ihn oft. Der um fuenf Jahre aeltere Herder erkennt Goethes Begabung und begeistert ihn fuer Natur- und Volkspoesie, fuer Homer, Ossian und Shakespeare. "Gross und bedeutend" nennt Goethe rueckblickend Herders Einfluss. Die beiden sollte eine lebenslange Freundschaft verbinden. Zur gleichen Zeit verkehrt der Student mit Heinrich Jung-Stilling (1740-1817) und Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792). Gepraegt ist die Strassburger Zeit aber durch seine Liebe zu Friederike Brion (1752-1813). Goethe schrieb fuer sie Gedichte, beispielsweise das "Mailied" und "Willkommen und Abschied". 1771-1775: Wieder in Frankfurt Wieder in Frankfurt arbeitet Goethe als Rechtsanwalt am dortigen Schoeffengericht. Im September 1771 legt der junge Anwalt den Advokateneid und auch den Eid als Frankfurter Buerger ab. Nun stuende ihm eine Laufbahn offen, die auch in repraesentative oeffentliche Aemter fuehren koennte. Goethe richtet sich eine Kanzlei im Hause seiner Eltern ein und fuehrt Prozesse. Ende 1771 wird der "Goetz von Berlichingen" fertig, ein fuer den Sturm und Drang vorbildliches Schauspiel. 1772 beginnt Goethes eigentliche schriftstellerische Laufbahn als Rezensent der Frankfurter Gelehrten Anzeigen, dem bedeutenden publizistischen Organ des Sturm und Drang. Im Mai 1772 schickt ihn der Vater nach Wetzlar ans Reichskammergericht. Auf einem Ball in Volpertshausen lernt er Charlotte Buff kennen. Spaeter macht er auch die Bekanntschaft ihres Verlobten Johann Christian Kestner. Das Verhaeltnis der Drei wird durch Goethes Annaeherungsversuche getruebt und im September verlaesst er daraufhin Wetzlar. Auf der Rueckreise besucht er in Ehrenbreitstein Sophie La Roche und trifft dort deren Tochter Maximiliane. Goethe schreibt den "Werther" im Februar und Maerz des Jahres 1774. Es wird sein groesster internationaler Erfolg und sein aufsehenerregendstes Buch. Darin eingegangen ist der Selbstmord des Legationssekretaers Karl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar. Dieser war im Herbst 1772 an der Liebe zu einer verheirateten Frau zerbrochen. Mit dem Erscheinen des "Goetz" und des "Werther" ist Goethe zur Symbolfigur des Sturm und Drangs geworden. Unmittelbar nach dem "Werther" schreibt er das Schauspiel "Clavigo". Ausserdem macht er Plaene fuer "Faust" und "Egmont" Im Jahr 1775 verlobt er sich mit der Bankierstochter Anna Elisabeth (Lili) Schoenemann, zu einer Heirat kommt es aber nicht. Im Mai 1775 macht Goethe mit Friedrich Leopold (Fritz) und Christian Graf zu Stolberg und Christian Graf von Haugwitz eine Bildungsreise in die Schweiz. In Zuerich sind sie zu Gast bei dem Theologen Johann Caspar Lavater, der Goethe seinerseits im Sommer 1774 in Frankfurt besucht hatte. Nach der Rueckkehr nach Frankfurt loest Goethe die Verlobung mit Lili. 1775-1786: Weimar 1774 hat Goethe Erbprinz Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach (1757-1828) in Frankfurt kennen gelernt. Er laedt Goethe an den Hof von Weimar ein und am 7. November 1775 kommt Goethe dort an. Der Herzog stellt ihn in den Staatsdienst ein und bewilligt ihm ein verhaeltnismaessig hohes Gehalt. Im Juni 1776 beruft der Herzog Goethe als Geheimen Legationsrat in den Geheimen Conseil, die Zentrale der Landesregierung. Drei Jahre spaeter uebernimmt Goethe die Weimarer Kriegskommission und die Direktion des Wegebaus. Als Dreissigjaehriger wird er zum Geheimen Rat ernannt. 1782 macht ihn der Fuerst zum Leiter der Finanzkammer. Goethe beginnt eine Liebesbeziehung mit Charlotte von Stein (1742-1827). 1782 zieht Goethe vom beruehmten Gartenhaus in das Haus am Frauenplan in Weimar. Im gleichen Jahr wird er von Kaiser Joseph II. in den Adelsstand erhoben. Er entdeckt sein Interesse fuer Geologie und Mineralogie. In dieser Zeit unternimmt Goethe Reisen nach Duesseldorf, in den Harz, nach Berlin, Frankfurt, ins Elsass, in die Schweiz, nach Goettingen und Kassel. Auch dienstlich ist er mit dem Herzog unterwegs. Nach Leipzig, Berlin, in den Harz und an andere saechsische Hoefe, nach Schlesien, Krakau und Czenstochowa geht die Fahrt. Er pflegt Kontakte zu Wieland und Herder, der auf Goethes Wunsch nach Weimar gerufen worden war. In den ersten elf Weimarer Jahren veroeffentlicht er kaum etwas. Den "Wilhelm Meister" faengt der Dichter an, "Egmont", "Iphigenie" und "Tasso" werden nicht vollendet. Der "Faust" bleibt ein Fragment. Dafuer entstehen einige seiner bekanntesten und beruehmtesten Gedichte: "Ueber allen Gipfeln ist Ruh'", "Grenzen der Menschheit" und "Das Goettliche". Fuer das Weimarer Liebhabertheater schreibt Goethe zahlreiche Stuecke, fuehrt Regie und schauspielert. Im Herbst 1779 reist Goethe mit dem Herzog in die Schweiz. Sie machen vier Tage in Goethes Vaterhaus in Frankfurt Station. Auf dem weiteren Weg besucht er auch Friederike Brion in Sesenheim und Lili von Tuerckheim in Strassburg. Goethe beginnt seine Naturstudien, die alle auf den Menschen bezogen bleiben, so weit sie sich auch mit den Gebieten der Botanik und Zoologie, Mineralogie und Geologie, Farbenlehre und Wolkenkunde beschaeftigen. Er liest Linné's "Philosophie der Botanik" und schreibt dem schwedischen Naturforscher spaeter den groessten Einfluss nach Shakespeare und Spinoza zu. Im Maerz 1784 gelingt ihm, wie er glaubt, eine anatomische Entdeckung: das os intermaxillare. Im Sommer 1785 begibt sich Goethe zum ersten Mal zur Kur ins boehmische Karlsbad. Bis 1823 wiederholt er die Fahrt dorthin sechszehnmal. Waehrend der zweiten Badereise plant Goethe bereits seine "Flucht" nach Italien. Am 3. September 1786 setzt er den Plan in die Tat um. 1786-1788: Italien Die "Flucht" nach Italien fuehrte Goethe ueber den Brenner, Trient, den Gardasee nach Verona, dann nach Venedig, Padua und schliesslich Rom. Dort findet er Kontakt zu deutschen Kuenstlern wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), Angelika Kauffmann (1741-1807) und Karl Philipp Moritz (1756-1793). Von Tischbein, der auch Goethe-Tischbein genannt wird, stammt das Gemaelde "Goethe in der Campagna" (1786-1788). Vier Monate dauert der erste Aufenthalt in Rom. Dann reist Goethe am 22. Februar 1787 zusammen mit Tischbein weiter nach Neapel. Bald darauf geht die Fahrt mit dem Landschaftsmaler Christoph Heinrich Kniep weiter bis nach Sizilien. Im Mai kehren sie ueber Neapel nach Rom zurueck. Hier beginnt am 7. Juni 1787 Goethes zweiter Aufenthalt in Rom, der fast noch ein Jahr dauert. Er studiert die alte Baukunst und die Bildende Kunst in Museen und Sammlungen. Goethe ist in Italien aber nicht nur Kunstbetrachter, sondern er versucht, sich selbst als Kuenstler weiterzubilden. Er zeichnet, aquarelliert und lernt das Modellieren. Rund 850 Zeichnungen sind aus seiner italienischen Zeit erhalten. Ebenfalls in dieser Zeit schreibt er die "Iphigenie" in Verse um und bringt den "Egmont" zu Ende, arbeitet am "Tasso" und am "Faust". Am 23. April 1788 bricht er mit Christoph Kayser zur Rueckreise in den Norden auf. Sie reisen bis Juni ueber Siena, Florenz, Bologna, Parma und Mailand. Durch die Schweiz und Konstanz, Nuernberg, Erlangen, Bamberg, Coburg. Seine Darstellung der "Italienischen Reise" verfasst er erst dreissig Jahre spaeter. Sie basiert auf dem "Reise-Tagebuch" fuer Charlotte von Stein und auf Originalbriefen und -notizen. 1788-1832: Weimar 1788 kommt Goethe wieder in Weimar an. Der Herzog, nicht boese ueber die Abwesenheit, gibt Goethes Neigungen nach, entbindet ihn von den Regierungsgeschaeften, laesst ihm aber den Sitz im Ministerrat und die Bezuege. Goethe ist nun eine Art Kulturminister mit der Oberaufsicht ueber die Anstalten ueber Wissenschaft und Kunst, beispielsweise die Universitaet Jena. Ab 1791 leitet Goethe dann auch das neue Weimarer Hoftheater, ein Amt, das er bis 1817 inne hat. Die Liaison mit Charlotte von Stein wird nicht wieder aufgenommen, sondern Goethe beginnt ein Verhaeltnis mit Christiane Vulpius. Der Minister Goethe verfolgt die Geschehnisse der Franzoesischen Revolution mit Interesse und setzt sich beispielsweise in den "Revolutionsdramen", der Novellensammlung "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" (1795) und dem Versepos "Hermann und Dorothea" (1797) damit auseinander. Zunehmend beschaeftigt sich Goethe mit den Naturwissenschaften. Sein Interesse gilt der Anatomie, Botanik, Mineralogie, Optik und der Farbentheorie. 1790 besucht Goethe zum zweiten Mal Italien. Er reist bis Venedig der Herzogenmutter entgegen, doch seine Begeisterung fuer das Land ist verflogen. 1792 zieht er mit Carl August nach Frankreich, um am Krieg Oesterreichs und Preussens gegen die Revolutionsregierung teilzunehmen. Das Erlebnis wird in der Schrift "Die Kampagne in Frankreich" erlaeutert. 1794 beginnt die Freundschaft mit Friedrich Schiller, die beide zu produktiver Arbeit anregt. 1805 erkranken sowohl Goethe als auch Schiller schwer. Am 9. Mai des gleichen Jahres stirbt Schiller, Goethe, der selbst unter heftigen Nierenkoliken leidet, ist erschuettert. Am 13. April 1806 protokollierte er dann im Tagebuch: "Schluss von Fausts I. teil". Damit erfuellt er noch einen Wunsch Schillers. Im Januar 1795 kommt der erste Band von "Wilhelm Meisters Lehrjahre" heraus. Auf der dritten Schweizer Reise 1797 machte Goethe in seiner alten Heimatstadt Frankfurt Station und liess auch Christiane und seinen Sohn nachkommen, um sie der Mutter vorzustellen. Immerhin hat er vor der Reise seine Familie testamentarisch abgesichert. Diese Reise in die Schweiz war die letzte groessere Reise Goethes. Goethe hielt sich nun oft in Jena auf. Dort verliebte er sich im Winter 1807 ungluecklich in Wilhelmine (Minchen) Herzlieb (1789-1865), Pflegetochter des Buchhaendlers Frommann. In diese Zeit fallen die "Sonette", die "Wahlverwandtschaften" und seine "Farbenlehre". Im Oktober 1808 wird Goethe waehrend des Erfurter Fuerstenkongresses von Napoleon empfangen. Spaeter erhaelt er das Kreuz der Ehrenlegion. 1811 beginnt er mit der Niederschrift seiner Kindheitserinnerungen, die er "Dichtung und Wahrheit" nennt. Dazu faehrt er im Sommer 1814 und im Fruehjahr 1815 noch einmal in die Gegenden rund um Rhein und Main, in denen er seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Auf einer dieser Reisen verliebt er sich in Marianne Jung (1784-1860), die spaeter den Bankier und Geheimen Rat in Frankfurt, Johann Jakob von Willemer, heiratet. Diese Begegnung inspiriert Goethe zu den Liebesgedichten im "West-oestlichen Diwan". 1815 wird das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach durch Beschluss des Wiener Kongresses Grossherzogtum. Goethe bekleidet damit das Amt eines Staatsministers. Im Sommer 1821 faehrt Goethe zur Kur nach Marienbad und lernt dort die 17-jaehrige Ulrike von Levetzow kennen. 1817 verzichtet Goethe auf das Frankfurter Buergerrecht. Seit dem Wiener Kongress durfte das Vermoegen bei Aufgabe des Buergerrechts ausgefuehrt werden, ohne den "Zehnten Pfennig" zu zahlen. Goethe entgeht zudem der gerade beschlossenen Einkommenssteuer. Zuvor hat er auch ein Stellenangebot aus Frankfurt ausgeschlagen: Nach dem Tod seines Onkels, des Schoeffen Textor, wollte man ihm dort die Stelle eines Ratsherrn anbieten. In den letzen beiden Lebensjahrzehnten beschaeftigt Goethe die Sekretaere Friedrich Wilhelm Riemer (1774-1845) ab 1814 und ab 1823 Johann Peter Eckermann (1792-1854). Dieser spornt Goethe zur Arbeit am zweiten Teil des "Faust" an, den der Dichter daraufhin zwischen 1825 und 1831 vollendet. Aber er moechte das Werk zu seinen Lebzeiten nicht mehr veroeffentlichen, sondern uebergibt es seinen Nachlassverwaltern. In seinem Haus am Frauenplan kuemmert sich Schwiegertochter Ottilie bis zu seinem Tod um ihn. Am 22. Maerz 1832 stirbt der grosse deutsche Dichter und wird in der Fuerstengruft zu Weimar beigesetzt.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (johann-wolfgang-goethe-de):
KINDHEIT, JUGEND UND STUDIUM 1749 Johann Wolfgang Goethe wird am 28. August in Frankfurt am Main geboren. Mutter Catharina Elisabeth stammt aus der Juristenfamilie Textor, die ebenfalls in Frankfurt ansaessig ist. Sein Vater Johann Caspar ist der Sohn eines vermoegenden Modeschneiders und unterrichtet Goethe spaeter in Eigenregie. Der als streng geltende Jurist und Privatier besitzt ueber 2.000 Buchbaende und sammelt Kunstwerke und Naturalien, darunter auch italienische Stiche. Goethes Italien-Faszination laesst sich auch darauf zurueckfuehren. Goethe hat fuenf Geschwister, doch nur Schwester Cornelia und er ueberleben das Kindesalter. Cornelia stirbt mit 26 Jahren als Ehefrau des Juristen Johann Georg Schlosser. Goethes Familie ist fromm und praktiziert den christlichen Glauben. 1756 - 1763 Siebenjaehriger Krieg: Frankfurt wird von den Franzosen besetzt, der ranghoechste Offizier wird in Goethes Elternhaus einquartiert. Daher hat Goethe sein Faible fuer den Typus des gebildeten Offiziers. 1765 - 1767 Goethe studiert auf Wunsch des Vaters Jura in Leipzig, damals "Klein Paris” genannt. Er trifft Adam Friedrich Oeser, Maler und Leiter der "Zeichnung- Malerey- und Architectur-Academie”, bei dem er Zeichenunterricht nimmt und ueber den er die Schriften Johann Joachim Winckelmanns kennen lernt, die Goethes Aesthetik stark beeinflussen. 1767 Erste grosse Veroeffentlichung: "Annette” mit 19 Gedichten ueber die damals 19-jaehrige Anna Katharina Schoenkopf ("Kaethchen”) mit der er 2 Jahre bis 1768 zusammen war. In einer psychischen sowie gesundheitlichen Krise verbrennt Goethe einen Grossteil seiner bisherigen Dichtungen, weil er an seinem dichterischen Talent zweifelt. 1767/1768 "Die Laune des Verliebten”, ein Schaeferspiel in Versen, entsteht. 1768 Im Juli erleidet Goethe einen Blutsturz und eine Lungenaffektion. An seinem 19. Geburtstag verlaesst Goethe Leipzig und kehrt nach Frankfurt zurueck, im Dezember wird Goethe sterbenskrank aufgrund seiner in Leipzig ausgebrochenen Krankheit. Er vertieft sich in die Religion (auch alchemistische Schriften). Zeitgleich entstehen das erste seiner Mondgedichte namens "An den Mond” (spaeter: "An Luna”) sowie sein erstes Lustspiel "Die Mitschuldigen”. 1770 Goethe setzt Anfang April sein Jura-Studium in Strassbourg fort und erhaelt den dem Doktortitel fast ebenbuertigen Grad des Licentiatus Juris. Weil er in seiner Doktorarbeit ketzerische Aussagen getroffen haben soll, bleibt ihm der echte Doktortitel versagt. Im September lernt er Johann Gottfried Herder - Kunst- und Literaturtheoretiker - kennen, der ihn stark beeinflusst. Im Herbst lernt Goethe im Elsass in Sesenheim Friederike kennen, die Tochter des Landgeistlichen Brion, und verliebt sich in sie. Er verfasst die Sesenheimer Lieder. STURM UND DRANG 1771 Kurz vor seinem 22. Geburtstag kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck und richtet im Elternhaus eine Kanzlei ein. Vier Jahre lang arbeitet er aktiv als Jurist, betreut dabei aber nur wenige Faelle. Im November/Dezember schreibt er innerhalb von sechs Wochen das Drama "Goetz von Berlichigen” (urspr. "Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand”), ein Werk, das die Normen des Klassizismus sprengt. Unter Ruecksicht auf die Konventionen entschaerft Goethe die Fassung, die trotzdem als Revolution empfunden wird. Das gefaellt in erster Linie den juengeren Poeten, das Stueck gilt somit als dramatisches Gruendungsdokument des Sturm und Drang. 1772 Goethe macht auf Draengen seines Vaters hin ein Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar und lernt das Paar Charlotte Buff und Johann Christian Kestner kennen. Er verliebt sich in Charlotte und verlaesst Wetzlar nach einigen Monaten. Die Liebe zu der Verlobten seines Kollegen Kestner und andere Erfahrungen sind die Grundlage fuer Goethes Briefroman "Die Leiden des jungen Werther”. Goethe kehrt nach Frankfurt zurueck und erlebt dort eine kreative Hochphase, in der er unter anderem "Prometheus” verfasst. 1773 Entstehungsphase des sogenannten "Urfaust”, der von Goethe selbst nicht veroeffentlicht wird. 1774 Veroeffentlichung des innerhalb von vier Wochen geschriebenen Briefromans "Die Leiden des jungen Werther”, der als Sinnbild fuer den durch eine unerfuellte Liebe in den Selbstmord getriebenen, in seinem Gefuehlsueberschwang an einer widerstaendigen Umwelt zerbrechenden Schwaermer steht. Der Roman kommt bei der Bevoelkerung sehr gut an, man kann sich mit Werther identifizieren. Im Mai: Veroeffentlichung von "Clavigo”, "Stella” und "Schauspiel fuer Liebende”. In der urspruenglichen Fassung von Stella geht die Hauptfigur Fernando ein Dreiecksverhaeltnis mit Stella und Caecilie ein, was das Publikum so schockiert, dass Goethe spaeter den Schluss durch ein tragisches Ende ersetzt. "Clavigo” stellt Goethes erstes zeitgenoessisches Theaterstueck dar. MINISTERZEIT IN WEIMAR 1775 Goethe erschafft die Singspiele "Erwin und Elmire” und "Claudine von Villa” als Adaption auslaendischer Opernformen. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach laedt Goethe nach Weimar ein. 1776 im Juni wird Goethe gegen den Widerstand von Seiten des Adels Mitglied des obersten Regierungsgremiums des Herzogs, dem "Conseil” (1815 wird dies durch das Grossherzogliche Staatsministerium ersetzt) und danach, um weiteren Schwierigkeiten vorzubeugen, in den Adelsstand erhoben. Goethe versucht, auf den Herzog einzuwirken, die Staatsausgaben unter die -einnahmen zu druecken, zum Beispiel durch Reduzierung der Truppen um die Haelfte. 1777 Veroeffentlichung des Gedichts "Harzreise im Winter”, in dem sich Goethes Spaltung zwischen Dichterberuf und amtlicher Praxis widerspiegelt. In diesem Jahr begegnet Goethe ausserdem Charlotte von Stein. In der Beziehung zu ihr sieht Goethe das Streben nach in der Liebe erfahrener Wahrheit. 1779 Goethe veroeffentlicht die Prosafassung der "Iphigenie auf Tauris”, in deren Theaterauffuehrung er selbst den Orest spielte. 1780 Er beginnt seine Naturforschungen, auf die spaeter Goethes Abhandlungen ueber die Natur folgen. 1782 Goethe wird vom Herzog zum Kammerpraesidenten (Finanzminister) ernannt, in der Hoffnung, den Staatshaushalt weiter zu konsolidieren. Er foerdert die Landwirtschaft, ist in der Kriegskommission, der Wege- und Wasserbaudirektion sowie der Bergwerkskommission taetig. 1783 Goethe trifft Herder wieder, eine Freundschaft entwickelt sich. Im Gedicht "Ilmenau” beschreibt Goethe das Leben des Herzogs Carl August - vom zuegellosen Jugendtreiben zum jetzigen Wirken im Interesse des Landes. 1784 In diesem Jahr entsteht der Aufsatz "Ueber den Granit in Verbundenheit” zu seinen naturwissenschaftlichen Forschungen. GOETHE IN ITALIEN 1786 Goethe konzentriert sich mehr auf den kulturpolitischen Bereich, bleibt jedoch Berater fuer den Herzog. Er beaufsichtigt die Universitaet Jena. Goethe resigniert in Anbetracht des Nichterreichens der gesteckten Ziele in Weimar, sieht die Preisgabe seines poetischen Talents zugunsten der amtlichen Taetigkeit als fragwuerdig und fluechtet am 3. September in Absprache mit dem Herzog nach Rom. Damit leitet Goethe die Weimarer Klassik ein. 1787 Im Februar 1787 zieht Goethe weiter nach Neapel, setzt im Maerz nach Sizilien ueber und kehrt im Juni nach Rom zurueck. Waehrend seiner Italien-Reise trifft er Johann Heinrich Meyer und Karl Philipp Moritz, es entstehen nur wenige neue Werke. Goethe arbeitet an vorher in Weimar angefangenen Werken, z.B. der Versform der "Iphigenie auf Tauris”, "Torquato Tasso” sowie "Faust” und schliesst "Iphigenie auf Tauris” und "Egmont” (Prosa, 12 Jahre der Entstehung) ab. In "Iphigenie auf Tauris” kommt Goethes Grundueberzeugung zum Ausdruck, dass allein Wahrheit Friede sei und beides im Weiblichen begruendet sei. 1788 Im Juni kommt Goethe nach zweimonatiger Reise wieder in Weimar an und erklaert dem Herzog, er haette sich selbst als Kuenstler, als Dichter wiedergefunden, waere wiedergeboren. Nach seiner Rueckkehr nach Weimar wird er seiner bisherigen Aemter enthoben. Goethe lernt die buergerliche Christiane Vulpius kennen, Schwester des Schriftstellers Christian August Vulpius. Aufgrund von Goethes Adelsstand wird die Verbindung von Goethe zu Christiane Vulpius als Missstand angesehen. In dieser Zeit entstehen auch die "Erotica Romana”, deren Freizuegigkeit auch von engen Freunden Goethes wie Charlotte von Stein und Herder kritisiert wird. 1789 Im Sommer 1789, kurz vor Ausbruch der Franzoesischen Revolution, vollendet Goethe "Torquato Tasso” (klassisches Drama, erstes echtes Dichterdrama). 1790 1790 folgt eine weitere unfreiwillige Italienreise, bei der Goethe der aus Italien zurueckkehrenden Herzogin Anna Amalia entgegenreist. Es entstehen die 1795 publizierten "Venetianischen Epigramme”. Diese beschreiben im Gegensatz zur ersten Italienreise die Schattenseiten Italiens und beschaeftigen sich mit der Franzoesischen Revolution. Goethe widmet sich wieder verstaerkt den Naturwissenschaften und schreibt den "Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren”. Goethe glaubt, die Farbenlehre Newtons widerlegt zu sehen, weil er beim Blick durch ein Prisma keine Zerlegung in Farben erkennen kann, wie Newton es beschrieben hatte. Er uebersieht, dass diese Farben sich allerdings auf weissem Papier wieder zu weiss vereinen. Goethe sieht das Licht als das Goettlich-Eine, Farben entstuenden durch das Zusammenspiel von hell und dunkel. Er konzentriert sich auf die subjektive Wahrnehmung der Farben und beeinflusst mit seinen Theorien die romantischen Poeten sowie die Maler seiner Zeit. 1791 Goethe wird Direktor des Hoftheaters (bis 1817), Leiter des Freien Zeicheninstituts sowie Mitglied in verschiedenen Kulturkommissionen. WEIMARER KLASSIK 1794 Goethe lernt Friedrich Schiller kennen. Beide verbindet die Ablehnung der Franzoesischen Revolution, beide arbeiten an der literarischen Zeitschrift "Die Horen”. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihren Werken (Schiller: "Wallenstein”, Goethe: "Wilhelm Meisters Lehrjahre”, die er seit 1775 in Bearbeitung hat). 1795 In diesem Jahr erscheinen die "Roemischen Eligien” (auch "Erotica Romana”), die bereits um 1790 als Gedichtzyklus entstanden waren. Durch den Vertrag von Basel erhaelt das Grossherzogtum fuer 10 Jahre einen neutralen Status bzw. Friedensstatus - auch aufgrund des Mitwirkens Goethes und Schillers. 1796 Der erste Teil des Musenalmanach erscheint, an dem Goethe und Schiller gemeinsam gearbeitet haben und in dem sie ihre Kritiker aufs Korn nehmen. 1797 Entstehungsjahr von Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling”. 1800 Erstes Festspiel Palaeophron und Neoterpe anlaesslich des Geburtstags der Herzogin-Mutter Anna Amalia. 1803 Entstehung von "Die natuerliche Tochter” als einzig vollendeter Teil einer Trilogie zum Thema Franzoesische Revolution Schiller und Goethe arbeiten gemeinsam an Theaterstuecken, wovon 1803 "Die Braut von Messina” erstmals aufgefuehrt wurde. 1805 Schiller stirbt am 9. Mai, womit die praegende Periode der Weimarer Klassik zu Ende geht. Goethe wendet sich mehr der Romantik zu und versucht, Klassik und Romantik in seinen Werken zu vereinen. AUTOBIOGRAPHISCHE ARBEITEN 1806 Goethe heiratet Christiane Vulpius, die sich den durch die Stadt ziehenden und pluendernden franzoesischen Soldaten nach einer verlorenen Schlacht entgegenstellte und Goethe vor Schlimmerem bewahrte. 1808 Zweites Festspiel: "Pandora” (nur Fragmente). "Faust, der Tragoedie erster Teil” erscheint. 1809 Goethe beginnt mit seinen autobiographischen Arbeiten "Dichtung und Wahrheit”, die Teile von Goethes Biographie zwischen zwischen 1749 und 1775 aufgreift. Auch vor dem Hintergrund von Schillers Tod hegt er den Wunsch, das Gewesene fuer die Nachwelt zu fixieren. Ausserdem erfolgt die Veroeffentlichung von "Wahlverwandtschaften”. 1810 "Opus zur Farbenlehre” 1814 1814 erscheint der dritte und letzte vollstaendige Teil von "Dichtung und Wahrheit”, der 4. Teil wird unterbrochen durch "Faust II” und vor Goethes Tod nicht mehr ganz fertig gestellt. Die Franzoesische Revolution endet, Goethe reist danach zu den Orten von Goethes Kindheit und Jugend im Rhein-Main-Gebiet. ALTER IN WEIMAR 1815 Goethe nimmt seine politischen Arbeiten wieder auf und wird zum Staatsminister und Ressortleiter der "Anstalten fuer Wissenschaft und Kunst" in Weimar und Jena ernannt. In seinen letzten Lebensjahren festigt sich bei Goethe die Vorstellung einer Weltliteratur im Zuge der Internationalisierung, die Erzeugnisse einzelner Nationen werden Gemeingut. Premiere des Festspiels "Des Epimenides Erwachen” anlaesslich des Sieges Napoleons und des Endes der Befreiungskriege. 1816 Tod von Goethes Ehefrau Christiane. 1818 "Um Mitternacht” 1819 Von 1819 bis 1825 schreibt er die "Annalen meines Lebens”. In dieser Zeit veroeffentlicht er ausserdem den "West-oestlichen Divan”, in dem die Faszination Goethes an der altpersischen Dichtung zum Ausdruck kommt. 1821 Goethe lernt als 74jaehriger die 17jaehrige Ulrike von Levetzow kennen und verliebt sich zwei Jahre spaeter in sie. Ulrikes Mutter lehnt Goethes Antrag ab, woraufhin die Liebesklagen "Eligie” entstehen. Der erste Teil des Goethe-Romans "Wilhelm Meisters Wanderjahre” wird veroeffentlicht. 1823/24 "Trilogie der Leidenschaft” 1824 "Der Braeutigam” 1825 Die Arbeiten an "Faust II” beginnen. 1827 Goethe veroeffentlicht die "Ausgabe letzter Hand”, eine Sammlung von Gedichtbaenden, das wichtigste Gedicht ist dabei "Urworte: Orphisch”. 1828 Herzog Carl August stirbt. Veroeffentlichung von "Novelle” (Prosadichtung). 1829 In "Ausgabe letzter Hand” (Band 21-23) veroeffentlicht Goethe die Neufassung von "Wilhelm Meisters Wanderjahre”. "Faust” wird in Braunschweig uraufgefuehrt, wobei Goethe nicht anwesend ist, weil er das Stueck nicht als fuer die Buehne geschaffen sieht. 1830 Goethes Sohn August stirbt. 1832 Goethe stirbt am 22. Maerz vermutlich an einem Katarrhfieber mit folgendem Herzinfarkt. Bis heute haelt sich das Geruecht, seine letzten Worte lauteten "Mehr Licht!”. Goethe wird neben Carl August und Friedrich Schiller in Weimar begraben. In den "Nachgelassenen Werken” erscheint "Faust. Der Tragoedie zweiter Teil”. Goethe verfuegte, dass diese zu seinen Lebzeiten nicht veroeffentlicht werden sollte.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung) des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (literaturwelt-com):
Leben Kindheit, Jugend und Studienzeit Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 als Sohn des kaiserlichen Rates Johann Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth in Frankfurt am Main geboren. Von seinen fuenf Geschwistern ueberlebt nur Cornelia (geb. am 7. Dezember 1750), mit der er seine Kindheit gemeinsam verbringt und ein enges Verhaeltnis aufbaut. Ab 1752 besucht Goethe drei Jahre lang die Frankfurter Spielschule. Mit dem Umbau des Elternhauses 1755 erhaelt der junge Goethe Privatunterricht. In seiner Jugend wird er Zeuge bedeutender historischer Ereignisse, u.a. die Besetzung Frankfurts durch die Franzosen 1759 oder die Kroenung Josephs des Zweiten 1764. Im Oktober 1765 nahm er auf Wunsch seines Vaters ein Jurastudium in Leipzig auf. Nebenher besuchte Goethe auch philosophische und literaturgeschichtliche Vorlesungen, u. a. bei Gellert und Gottsched. Er beschaeftigte sich ausserdem in dieser Zeit mit Lessing und der Aufklaerung sowie mit Klopstock und der Empfindsamkeit. Bei Adam F. Oeser nahm er Zeichenunterricht. Im August 1768 muss er das Studium wegen schwerer Krankheit abbrechen. Goethe kehrte daraufhin wieder ins Elternhaus zurueck. Seine Genesung verzoegerte sich durch einige Rueckfaelle bis Maerz 1770. In dieser Zeit wird Goethe vor allem von religioeser Lektuere beeinflusst, angeregt durch Susanna Katharina von Klettenberg. Von April 1770 bis August 1771 setzt Goethe in Strassburg sein Jurastudium fort. Auch Herder hielt sich um diese Zeit in Strassburg auf. Goethe knuepfte in Strassburg Kontakte zu Jakob Michael Reinhold Lenz, und Gottfried von Herder und machte Bekanntschaft mit Friedericke Brion. Ihr widmete er zahlreiche Gedichte, darunter das Heidenroeslen, Mailied und Willkommen und Abschied. Im August 1771 promoviert Goethe zum Lizentiaten der Rechte. Der Stuermer und Draenger Nach seiner Promotion in Strassburg kehrt Goethe nach Frankfurt zurueck. Er nimmt seine Arbeit als Rechtsanwalt auf, wandte sich aber nebenher verstaerkt der Dichtung zu. So konnte er die Urfassung von Goetz von Berchlingen vollenden, die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand. 1772 macht Goethe Bekanntschaft mit Charlotte Buff, als er Praktikant im Reichskammergericht in Wetzlar ist. Ausserdem arbeitet er an den Frankfurter Gelehrten Anzeigen mit, das den Beginn seiner schriftstellerischen Karriere markiert. Die unerfuellte Liebe zu Charlotte Buff regt Goethe zu seinem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers an, der ihn schlagartig beruehmt machte. Es entstanden auch einige Hymnen, darunter Ganymed, Prometheus und Wanderers Sturmlied. In der Zeit zwischen 1773 und 1775 arbeitet Goethe an ersten Fassungen seiner Dramen Urfaust, Prometheus und Mahomet. Dabei orientiert er sich besonders an den Werken Shakespeares. Auf seinen Reisen im Jahr 1774 nimmt Goethe Kontakt zu Johann Caspar Lavater, den Bruedern Jacobi und Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach auf. Im April 1775 kommt es zur Verlobung mit Lili Schoenemann, die aber ein halbes Jahr spaeter wieder geloest wird. Das erste Weimarer Jahrzehnt Goethe wird gegen Ende des Jahres 1775 von Karl August nach Weimar eingeladen. Dort macht er erste Bekanntschaft mit Charlotte von Stein. Im November siedelt er schliesslich ganz ueber. In Weimar war die einflussreiche Herzogin Anna Amalia ansaessig, die bedeutende Persoenlichkeiten des deutschen Schriftstellerlebens um sich versammelte. Darunter befand sich auch Christoph Martin Wieland. Mit der Ankunft Goethes nahmen die kulturelle Aktivitaet der Stadt Weimar enorm zu. 1776 bis 1782 wohnte Goethe in einem Gartenhaus an den Ilmwiesen. Er wird Beamter der Stadt Weimar und zum Geheimen Legationsrat ernannt. 1776 kommt auch Herder, als Generalsuperintendent, nach Weimar. Mit der Oberaufsicht ueber den Illmenauer Bergbau und der engen Beziehung mit Charlotte von Stein verstaerkt sich Goethes gefasster Entschluss, in Weimar zu bleiben. 1777 stirbt seine Schwester Cornelia. Waehrend sein Schauspiel Stella (1776) noch vom Sturm und Drang gepraegt war, setzt sich jetzt der Humanismus-Gedanke in Goethes Werken allmaehlich durch. 1779 entsteht die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris, die 1786 in Blankverse umgeschrieben wurde. Im Januar 1779 wird Goethe die Leitung der Kriegs- und Wegebaukommission uebertragen, durch die er viele Dienstreisen mit dem Herzog unternahm. Im September wird Goethe zum Geheimen Rat ernannt. Die Aufsicht ueber den Bergbau in Illmenau veranlasst Goethe sich mit mineralogischen Studien zu beschaeftigen. 1782 stirbt sein Vater. Goethe bezieht des Haus am Frauenplan. 1784 entdeckt er den Zwischenkieferknochen des Menschen. 1785 sind die Arbeiten an Wilhelm Meisters theatralischer Sendung abgeschlossen. Goethe haelt sich nun oefters in Karlsbad auf. Italienreise und Rueckkehr nach Weimar Im Herbst des Jahres 1786 bricht Goethe heimlich in Karlsbad auf und begab sich auf eine Erholungs- und Bildungsreise nach Italien. Zu diesem Entschluss brachte ihn die immer drueckender empfundenen hoefischen und dienstlichen Verpflichtungen. Goethe gab sich dabei als "Maler Moeller" aus. Am 29. Oktober erreichte er Rom, das eigentliche Ziel seiner Reise. Dort machte er Bekanntschaft mit dem Maler Tischbein und dem Dichter Karl Philipp Moritz. Neben der Beschaeftigung mit antiker Bildhauerkunst und der Malerei arbeitete Goethe auch an seinen literarischen Projekten Iphigenie, Egmont, Tasso und Faust weiter. Bereits 1786 konnte Iphigenie auf Tauris in Versform fertiggestellt werden, 1788 dann Egmont. Am 23. April 1788 brach Goethe in Rom auf und trat seine Heimreise an. Am 18. Juni traf er in Weimar wieder ein. Goethe wird in Weimar auf eignen Wunsch von den meisten der hoefischen und dienstlichen Pflichten entbunden. Er wird stattdessen mit der Leitung kuenstlerischer Anstalten des Herzogtums betraut, darunter z. B. das "Freie-Zeichen-Institut". Im Juli lernt Goethe seine zukuenftige Lebensgefaehrtin, Christiane Vulpius, kennen. Noch im gleichen Jahr kommt es in Rudolstadt zur ersten Begegnung zwischen Goethe und Friedrich Schiller. Goethe verhalf Schiller zu einer Professur in Jena. 1789 wird Goethes Sohn August geboren. Die Arbeit am Tasso sind abgeschlossen. Zur Franzoesischen Revolution verhaelt sich Goethe ablehnend. 1790 erscheinen Die Metamorphose der Pflanzen und Faust, ein Fragment. 1791 wird Goethe zum Leiter des Weimarer Hoftheaters. 1792 begleitet Goethe Herzog Karl-August im 1. Koalitionskrieg Preussens und Oesterreichs gegen Frankreich. Er selbst wird Augenzeuge der Kanonade von Valmy, am 20. September 1792. Das Schauspiel Der Gross-Koptha entsteht. 1793 ist Goethe Beobachter bei der Belagerung von Mainz. Der Buergergeneral und Reineke Fuchs werden veroeffentlicht. Goethe beschaeftigt sich seit 1793 bis 1798 intensiv mit Studien zu Homer. Das Jahrzehnt mit Schiller 1794 kann Schiller Goethe zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift Die Horen gewinnen. Daraus entwickelte sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden, die zunaechst nur aus einem staendigen Briefwechsel bestand. Seit der Tagung der "Naturforschenden Gesellschaft" in Jena 1794 ist Schiller haeufiger Gast bei Goethe in Weimar. 1796 entstehen die Xenien. 1797 erhaelt Goethe die Aufsicht ueber die Weimarer Bibliothek. Das Jahr 1797 ging als das "Balladenjahr" in die Geschichte ein, da aus einem Dichterwettstreit zwischen Goethe und Schiller zahlreiche Balladen hervorgingen, darunter Der Gott und die Bajadere, Der Schatzgraeber, Der Zauberlehrling, Die Braut von Korinth und Legende. Beide befassten sich auch intensiv mit der Theorie der literarischen Gattungen, dessen Ergebnis 1797 in der Schrift Ueber epische und dramatische Dichtung festgehalten wurde. Goethe setzte in dieser Zeit auch seine Arbeiten am Faust fort. 1798 erschien die periodische Kunstzeitschrift Propylaeen, unter der Mitarbeit Schillers und Humboldts. Im Dezember 1799 uebersiedelt Schiller nach Weimar. Er draengte Goethe zur Vollendung des Fausts. Aus der Zusammenarbeit der beiden Dichter ging der Stil der Weimarer Klassik hervor, der sich an Antike und Renaissance orientierte. 1803 erhaelt Goethe die Oberaufsicht ueber die naturwissenschaftlichen Institute der Universitaet Jena. 1804 wird er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt. Am 9. Mai 1805 stirbt sein engster Freund, Schiller. Dieses Ereignis nimmt einen tiefen Einschnitt in das Leben Goethes, das bis dahin von einer intensiven Freundschaft und geistigen Beziehung der beiden gepraegt war. Im Epilog zu Schillers Glocke setze er ihm ein Denkmal. Das Jahrzehnt nach Schillers Tod In der Zeit nach Schiller, zaehlten Ludwig von Knebel, Carl Friedrich Zelter und Wilhelm von Humboldt zu Goethes engsten Freunden. Goethe setze sich ab 1806 intensiv mit der Romantik auseinander. Die Sammlung Des Knaben Wunderhorn (1806-1808) von Achim von Arnim und Clemens Brentano regten Goethe an, sich mit dem deutschen Mittelalter und der Volkspoesie zu beschaeftigen. Im April 1806 wurde Faust, erster Teil abgeschlossen. Im Oktober kam es zur Schlacht bei Jena und zur Besetzung Weimars. Goethe heiratete in diesem Jahr Christiane Vulpus. 1807 macht er Bekanntschaft mit Bettina Brentano, der spaeteren Frau A. v. Arnims. Goethe beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahre. 1808 stirbt Goethes Mutter. Auf dem Erfurter Fuerstenkongress kam es zur Begegnung zwischen Goethe und Napoleon I. 1809 erscheinen Die Wahlverwandtschaften. 1810 kam es zum Abschluss der Arbeit an der Farbenlehre. Der erste Teil seiner Autobiographie Dichtung und Wahrheit, erster Teil. erschien 1811. In Karlsbad kam es 1812 zur Begegnung mit Ludwig van Beethoven, der einige Gedichte Goethes vertonte. Dichtung und Wahrheit, zweiter Teil. wurde fertiggestellt. 1813 verlor die Kuenstler-Stadt Weimar einen weiteren wichtigen Geist, den Dichter Christoph Martin Wieland. Im gleichen Jahr fand zwischen dem 16. und 19. Oktober die Voelkerschlacht bei Leipzig statt. Der dritte Teil seiner Autobiographie erschien. 1814 kommt es zur Begegnung mit Marianne von Willemer und den Bruedern Boisserée. Die letzten Lebensjahre 1815 unternimmt Goethe ausgedehnte Reisen ins Rhein- und Maingebiet. Sachsen-Weimar-Eisenach wird durch einen Beschluss des Wiener Kongresses zum Grossherzogtum. Im September findet die letzte Begegnung mit Marianne von Willemer statt. Im Dezember wird Goethe mit dem Amt eines Staatsministers betraut. Am 6. Juni 1816 stirbt seine Frau, Christiane. 1817 haelt sich Goethe oefters in Jena auf. Von der Leitung des Hoftheaters wird er entbunden. Mit zunehmenden Alter zog sich Goethe vom Weimarer Gesellschaftsleben zurueck und wendete sich nun hauptsaechlich seinen Werken zu. 1819 ist der West-oestliche Divan abgeschlossen. 1820 beginnt die Arbeit an Wilhelm Meisters Wanderjahren, die 1829 vollendet wurde. 1821 kommt es zur ersten Begegnung mit Ulrike von Levetzow, seiner letzten Liebe. 1825 nimmt er seine Arbeit am Faust, zweiter Teil. wieder auf. Im Januar 1827 stirbt Charlotte von Stein, im Juni des darauffolgenden Jahres Grossherzog Karl August. 1830 erscheint der letzte Teil seiner Autobiographie, Dichtung und Wahrheit, vierter Teil. Im November erfaehrt er vom Tode seines Sohnes, der schon Ende Oktober verstarb. Goethe erlitt einen Blutsturz. 1831 wird Faust, zweiter Teil. vollendet. Am 22. Maerz 1832 stirbt Goethe in seinem Haus am Frauenplan. Er wurde neben Schiller in der Weimarer Fuerstengruft beigesetzt.
Query (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)Seehafer180" /> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].
Reference (wikipedia):
== Leben == [[Datei:JohannCasparGoethe.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Caspar Goethe'', Aquarellminiatur von [[Georg Friedrich Schmoll]], 1775]] [[Datei:Catharina Elisabeth Goethe 1776.jpg|miniatur|hochkant|''Catharina Elisabeth Goethe'', Portraet von [[Georg Oswald May]], 1776]] === Herkunft und Jugend === Johann Wolfgang von Goethe wurde am 28. August 1749 im heutigen [[Goethe-Haus]] am Frankfurter [[Grosser Hirschgraben|Grossen Hirschgraben]] geboren. Der Vater [[Johann Caspar Goethe]] (1710-1782) war Jurist, uebte diesen Beruf jedoch nicht aus, sondern lebte von den Ertraegen seines Vermoegens, das spaeter auch dem Sohn ein Leben ohne finanzielle Zwaenge ermoeglichen sollte.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=12 |ISBN=978-3-746-61632-2 Er war vielseitig interessiert und gebildet, jedoch auch streng und pedantisch, was wiederholt zu Konflikten in der Familie fuehrte. Goethes Mutter, [[Catharina Elisabeth Goethe]], geb. Textor (1731-1808), entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Frankfurter Familie; ihr Vater war als [[Schultheiss|Stadtschultheiss]] der ranghoechste Justizbeamte der Stadt. Die lebenslustige und kontaktfreudige Frau hatte mit 17 Jahren den damals 38-jaehrigen Rat Goethe geheiratet. Nach Johann Wolfgang wurden noch fuenf weitere Kinder geboren, von denen jedoch nur die wenig juengere Schwester [[Cornelia Schlosser|Cornelia]] das Kindesalter ueberlebte. Mit ihr stand der Bruder in einem engen Vertrauensverhaeltnis. Ihren Sohn nannte die Mutter ihren "Haetschelhans". Die Geschwister erhielten eine aufwendige Ausbildung. Von 1756 bis 1758 besuchte Johann Wolfgang eine oeffentliche Schule. Danach wurde er gemeinsam mit der Schwester vom Vater sowie durch Hauslehrer unterrichtet. Auf dem Stundenplan standen u. a. Franzoesisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch, naturwissenschaftliche Faecher, Religion und Zeichnen. Ausserdem lernte er Cello spielen, Reiten, Fechten und Tanzen. Schon frueh kam der Junge in Kontakt mit Literatur. Das begann mit den Gute-Nacht-Geschichten der Mutter und der Bibellektuere in der frommen, lutherisch-protestantischen Familie. Zu Weihnachten 1753 bekam er von der Grossmutter ein [[Puppentheater]] geschenkt. Das fuer diese Buehne vorgesehene Theaterstueck lernte er auswendig und fuehrte es immer wieder mit Begeisterung gemeinsam mit Freunden auf.Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 38. Erste Ansaetze seiner literarischen Phantasie bewies der kleine Goethe auch mit seinem (nach eigener Aussage) "anmassenden"Vgl. hierzu Goethe, ''Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit'', 1. Teil, 2. Buch, in: ''Goethes Werke'', hg. von Gerhard Fricke, Tuebingen, 7. Band, S. 39. Talent, wunderliche Maerchen zu erfinden und seinen staunenden Freunden in der Ich-Form zur spannenden Unterhaltung aufzutischen. Gelesen wurde viel im Hause Goethe; der Vater besass eine Bibliothek von rund 2000 Baenden. So lernte Goethe schon als Kind unter anderem das [[Historia von D. Johann Fausten|Volksbuch vom Dr. Faust]] kennen. Im Zuge des [[Siebenjaehriger Krieg|Siebenjaehrigen Krieges]] war von 1759 bis 1761 ein franzoesischer Offizier im Elternhaus einquartiert. Ihm und der mitgereisten Schauspieltruppe verdankte Goethe seine erste Begegnung mit der franzoesischen Dramenliteratur. === Studium und erstes dichterisches Schaffen === ==== Leipzig ==== Auf Weisung des Vaters begann Goethe im Herbst 1765 ein [[Rechtswissenschaft|Jurastudium]] in [[Universitaet Leipzig|Leipzig]]. Im Gegensatz zum eher altfraenkischen Frankfurt war Leipzig eine elegante, weltoffene Stadt. Goethe musste sich zunaechst in Kleidung und Umgangsformen anpassen, um von seinen neuen Mitbuergern und -buergerinnen akzeptiert zu werden. Das Pflichtstudium begann er schon bald zu vernachlaessigen. Er gab dem Besuch der Poetikvorlesungen von [[Christian Fuerchtegott Gellert]] den Vorzug, der jedoch von den poetischen Versuchen seines Schuelers wenig hielt. Der Maler [[Adam Friedrich Oeser]], bei dem Goethe den Frankfurter Zeichenunterricht fortsetzte, machte ihn mit dem an der Antike orientierten Kunstideal seines Schuelers [[Johann Joachim Winckelmann]] bekannt. Oeser foerderte zudem Goethes Kunstverstaendnis und kuenstlerisches Urteilsvermoegen. Beim Kupferstecher [[Johann Michael Stock]] erlernte Goethe die Techniken des [[Holzschnitt]]s und der [[Radierung]]. Fern dem Elternhaus genoss der 16- und 17-Jaehrige groessere Freiheiten: Er besuchte Theaterauffuehrungen oder verbrachte die Abende mit Freunden. In die Leipziger Zeit fiel Goethes erste Verliebtheit. Die Romanze mit der Handwerkertochter [[Anna Katharina Schoenkopf|Kaethchen Schoenkopf]] wurde nach zwei Jahren im gegenseitigen Einvernehmen wieder geloest. Die Gefuehlsaufwallungen dieser Jahre beeinflussten Goethes Schreibstil; hatte er zuvor schon Gedichte im regelgerechten Stil des [[Rokoko]] verfasst, so wurde ihr Tonfall nun freier und stuermischer. Eine Sammlung von 19 Gedichten, abgeschrieben und illustriert von seinem Freund Ernst Wolfgang Behrisch, ergab das Buch ''Annette''. Eine weitere kleine Gedichtsammlung wurde 1769 unter dem Titel ''Neue Lieder'' als erstes von Goethes Werken gedruckt. Im Juli 1768 erlitt Goethe einen "[[Blutsturz]]" (wahrscheinlich [[Tuberkulose]]). Wieder halbwegs reisefaehig, kehrte er im August ins Elternhaus zurueck. ==== Frankfurt und Strassburg ==== Die lebensbedrohliche Erkrankung erforderte eine lange [[Rekonvaleszenz]] und machte ihn empfaenglich fuer die Vorstellungen des [[Pietismus]], die eine Freundin der Mutter, die [[Herrnhuter Bruedergemeine|Herrnhuterin]] [[Susanne von Klettenberg]], ihm nahebrachte. Er beschaeftigte sich ausserdem mit [[Mystik|mystischen]] und [[Alchemie|alchemistischen]] Schriften, eine Lektuere, auf die er spaeter im ''[[Goethes Faust|Faust]]'' zurueckgreifen sollte. Unabhaengig davon verfasste er in dieser Zeit sein erstes Lustspiel ''[[Die Mitschuldigen]].'' Im April 1770 setzte Goethe sein Studium in [[Universitaet Strassburg|Strassburg]] fort. Diesmal widmete er sich zielstrebiger den juristischen Studien, fand aber auch Zeit, eine ganze Reihe persoenlicher Bekanntschaften anzuknuepfen. Die wichtigste davon war die mit dem Theologen, Kunst- und Literaturtheoretiker [[Johann Gottfried Herder]]. Der Aeltere oeffnete ihm die Augen fuer die urspruengliche Sprachgewalt von Autoren wie [[Homer]], [[William Shakespeare|Shakespeare]] und [[Ossian]] sowie der Volkspoesie und gab so entscheidende Impulse fuer Goethes dichterische Entwicklung. Spaeter sollte er auf Goethes Fuersprache hin in weimarische Dienste berufen werden. Auf einem Ausritt in die Umgebung lernte er in [[Sessenheim]] die Pfarrerstochter [[Friederike Brion]] kennen und lieben. Bei seiner Abreise aus Strassburg beendete der bindungsscheue junge Goethe die Beziehung; die an Friederike gerichteten Gedichte, die spaeter als ''[[Sesenheimer Lieder]]'' bekannt wurden (u. a. ''[[Willkommen und Abschied]]'', ''[[Mailied]]'', ''[[Heidenroeslein]]'') waren in ihrer Ausdruckskraft "der revolutionaere Beginn einer neuen lyrischen Epoche".Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=31 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Sommer 1771 reichte Goethe seine juristische [[Dissertation]] ''De legislatoribus'' ein, die allerdings wegen einiger darin enthaltener gegen die Kirche gerichteter "Ketzereien"Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=28 |ISBN=978-3-832-17628-0 nicht angenommen wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Die Universitaet bot ihm jedoch die Moeglichkeit, das [[Lizenziat]] zu erwerben. Grundlage der [[Disputation]] am 6. August 1771, die er "cum applausu" bestand, waren 56 Thesen in lateinischer Sprache unter dem Titel ''Positiones Juris''. In der vorletzten These spricht er die Streitfrage an, ob eine [[Kindstoetung|Kindsmoerderin]] der [[Todesstrafe]] zu unterwerfen sei. Das Thema griff er in kuenstlerischer Form wieder in der [[Gretchentragoedie]] auf. === Zeit des Sturm und Drang === Zurueck in Frankfurt, eroeffnete Goethe eine kleine Anwaltskanzlei, die bei bald nachlassendem Interesse und geringem Arbeitseifer des frischgebackenen Juristen vier Jahre lang bis zur Abreise nach [[Weimar]] bestehen blieb. Wichtiger als der Anwaltsberuf war Goethe die Dichtung. Ende 1771 brachte er - innerhalb von sechs Wochen - die ''Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand'' zu Papier. Nach einer Ueberarbeitung wurde das Drama 1773 als ''[[Goetz von Berlichingen (Goethe)|Goetz von Berlichingen]]'' im Selbstverlag veroeffentlicht. Das mit allen ueberlieferten dramatischen Regeln brechende Werk fand begeisterte Aufnahme und gilt als das Gruendungsdokument des [[Sturm und Drang]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=35 |ISBN=978-3-832-17628-0 Im Mai 1772 - also zwischen den beiden Niederschriften des ''Goetz'' - schrieb Goethe sich, wiederum auf Draengen des Vaters, als Praktikant beim [[Reichskammergericht]] in [[Wetzlar]] ein. Sein dortiger Kollege [[Johann Christian Kestner]] beschrieb den damaligen Goethe: "|Er besitzt, was man Genie nennt, und eine ganz ausserordentliche Einbildungskraft. Er ist in seinen Affekten heftig. Er hat eine edle Denkungsart. Er ist ein Mensch von Charakter. […] Er ist bizarre und hat in seinem Betragen, seinem Aeusserlichen verschiedenes, das ihn unangenehm machen koennte. Aber bei Kindern, bei Frauenzimmern und vielen andern ist er doch wohl angeschrieben. Er tut, was ihm gefaellt, ohne sich darum zu kuemmern, ob es anderen gefaellt, ob es Mode ist, ob es die Lebensart erlaubt. Aller Zwang ist ihm verhasst […].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=105 |ISBN=978-3-746-61632-2 [[Datei:-1- Die Leiden des jungen Werthers. Erstdruck .jpg|miniatur|''Die Leiden des jungen Werthers'', Erstdruck von 1774 (bei einer spaeteren Ueberarbeitung entfiel das [[Genitiv]]-s)]] Wieder schenkte Goethe den juristischen Studien wenig Aufmerksamkeit. Stattdessen befasste er sich mit den antiken Autoren und verliebte sich in [[Charlotte Buff]], Kestners Verlobte. Als nach wenigen Monaten die Situation zu eskalieren drohte, verliess er Wetzlar fluchtartig. Anderthalb Jahre spaeter verwob er diese Erfahrung sowie weitere eigene und fremde Erlebnisse in dem Roman ''[[Die Leiden des jungen Werther]]'', den er Anfang 1774 innerhalb von nur vier Wochen niederschrieb. Das hochemotionale Werk machte seinen Autor binnen kurzem in ganz Europa beruehmt. Goethe selbst erklaerte den ungeheuren Erfolg des Buches und das von ihm ausgeloeste "[[Wertherfieber]]" spaeter damit, dass es genau die Beduerfnisse der damaligen Zeit getroffen habe. Der Dichter selbst rettete sich mit der schoepferischen Arbeit am ''Werther'' aus einer eigenen krisenhaften Lebenssituation: "|Ich fuehlte mich, wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei, und zu einem neuen Leben berechtigt.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=212 |ISBN=978-3-761-08199-0 Die Jahre zwischen der Rueckkehr aus Wetzlar und der Abreise nach Weimar gehoerten zu den produktivsten in Goethes Leben. Ausser dem ''Werther'' entstanden die grossen [[Hymne]]n (u. a. ''[[Ganymed (Gedicht)|Ganymed]]'', ''[[Prometheus (Hymne)|Prometheus]]'' und ''[[Mahomets Gesang]]''), mehrere Kurzdramen (u. a. das ''[[Jahrmarktsfest zu Plundersweilern]]'' und ''[[Goetter, Helden und Wieland]]'') sowie die Dramen ''[[Clavigo]]'' und ''[[Stella (Goethe)|Stella. Ein Schauspiel fuer Liebende]]''. Auch griff Goethe in dieser Zeit zum ersten Mal den ''[[Fauststoff]]'' auf. Zu Ostern 1775 verlobte Goethe sich mit der Frankfurter Bankierstocher [[Lili Schoenemann]]. Die Beziehung litt bald unter der Unvereinbarkeit der Familien in Milieu und Lebensstil, zudem fuerchtete der Dichter, eine Ehe mit seinen Lebensplaenen nicht vereinbaren zu koennen. Um Abstand zu gewinnen, folgte er einer Einladung der Brueder [[Christian zu Stolberg-Stolberg|Christian]] und [[Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg]] zu einer mehrmonatigen Reise durch die [[Schweiz]]. Im Oktober wurde die Verlobung aufgeloest. Goethe, der unter der Trennung sehr litt, nahm nun eine Einladung des 18-jaehrigen Herzogs [[Karl August (Sachsen-Weimar-Eisenach)|Karl August]] zu einer Reise nach [[Weimar]] an. === Minister in Weimar === [[Datei:Weimar, Stadtplan von Franz Ludwig Guessefeld, 1784.jpg|miniatur|Stadtplan von Weimar zur Zeit Goethes (1784); unten links ist Goethes Garten eingetragen]] Im November 1775 erreichte Goethe Weimar. Die Hauptstadt des Herzogtums [[Sachsen-Weimar-Eisenach]] zaehlte rund 6.000 Einwohner (das Herzogtum rund 100.000), war aber dank des Wirkens der Herzoginmutter [[Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbuettel|Anna Amalia]] im Begriff, sich zu einem kulturellen Zentrum zu entwickeln.Anm.: Anna Amalia gelang es nach dem fruehen Tode ihres Gemahls nicht nur, ihr Herzogtum 17 Jahre lang mit grosser Umsicht zu regieren, sondern auch Kuenstler und Wissenschaftler an ihren "Musenhof" zu holen und nach Kraeften zu foerdern. Den damals schon bekannten Dichter [[Christoph Martin Wieland|Wieland]] berief sie sogar zum Erzieher ihrer beiden Soehne. Goethe gewann schnell das Vertrauen des acht Jahre juengeren Herzogs Karl August. Als dieser ihm vorschlug, bei der Leitung des Staates mitzuwirken, nahm Goethe nach einigem Zoegern an. Dabei bestimmte ihn das Beduerfnis nach praktisch-wirksamer Taetigkeit: "|Waer's auch nur auf ein paar Jahre, ist doch immer besser als das untaetige Leben zu Hause wo ich mit der groessten Lust nichts thun kann. Hier hab ich doch ein paar [[Herzogtum|Herzogthuemer]] vor mir.Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=141 |ISBN=978-3-746-61632-2 ==== Im Staatsdienst ==== [[Datei:Goethe, Georg Oswald May,1779.jpg|miniatur|links|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einem Gemaelde von [[Georg Oswald May]], 1779]] Goethe wurde am 11. Juni 1776 Geheimer [[Legationsrat]] und Mitglied des ''Geheimen Consiliums'', des dreikoepfigen Beratergremiums des Herzogs.Internetquelle |autor=NDB ADB |url=http://www.deutsche-biographie.de/sfz53095.html |titel=Biographie von Goethe, Johann Wolfgang (1749-1832) |zugriff=2012-12-17 Er schreibt am 14. Mai 1780 an Kestner ueber sein literarisches Schaffen waehrend des Staatsdienst:Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994. 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=66 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA66 online auf: ''books.google.de''] Zitat|''Meine Schriftstellerei subordiniert sich dem Leben, doch erlaube ich mir nach dem Beispiel des grossen Koenigs, der taeglich einige Stunden auf die [[Floete]] wandte, auch manchmal ein Uebung in dem Talente, das mir eigen ist.'' Seine Beamtentaetigkeit erstreckte sich im Jahre 1779 auf das Wegbauministerium, vor allem aber auf die Erneuerung des [[Ilmenau]]er [[Bergbau]]s. Im selben Jahr uebertrug man ihm ausserdem das [[Kriegsministerium]], in dem er sich um die Rekrutierungen bemuehte.Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA160 online auf: ''books.google.de''] Sein Hauptanliegen war es, durch Einschraenkung der oeffentlichen Ausgaben bei gleichzeitiger Foerderung der Wirtschaft den voellig verschuldeten Staatshaushalt zu sanieren. Dies gelang zumindest teilweise, z. B. brachte die Halbierung der "Streitkraefte" Einsparungen.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=71 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA71 online auf: ''books.google.de''] Schwierigkeiten und die Erfolglosigkeit seiner Bemuehungen im Staatsdienst bei gleichzeitiger Arbeitsueberlastung fuehrten in die Resignation. Goethe notierte 1779 im Tagebuch: "Es weis kein Mensch was ich thue und mit wieviel Feinden ich kaempfe um das wenige hervorzubringen."In: Karl Otto Conrady: ''Goethe - Leben und Werk''. Band I, S. 348. Durch Reisen mit dem Herzog machte sich Goethe mit Land und Leuten vertraut. Seine Taetigkeiten fuehrten ihn unter anderem nach [[Apolda]], dessen Not er beschreibt, wie auch in andere Gebiete des Herzogtums.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=72 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA72 online auf: ''books.google.de''] Zumeist im Rahmen dienstlicher Pflichten unternahm Goethe in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt mehrere Reisen ueber die Landesgrenzen hinaus, darunter im Fruehjahr 1778 eine Reise nach [[Dessau]] und [[Berlin]], von September 1779 bis Januar 1780 in die Schweiz sowie mehrmals in den [[Harz (Mittelgebirge)|Harz]] (1777, 1783 und 1784). [[Hofrat]] [[Johann Joachim Christoph Bode]], der nach Weimar gekommen war, weckte Goethes Interesse an der Weimarer [[Freimaurerei|Freimaurer-Loge]] "Amalia". Waehrend seiner Schweizreise unternahm Goethe erste Bemuehungen, aufgenommen zu werden. Am 23. Juni 1780 trat er der Loge bei.Literatur |Autor=Gotthold Deile |Titel=Goethe als Freimaurer |Auflage=Erstes Heft |Verlag=E.S. Mittler & Sohn kgl. Hofbuchhandlung |Ort=Berlin |Jahr=1908 |ISBN= |Seiten=18-23 Goethes Taetigkeiten in [[Ilmenau]] und seine dortige Bekaempfung der [[Korruption]] veranlassten den Herzog, ihn 1782 zum [[Finanzminister]] zu ernennen. Im selben Jahre noch wurde er zur Aufsichtsperson der [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]].Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f. |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA74 online auf: ''books.google.de'']Literatur |Autor=Guillaume van Gemert und Hans Ester |Titel=Grenzgaenge - Literatur und Kultur im Kontext |Auflage= |Verlag=Rodopi B.V. |Ort=Amsterdam/Atlanta |Jahr=1990 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=160 Auf Antrag des Herzogs erhielt er am 10. April 1782 vom Kaiser das [[Adelsbrief|Adelsdiplom]], das ihm sein Wirken am Hof und in Staatsgeschaeften erleichtern sollte. Die Immediatkommissionen zwischen 1776 und 1783 waren Goethes Hauptbetaetigungsfeld, um Reformvorhaben durchzusetzen, da das "erstarrte" Behoerdensystem dazu nicht in der Lage war. Die Reformbemuehungen Goethes wurden in den achtziger Jahren durch die [[Aristokratie]] im Herzogtum behindert.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=73 f., 78 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA73 online auf: ''books.google.de''] Ab 1786 zog Goethe sich aus den Staatsgeschaeften zurueck, blieb jedoch fuer den Herzog ein wichtiger Berater.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=Weimarer Klassik: Portrait einer Epoche |Auflage=Unveraenderter Nachdruck der letzten Auflage |Verlag=Books on Demand |Ort=Norderstedt |Jahr=1994, 1998 |ISBN=90-5183-183-8 |Seiten=80 |Kommentar=[http://books.google.de/books?id=Thoaz2dgYJAC&pg=PA80 online auf: ''books.google.de''] Der auf Goethes Initiative sanierte [[Kupfer]]- und [[Silberbergbau]] in Ilmenau erwies sich letztlich als wenig erfolgreich. 1796 wurde das Bergwerk durch einen [[Stollenbruch]] vernichtet, und der Abbau musste nach einigen Jahren schliesslich ganz eingestellt werden. Nominell gehoerte Goethe dem ''Geheimen Consilium'' bis zu dessen Aufloesung im Jahr 1815 an. Goethes Wirken im ''Consilium'' wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt. Gilt er einigen Autoren als [[Aufklaerer|aufklaererischer]] Reformpolitiker, der sich unter anderem um die Befreiung der Bauern von drueckenden [[Frondienst|Fron]]- und Abgabenlasten bemuehte,Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=52 |ISBN=978-3-832-17628-0 so wird von anderen herausgestellt, dass er in amtlicher Funktion sowohl die Zwangsrekrutierung von Landeskindern fuer die preussische Armee als auch Massnahmen zur Einschraenkung der Redefreiheit befuerwortete. In einem anderen Fall votierte er fuer die Hinrichtung der ledigen Mutter ''Johanna Catharina Hoehn'', die ihr Neugeborenes aus Verzweiflung getoetet hatte - im Gegensatz zu der verstaendnis- und mitleidsvollen Haltung, die er spaeter in der [[Gretchentragoedie]] zum Ausdruck bringen sollte.Literatur |Autor=[[W. Daniel Wilson]] |Titel=''Das Goethe-Tabu - Protest und Menschenrechte im klassischen Weimar'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=47 ff., 76 ff. und 7 f |ISBN=978-3-423-30710-9 Ungewiss ist, ob er dabei aus Ueberzeugung handelte oder sich nur obrigkeitlichen Ruecksichten beugte. ==== Dichtung und Naturwissenschaften ==== In seinem ersten Weimarer Jahrzehnt veroeffentlichte Goethe ausser einigen in Zeitschriften verstreuten Gedichten nichts. Die taegliche Arbeit liess ihm zu ernsthafter dichterischer Taetigkeit wenig Zeit, zumal er auch fuer die Gestaltung von Hoffesten und die Belieferung des hoefischen Liebhabertheaters mit Singspielen und Theaterstuecken zustaendig war. Zu diesen Gelegenheitsproduktionen, die er oft als eine laestige Pflicht ansah, gehoert eine Neufassung des ''Jahrmarktsfests zu Plundersweilern''. Anspruchsvolle Arbeiten dieser Zeit waren eine erste Prosafassung der ''[[Iphigenie auf Tauris]]''; er begann ausserdem den ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'', ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' und ''[[Wilhelm Meister]]''. In dieser Zeit entstanden ausserdem einige der bekanntesten Gedichte Goethes; neben den Liebesgedichten fuer [[Charlotte von Stein]] (z. B. ''Warum gabst du uns die tiefen Blicke'') waren dies u. a. der ''[[Erlkoenig (Ballade)|Erlkoenig]]'', ''[[Wandrers Nachtlied]]'', ''[[Grenzen der Menschheit]]'' und ''[[Das Goettliche]]''. Um 1780 begann Goethe, sich systematisch mit naturwissenschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Er fuehrte dies spaeter auf seine amtliche Beschaeftigung mit Fragen des Berg- und Ackerbaus, der Holzwirtschaft usw. zurueck. Sein Hauptinteresse galt zunaechst der [[Geologie]] und der [[Mineralogie]], der [[Botanik]] und der [[Osteologie]]. Auf diesem Gebiet gelang ihm 1784 die vermeintliche Entdeckung (in Wirklichkeit Wiederentdeckung)Seehafer180" /> des [[Zwischenkieferbein|Zwischenkieferknochens]] beim Menschen. Im gleichen Jahr schrieb er seinen Aufsatz ''[[Ueber den Granit]]'' und plante ein Buch mit dem Titel ''Roman der Erde''. ==== Beziehung zu Charlotte von Stein ==== Die wichtigste und praegendste Beziehung Goethes waehrend dieses Weimarer Jahrzehnts war die zu der Hofdame [[Charlotte von Stein]]. Die sieben Jahre Aeltere hatte vier ihrer sieben Kinder verloren und lebte in einer Zweckehe. Zirka 1700 Briefe, Billette und "Zettelgen" Goethes und zahlreiche Gedichte sind die Dokumente einer aussergewoehnlich innigen Liebesbeziehung (Frau von Steins Briefe sind nicht erhalten). Es wird darin unter anderem deutlich, dass die Geliebte den Dichter als "Erzieherin" foerderte: Sie brachte ihm hoefische Umgangsformen bei, besaenftigte seine innere Unruhe, staerkte seine Selbstdisziplin. Die Frage, ob es sich auch um ein sexuelles Verhaeltnis oder um eine reine "Seelenfreundschaft" handelte, laesst sich nicht mit Sicherheit beantworten.Literatur |Autor=[[Helmut Koopmann]] |Titel=''Goethe und Frau von Stein - Geschichte einer Liebe'' |Verlag=Beck |Ort=Muenchen |Jahr=2002 |Seiten=254 ff |ISBN=978-3-406-48652-4 Die Mehrzahl der Autoren geht davon aus, dass Charlotte von Stein sich den erotischen Wuenschen des Geliebten verweigerte. Haeufig wird die These des Psychoanalytikers [[Kurt Eissler]]Literatur |Autor=Kurt R. Eissler |Titel=''Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775-1786'' |Verlag=Dt. Taschenbuch-Verlag |Ort=Muenchen |Jahr=1987 |ISBN=978-3-423-04457-8 vertreten, wonach Goethe erste sexuelle Erfahrungen als 38-jaehriger in Rom machte. Das Verhaeltnis endete mit Goethes heimlicher Abreise nach Rom 1786, welche die tiefverletzte Frau von Stein ihm nicht verzeihen konnte; sein nach der Rueckkehr aufgenommenes Verhaeltnis mit [[Christiane Vulpius]] fuehrte zum voelligen Bruch. Erst im Alter fanden beide erneut zu einer freundschaftlichen Beziehung. === Reise nach Italien === [[Datei:Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 007.jpg|miniatur|''[[Goethe in der Campagna]]'' von [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein]], 1787]] [[Datei:Goethe, Die Solfatara von Pozzuoli, 1787.jpg|miniatur|''Die [[Solfatara]] von [[Pozzuoli]]'', lavierte Tuschzeichnung von Johann Wolfgang von Goethe, 1787]] [[Datei:Johann Friedrich Bury, Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe in seinem italienischen Freundeskreis'', Federzeichnung von [[Friedrich Bury]], um 1787]] 1786 geriet Goethe in eine Krise. In seiner amtlichen Taetigkeit hatte er nicht die erhoffte Erfuellung gefunden, die Beziehung zu Charlotte von Stein gestaltete sich zunehmend unbefriedigend, er litt unter den Zwaengen des Hoflebens. Vor allem aber war es eine Identitaetskrise: Er wusste nicht mehr, was seine eigentliche Bestimmung war, und lebte nicht in Uebereinstimmung mit sich selbst.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=1 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=438 |ISBN=978-3-761-08199-0 Dieser Situation entfloh er durch eine Reise nach Italien. Im September 1786 brach er ohne Abschied auf; nur der Herzog und sein Diener [[Goethes Diener|Philipp Seidel]] waren informiert. Die geheime Abreise mit unbekanntem Ziel war wohl Teil einer Strategie, die es Goethe ermoeglichen sollte, seine Aemter niederzulegen, das zugehoerige Gehalt jedoch weiter zu beziehen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=8 f |ISBN=978-3-406-60471-3 Auch reiste er unter einem [[Pseudonym]], da sich der weltberuehmte Autor des ''Werther'' anders nicht ohne soziale Kontrolle in der Oeffentlichkeit bewegen konnte. Nach Zwischenaufenthalten in [[Verona]], [[Vicenza]] und [[Venedig]] erreichte Goethe im November [[Rom]]. Dort blieb er, mit einem viermonatigen Abstecher nach [[Neapel]] und [[Sizilien]], bis Ende April 1788. Nach Zwischenstationen u. a. in [[Siena]], [[Florenz]], [[Parma]] und [[Mailand]] gelangte er zwei Monate spaeter zurueck nach Weimar. In Rom wohnte Goethe bei dem deutschen Maler [[Johann Heinrich Wilhelm Tischbein|Wilhelm Tischbein]]Anm.: In dieser Wohnung Tischbeins, heute Via del Corso 18, befindet sich das Museum ''[[Casa di Goethe]]'', das sich vor allem den Aufenthalten Goethes in Rom und Italien widmet. und stand in regem Austausch mit anderen Mitgliedern der deutschen Kuenstlerkolonie in Rom, darunter [[Angelika Kauffmann]], Philipp Hackert, [[Friedrich Bury]] und dem Schweizer [[Heinrich Meyer (Maler)|Johann Heinrich Meyer]], der ihm spaeter nach Weimar folgen und dort unter anderem sein kuenstlerischer Berater werden sollte. In freundschaftlicher Verbindung stand er auch mit dem Schriftsteller [[Karl Philipp Moritz]]; im Gespraech mit diesem bildeten sich die kunsttheoretischen Anschauungen aus, die spaeter grundlegend fuer Goethes "klassische" Auffassung werden sollten. Goethe lernte in Italien die Bau- und Kunstwerke der [[Antike]] und der [[Renaissance]] kennen und bewundern; seine besondere Verehrung galt [[Raffael]] und dem Architekten [[Andrea Palladio]]. Unter Anleitung seiner Kuenstlerfreunde uebte er sich mit grossem Ehrgeiz im Zeichnen; etwa 850 Zeichnungen Goethes sind aus der italienischen Zeit erhalten. Erst jetzt entschied er, nicht zum Kuenstler, sondern zum Dichter geboren zu sein. Auch mit literarischen Arbeiten beschaeftigte er sich in Italien: Unter anderem brachte er die bereits in [[Prosa]] vorliegende ''Iphigenie'' in Versform, vollendete den zwoelf Jahre zuvor begonnenen ''[[Egmont (Goethe)|Egmont]]'' und setzte den ''[[Torquato Tasso (Goethe)|Tasso]]'' fort; daneben beschaeftigte er sich mit botanischen Studien. Vor allem aber "lebte" er: "|Im Schutze des [[Anonymitaet|Inkognitos]] (den deutschen Freunden war seine wahre Identitaet jedoch bekannt) konnte er sich in einfachen Gesellschaftsschichten bewegen, seiner Freude an Spielen und Spaessen freien Lauf lassen und erotische Erfahrungen machen.Literatur |Autor=[[Roberto Zapperi]] |Titel=''Das Inkognito - Goethes ganz andere Existenz in Rom'' |Auflage=1 |Verlag=C.H. Beck |Ort=Muenchen |Jahr=1999 |Seiten=95 ff. und 133 ff |ISBN=978-3-406-60471-3 Die Reise wurde fuer Goethe zu einem einschneidenden Erlebnis; er selbst sprach von einer "Wiedergeburt", die er in Italien erfahren habe. An ihrem Ende hatte er sich selber wiedergefunden und beschlossen, seine Taetigkeit kuenftig auf das zu beschraenken, was ihm seinem Wesen gemaess schien. Basierend auf seinen Tagebuechern verfasste er zwischen 1813 und 1817 die ''[[Italienische Reise]]''. === Zeit der Weimarer Klassik === ==== Beziehung zu Christiane Vulpius ==== [[''Christiane Vulpius'', Zeichnung von Johann Wolfgang von Goethe]] Wenige Wochen nach seiner Rueckkehr machte Goethe die 23-jaehrige [[Christiane Vulpius]] zu seiner Geliebten und bald darauf auch Lebensgefaehrtin. Im Dezember 1789 wurde der Sohn [[August von Goethe|August]] geboren; vier darauffolgende Kinder sollten jeweils nur einige Tage leben. Noch im Spaetsommer 1790 machte Goethe auf seiner Reise nach Schlesien der 21-jaehrigen [[Henriette von Schuckmann|Henriette von Luettwitz]] einen Heiratsantrag. Der wenig gebildeten, aus einfachen Verhaeltnissen stammenden Christiane blieb der Zugang zur Weimarer Gesellschaft, in der Goethe sich bewegte, verschlossen. Sie galt dort als ordinaer und vergnuegungssuechtig, erschwerend kam die Illegitimitaet des unstandesgemaessen Verhaeltnisses hinzu. Goethe schaetzte ihr natuerliches, froehliches Wesen. Er hielt an der Verbindung mit seinem "kleinen Eroticon" bis an Christianes Lebensende 1816 fest, erleichterte ihre gesellschaftliche Stellung aber erst 1806 durch eine Heirat. ==== Amtliche Aufgaben und Politik ==== Nach seiner Rueckkehr liess Goethe sich vom Herzog von den meisten seiner amtlichen Pflichten entbinden; den Sitz im ''Consilium'' und damit die Moeglichkeit politischer Einflussnahme behielt er jedoch bei. Er uebernahm nun eine Reihe von Aufgaben aus dem kulturellen und wissenschaftlichen Bereich, darunter die Leitung der Zeichenschule und die Aufsicht ueber das oeffentliche Bauwesen. Von 1791 bis 1817 leitete er das Weimarer Hoftheater - eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nahm, war er doch fuer saemtliche Belange zustaendig, von der Auswahl der Stuecke ueber deren Inszenierung bis zur Finanzplanung. Daneben war Goethe in Angelegenheiten der zum Herzogtum gehoerenden [[Friedrich-Schiller-Universitaet Jena|Universitaet Jena]] beratend taetig. Seiner Unterstuetzung ist die Berufung einer Reihe namhafter Professoren zu verdanken, darunter [[Johann Gottlieb Fichte]], [[Georg Hegel]], [[Friedrich Schelling]] und [[Friedrich Schiller]]. Nachdem ihm 1807 die Aufsicht ueber die Universitaet uebertragen worden war, setzte Goethe sich vor allem fuer den Ausbau der naturwissenschaftlichen Fakultaet ein. Zu Goethes Pflichten gehoerte auch eine dreimonatige Reise nach [[Venedig]] 1790, um die von ihrer Italienreise zurueckkehrende Herzoginmutter abzuholen. Die Hochstimmung der ersten Italienreise wiederholte sich jedoch nicht, enttaeuscht registrierte der Dichter nun auch die politischen und sozialen Missstaende im Land. 1789 wurde Europa durch die [[Franzoesische Revolution]] erschuettert, der Goethe ablehnend gegenueberstand. Er war ein Befuerworter allmaehlicher Reformen im Sinne der [[Aufklaerung]] und fuehlte sich insbesondere durch die Gewaltexzesse im Gefolge der Revolution abgestossen; andererseits sah er die Schuld dafuer aber beim [[Ancien Régime]]. Rueckblickend sagte er spaeter: "|Auch war ich vollkommen ueberzeugt, dass irgendeine grosse Revolution nie Schuld des Volkes ist, sondern der Regierung. Revolutionen sind ganz unmoeglich, sobald die Regierungen fortwaehrend gerecht und fortwaehrend wach sind, so dass sie ihnen durch zeitgemaesse Verbesserungen entgegenkommen und sich nicht so lange straeuben, bis das Notwendige von unten her erzwungen wird.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=41 f. |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=Im Gespraech mit Eckermann am 27. April 1825 1792 begleitete Goethe den Herzog auf dessen Wunsch in den [[Erster Koalitionskrieg|ersten Koalitionskrieg]] gegen das revolutionaere Frankreich. Drei Monate lang erlebte er als Beobachter das Elend und die Gewalttaten dieses Krieges, der mit einem franzoesischen Sieg endete. Wiederum drei Monate war der Dichter im Sommer 1793 unterwegs, um auf Wunsch des Herzogs die [[Belagerung von Mainz (1793)|Belagerung von Mainz]] mitzuerleben. 1796 trat das Herzogtum dem preussisch-franzoesischen [[Friede von Basel|Sonderfrieden von Basel]] bei. Die nun folgende zehnjaehrige Friedenszeit ermoeglichte mitten im vom Kriegsgeschehen erschuetterten Europa die Bluete der [[Weimarer Klassik]]. ==== Naturwissenschaft, Dichtung, Bund mit Schiller ==== [[Datei:JohannWolfgangVonGoethe FriedrichBury.jpg|miniatur|hochkant|''Johann Wolfgang von Goethe'', Postkarte nach einer Kreidezeichnung von Friedrich Bury, 1800 (Goethe war in mittleren Jahren voruebergehend recht korpulent: "|… was das Aeussere betrifft, so sagen die Leute, ich sei nach und nach dick geworden.)Literatur |Autor=Emil Schaeffer, Joern Goeres |Titel=''Goethe. Seine aeussere Erscheinung'' |Verlag=Insel-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=1999 |Seiten=105 |ISBN=978-3-458-33975-5 |Kommentar=aus einem Schreiben Goethes an Kestner 1798]] [[Datei:Schiller, Friedrich (Weitsch).jpg|miniatur|hochkant|''Friedrich Schiller'', Zeichnung von [[Friedrich Georg Weitsch]], 1804]] In den Jahren nach seiner Italienreise beschaeftigte Goethe sich zunaechst vor allem mit der Naturforschung. 1790 veroeffentlichte er seinen ''[[Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklaeren]]'', ausserdem begann er mit seinen Untersuchungen zur [[Zur Farbenlehre|Farbenlehre]], die ihn bis ans Lebensende beschaeftigen sollte. Dagegen gelangte die dichterische Produktion zunaechst zu einem gewissen Stillstand; Ursache waren seine Entfremdung vom einstigen Freundeskreis und dessen Desinteresse, die Erschuetterungen durch die Revolution und der augenblickliche Publikumserfolg von Werken, die Goethes neu erworbener klassischer Kunstanschauung diametral entgegenstanden. Zu den Werken der fruehen 1790er Jahre gehoeren die bald nach seiner Rueckkehr entstandenen ''[[Roemische Elegien|Roemischen Elegien]]'', eine Sammlung erotischer Gedichte, die nicht nur die Erinnerung an die amouroesen Abenteuer seiner ersten Italienreise, sondern auch den Ausdruck seiner Leidenschaft fuer Christiane in die Formen antiker Dichtung kleiden. Der zweiten Italienreise entsprangen die ''[[Venezianische Epigramme|Venetianischen Epigramme]]'', eine Sammlung von [[Bonmot]]s und Spottgedichten auf die europaeischen Zustaende. 1792/93 setzte er das bekannte Tierepos von [[Reineke Fuchs (Goethe)|Reineke Fuchs]] in [[Hexameter]]. Unter den Eindruecken der Revolution entstand eine Reihe satirischer, antirevolutionaerer, aber auch antiabsolutistischer Komoedien: ''[[Der Gross-Cophta]]'' (1791), ''[[Der Buergergeneral]]'' (1793) und das Fragment ''Die Aufgeregten'' (1793). "|Sie alle dokumentieren Goethes scheiterndes Bemuehen, revolutionaeres Geschehen angemessen in ein Buehnenspiel umzusetzen.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=31 f |ISBN=978-3-761-08199-0 Im Sommer 1794 bat der als Geschichtsprofessor im nahen Jena (ab Ende 1799 in Weimar) lebende Friedrich Schiller Goethe um dessen Mitarbeit an einer von ihm geplanten Zeitschrift fuer Kultur und Kunst, den ''[[Die Horen (Schiller)|Horen]]''. Die beiden Dichter waren in der Vergangenheit bereits mehrfach zusammengetroffen, ohne dass sich daraus eine engere Beziehung entwickelt haette. Nach der Zusage Goethes stellten sie nun fest, dass sie in der Ablehnung der Revolution ebenso uebereinstimmten wie in der Hinwendung zur Antike als hoechstem kuenstlerischen Ideal; dies war der Beginn eines intensiven Arbeitsbuendnisses, aus dem zwar alles Persoenlichere ausgeklammert war, das jedoch gepraegt war von tiefem Verstaendnis fuer das Wesen und die Arbeitsweise des anderen. In der gemeinsamen Eroerterung aesthetischer Grundsatzfragen entwickelten beide eine Literatur- und Kunstauffassung, die als "Weimarer Klassik" zur literarhistorischen Epochenbezeichnung werden sollte. Goethe, dessen literarisches Schaffen, ebenso wie dasjenige Schillers, zuvor ins Stocken gekommen war, betonte mehrmals die anregende Wirkung der Zusammenarbeit mit dem zehn Jahre Juengeren: "|Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht.Literatur |Autor=[[Karl Otto Conrady]] |Titel=''Dichtung und Wahrheit'' |Band=2 |Verlag=Athenaeum-Verlag |Ort=Frankfurt am Main |Jahr=1982 |Seiten=106 |ISBN=978-3-761-08199-0 |Kommentar=in einem Brief an Schiller vom 6. Januar 1798 Beide Dichter nahmen lebhaften theoretischen und praktischen Anteil an den Werken des anderen. So beeinflusste Goethe Schillers ''[[Wallenstein (Schiller)|Wallenstein]]'', waehrend dieser die Entstehung von Goethes Roman ''[[Wilhelm Meisters Lehrjahre]]'' kritisch begleitete und ihn zur Fortfuehrung des ''Faust'' ermunterte. Wichtig waren auch gemeinsame publizistische Projekte. Zwar beteiligte Schiller sich kaum an Goethes kurzlebiger Kunstzeitschrift ''[[Propylaeen (Zeitschrift)|Propylaeen]]''; dieser jedoch veroeffentlichte zahlreiche Werke in den ''Horen'' und den ebenfalls von Schiller herausgegebenen ''[[Musen-Almanach]]en''. Der ''Musen-Almanach fuer das Jahr 1797'' brachte eine Sammlung gemeinschaftlich verfasster Spottverse, die ''[[Xenien]]''. Im ''Musen-Almanach'' des Folgejahres erschienen die beruehmtesten Balladen beider Autoren, wie Goethes ''[[Der Zauberlehrling]], [[Der Schatzgraeber (Goethe)|Der Schatzgraeber]], Die Braut von Korinth, Der Gott und die Bajadere'' sowie Schillers ''[[Der Taucher]], [[Die Kraniche des Ibykus]], [[Der Ring des Polykrates]], [[Der Handschuh]]'' und ''[[Ritter Toggenburg]]''. Neben den bereits genannten Werken verfasste Goethe in dieser Periode die ''[[Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten]]'' und das Versepos ''[[Hermann und Dorothea]]'', das aktuelles Zeitgeschehen in das Gewand des klassischen Hexameters kleidet. Mit diesem Werk gelang Goethe der einzige "klassische" Publikumserfolg. Mit dem Tod Schillers 1805 endete die praegende Periode der Weimarer Klassik.Literatur |Autor=Dieter Borchmeyer |Titel=''Schnellkurs Goethe'' |Verlag=Dumont |Ort=Koeln |Jahr=2005 |Seiten=130 |ISBN=978-3-832-17628-0 === Der spaete Goethe === [[Datei:JW Goethe - Kuegelgen.jpg|miniatur|''Johann Wolfgang von Goethe'', Oelgemaelde von [[Gerhard von Kuegelgen]], 1808/1809 (das repraesentative Gemaelde zeigt den Dichter mit dem [[Russischer Orden der Heiligen Anna|russischen St.-Annen-Orden]] und dem roten Band der [[Ehrenlegion]])]] [[Datei:Louise Seidler - J. W. Goethe 1811.jpg|miniatur|Goethe 1811 (Pastellzeichnung von [[Louise Seidler]])]] Den Tod Schillers im Jahr 1805 empfand Goethe als einschneidenden Verlust. In dieser Zeit setzten ihm zudem verschiedene eigene Krankheiten (Gesichtsrose, Nierenkoliken) zu. Ein tiefer Einschnitt in Goethes Leben war neben dem Verlust des Weggefaehrten der sich [[Vierter Koalitionskrieg|abzeichnende Krieg]] mit [[Napoleon Bonaparte]]. Im Geiste sah Goethe sich mit seinem Herzog bereits bettelnd und [[asyl]]suchend durch Deutschland ziehen (seine Neigung zu Pessimismus nannte er seine "schwarze Seite"). Die feste Eheschliessung mit Christiane hinderte Goethe allerdings nicht, bereits 1807 eine tiefe Neigung fuer [[Minna Herzlieb]], die 18-jaehrige Pflegetochter des Buchhaendlers [[Carl Friedrich Ernst Frommann|Frommann]] in Jena, zu entwickeln. Nachklang der inneren Erlebnisse dieser Zeit ist sein letzter Roman ''[[Die Wahlverwandtschaften]]'' (1809). Charakteristisch fuer Goethe ist, wie er in diesem Werk Poesie und Naturforschung verknuepft: In der zeitgenoessischen Chemie gebrauchte man den Begriff der "[[Affinitaet (Chemie)|Wahlverwandtschaft]]" der Elemente. Goethe waere gern das allumfassende Universalgenie gewesen, musste aber vor der "millionenfachen Hydra der Empirie" die Segel streichen. Die Fuelle des Stoffs war nicht mehr zu erfassen. Immerhin bereitete er ab 1806 eine neue Gesamtausgabe seiner Werke (bei [[Cotta'sche Verlagsbuchhandlung|Cotta]] in Stuttgart) vor; hierfuer schloss er auch endlich den [[Faust. Eine Tragoedie.|ersten Teil des ''Faust'']] ab. 1809 begann Goethe eine Autobiographie zu verfassen. Ein Jahr spaeter veroeffentlichte er die sehr aufwendig ausgestattete ''Farbenlehre''. Er forschte in den Literaturen des Auslands und aller Zeitalter. Als die Menschen sich gegen die franzoesische Fremdherrschaft erhoben, fluechtete Goethe geistig in den Nahen Orient: Er begann das Studium des Arabischen und Persischen, las im Koran und Verse des persischen Dichters [[Hafis]]. Als [[Bettina von Arnim|Bettina Brentano]] in Weimar auftauchte, half sie mit dem von seiner Mutter erhaltenen Wissen ueber Goethes Jugend beim Fortgang der Lebensbeschreibung ''[[Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit]]''. Diese Darstellung versah Goethe spaeter mit zahlreichen Nachtraegen, unter anderem in den ''Annalen'' und in der ''Italienischen Reise von 1786 bis 1788''. Als Sekretaer wurde ihm [[Friedrich Wilhelm Riemer|Friedrich Riemer]] (seit 1805 Erzieher seines Sohnes) bald unentbehrlich; mit [[Carl Friedrich Zelter]], dessen Musik seinen Ohren angenehmer klang als das "Getoese" [[Ludwig van Beethoven|Beethovens]], begann er einen ueber 30 Jahre anhaltenden und ausgedehnten Briefwechsel (1799-1832), da er sich von ihm nicht nur in Fragen der Musik aufs freundschaftlichste verstanden fuehlte. 1814 reiste Goethe in die Rhein- und Maingegend. In Frankfurt traf er den Bankier Johann Jakob von Willemer und dessen Partnerin [[Marianne von Willemer|Marianne Jung]], die wenige Wochen spaeter, noch waehrend Goethes Anwesenheit und auf seinen Rat hin, heirateten. Goethe war zwar 65 Jahre, fuehlte sich jedoch keineswegs zu alt und verliebte sich in Marianne. Sie wurde zur Muse und Partnerin in der Dichtung. Goethe besuchte die Willemers im folgenden Jahr wieder - ein letztes Mal sah er die Heimat. Auf die spaeteren Einladungen der Willemers antwortete er nicht mehr. Aber es entstanden weiter Verse von Nachtigall und Rose, Wein und Liebe, bis er den ''[[West-oestlicher Divan|West-oestlichen Divan]]'' abschloss. Im Jahre 1850 enthuellte Marianne gegenueber [[Herman Grimm]], dass einige der Liebesgedichte in dieser Sammlung von ihr stammten. ==== Konzentration und Werkaufarbeitung ==== 1816 starb Goethes Frau Christiane nach langer Krankheit. 1817 konnte er die Leitung des Hoftheaters abgeben. Die Schwiegertochter kuemmerte sich fortan um sein Wohl. Das kleine Herzogtum war - entgegen Goethes Befuerchtungen - unbeschadet aus den Wirren der napoleonischen Kriege hervorgegangen, Carl August durfte sich sogar "Koenigliche Hoheit" nennen. Waehrend es in den Koepfen der Studenten in Jena und anderswo brannte, schuf Goethe Ordnung in seinen Papieren. In diesen Jahren entstand ''Geschichte meines botanischen Studiums'' (1817), bis 1824 folgten in der Schriftenreihe ''Zur Naturwissenschaft ueberhaupt'' Gedanken unter anderem zu Morphologie, Geologie und Mineralogie. (Hier findet sich auch die Darstellung der ''Morphologie der Pflanzen'' in Form einer [[Elegie]], die er bereits um 1790 fuer seine Geliebte verfasst hatte.) In dieser Zeit stand er auch in Kontakt mit dem [[Forstwissenschaft]]ler [[Heinrich Cotta]], den er bereits 1813 erstmals in [[Tharandt]] aufgesucht hatte. Er schloss Freundschaft mit [[Karl Friedrich Reinhard]] und [[Kaspar Maria von Sternberg]]. Zeitweise widmete sich Goethe [[Mystik|mystischen]] Aspekten, die ihren Niederschlag in ''Urworte. Orphisch'' fanden. Die Tagebuecher und lange liegengebliebene Notizen dienten ihm zur Aufarbeitung der ''[[Italienische Reise|Italienischen Reise]]''. 1821 folgte ''[[Wilhelm Meisters Wanderjahre]]'', eine Sammlung kleiner Novellen. Goethe waehlte nun [[Marienbad]] als Kurort. ==== Die letzten Werke und Reisen ==== [[Datei:Johann Joseph Schmeller - Goethe seinem Schreiber John diktierend, 1831.jpg|miniatur|''Goethe diktiert in seinem Arbeitszimmer dem Schreiber John'', Oelgemaelde von [[Johann Joseph Schmeller]], 1829/31]] [[Datei:Ilmenau Goethehaeuschen.jpg|miniatur|"Goethehaeuschen" in Ilmenau]] 1823 erkrankte Goethe an einer [[Herzbeutelentzuendung]]. Nachdem er sich erholt hatte, wurde er geistig lebendiger als zuvor. Der Greis hielt ernsthaft um die Hand der 19-jaehrigen [[Ulrike von Levetzow]] an, die er mit ihrer Mutter in Karlsbad kennengelernt hatte. Sie wies ihn jedoch ab. Auf der Heimreise schrieb er sich die Enttaeuschung mit der ''[[Marienbader Elegie]]'' von der Seele. Dann wurde es immer stiller und friedlicher in ihm und um ihn. Seine Tage verbrachte er immer einsiedlerischer, "|allzeit beschaeftigt, die Kraefte zu nutzen, die (…) noch geblieben waren. Er nahm die Arbeit am [[Faust. Der Tragoedie zweiter Teil|zweiten Teil des ''Faust'']] wieder auf. Er schrieb kaum noch selbst, sondern diktierte. So konnte er nicht nur einen umfangreichen Briefwechsel bewaeltigen, sondern auch seine Erkenntnisse und Lebensweisheiten in weit ausholenden Gespraechen dem ihm ergebenen jungen Dichter [[Johann Peter Eckermann]] anvertrauen. 1828 starb Goethes Goenner Karl August, 1830 sein Sohn [[August von Goethe|August]]. In demselben Jahr schloss er die Arbeit am zweiten Teil des ''Faust'' ab. Es war ein Werk, an dem ihm das (jahrelange) Werden das Wichtigste war, formal ein Buehnenstueck, tatsaechlich kaum auf der Buehne spielbar, eher ein phantastischer Bilderbogen, vieldeutig wie viele seiner Dichtungen. Schliesslich schaltete er sich noch in die Kontroverse der beiden [[Palaeontologie|Palaeontologen]] [[Georges Cuvier]] und [[Étienne Geoffroy Saint-Hilaire]] ([[Katastrophismus]] vs. kontinuierliche Entwicklung der Arten) ein. Geologie und Entwicklungslehre beschaeftigten ihn ebenso wie der [[Regenbogen]], den er mittels seiner Farbenlehre nie hatte erklaeren koennen. Auch die Frage, wie Pflanzen wachsen, liess ihn nicht los. Noch wenige Wochen vor seinem Tod diktierte er an [[Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder|Ferdinand Wackenroder]]:Literatur |Autor=Georg Schwedt |Titel=''Goethe als Chemiker'' |Verlag=Springer |Ort=Berlin, Heidelberg, New York |Jahr=1998 |ISBN=3-540-64354-0 Zitat|Es interessiert mich hoechlich, inwiefern es moeglich sei, der organisch-chemischen Operation des Lebens beizukommen, durch welche die Metamorphose der Pflanzen nach einem und demselben Gesetz auf die mannigfaltigste Weise bewirkt wird - allein mir scheint offenbar, dass die durch die Wurzel aufgesogene Feuchtigkeit schon durch sie veraendert wird und, wie die Pflanze sich gegen das Licht erhebt. Daher kam der Wunsch, dem Sie so freundlich entgegenarbeiteten, die Luftart, wodurch die Schoten sich aufblaehen, naeher bestimmt zu sehen. Im August 1831 zog es Goethe nochmals in den Thueringer Wald, dahin, wo er einst seine ersten naturwissenschaftlichen Anregungen bekommen hatte, und er begab sich nach Ilmenau. 51 Jahre nachdem er 1780 an eine Bretterwand in der Jagdhuette "Goethehaeuschen" auf dem [[Kickelhahn]] bei [[Ilmenau]] sein bekanntes Gedicht ''[[Wandrers Nachtlied]]'' ("Ueber allen Gipfeln ist Ruh …") geschrieben hatte, besuchte er diese Wirkstaette 1831 kurz vor seinem letzten Geburtstag erneut. ==== Tod ==== Am 22. Maerz 1832 starb Goethe, vermutlich an einem [[Myokardinfarkt|Herzinfarkt]].Literatur |Autor=Klaus Seehafer |Titel=''Mein Leben, ein einzig Abenteuer - Johann Wolfgang Goethe, Biografie'' |Verlag=Aufbau-Verlag |Ort=Berlin |Jahr=2000 |Seiten=458 |ISBN=978-3-746-61632-2 Dass seine [[Letzte Worte|letzten Worte]] gelautet haben sollen: "Mehr Licht!", ist umstritten. Die Aussage geht auf seinen Arzt [[Carl Vogel (Leibarzt)|Carl Vogel]] zurueck, der sich jedoch im betreffenden Moment nicht im Sterbezimmer aufhielt.Internetquelle |autor=Carl Vogel | herausgeber=''Universitaet Giessen'' |titel=''Carl Vogel: Die letzte Krankheit Goethe's (…). Nebst einer Nachschrift von C.W. Hufeland. In: Journal der practischen Heilkunde (1833)'' |jahr=1961 |url=http://www.uni-giessen.de/gloning/tx/1833cvog.htm |zugriff=2013-01-08 |kommentar=in: Journal der practischen Heilkunde (1833) Goethe wurde am 26. Maerz in der [[Weimarer Fuerstengruft]] bestattet. Sowohl sein [[Goethes Wohnhaus|Weimarer Wohnhaus]] als auch sein [[Goethes Gartenhaus|Gartenhaus]], in denen etliche seiner Werke entstanden sind, zaehlen heute zum [[UNESCO]]-[[Weltkulturerbe]].